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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Einführung in die PsalmenFerienbibelseminar des Ev. Dekanats Reinheim
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I. Einführung in die Psalmen b) Der Aufbau des älteren Psalters c) Zu den einzelnen Übersetzungen 9. Psalmdichtung und Vertonung i. Wiederbelebung des Palmengesangs ii. Vertonung kurzer Psalm und anderer Bibelverse iii. Wiederentdeckung des Psalmgebets Folgende Seite II. Auslegung einzelner
Psalmen |
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7. Der Aufbau des PsaltersDer Psalter ist ähnlich wie die Mosebücher in fünf Bücher gegliedert: I: 1-41; II: 42-72; III: 73-89; IV 90-106; V 107-150. Daneben ist freilich zu erkennen, dass der jetzige Psalter aus verschiedenen äl teren Sammlungen zusammengesetzt ist, die nach Verfassern und Gattungen geordnet sind:
a) Übersicht über die PsalmenAus dieser Übersicht lassen sich noch weitere Einzelheiten über die Entstehung des Psalters erkennen:
b) Der Aufbau des älteren Psalters:An diesen älteren Psalter wurden die Sammlung der Wallfahrtslieder 120-134 (gemischten Charakters) und die 3. Davidssammlung 138-145 angehängt, dazwischen 3 namenlose Psalmen (Anhang zu den Wallfahrtsliedern?) und der gesamte erweiterte Psalter mit 5 Halleluja-Liedern abgeschlossen:
Der dritte Davidspsalter enthält 6 Klagen, beginnt mit einem Loblied und endet mit einem Preislied. Die meisten Klagen tragen den Titel מזמור mizmôr. Zu den biblischen Psalmgattungen ist noch zu bemerken: Der ungedeutete Ausdruck ךמנצח la-menaṣṣéaḥ (traditionell für den Musikmeister) steht bei Korah und im 2. Davidspsalter bei fast allen Psalmen, im 1. Davidspsalter dagegen nur in 1/3 aller Fälle in Verbindung mit מזמור mizmôr und bei den 7 Davidspsalmen der 3. Sammlung nur in 2 Fällen, wieder in Verbindung mit מזמור mizmôr. In der 2. Sammlung steht bei מכתם miktám immer eine Melodieangabe; davon 3 von 5 mal die Melodie אל־תשחת al-tašḥét vertilge nicht'. Ein Vergleich der drei Psalmen zeigt, dass in Strophenbau und Rhythmus wenig Gemeinsamkeiten bestehen:
Die drei Psalmen lassen sich also nicht im modernen Sinn nach einer Melodie singen; es ist jedoch ohne weiteres möglich, sie im gleichen gregorianischen Sprechgesang vorzutragen, weil hier die Länge der Zeilen und die Länge des Psalms nicht maßgeblich ist. Wie sie freilich zur Zeit des AT gesungen wurden, wissen wir nicht. Während also bei מכתם miktám Angaben über die Melodie stehen, ist in der 2. Sammlung der Ausdruck משכיל maśkîl mit Bemerkungen über die musikalische Gestaltung verbunden mit Saiten oder Reigen. Derartige Bezeichnungen finden sich in geringer Zahl noch bei den mizmôr -Psalmen der 1. Sammlung sowie bei einem mizmôr Korahs. Abgesehen von einer gewissen inhaltlichen Ordnung (oft nach Verfasser und Thema) hat man die Psalmen manchmal so aneinander gereiht, dass man sie im Zusammenhang beten kann. So folgt dem Klagepsalm 23 am Ende ein Danklied und anschließend das Vertrauensbekenntnis Der HERR ist mein Hirte, darauf die "Torliturgie" Ps 24, die man so verstehen kann, dass der Beter der beiden vorigen Psalmen eine Wallfahrt zum Tempel macht. 8. Psalmenübersetzung (Beispiel Ps 98)a) Ein Vergleich der verschiedenen Psalmenübersetzungen lässt deutlich die Schwierigkeiten dieser Arbeit erkennen:Es ist nahezu unmöglich, den hebräischen Sinnreim im Deutschen exakt wiederzugeben, da sich die Begriffsfelder nicht genau entsprechen, und da es im Deutschen nicht genau dieselben Synonympaare gibt. Beispiel: V 9: צדק ṣädäḳ / משרים mešárîm:
b) Die verschiedenen Übersetzungen kämpfen mit dem Versmaß.V. 2 und 3 sind rhythmisch überladen, ebenso V. 9, und können in der Übersetzung in verschiedene Verszeilen angeordnet werden. Das Versmaß ist wichtig, wenn die Psalmen gesungen werden sollen. Die Lutherübersetzung von l b denn Er tut Wunder ist für den Psalmengesang zu kurz; die Einheitsübersetzung schreibt daher denn ER hat wunderbare Taten vollbracht. Die Zürcher Bibel löst das Problem mit dem Versmaß auf ihre Weise, indem sie davon ausgeht, dass in V 3a etwas ausgefallen ist: dem Sinnreim Gnade/ Treue müsste Haus Israel/ Jakob entsprechen; die beiden Halbverse werden also aufgelöst in vier:
c) Zu den einzelnen ÜbersetzungenIch konnte damals noch nicht auf die nach 1986 erschienen Übersetzungen eingehen. i. Lutherhatte seinerzeit große Schwierigkeiten, den hebräischen Text zu verstehen, weil die hebräische Sprachwissenschaft der Christen noch in den Kinderschuhen steckte. Luther zog daher, um den Text überhaupt verstehen zu können, den lateinischen Text zu Rate. Heute stehen uns zu vielen Begriffen wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung, die uns erkennen lassen, dass z.B. das hbr. Wort אמונה ämûnâ in V. 3, das die lateinische Bibel mit veritas 'Wahrheit' übersetzt, in diesem Fall 'Treue' bedeutet (Gnade 'Solidarität' und Treue sind Parallelbegriffe für ein loyales Verhalten), obwohl dasselbe Wort in anderen Fällen auch 'Wahrheit' bedeuten kann. Die Lutherübersetzung von 1964 hat darum nicht nur altertümliche Ausdrücke (Drometten) ersetzt, sondern auch die neuen Erkenntnisse über die Wortbedeutung berücksichtigt. Ein Vergleich mit den anderen Übersetzungen zeigt leicht, dass die Lutherübersetzung ungenau ist. Das war auch gar nicht Luthers Anliegen, sondern er versuchte, ein gutes und verständliches Deutsch zu finden. Dies lässt sich an zwei Beispielen zeigen:
Probleme hatte Luther mit den hebräischen Zeitformen, bei denen nicht zu erkennen ist, ob sie als Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft übersetzt werden müssen. Daher ist V 1b Er tut Wunder falsch; es muss mit der Vergangenheit übersetzt werden (hat Wunder getan). ii. Die Zürcher Bibel (1931)zeichnet sich durch große Genauigkeit aus (siehe V 1b.2.8), ist aber in ihren Formulierungen im Vergleich zu Luther etwas hölzern, wie V 7 zeigt Es brause das Meer klingt eleganter als Es donnere und wird eigentlich auch von den anderen Übersetzungen übernommen (außer von Buber, der sein eigenes Vokabular hat). Eine Besonderheit der Zürcher Bibel ist, dass sie die Ergebnisse der Textforschung versucht zu berücksichtigen und an einigen Stellen den überlieferten Text korrigiert . iii. Die Gute Nachricht (1970er Jahre)legt mehr Wert auf ein gutes Deutsch auf Genauigkeit; sie umschreibt mehr, als dass sie übersetzt. Trotzdem versucht sie der rhythmischen Sprache des Psalters gerecht zu werden. Beispiele für ihre stilistischen Mittel:
iv. Die Einheitsübersetzung (1970er-Jahre)sollte eigentlich eine gemeinsame Übersetzung beider Konfessionen sein. Das NT und die Psalmen wurden auch gemeinsam bearbeitet; dann aber stiegen die Evangelischen aus und widmeten sich einer Neubearbeitung der Lutherbibel. Heute ist die Einheitsübersetzung die offizielle katholische Bibel im deutschsprachigen Raum. Sie lehnt sich in ihrer Ausdrucks weise an die Lutherbibel an, ist aber eine unabhängige Neuübersetzung, wie z.B. der Ausdruck Huld für das lutherische Gnade (V.3). Traditionelle Formulierung ist dagegen in V 9 der Ausdruck richten, (gegenüber dem sinnentsprechenderen sorgt für Recht in der Guten Nachricht). v. Martin Buber (jüdisch, 1930er-Jahre)ist die genauste Übersetzung des AT, die möglich ist. Er bemüht sich, für jeden hebräischen Begriff eine deutsche Entsprechung zu finden und riskiert dabei ungewöhnliche Ausdrucksweisen, in die man sich erst hineindenken muss: V 2 Freie Bahn schafft ihm seine Rechte muss Buber deswegen schrei ben, weil er die hebräische Wortgruppe ישע j-š-ʕ (hôšîaʕ, ješûaʕ, tešûaʕ, ješaʕ...) mit '... frei von ...' übersetzt; dem 'freie Bahn schaffen' (hôšîaʕ) entspricht in der zweiten Vershälfte das 'Befreien' (ješûaʕ). Vgl. dagegen das Begriffspaar 'siegen/ Heil' bei Luther; 'den Sieg erringen/ befreien' in der Guten Nachricht; 'helfen/ Heil' in der Einheitsübersetzung. Dagegen Zürcher Bibel: 'helfen/ Hilfe' . Die Wortgruppe צדק ṣädäḳ, ṣedáḳâ, ṣaddîḳ, hiṣdîḳ (gewöhnlich mit 'gerecht' übersetzt, gibt Buber mit der deutschen Wortgruppe 'wahr' wieder: daher in V 2 'Bewährung' (ṣedáḳâ), in V. 9 'Wahrspruch' ṣädäḳ). Trotzdem klebt Buber nicht sklavisch am Text. Er ordnet nicht jedem hebräischen Wort ein deutsches zu, sondern sucht jeweils die Entsprechungen für ganze Wortgruppen und behält sich die Freiheit vor, jeweils dem Sinn entsprechend die eine oder andere Formulierung zu nehmen. Ein großes Plus der Buberübersetzung ist ihre wirkliche Texttreue. Sie versucht, nicht zu deuten, sondern gibt unverständliche Stellen in ihrer ganzen Unverständlichkeit wieder und verzichtet in einigen wenigen Fällen ganz auf die Übersetzung, indem er den hebräischen Text transkribiert. Dafür gibt es im Ps 98 allerdings kein Beispiel. Als gläubiger Jude darf Buber den heiligen Gottesnamen nicht aussprechen. Einem jüdischen Brauch zufolge schreiben alle Übersetzungen daher statt des heiligen Namen 'der HERR. Bei Luther deuten die Großbuchstaben an, dass es sich um den Namen handelt. Buber beschreitet einen anderen Weg, indem er einfach das Personalpronomen benutzt, das er mit Großbuchstaben schreibt: V. 1 Singt IHM = singt dem HERRN. vi. Eine gelungene Nachdichtungist die von Matthias Jorissen (1739-1823), die zeigt, wie es trotz des Formzwangs (Endreim, Rhythmus, Versmaß, Strophenbau) möglich ist, einen Psalm einigermaßen wörtlich in moderne Gedichtform zu übertragen. 9. Psalmdichtung und VertonungPsalmen sind, wie oben gezeigt, keine Prosagebete oder Gedichte, sondern Lieder, die ursprünglich gesungen wurden und auch heute noch gesungen werden sollen. Da nicht nur die ursprüngliche musikalische Gestaltung des Psalmengesangs verloren gegangen ist, sondern sich auch der musikalische Geschmack im Laufe der Zeit verändert hat, musste man sie so bearbeiten, dass man sie auch singen konnte. Die ältesten Hinweise auf die Melodien finden sich, wie oben gezeigt, an einigen Stellen im Text selbst; wir können aber mit diesen Angaben nichts mehr anfangen. Genauere Hinweise über den musikalischen Vortrag finden wir seit dem 9er- Jahrhundert in den hebräischen Bibelausgaben: Die so genannten Akzente teilen den Text nicht nur in Sinnabschnitte (entsprechend unseren Satzzeichen), sondern waren auch Lesezeichen, die den Tonfall vorschrieben. Leider können wir diese Zeichen heute nicht mehr exakt deuten. In unser Zeichensystem übersetzt müsste man den Anfang des 98. Psalms etwa folgendermaßen schreiben (unter dem Text eine Andeutung der Tonhöhe):
Die Satzmelodie entspricht unserer normalen Art zu sprechen: Anheben der Stimme am Anfang – Senken am Ende des Satzes. a) GregorianikDasselbe Prinzip liegt der gregorianischen Kirchenmusik zugrunde, in unserem Fall der Psalmodie. Die einfachsten Melodien bestehen in einem Anfangs teil (initium), bei dem die Stimme angehoben wird, einem langen Mittelteil auf gleicher Tonhöhe (tenor), evtl. einer kleinen Variation in der Mitte (flexa, metrum) und dem Schlussteil, bei dem Stimme wieder absinkt (punctum):
Wichtig, auch für die Akustik mittelalterlicher Kirchen (ohne Lautsprecheranlage) ist, dass die Psalmen nicht im Sprechton, sondern im Sington vorgetragen werden und auf diese Weise die Stimme weiter dringt. Im Laufe der Zeit hat dieses einfache Schema vielfache Abwandlungen erfahren und wurde zu verschiedenen Kunstformen ausgebaut (musikalische Schnörkel, Wechselgesang zwischen verschiedenen Chören, Antiphon = Refrain und eigentlicher Psalm usw.). Die gregorianische Psalmodie hat den Vorteil, dass man den Psalm mit seinen unterschiedlich langen Zeilen ohne Textänderungen singen kann, wie er in der Bibel steht: Die Länge des Tenors ist nicht festgelegt und richtet sich nach den Gegebenheiten. Nun entstanden aber neben den biblischen Texten (auch die Schriftlesung wurde auf ähnliche Art gesungen) auch eigene Kirchenlieder, die neuen Formgesetzen gehorchten (Endreim, feste Zeilenlänge, bestimmter Strophenbau usw.) und daher auch andere musikalische Gestaltungsmöglichkeiten zuließen. Die außerkirchliche Musik wirkte sich auf die Kirchenmusik aus; geistliche Lieder wurden zu welt ichen Melodien gesungen: z.B. EKG 288 In dir ist Freude aus der Reformationszeit nach der Melodie eines Frühlingsliedes. Ähnliches scheint schon bei den hebräischen Psalmen der Fall gewesen zu sein, denn Liedanfänge wie Lilien oder Hirschkuh am Morgen hören sich nicht gerade fromm an. b) LutheranerDie Reformation brachte die entscheidenden Anstöße: Natürlich behielt Luther den gregorianischen Psalmengesang bei (aber auf Deutsch). Er verfasste auch Nachdichtungen von Psalmen, z.B. EKG 201 Ein feste Burg nach dem 46. Psalm. Solche Nachdichtungen waren verhältnismäßig frei und ließen sich mehr vom Psalmtext zu eigenen Gedanken inspirieren, als dass sie versucht hätten, die Worte des Psalms in Gedichtform zu bringen. Die Lutherische Psalmdichtung schuf also im Grunde neue Kirchenlieder, kein Ersatz für den traditionellen Psalmengesang, den man ja beibehalten hatte. c) ReformierteAnders bei den Reformierten: Sie waren bei der Reformation recht rigoros vorgegangen und hatten am Ende nur eine einfache Gottesdienstordnung: Lied – Gebet – Lesung – Lied – Predigt – Lied – Gebet Segen – Lied übrig behalten. Eine Rückgewinnung der Psalmen konnte nur über das Kirchenlied erfolgen (da die Lesung in der Regel dem NT vorbehalten blieb). So schufen Matthias Jorissen und andere um 1800 ein neues Psalmengesangbuch mit oft recht gelungenen textgetreuen Nachdichtungen der Psalmen, wie am Beispiel gezeigt. Sie verwendeten dabei selbstverständlich die modernen Kunstformen der Dichtung und Musik, wie sie bei den Kirchenliedern ja schon längere Zeit üblich war. d) Neuere EntwicklungVor etwa 200 Jahren ging in vielen Gegenden die lutherische Tradition und auch der Psalmengesang im Gottesdienst verloren. An die Stelle der reichen deutschen Messe trat die schlichte Gottesdienstform, wie sie heute noch in Hessen üblich ist. Die. Psalmen als Bestandteil des Gottesdienstes gerieten in Vergessenheit. Seit dem 1. Weltkrieg entstand eine Fülle neuer Lieder, auch abweichend von den bisherigen Kunstformen der Dichtung und Musik. Bei dieser Gelegenheit entdeckte man wieder die Psalmen und den Psalmengesang. Die Entwicklung ging dabei in zwei Richtungen: i. Wiederbelebung des Palmengesangs,aber mit neuen Ausdrucksformen. Ein Beispiel dafür finden wir in der Nachdichtung des 98. Psalms von Paulus Stein (Singe Christenheit 725, Gotteslob 273).Hier dient V. 1 als Antiphon für ein selbständiges Lied. das den 2. Psalmvers erst zitiert und dann auslegt. ii. Vertonung kurzer Psalm und anderer Bibelversewie Vom Aufgang der Sonne oder Herr, bleibe bei uns als Kanon oder einstimmig. iii. Wiederentdeckung des Psalmgebetsseit der Einführung des neuen Gesangbuchs 1995; die Texte werden im Wechsel gesprochen. 10. Psalmen im Gottesdienst
Die Psalmen haben seit alter Zeit ihren Platz im Eröffnungsteil des Gottesdienstes. Gleich nach der Eröffnung Im Namen des Vaters ... kommt ein kurzer Abschnitt aus den Psalmen, der so genannte Introitus (Eingang). Da die Messe auf lateinisch gesungen wurde, war natürlich auch dieses Eingangslied lateinisch; es galt als so typisch, dass manche Sonntage geradezu nach dem Anfang des lateinischen Introitus benannt wurden, obwohl der evangelische Gottesdienst ganz deutsch war. Bei diesen lateinischen Sonntagsnamen handelt es sich ausschließlich um Namen der Sonntage von Fasnacht bis Pfingsten:
Septuagesimae (70 Tage vor Ostern) Sexagesimae (60 Tage vor Ostern) Estomihi (esto mihi 'sei mir, Ps 31,3f) Invocavit (invocabit 'er ruft Mich an, Ps 91,15) Reminiscêre ('gedenke', Ps 25,6) Oculi ('meine Augen', Ps 25,15) Laetare ('freue dich,' Jes 66,10) Iudica ('richte', Ps 43,1)
Quasimodogeniti (quasi modo geniti 'wie die neugeborenen,' 1. Petr. 2,2) Misericordias Domini (misericordia Domini 'der Barmherzigkeit des Herrn', Ps 33,5) Iubilate ('jauchzt', Ps 66,1) Cantate ('singt', Ps 98,1) Rogate ('betet', sinngemäß ergänzt) Exaudi ('erhöre', Ps 27,7) Pfingsten Auch andere Sonntage wurden nach dem lateinischen Introitus benannt (so heißt heute noch der 4. Advent in der kath. Kirche auch Rorate: 'Tauet', Jes 45,8), wurden dann aber durch andere Namen ersetzt (z.B. 1-4. Advent; Sonntage nach Epiphanias, Sonntage nach Trinitatis oder Pfingsten). In der alten hessischen evangelischen Gottesdienstagende stimmen genau ein Viertel der Eingangssprüche mit dem alten lateinischen Introitus überein; außer dem sind an den Sonntagen nach Trinitatis die Hälfte aller Eingangssprüche dieselben wie die lateinischen am vorhergehenden Sonntag. Da in der katholischen Kirche die Sonntage nach Pfingsten gezählt werden, hat man sich also bei der Zusammenstellung der evangelischen Ordnung nach den Sonntagsnummern gerichtet. Die Übereinstimmungen sind aber noch größer, wenn man bedenkt, dass man in vielen Fällen zwar einen anderen Text genommen, aber trotzdem versucht hat, den Charakter des Sonntags zu wahren. So hat man am Sonntag Laetare 'Freut euch', statt Jes 66,10 den 105. Psalm genommen 'Es freue sich...' Neben den Eingangssprüchen gab es früher in der evangelischen Kirche auch eine Liste von Psalmen für den jeweiligen Sonntag. Hier sind die Übereinstimmungen zum lateinischen Introitus noch größer (etwa 5/9). Eine totale Überseinstimmung war deshalb nicht möglich, weil im Introitus auch Texte vorkommen, die nicht in den Psalmen stehen. Freilich kann man auch beobachten, dass die Psalmen für die Trinitatissonntage mit denen der entsprechenden Sonntag nach Pfingsten über einstimmen, also immer einen Sonntag später dran sind. ◀weiter ▶ |
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Datum: 1986 / 2005 Aktuell: 14.07.2006 |
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