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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Frieden in der Bibel"Es kann
nicht Friede werden,
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I. Was können wir für den Frieden tun? II. Welche Ursachen führen zum Krieg? 1. Der äußere Anlass zum Krieg ist ein politischer Konflikt. 2. Krieg nicht Sache einer Regierung, sondern des Volkes 3. Inneren Ursachen für den Krieg im menschlichen Triebleben 4. auf mannigfache Weise zum Krieg III. Was können wir für den Frieden tun? |
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I. Was können wir für den Frieden tun?1. Friede ist nicht einfach das Gegenteil von Krieg. Der krieglose Zustand, wie er z. Z. in Europa herrscht, ist noch kein Friede. Wo kein Krieg ist, kann es trotzdem Kampf, Unrecht und Gewalt geben. 2. Friede ist nicht zu verwechseln mit Ruhe. Wo Unrecht schweigend geduldet wird, herrscht Ruhe, aber kein Frieden. Wer Frieden stiften will, muss die Ruhe stören. 3. Friede ist kein konfliktloser Zustand, den es nur in unseren Träumen gibt, sondern eine besondere Art, Konflikte zu lösen. Friede ist überhaupt kein Zustand, sondern wie der Krieg ein Vorgang, ein Geschehen. 4. Krieg und Frieden sind keine schicksalhaften Ereignisse wie z. B. Naturkatastrophen, sondern Ergebnisse menschlichen Handelns. II. Welche Ursachen führen zum Krieg?1. Der äußere Anlass zum Krieg ist ein politischer Konflikt.a) Interessenkonflikt steigert die Spannung zwischen zwei Parteien; geringster Anlass führt zum Krieg (z. B. 1. Weltkrieg). b) Bewusst gewollter Krieg als Mittel einer Großmachtspolitik (z. B. 2. Weltkrieg). c) Begrenzter Lokalkrieg als Ventil für kriegsbereite Großmacht (z. B. Vietnam). 2. Dennoch ist der Krieg nicht Sache einer Regierung, sondern des Volkes,auch wenn das Volk es nicht wahrhaben will. Keine Regierung kann Krieg führen, wenn das Volk nicht mitmacht. 3. Die inneren Ursachen für den Krieg sind im menschlichen Triebleben zu suchen:a) Der Aggressionstrieb macht den Menschen bereit, eine Gefahr abzuwenden (Gegenteil: Angst, d. h. der Mensch wendet sich von der Gefahr ab). Eine solche Gefahr kann sein eine Bedrohung des äußeren oder des inneren Lebensbereiches (äußerer Bereich = Revier, Eigentum, Familie, Gruppe usw. Interessen - innerer Bereich = Leib und Leben, Selbstbestimmung, Ehre). b) Die Erkenntnis einer abwendbaren Gefahr macht den Menschen nicht nur bereit, die Bedrohung abzuwehren, sondern sich auch Bundesgenossen zu suchen. Ohne die Fähigkeit sich zu verbinden, wäre ein Krieg (Kampf zwischen Gruppen) nicht möglich. Es gäbe dann nur einen Kampf aller gegen alle. - Krieg bindet also die Angehörigen der gleichen Partei fester zusammen: "Einigkeit macht stark." c) Ein gesunder Aggressionstrieb sagt nein zum Feind, weil er ja zu sich selbst und zur eigenen Gruppe sagt. Es gibt nun eine weit verbreitete krankhafte Entartung des Aggressionstriebs, die sich selbst verneint und darum auch alles andere verneinen und zerstören muss. Das nennen wir Destruktionstrieb oder Hass. Ursache für die Selbstverneinung ist die Erfahrung, dass man von anderen abgelehnt wird. Lieblosigkeit und Unterdrückung führt zum Hass, der wiederum neuen Hass erzeugt. 4. Diese inneren Ursachen können auf mannigfache Weise zum Krieg führen:a) Eine Gruppe (Volk, Rasse, Religionsgemeinschaft) schließt sich dadurch enger zusammen, dass sie sich einen gemeinsamen Gegner sucht (die Juden, die bösen Nachbarn, die Ungläubigen). Ist der Hass einmal erwacht, steigert er sich sehr schnell bis zum offenen Ausbruch der Feindseligkeiten (Krieg, Bürgerkrieg, Pogrom). b) Eine kriegsbereite Regierung kann die Kriegsbereitschaft eines Volkes stärken, indem sie Härte anwendet und dadurch die Bereitschaft zum Hass weckt (z. B. durch Terror oder brutale Rekrutenausbildung). Damit sich dieser Hass nicht gegen die Unterdrücker wendet, wird systematisch ein Feind "aufgebaut", an dem die Bevölkerung bzw. die Soldaten ihren Hass abreagieren können. c Krieg kann aber Folge einer Großmachtspolitik sein: Um Großmacht sein zu können, muss ein Staat militärisch so stark sein, wie sein Rivale. Auch wenn er jeden offenen Konflikt meidet, fordert die hoch entwickelte Rüstung und der militärische Apparat nach einer Betätigung, die ihm beim Einsatz in einem lokal begrenzten Krieg geboten wird. III. Was können wir für den Frieden tun?1. Aggressivität kanalisierena) Eine Unterdrückung der Aggressivität durch strenge Gesetze führt zum Hass und neuen Konflikten. Aber auch ein Abbau, etwa durch Drogen, ist gefährlich, er würde zwar Spannungen verhindern, zugleich die Menschen aber auch träge und gemeinschaftsunfähig machen. Ein soziales Leben wäre dann nicht mehr möglich. b) Die menschliche Aggressivität darf daher weder unterdrückt noch abgebaut werden, sondern muss kanalisiert werden. Das heißt, es müssen Wege gefunden werden, auf denen sich der Aggressionstrieb auf nützliche oder doch unschädliche Weise abreagieren kann. e) Ein wichtiges Ventil ist der Sport. Er bietet sowohl die Möglichkeit zur körperlichen Betätigung als auch zum ungefährlichen Wettkampf zwischen Einzelnen und Parteien. d) Weiter ist an die Verwirklichung großer internationaler Aufgaben zu denken. Diese hat den Vorteil, dass bei ihr die Gegner keine Menschen, sondern technische Schwierigkeiten sind. 2. Abrüstung? Welteinheitsstaat?a) Durch die Entwicklung von Superwaffen ist ein Krieg zur Bedrohung für die Existenz der Menschheit geworden. Es müssen daher Wege gefunden werden, einen Krieg wirksam zu vermeiden. Zu diesem Zweck hat man das Abschreckungssystem erfunden: Jede Großmacht ist so stark gerüstet, dass eine andere Großmacht nicht wagen kann, sie anzugreifen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Dieses Gleichgewicht ist ständig gefährdet durch die Entwicklung neuer Waffen. b) Als Alternative bietet sich stattdessen an eine totale Abrüstung unter der Überlegung: Wo keine Soldaten und Waffen sind, kann es auch keinen Krieg geben. Damit wäre zwar die Gefahr eines Weltkrieges gebannt, nicht aber sonstige Feindseligkeiten. Ein, verhetztes Volk ohne Gewehre greift zum Messer und zur Axt. c) Auch durch einen Welteinheitsstaat ist der Friede nicht garantiert. Es könnten zwar keine außenpolitischen Rivalitäten entstehen, dafür aber Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die zum Bürgerkrieg führen. Und sollte es gelingen, die Identität der einzelnen Gruppen zu zerstören, dann führt das zu einem unerträglichen Kampf aller gegen alle. 3. Es sind daher andere Wege zum Frieden zu suchen:a) Aktive Versöhnungspolitik. Hass kann sich nur entwickeln, wenn man den Feind nicht kennt. Versöhnungspolitik bedeutet also: Öffnung der Grenzen, Vergünstigung von Auslandsreisen, Information über andere Völker, Aufnahme vielfältiger Beziehungen. b) Die Bedeutung wirtschaftlicher und politischer Verflechtungen muss erwähnt werden. Eine Nation, ein Wirtschaftskonzern können es sich nicht leisten, andere Nationen zu zerstören, wenn sie darauf angewiesen sind. c) Die wichtigste Vorsorge für den Frieden aber besteht in der Erziehung zur Freiheit und zur Selbstbejahung. Nur wer sich selbst bejaht, kann andere bejahen. Nur wer selbst frei ist und mit seiner Freiheit leben kann, ist in der Lage, anderen Freiheit zu lassen. Zum Frieden erziehen heißt: Hass vermeiden. |
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Datum: 1971 / 2005 Aktuell: 14.07.2006 |
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