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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Waren Jakob und Josef Hyksos? |
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Die HyksosZwischen 1650 und 1544 regierten in Ägypten asiatische Herrscher, von denen auch einige semitische Namen tragen. Wir wissen von ihnen nur wenig, weil die ägyptischen Quellen sich über diese beschämende Zeit ausschweigen. Salitis und BnōnDer ägyptische Geschichtsschreiber Manetho (3" v. Chr.) nennt als ersten Hyksos Σαλιτις Salitis und dessen Nachfolger Βνων Bnōn. Nun drängt sich geradezu die Vermutung auf, dass das keine Namen, sondern semitische Wörter sind:
Der erste Hyksos hieß also nicht Salitis, sondern nannte sich so, und der zweite war der Sohn des ersten. Der Ägypter Manetho schöpft also hier aus semitischer Überlieferung! Das Wort שליט šallîṭ 'Herrscher' kommt ebenso wie das zugehörige Verbum שלט šálôṭ 'herrschen' auch in der Bibel vor, u. zw. hauptsächlich in jungen Texten (שלט šálôṭ in Pred 4x, in Neh 1x, Ps 119, 133; שליט šallîṭ in Pred 3x). Es scheint also ein aramäisches Lehnwort für משל mášôl 'herrschen', מושל môšél 'Herrscher' zu sein. Nun gibt es aber doch noch eine Stelle, Gen 42,6, wo Josef als שליט šallîṭ im Land bezeichnet wird, also nicht gerade König (Pharao), aber doch derjenige, der die tatsächliche Regierungsgewalt ausübt (Wesir). Da שליט šallîṭ im Hebräischen ein Fremdwort ist, können wir annehmen, dass hier der Originaltitel Josefs überliefert ist. An anderer Stelle wird die Würde Josefs mit אב áb 'Vater für Pharao', אדון ádôn 'Herr' und משל môšél 'Herrscher' umschrieben (45,8.9). ApakhnanWenn sich aber Josef tatsächlich שליט šallîṭ nannte, liegt es nahe, ihn mit dem Hyksos Salitis in Verbindung zu bringen. Wer aber war dann Bnōn 'sein Sohn"? Hier drängt sich die Vermutung auf, dass der 3. Name (A)παχναν (A)pakhnan eigentlich der Name des Sohnes, also Nr. 2 und nicht Nr. 3 ist. Auch hier gibt es einen Anhaltspunkt in der Bibel: Nach Gen. 41,45 bekam Josef den ägyptischen Namen צפנת פענח Ṣapnat Paʕnéaḥ. Das zweite Namensglied פענח Paʕnéaḥ erinnert an den Namen des "3." Hyksos Apakhnan. Entweder sind hier die Buchstaben vertauscht: עפחנן < פענח Paʕnéaḥ > ˁApaḥnan oder aber steht das χ <kh> in Manethos Απαχναν Apakhnan für hbr. ע <ʕ>. Dass eine Buchstabenvertauschung nicht unwahrscheinlich ist, zeigt die griechische Umschrift des Namens in der Septuaginta: Ψοντομ-φανηχ Psontom-phanēkh : evtl. ägypt. psn jtm p3 ‘nḫ 'Brot (des Gottes) Atum, das Leben'. Hier sind auf jeden Fall /sp/ und /ps/ vertauscht. Regierungszeiten nach ManethoManetho überliefert nun aber nicht nur die Namen der Herrscher, sondern auch ihre Regierungszeiten:
Gehen wir aber davon aus, dass Bnōn und Apakhnan dieselbe Personen sind, so hätten sie eine gemeinsame Regierungszeit von 80 Jahren. Das entspricht aber genau der Regierungszeit von Josef in der Bibel: Mit 30 wurde er Wesir (Gen 41,46), mit 110 starb er (50,26). Die 19 Jahre des Salitis dagegen erinnern an die 17 Jahre, die sich Jakob in Ägypten aufhielt (47,28), wobei allerdings ein Unterschied von 2 Jahren bleibt, den ich nicht erklären kann. Es legt sich also der Gedanke nahe, dass mit Salitis nicht Josef, sondern Jakob gemeint war. Dazu scheint zu passen, dass einer der Hyksos Jaˁqub-Haru hieß. Die Bibel freilich weiß nichts davon, dass Jakob in Ägypten ein Regierungsamt innegehabt hätte, sondern geht davon aus, dass Josef seit seinem 30. Lebensjahr königlicher Hausmeier und Wesir in Ägypten war und dieses Amt gegebenenfalls bis zu seinem Tod mit 110 Jahren innehatte. 110 Jahre dauerte aber nach allgemeiner Überzeugung die Hyksoszeit überhaupt. Manetho nennt nicht nur 3, sondern 6 Namen (Parallelen bei Africanus) mit einer Regierungszeit von zusammen 259 Jahren und 9 Monaten:
Es müssen also mehrere Herrscher gleichzeitig regiert haben. Auch die aus Inschriften wohlbekannten Hyksos Apopis I-III. und Chian könnten zusammen den Zeitraum von ca. 110 Jahren Hyksos-Herrschaft füllen. Waren Jakob und Josef Hyksos?Leider schweigt sich die Bibel genauso über diese dunkle Zeit aus wie die ägyptischen Quellen. Manetho wusste offenbar von den inschriftlich gesicherten Apopis und Chian (Iannas) und scheint bei den ersten drei Namen aus semitischen Quellen geschöpft zu haben, die möglicherweise auch in die Josefsgeschichte eingeflossen sind: Der Titel שליט šallîṭ = Σαλιτις Salitis und der ägyptisch klingende Name פענח Paʕnéaḥ = Απαχναν Apakhnan = äg. p3 ʕnḫ sprechen ebenso dafür wie die sehr lange Regierungszeit Josefs von 110 Jahren, die der Hyksoszeit entspricht. Merkwürdig ist auch das Nebeneinander des biblischen Namens Jakob und des Hyksos-Namens Jaʕqub-Haru. Schließlich scheint auch die steile Karriere Josefs in eine Zeit zu passen, als in Ägypten die Asiaten den Ton angaben. Auffallend ist schließlich auch, dass nach ägyptischen Quellen die Hyksos wie die Erzväter einem einzigen Gott "Seth" den Vorzug gaben (interpretatio Aegyptica für einen asiatischen Gott, später = Baal), und dass der Lebensbereich Jakobs (von Haran bis Ägypten) ziemlich genau dem Herrschaftsbereich der Hyksos entspricht. Es ist sicher falsch, die Josefsgeschichte als historisch zuverlässige Quelle anzusehen; aber sie ist eben auch nicht ganz unhistorisch, sondern enthält offenbar viele richtige Erinnerungen. Wir können die biblische Uberlieferung aber nicht an der von Manetho messen, denn Manetho ist seinerseits unzuverlässig. Er wusste über die Hyksoszeit auch nicht mehr als die Bibel. Um zu einem historisch zutreffenden Bild zu kommen, müssten wir wahrscheinlich sämtliche Quellen zusammennehmen (auch die Bibel), um ein bisschen Licht auf die dunklen Verhältnisse zu werfen. Material über die Hyksos
Hatschepsut: Ich habe
wiederhergestellt, was zerstört war. Ich habe aufgerichtet, was zerfallen
war, seit die Asiaten mitten in Auaris im Delta waren und entwurzelte
Strolche unter ihnen, die das umstürzten, was geschaffen war, denn sie
herrschten ohne Re, und er handelte. nicht durch göttliches Geheiß bis zur
Regierung seiner Majestät... Ich habe in die Ferne
getrieben, die den Göttern ein Greuel sind, und die Erde hat ihre
Fußspuren hinweggetragen.
Meyer 314f zum Namen der Hyksos: S. 316 Papyrus Sallier: König Apopi machte sich den Seth zum Herrn und diente keinem der Götter des Landes außer Seth und erbaute ihm einen prächtigen Tempel bei seinem Palast und opferte ihm alle Tage. Manetho: Unerwartet zogen aus dem Osten Menschen unbekannter Rasse siegesbewusst gegen das Land. Leicht eroberten sie es mit Gewalt und, nachdem die die Führer überwältigt hatten, verbrannten sie die Städte grausam und zerstörten die Göttertempel. Die Einwohner behandelten sie auf das grausamste, indem sie die einen erschlugen, die Frauen und Kinder der anderen in die Sklaverei verschleppten. Schließlich machten sie einen von ihnen mit dem Namen Salitis zum König; er residierte in Memphis und erhob Tribut von Ober- und Unterägypten. (Er habe auch die Stadt Auaris gegründet). Zit. Otto 131. |
[1] Manetho und Africanus: Meyer, Geschichte des Altertums 122 S. 317f [2] Rainer Hanig,, Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch 1270 [3] Sohn des Apopis (Stephen Quirke, Who were the Pharaohs? 56)
[4] Rainer Hanig, Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch 563 |
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Datum: 1983 / 2005 Aktuell: 17.05.2013 |
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