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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Frieden in der BibelAltes TestamentProphetenveröffentlicht in der Mitarbeiterzeitschrift
der Evangelischen Jugend im Dekanat Reinheim |
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Heilsgut Friede von unserem Verhalten abhängig |
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Nicht die Gesetzgebung, sondern die Propheten haben in Israel ganz neue Gesichtspunkte in die Debatte geworfen, u. zw. zu einer Zeit, als Israel den Krieg nicht als triumphierende Sieger, sondern als gedemütigte und zerschlagene Verlierer erfahren musste. Vielleicht war die ganze politische Entwicklung der beiden israelitischen Staaten bis hin zum Zusammenbruch notwendig. Anders hätten sie es nicht begriffen. ZionstheologieIhre Wurzel hat die prophetische Friedenshoffnung teilweise in der "Zionstheologie": Gott wird seinen
Tempel schon nicht im Stich lassen; weil Gottes Tempel in Jerusalem steht, ist
die Stadt unantastbar, vgl. Ps. 46. Davon geht offenbar noch Jesaja aus,
In Jes 2
dagegen wird der Friede nicht durch Gewalt, sondern durch Überzeugung
hergestellte. Die Völker finden das heilige Gottesrecht Israels für so gut, dass
sie es übernehmen, freiwillig nach Jerusalem zu kommen und sich dort ihre
Richtlinien geben zu lassen.
Jes 2
dagegen rechnet mit einer freiwilligen Abrüstung der Völker, die ihre Waffen
nicht mehr brauchen und auch nicht mehr lernen, Krieg zu führen, weil es keinen
Krieg mehr geben kann und alle Feindschaft zu Ende ist, wenn alle Menschen
Gottes Willen tun. Sie werden also gar nicht auf die Idee kommen, mit
Steinschleudern oder Sicheln aufeinander loszugehen. MessiastheologieEine weitere Wurzel der Friedenshoffnung ist die Messiastheologie: Man erwartet von einem zukünftigen König Frieden und nationalen Aufstieg. Ein typisches Beispiel dafür ist Jes 11, 1-5. Die Erwartungen, die an so einen Idealkönig gestellt werden, sind im Laufe der Zeit so hoch gespannt worden, dass kein Mensch sie bisher erfüllen konnte. Die Juden warten daher heute noch auf den Messias. Wir Christen dagegen sehen in Jesus diese Hoffnung erfüllt, allerdings nicht so, wie manche sich das vorgestellt haben. Heilsgut Friede von unserem Verhalten abhängigDas ganze
Alte Testament ist sich darüber einig, dass Friede eins der Heilsgüter Gottes ist, letztlich ein Geschenk.
Menschen können den Frieden nicht herbeiführen - aber sie können durch ihr
Verhalten dazu beitragen, dass Friede wird. Darum machen Gesetz und Propheten
den Frieden vom rechten Verhalten
abhängig, u. zw. nicht so, dass man sich den Frieden verdienen könnte, denn
Friede kann nur da sein, wo Recht und Gerechtigkeit herrschen: Jesaja 48, 18 O dass du auf meine Gebote gemerkt hättest, so würde
dein Friede sein wie ein Wasser und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen ... 22
... Aber die Gottlosen haben keinen Frieden. Frieden
und Gerechtigkeit sind an dieser Stelle zu Synonymen geworden, und es wird ganz
deutlich gesagt, dass das Halten der Gebote die Voraussetzung für Frieden und
Gerechtigkeit ist. Die Gottlosen, die sich nicht um die Gebote halten, werden
also keinen Frieden haben können. Sacharja 8, 10 Vor diesen Tagen war der Menschen Arbeit
vergebens, und auch der Tiere Arbeit erbrachte nichts; und vor lauter Feinden
war kein Friede für die, die aus- und einzogen, und ich ließ alle Menschen
aufeinander los ein Jeder gegen seinen Nächsten. (Das alles soll nun anders
werden, Gott will Juda und Jerusalem wieder wohl tun.) 16 Das ist's
aber, was ihr tun sollt: Rede einer mit dem anderen die Wahrheit und richtet
recht, schafft Frieden in euren Toren, 17 und keiner ersinne Arges in
seinem Herzen gegen seinen Nächsten, und liebt nicht falsche Eide; denn das
alles hasse ich, spricht Jahwe. Auch
hier sind Frieden und Gerechtigkeit ein und dasselbe und ergeben sich beide aus
dem Halten der Gebote. Hier wird auch deutlich, dass Frieden nicht nur eine Sache der Außenpolitik ist: Der
Prophet hebt den künftigen Frieden ab gegen den bisherigen Kampf aller gegen
alle. Die Grenze: Frieden durch Vernichtung der FeindeEine Grenze des Alten Testaments besteht darin, dass sich viele biblische Autoren den Frieden nicht anders
vorstellen können, als dass die äußeren
Feinde besiegt und vernichtet werden. Daher enthalten die meisten
Propheten Bücher auch Sprüche gegen fremde Völker, denen der Untergang
angedroht wird. ŠalomEs
liegt im Wesen des biblischen Begriffs šalom, dass er umfassender ist als
das, was wir unter Frieden verstehen. So müssen wir also auch Stellen
berücksichtigen wie: Jes 53, 5 Die Strafe liegt auf ihm,
auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Hier ist
an den Frieden mit Gott gedacht: Der Gottesknecht stirbt stellvertretend für
die anderen, damit ihr Verhältnis zu Gott wieder in Ordnung kommen kann. Jer 29, 7 Suchet der Stadt Bestes (šalom) ... ; denn wenn's ihr wohl geht, so geht's auch euch wohl
(denn in ihrem šalom liegt eurer.) Die deportierten Juden können natürlich in Babylonien nicht für Frieden sorgen; aber sie können, soweit es an ihnen liegt, dazu beitragen, dass es in ihrem Gastland und damit ihnen selbst "wohl geht". - In dieser Stelle klingt gleichzeitig auch etwas Feindesliebe an: Die Verschleppten sollen in eigenem Interesse für das Wohl ihrer Feinde arbeiten. Kein fauler FriedeDie Propheten warnen vor einem faulen
Frieden, in dem äußere Ruhe und
Ordnung die innere Ungerechtigkeit verschleiern, und bekämpfen falsche
Propheten, die heilen den Schaden meines Volkes nur oben hin, indem sie sagen
"Friede, Friede!" und ist doch nicht Friede, Jer 6, 14; ähnlich 8, 11
und Hes 13, 10-16. |
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Datum: 1981 / 2005 Aktuell: 14.07.2006 |
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