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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Die Urgeschichte der BibelAuf Grundlage des Ferienbibelseminars 1982 Gen 5,1-32 Geschlechtsregister
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Email:
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Datierung des Auszugs aus Ägypten |
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Zu den
Namen wurde ja oben schon genügend geschrieben, so dass ich mir hier
Einzelheiten sparen kann.
Hauptproblem dieses
Kapitels: die Zahlen.
Dass in Geschlechtsregistern
Altersangaben überliefert werden, ist sonst nicht üblich. Jahreszahlen gehören
aber z.B. in Königslisten, wie wir sie aus den Königsbüchern kennen:
Sinn solcher
Zeitangaben ist es, einen chronologischen Rahmen abzustecken in einer Zeit, in
der es noch keine feste Jahreszählung gab. Dieselbe Bedeutung haben also auch die
Jahresangaben in dem Geschlechtsregister der Sethiten: Sie stecken den
zeitlichen Rahmen für die Urzeit ab und geben somit ein chronologischen Gerüst.
Da die Urzeit unendlich lang ist, die Liste aber nur eine beschränkte Anzahl
von Namen nennt, müssen diese Leute ungeheuer alt geworden sein. Wobei man
verschiedener Meinung sein kann, wie viele Jahre unendlich lang sind. Ähnlich
gebaute sumerische Königslisten arbeiten mit viel höheren Zahlen; ein König
namens Alalger soll 72.000 Jahre regiert haben. Die Urzeit hat also entsprechen
länger, nämlich 432.000 Jahre gedauert.
[1] Der Sinn der Zahlenreihe ist also klar, ebenfalls, warum so hohe Zahlen genannt werden. Aber damit ergibt sich das nächste Problem: Für die Chronologie der Urzeit ist es ja nur notwendig zu wissen, wie alt der Urvater bei der Zeugung des ältesten Sohns war Ein Gesamtalter ist eigentlich dann uninteressant. Es ist denkbar, dass dieses Zahlenschema der Königsliste abgeguckt ist, denn bei den Königen ist ja der zweite Lebensabschnitt als Regierungsperiode maßgeblich. Die Gesamtdauer der Königszeit errechnet sich aus der Summe der Regierungsperioden; die Gesamtdauer der Urzeit dagegen aus der Summe der "Jugendperioden" vor der Zeugung des ersten Sohns.
Man hat
oft die Meinung vertreten, dass hier statt von Jahren von Monaten die Rede ist.
Bei Metuschelach mit 969 Jahren ergäbe diese Rechnung ein menschenmögliches
Lebensalter von 80 ¼ Jahren. Angewandt aber auf die erste Zahlenreihe wird aber
sofort deutlich, dass diese Theorie nicht haltbar ist, denn dann hätte Henoch
im Alter von 5 ½ Jahren (= 65 Monate) seinen ersten Sohn gezeugt. Es wäre aber
denkbar, dass der Überlieferung zwei Zahlenreihen zugrunde liegen:
Zeugungsalter = Zeitangabe in Jahren - Gesamtalter = Zeitangabe in Monaten. Da
dann aber die Zahlen nicht übereinstimmen (wie bei Henoch: 80 ≠ 65), müssten die Zahlenreihen
unabhängig voneinander entstanden oder durcheinander geraten sein. Ersteres ist
nicht wahrscheinlich. Eher
denkbar ist, dass die Zahlen durcheinander geraten sind, denn sie werden in
verschiedenen Bibelausgaben verschieden überliefert, so dass wir gar nicht
wissen, was die richtige Überlieferung ist. Zählen wir die Jahre von der
Schöpfung aus einfach weiter, so wurde Noah
Nach den
verschiedenen Bibelausgaben wurden alt (Zahl 3):
Bis Mahalalel
stimmen also die Zahlen überein, am Schluss weichen sie voneinander ab. In der
samaritanischen Bibel nehmen die Zahlen nach und nach ab (mit der erklärten
Ausnahme Henochs), so dass mit dieser Zahlenfolge wohl gesagt werden soll: Die
von Gott dem Menschen zur Verfügung gestellte Lebenskraft nimmt allmählich ab,
Dem entspricht, dass Gott nach 6,3 das Lebensalter schließlich auf 120 Jahre
begrenzt. Sinn der hohen, für die Chronologie nicht nötigen Jahreszahlen, ist
also wohl zu zeigen, dass die Menschen der Urzeit mit uns heutigen nicht zu
vergleichen sind; sie strotzten vor Lebenskraft. In diesen Zusammenhang gehört
wohl auch, wenn Metuschelach in der jüdischen Bibel das höchste Alter überhaupt
erreicht: Als Sohn des frommen Henoch ist das kein Wunder,
Weitere Beobachtungen an
Hand der Geschlechtsregister
Datierung des Auszugs aus
Ägypten
Die
Zeittafel geht von den Daten aus Ex 12,40
(430 Jahre in Ägypten) und 1. Könige 6,1 (480 Jahre zwischen Auszug und Tempelbau)
aus. Danach errechnet sich die Datierung der christlichen Ära. Es muss gesagt
werden, dass nach allgemeiner Auffassung der Auszug nicht 1442, sondern Ende
des 12er-Jahrhunderts gegen Ende der Regierungszeit von Ramses II. (1290-23)
erfolgte. Nach meiner Berechnung müsste die Einwanderung in Ägypten zur Zeit
der starken 12. Dynastie (Sesostris II. +III.), die Unterdrückung nach der
Vertreibung der Hyksos in der 12. Dynastie (ab 1552 im Neuen Reich) und der
Auszug unter Tutmosis III. erfolgt sein.
Sicherung der Tradition
Durch die hohen Lebensalter der Urväter überschneiden sich viele Generationen (Adam z.B. starb zu Lamechs Zeiten, 8 Generationen später), So hat der fromme Henoch noch Adam erlebt, und Noah starb wenige Jahrzehnte vor dem Auszug Abrahams. So ist zu erklären, wie der Glaube an den einen Gott über so lange Zeit sicher und zuverlässig überliefert wurde: Wenn auch der eine oder andere der Patriarchen Gott vergessen haben sollte, so lebte doch noch ein Vorfahre, der von Gott wusste und die Erinnerung an ihn aufrechterhielt. Er konnte noch den Enkeln seiner Urenkel von seinen Erfahrungen mit Gott erzählen. Von Adam über Sem zu Abraham geht also nicht nur eine lückenlose Geschlechterfolge, sondern auch eine viele Generationen überlappende Tradition des wahren Glaubens. Das ist zweifellos ein wichtiger Gedanke dieses Kapitels.
Interessante
Beobachtungen an der Tabelle:
Henoch war der zweite "Tote" nach Adam. Seine Entrückung
erhält dadurch eine besondere Bedeutung: Gott erspart dem frommen Mann das
bittere Schicksal des ersten Menschen. Metuschelach wäre sicher noch älter geworden, wenn die Sintflut nicht
gewesen wäre. Da er im Jahr der Sintflut starb, muss er dabei umgekommen sein. Wir
erkennen an diesem Beispiel, dass das Zahlensystem wirklich durchdacht ist. Wie
schnell hätte es geschehen können, dass nach den Zahlen außer Noah noch jemand
die Sintflut überlebt hätte.
An diesem Beispiel sehen wir aber auch, dass Zahlen und Erzählung nicht immer miteinander in Einklang zu bringen sind: Denn Isaak, lag nach 1. Mose 27 schon auf dem Sterbebett, als Jakob noch ein junger Mann war und ihm durch Betrug den Erstgeburtssegen abrang. Isaak müsste also wider Erwarten 100 Jahre älter geworden sein. 5,21-24 Henoch
Auch 4,17 wird Henoch hervorgehoben. Sein Name wurde in einer Stadt verewigt. Hier ist Henoch ein Muster an Frömmigkeit: "Er ging einher mit Gott", hatte mit ihm Umgang, vor und nach der Zeugung Metuschelachs. Auffallend ist sein verhältnismäßig geringes Alter: Schon mit 65 zeugt er seinen ersten Sohn, nur 365 Jahre wird er alt. Auffallend ist, dass diese Jahreszahl in allen alten Bibeln gleich überliefert ist, man sah also wohl eine symbolische Bedeutung in dieser Zahl. Ist dabei an das Sonnenjahr gedacht, das 365 Tage dauert? Diese Zahl kommt nur hier in der Bibel vor. Seine kurze Lebensdauer wird damit begründet, dass Gott ihn "weggenommen" hatte. Ähnlich heißt es von Elija 2. Kön 2,10: "von dir genommen werde". Von dem Propheten heißt es ausdrücklich, dass er mit einem feurigen Wagen in den Himmel fuhr. Normalerweise galt ja ein vorzeitiger Tod als Strafe. Hier aber scheint Gott dem Henoch etwas Gutes zu tun. Im Unterschied zu den anderen Namen der Vorväter heißen in der Bibel noch zwei andere Personen Henoch: der älteste Sohn Rubens (Gen 46,9 u. ö.) und ein Midianiter (Gen 25,4), Das weist in das halbnomadische Milieu des Ostjordanlandes und in die vorstaatliche Zeit Israels. Das späte Buch Jesus Sirach legt diese Stelle folgendermaßen aus:
Hier steht Henoch in einer Reihe mit Noah, Abraham und Mose. Die Bedeutung der Sinnesänderung verweist bereits auf das Neue Testament.
In seiner Unvergleichbarkeit steht Henoch neben Josef, bei dem betont wird, dass er in der Heimart bestattet wurde. Im Neuen Testament wird Henoch nicht erwähnt. Seine "Himmelfahrt" spielt dort so wenig eine Rolle wie die Elijas. 5,28-31 Lamech
Auch im Kainiten-Stammbaum (4,23+24) sind Worte Lamechs überliefert. War Lamech ein Dichter? Die Parallele hat wohl weiter nichts zu bedeuten, denn bei der Geburt eines so wichtigen Mannes wie Noah ist nach dem üblichen Schema der alten Familiengeschichten eine Namensdeutung angemessen. Ob der Spruch auf den Wein anspielt, den Noah als erster angebaut hat (Gen 9,20)? Die Namensdeutung נח Noaḥ < נחם naḥém 'trösten' wirkt gekünstelt. Vom Hebräischen her wären andere Deutungen sinnvoller. Ob der Erzähler diese abwegige Deutung wählte, weil er auf den "Trost des Weins" hinweisen wollte? |
[1] Als meine Urgroßmutter starb, war sie mehr als 20-mal so alt wie ich und mindestens doppelt so groß: Ich war 3 und sie war 82! Die hohen Altersangaben und der Glaube, früher hätten Riesen gelebt, hängt wohl auch mit diesen Kindheitserfahrungen zusammen. |
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Datum: 1982 / 2005 Aktuell: 14.07.2006 |
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