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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Jeftahs TochterRichter 11,30-40 |
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Der Text
berichtet zweierlei: Auch der griechische Heerführer Agamemnon opfert
vor dem Trojanischen Krieg seine Tochter Iphigenia,
u. zw. der Göttin Artemis. Auch Iphigenia erklärt sich einverstanden. Aber
im letzten Augenblick wird die Jungfrau entrückt und dient seitdem der
Göttin als Priesterin an einem weit entfernten Ort. V. 39c-40 Es
gibt einen Brauch, dass die "Töchter Israels" vier Tage im Jahr "hingehen
um zu klagen". Merkwürdig ist der Wunsch, zwei Monate "hinzugehen auf die Berge und mit den Gespielinnen ihre Jungfrauschaft zu beweinen". Warum kann sie nicht daheim trauern? Was ist mit "Jungfrauschaft" gemeint? Dem Zusammenhang nach müssen wir annehmen: ihr junges, unerfülltes Leben, ohne Mann und ohne Kinder. Aber so wie's dasteht, könnte man auch verstehen: das Ende ihrer Jungfrauschaft. Hieß es in der ursprünglichen Sage, der Vater hätte sie der Gottheit geweiht, als jungfräuliche Priesterin wie die römischen Vestalinnen oder als Tempelprostituierte? An einen ähnlichen Klagebrauch erinnern auch andere Bibelstellen: Hes 8,14 Und er führte mich zum Eingang des Tores am Hause des HERRN, das gegen Norden liegt, und siehe, dort saßen Frauen, die den Tammus beweinten. Tammus war ein mesopotamischer Fruchtbarkeitsgott, der wie die griechische Persephone in die Unterwelt entführt wird. Da im Monat Tammus (Juni / Juli) die trockenste Jahreszeit ist, wird der Mythos mit dem Absterben der Vegetation im Hochsommer zusammenhängen. Der Tammuskult kam durch mesopotamischen Einfluss Ende der Königszeit nach Jerusalem. Auch Dan 11,37 (Liebling der Frauen) scheint darauf anzuspielen. Ähnlich der westsemitische Adonis. Denselben Sachverhalt symbolisiert auch die griechische Persephone, Tochter der Vegetationsgöttin Demeter, eine Frau wie Jeftahs Tochter. Jer 31,15 Man hört Klagegeschrei und bittres Weinen in Rama: Rahel weint über ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder; denn es ist aus mit ihnen. Nach dem Zusammenhang weint die Ahnfrau um den
Untergang ihrer Kinder, der Nordstämme. Ps 126,5+6 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben. Der Psalm ist ein Danklied für das Ende der
Babylonischen Gefangenschaft, kein Ausdruck der Hoffnung auf Erlösung wie
in der Lutherübersetzung. Dass die "Töchter Israels" vier Tage im Jahr Klage
halten um die Tochter Jeftahs, kann man deuten auf vier zusammenhängende
Tage oder auf vier rituelle Klagefeiern zu verschiedenen Terminen (u. a.
bei der Aussaat und im Hochsommer). Dass sie dazu "hingehen" wie die
Tochter Jeftahs und in Ps 126 scheint auszudrücken, dass sie auch in die
Berge, d.h. in die freie Natur gehen und dass die Trauer gar nicht Jeftahs
Tochter, sondern der gestorbenen Naturgottheit gilt. |
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Datum: 2006 Aktuell: 27.12.2011 |
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