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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Frieden in der Bibel

Altes Testament

Weisheit

veröffentlicht in der Mitarbeiterzeitschrift der Evangelischen Jugend im Dekanat Reinheim
"Team" 6-1981

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Sucht den Frieden

Friede im Privaten

Feindesliebe

 

Die weisheitliche Überlieferung des Alten Testaments schließt sich voll den Propheten an, indem sie z.B. feststellt:

Ps 34, 12 Kommt her, ihr Kinder und hört mir zu! Ich will euch die Furcht Jahwes lehren. 13 Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen? 14 Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. 15 Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!

Sucht den Frieden

Gutes Leben und Frieden sind also auch hier daran gebunden, dass wir uns richtig verhalten. Frieden ist ein Gut. das man suchen muss: es wird uns nicht umsonst zuteil.

Ps 85,9 Könnte ich doch hören, was Jahwe, Gott redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, damit sie nicht in Torheit geraten. 10 Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserem Lande Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen...

Hier wird also deutlich gesagt, dass Friede genau wie die anderen Segnungen nicht machbar ist,  sondern ein Geschenk Gottes.

Friede im Privaten

Stärker als bei den Propheten wird der Friede in der Weisheit auf den privaten Sektor verlagert:

Hiob 3, 26 Ich hatte keinen Frieden, keine Rast, keine Ruhe, da kam schon wieder Ungemach.

Spr 17, 1 Besser, ein trockener Bissen mJt Frieden als ein Haus voll Geschlachtetem mit Streit.

Während in diesen Versen immerhin noch das äußere Geschehen (Schicksal, Frieden in der Familie) im Auge ist, wird an anderen Stellen der Friede regelrecht ins Innere verlagert:

Ps 119,165 Großen Frieden haben die, die dein Gesetz lieben: sie werden nicht straucheln.

Da der Beter durch die Gottlosen in Schwierigkeiten gebracht wird (V 51, 95 u. ä.), äußert sich der Friede nicht im Äußeren, sondern im Innern: Er erweist sich in der inneren Stabilität des Frommen, der sich von den Gottlosen nicht irre machen lässt:

Hiob 22, 21 So vertrage dich nun mit Gott und mache Frieden...

Hiob wird den inneren Frieden finden, meint Eliphas, indem er mit Gott Frieden schließt und aufhört, mit Gott zu hadern.

Feindesliebe

Stärker als bei den Propheten kommt in der Weisheit auch der Gesichtspunkt der Feindesliebe zur Geltung, so schon in der weisheitlichen Erzählung, wie David seinen Verfolger Saul verschont, obwohl er Ihn hätte töten können. Nachdem sich Saul der Gefahr bewusst geworden ist, in der er schwebte, sagte er zu David:

1. Sam 24, 18 Du bist gerechter als Ich, du hast mir Gutes erwiesen; ich aber habe dir Böses erwiesen... 20 Wo ist jemand, der seinen Feind findet und lässt ihn mit Frieden seinen Weg gehen?

Die Geschichte ist nicht aus historischem Interesse, sondern als Beispiel erzählt, dem der Hörer und Leser nacheifern soll. Noch deutlicher sagt der Weise:

Spr 25, 21 Hungert deinem Feind, so speise ihn mit Brot, dürstet ihm, so tränke ihn mit Wasser, 22 denn du wirst feurige Kohlen auf sein Haupt häufeln, und Jahwe wird dir's vergelten (dir šalom verschaffen).

Jüdische Ausleger wollen statt "vergelten" lieber übersetzen "wird ihn dir übergeben" oder "zum Freund machen". Sie meinen damit also: Du brauchst keine besondere Belohnung dafür zu erwarten; dein Lohn besteht darin, dass dein Feind zum Freund wird.

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Datum: 1981 / 2005

Aktuell: 14.07.2006