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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Urgeschichte der Bibel

Auf Grundlage des Ferienbibelseminars 1982
(Dekanat Reinheim)

Schöpfung
– theologisch und naturwissenschaftlich

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Bibel und Naturwissenschaft

1. Die Schöpfungsgeschichte arbeitet mit anderen Methoden

2. Schöpfung vereinbart sich mit Entwicklung

3. Zufall oder Plan?

 

Bibel und Naturwissenschaft

Bis vor etwa 200 Jahren hat man die Schöpfungsgeschichte der Bibel für bare Münze genommen und geglaubt, die Welt sei vor ungefähr 6000 Jahren von Gott erschaffen worden, und seitdem gäbe es alle Tier- und Pflanzenarten, die auch heute bekannt sind. Reste ausgestorbener Arten, die auch damals bekannt waren, deutete man als Lebewesen, die, durch die Sintflut zugrunde gegangen sind.

Seitdem hat sich eine ganz andere Meinung durchgesetzt:

  • Die Welt ist etwa 12-15 Milliarden Jahre alt.

  • Die Natur, wie wir sie heute kennen, war nicht von Anfang an da, sondern hat sich erst im Laufe unendlicher Zeiträume aus primitiven Anfängen heraus entwickelt.

  • Der Mensch ist zwar übereinstimmend mit Gen 1 das letzte Lebewesen, das auf der Erde neu in Erscheinung getreten ist. Aber er war nicht schlagartig da, sondern auch er "stammt vom Affen ab", d.h. er hat sich aus primitiveren Vorformen heraus entwickelt,

  • Das Fortschreiten von primitiven zu hoch entwickelten Formen des Lebens wird verstanden nicht als planmäßige Schöpfung, sondern als Ergebnis einer zufälligen Entwicklung.

  • Der Motor für die Entwicklung war kein persönlicher Gott, sondern zwei unpersönliche Prinzipien, nämlich dass Erbanlagen variabel sind, dass also plötzlich Mutationen (Änderungen) im Erbgut eintreten können, und dass die natürliche Auslese, der Kampf ums Dasein erbarmungslos alles vernichtet, was sich nicht durchsetzen kann.

Als Beispiel für die unterschiedliche Auffassung in Bibel und heutiger Wissenschaft sei angegeben, wie Bibel und Wissenschaft den langen Hals der Giraffe erklären:

  • Bibel: Die Giraffe hat einen langen Hals, weil Gott sie so geschaffen hat, dass sie die Blätter der Bäume fressen kann.

  • Wissenschaft: Die Vorfahren der Giraffe hatten wie das Okapi einen kürzeren Hals. Sie lebten im Wald und fraßen die Blätter niedriger Büsche. Als der Urwald durch Klimaänderung langsam zurückwich, starben alle Urgiraffen aus, die wegen ihres zu kurzen Halses nicht mehr an die Blätter der letzten hohen Bäume kamen. Einen kleinen Überlebensvorteil hatten immer die Tiere, die zufällig einen etwas längeren Hals hatten. Dieser Entwicklungsdruck züchtete im Laufe langer Zeiträume eine neue Giraffenart mit langem Hals.

Was sollen wir nun glauben? Hat die Bibel Recht oder die Wissenschaft? Sind wir altmodisch, wenn wir weiterhin an die Bibel glauben?

Es ist nicht möglich, auf ein paar Seiten eine perfekte Lösung des Problems darzustellen. Ich möchte aber folgende Lösungshilfen anbieten:

1. Die Schöpfungsgeschichte arbeitet mit anderen Methoden

Die Schöpfungsgeschichte Gen 1 ist nicht das Ergebnis mangelhafter naturwissenschaftlicher Erkenntnis, das durch unsere heutigen Forschungsergebnisse überholt wäre, sondern ein gründlich durchdachtes System, dem ganz andere Forschungsmethoden zugrunde liegen als der modernen Naturwissenschaft. Das sehen wir z.B. daran, dass der Verfasser die Tiere nicht in Klassen, Arten und Rassen wie Säugetiere, Kriechtiere, Amphibien, sondern in (von mir so genannte) "Sorten" Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes einteilt.

Die Schöpfungsgeschichte ist also auch wissenschaftlich, aber sie arbeitet mit anderen Methoden, nämlich mit der Methode der Beobachtung, des Unterscheidens und des Nachdenkens. Als Vorgabe bringt der Verfasser seinen Glauben an Gott mit herein.

Die moderne Wissenschaft bedient sich zusätzlich der Methode der Untersuchung: Das untersuchte Objekt wird nicht bloß betrachtet und beschrieben, sondern auseinander genommen, zerstört. Um zu wissen, was es ist, muss man das Objekt kaputtmachen. Und sie bringt als Vorgabe mit hinein, dass sie so tun will, als ob es Gott nicht gäbe.

Bibel und Wissenschaft arbeiten also mit Vorurteilen, wenn man so will: Die einen beziehen Gott in ihre Überlegungen ein, die anderen nicht. Die Wissenschaft bedient sich zusätzlich der problematischen Methode des zerstörenden Untersuchens, auf das die Bibel verzichtet.

Wer hat Recht? Verschiedene Methoden müssen zu verschiedenen Ergebnissen führen!

2. Schöpfung vereinbart sich mit Entwicklung

Es ist keineswegs so, dass Schöpfung und Entwicklung einander widersprechen. Denn Schöpfung ist mehr als bloß absichtlich etwas herstellen oder machen, sondern zur Schöpfung gehört das Nachdenken, das Planen, das Experimentieren. Zur Schöpfung gehören auch Versuch und Irrtum, wie wir es uns am Beispiel von der Erschaffung der Tiere klargemacht haben: Die Idee, einen zweiten Menschen zu erschaffen, lässt sich nicht so einfach verwirklichen; Gott muss erst eine neue Methode erfinden. Vorherige Versuche mit Lehm schlagen fehl und ergeben bloß Tiere.

Wie nahe Schöpfung und Entwicklung beieinander liegen, sehen wir am Beispiel der Technik: Das modere Auto war auch nicht mit einem Schlag neu da, obwohl es zweifellos eine menschliche Schöpfung, von Menschen erfunden, konstruiert und gebaut ist, und obwohl ihm von Anfang an eine Idee (Wagen ohne Pferde, mit Motor) zugrunde liegt, Trotzdem gibt es einen lückenloser Übergang von der Pferdekutsche über die Benzinkutsche und Oldtimern bis zum modernen Auto. Gerade bei der modernen Technik beobachten wir eine ähnliche Entwicklung wie in der Naturgeschichte. Warum sollte hinter der Entwicklungsreihe vom Affen zum Menschen nicht ebenso der Plan und die Arbeit eines Schöpfers stehen wie hinter der Entwicklungsreihe von der Kutsche zum Auto?

Der biblische Erzähler nimmt sich aber als Modell nicht den modernen technischen Konstrukteur, sondern den Töpfer, Dessen Arbeit scheint etwas einfacher zu sein: Er nimmt Ton, formt einen Topf, brennt ihn, und fertig! Und dennoch weiß die Bibel, dass auch die Arbeit des Töpfers das Experiment kennt, und dass nicht alles auf Anhieb gelingt. Vergleiche dazu Jeremia 18!

3. Zufall oder Plan?

Es ist unter den Naturwissenschaftlern nach wie vor umstritten, ob das Prinzip der Entwicklung wirklich nur der Zufall oder nicht vielmehr ein Plan ist. Diese Frage lässt sich mit naturwissenschaftlichen Mitteln nicht beantworten, weil die Antwort nicht von der Methode, sondern von der Vorgabe (Glaube an Gott oder nicht) abhängt. Wer an Gott glaubt, wird Hinweise für einen solchen Plan finden, wer nicht glaubt, wird nur die Hinweise sehen, die gegen einen solchen Plan sprechen.

   

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Übersicht

 

Schöpfung oder Entwicklung?

 

Datum: 1982 / 2005

Aktuell: 17.01.2011