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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Urgeschichte der Bibel

Auf Grundlage des Ferienbibelseminars 1982
(Dekanat Reinheim)

Das biblische Menschenbild

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Das Menschenbild der Bibel ist maßgeblich geprägt von den ersten Kapiteln:

  • Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes und steht insofern mit den Tieren auf einer Stufe, als er mit ihnen zusammen an einem Tag erschaffen wurde.

  • Er unterscheidet sich von den Tieren nicht durch körperliche oder geistige Eigenschaften, sondern dadurch, dass der Schöpfer ihn nach seinem Bild erschaffen hat.

Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen besteht nicht darin, dass der Mensch körperliche (Aussehen) oder geistige Eigenschaften (z.B. Intelligenz) mit Gott gemeinsam hat.

Sondern:

  • Nach Gen 1 hat der Mensch den Auftrag, an Gottes Stelle über die Erde und die Tiere zu herrschen. Er ist Gottes Bild, weil er sein Stellvertreter auf Erden ist.

  • Nach Gen 2,1-4 hat der Mensch durch das 3. Gebot Anteil an Gottes Sabbatruhe und ist insofern sein Ebenbild.

  • Nach Gen 3 macht nicht die Intelligenz an sich den Menschen Gott ähnlich, sondern das Wissen, was gut und böse ist, und damit die Freiheit sich zu entscheiden. Die Intelligenz als Einsicht in das, was machbar und möglich ist (z.B. in den Apfel beißen), ist nicht göttlich, sondern teuflisch.

  • Gen 9,6 wird der Tod des Mörders deswegen gefordert, weil Gott den Menschen zu seinem Bild geschaffen hat. Wer einen Menschen tötet, versündigt sich also an seinem Schöpfer. Das Bild Gottes ist genauso heilig und unantastbar wie Gott selbst. Vgl. Sprüche 14,31 "Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer". In diesem Zusammenhang muss auch das Bilderverbot erwähnt werden: Ein zutreffendes Bild von Gott ist allein der Mensch, nicht eine Figur aus totem Material.

  • Der Sündenfall hat die ursprüngliche Gutheit des Menschen und der Schöpfung verdorben. Seit dem Sündenfall gibt's das Böse (moralisch) und Schlechte (qualitätsmäßig) auf der Welt. Es entspricht aber nicht der Meinung des Alten Testamente, dass der Mensch durch den Sündenfall seine Gottesebenbildlichkeit verloren hätte, denn Gen 9,6 ist nach dem Sündenfall, ja sogar nach der Sintflut gesagt und betrifft also den heutigen Menschen. Ja, nach Gen 3 wurde der Mensch erst durch den Fall, durch den Erwerb der Erkenntnis von Gut und Böse "wie 'Gott". Der Sündenfall ist also nicht nur negativ zu sehen und hat vielleicht sogar im Plan des Schöpfers seinen Sinn: Ließ sich das Ziel der Gottesebenbildlichkeit nur durch das Risiko des Sündenfalls verwirklichen?

  • Durch den Fall ging auch nicht die Unmittelbarkeit zwischen Gott und Mensch verloren. Das sehen wir an der Geschichte von Kain und Abel: Beide opfern Gott, als sei nichts gewesen; Gott verhandelt mit dem Mörder, als habe der Sündenfall nicht stattgefunden. Die Gemeinschaft mit Gott besteht nach wie vor; das sehen wir auch daran, dass Kain befürchtet, Gott würde ihm die Gemeinschaft kündigen und ihn davonjagen. Die Geschichte der Urväter (Henoch, Noah) zeigt ebenfalls, dass die Unmittelbarkeit zwischen Gott und Menschen nicht verloren gegangen ist. Und wenn nach der Sintflut ein großer Teil der Menschen Gott dann doch vergessen hat, so gibt Gott die Menschen doch nicht auf und nimmt von sich aus immer wieder Kontakt mit ihnen auf, angefangen bei Abraham bis hin zu Jesus.

  • Die einzige Folge des Sündenfalls scheint also zu sein, dass der Mensch jetzt nicht nur weiß, was böse ist, sondern dass "das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend an." (Gen 8.21). Das ist die "Erbsünde" im Sinne der Urgeschichte.

Es hat sich eingebürgert, das Wesen des Menschen durch lateinische Wörter zu kennzeichnen, wie homo faber (der Mensch als Schöpfer), homo sapiens (der Mensch als intelligentes Wesen). Wie müssten wir ihn aus der Sicht der Bibel kennzeichnen?

  • homo creatus (Mensch als Geschöpf)

  • homo imago Dei (Mensch als Bild Gottes)

  • homo quiescens (Mensch als Teilhaber an Gottes Sabbatruhe)

  • homo sapiens (Mensch als Wissender)

  • homo peccator (Mensch als Sünder)

  • homo salvandus (Mensch als einer, der gerettet werden soll).

   

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Übersicht

 

 

 

Datum: 1982 / 2005

Aktuell: 25.05.2011