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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Frieden in der Bibel

Altes Testament

Thora

veröffentlicht in der Mitarbeiterzeitschrift der Evangelischen Jugend im Dekanat Reinheim
"Team" 6-1981

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Samuel hätte sich sicher auf die in 5. Mose 20 überlieferten Kriegsgesetze berufen, wonach die Kanaanäer eine Sonderbehandlung erfahren und schonungslos umgebracht werden sollten. Aber waren die Amalekiter Kanaanäer? Sie werden jedenfalls in V 17 unter den auszurottenden Völkerschaften nicht genannt.

Im übrigen zeigen gerade diese Gesetze eine für damalige Verhältnisse erstaunliche Milde: Keiner darf gezwungen werden, an einem Feldzug teilzunehmen - im Normalfall soll einer Stadt zuerst der Friede angeboten werden und auch im Kriegsfall die Zivilbevölkerung (Frauen und Kinder) sowie das Vieh und die Bäume geschont werden. Gerade die Schutzbestimmung für die Bäume ist für uns heute interessant. Normalerweise holzte man damals für Kriegsmaterial alles ab, was man vorfand. Diese Vorschrift zeigt also insgesamt einen sehr humanen Geist, wenn sie auch den Krieg insgesamt nicht verbietet.

Das 5. Gebot "Du sollst nicht töten" bezog sich seinem Wortlaut nach nur auf den Mord, d.h. also auf das eigenmächtige Töten Einzelner, nicht aber auf den Krieg oder die Todesstrafe. Es hat bis in unsere Zeit gedauert, bis klar geworden ist, dass das Verbot zu töten sich nicht auf bestimmte Situationen einschränken lässt.

Andere haben das sehr viel früher als wir klarer gesehen, so z.B. der chinesische Mo Ti (Micius, 5. Jh. v. Chr.) der es merkwürdig findet, dass man Verbrechen im Kleinen wie Mord oder Raub verurteilt, sie aber im Großen Im Krieg als Heldentaten feiert:

"Wenn jemand einen anderen tötet, dann nennen sie es verwerflich und setzen darauf die Todes strafe. Führt man diese Argumentationsweise fort, so ist einer, der zehn Menschen tötet, zehnmal verwerflicher und hat auch die zehnfache Strafe zu erwarten. Doch wenn in großem Maßstab Verwerflichkeit vorkommt und jemand einen Staat angreift, dann wissen sie es nicht zu verurteilen, loben es sogar noch und nennen es Rechtschaffenheit." [1]

Davon steht aber leider nichts im Alten Testament. Wir müssen also Samuel zugute halten, dass er es nicht besser gewusst hat. Aber wir können heute nicht mehr so argumentieren. Wir müssen also einfach davon ausgehen und zur Kenntnis nehmen, dass auch große Gottesmänner wie Mose, Samuel oder Elia Gott noch nicht richtig verstanden hatten - obwohl sie von Anfang an wussten, dass "Jahwe barmherzig und gnädig ist" (2. Mose 34, 6). Wir müssen ihnen ferner zugute halten, dass es ihnen selbst bei besserer Kenntnis schwer gefallen ist, die humanen und barmherzigen Gesetze für das eigene Volk in einer unbarmherzigen Welt durchzusetzen. Die Leute haben's einfach nicht begriffen.

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[1] (Gegen den Angriffskrieg I; zitiert in: Mo Ti, Gegen den Krieg, Diederichs gelbe Reihe 10 S.27)

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Datum: 1981 / 2005

Aktuell: 14.07.2006