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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Frieden in der BibelAltes TestamentThoraveröffentlicht in der Mitarbeiterzeitschrift
der Evangelischen Jugend im Dekanat Reinheim |
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Samuel
hätte sich sicher auf die in 5. Mose 20 überlieferten Kriegsgesetze berufen, wonach die
Kanaanäer eine Sonderbehandlung erfahren und schonungslos umgebracht werden sollten.
Aber waren die Amalekiter Kanaanäer? Sie werden jedenfalls in V 17 unter den
auszurottenden Völkerschaften nicht genannt. Im
übrigen zeigen gerade diese Gesetze eine für damalige Verhältnisse erstaunliche
Milde: Keiner darf gezwungen werden, an einem Feldzug teilzunehmen - im
Normalfall soll einer Stadt zuerst der Friede angeboten werden und auch im
Kriegsfall die Zivilbevölkerung (Frauen und Kinder) sowie das Vieh und die
Bäume geschont werden. Gerade die Schutzbestimmung für die Bäume ist für uns
heute interessant. Normalerweise holzte man damals für Kriegsmaterial alles ab,
was man vorfand. Diese Vorschrift zeigt also insgesamt einen sehr humanen
Geist, wenn sie auch den Krieg insgesamt nicht verbietet. Das
5. Gebot "Du sollst nicht töten"
bezog sich seinem Wortlaut nach nur auf den Mord, d.h. also auf das
eigenmächtige Töten Einzelner, nicht aber auf den Krieg oder die Todesstrafe.
Es hat bis in unsere Zeit gedauert, bis klar geworden ist, dass das Verbot zu
töten sich nicht auf bestimmte Situationen einschränken lässt. Andere haben das sehr viel früher als wir klarer gesehen, so z.B.
der chinesische Mo Ti (Micius, 5. Jh. v. Chr.) der es
merkwürdig findet, dass man Verbrechen im Kleinen wie Mord oder Raub verurteilt,
sie aber im Großen Im Krieg als Heldentaten feiert: "Wenn jemand einen anderen tötet, dann nennen sie es
verwerflich und setzen darauf die Todes strafe. Führt man diese
Argumentationsweise fort, so ist einer, der zehn Menschen tötet, zehnmal
verwerflicher und hat auch die zehnfache Strafe zu erwarten. Doch wenn in
großem Maßstab Verwerflichkeit vorkommt und jemand einen Staat angreift, dann
wissen sie es nicht zu verurteilen, loben es sogar noch und nennen es
Rechtschaffenheit."
[1] Davon steht aber leider nichts im Alten Testament. Wir müssen also Samuel zugute halten, dass er es nicht besser gewusst hat. Aber wir können heute nicht mehr so argumentieren. Wir müssen also einfach davon ausgehen und zur Kenntnis nehmen, dass auch große Gottesmänner wie Mose, Samuel oder Elia Gott noch nicht richtig verstanden hatten - obwohl sie von Anfang an wussten, dass "Jahwe barmherzig und gnädig ist" (2. Mose 34, 6). Wir müssen ihnen ferner zugute halten, dass es ihnen selbst bei besserer Kenntnis schwer gefallen ist, die humanen und barmherzigen Gesetze für das eigene Volk in einer unbarmherzigen Welt durchzusetzen. Die Leute haben's einfach nicht begriffen. weiter ▶ |
[1] (Gegen den Angriffskrieg I; zitiert in: Mo Ti, Gegen den Krieg, Diederichs gelbe Reihe 10 S.27) |
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Datum: 1981 / 2005 Aktuell: 14.07.2006 |
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