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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Frieden in der Bibel

Neues Testament

Jesus

veröffentlicht in der Mitarbeiterzeitschrift der Evangelischen Jugend im Dekanat Reinheim
"Team" 6-1981

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Grundsätzliches

Das Reich Gottes

Jesus hat sich über die Fragen der Politik nur zurückhaltend geäußert:

Bergpredigt

Jesus fragt nach dem ursprünglichen Willen Gottes

Bergpredigt auch für die politische Ethik gedacht

Missverständnis der Bergpredigt

was wir damit anfangen können:

Feindschaft

auch die andere

Backe hinzuhalten

Feindesliebe

Friedensstifter

Jesus war kein friedfertiger Mensch

 

Das Neue Testament erweckt den Eindruck, als sei der Friede nun völlig auf den privaten Sektor und der Innerlichkeit beschränkt und als spiele die politische Seite keine Rolle.

Grundsätzliches

Jesus hat sich über die Fragen der Politik nur zurückhaltend geäußert:

Mk 12,13-17 Die Frage, ob ein gläubiger Jude dem Kaiser Steuern zahlen darf oder nicht, ist in erster Linie eine religiöse Frage: Der Kaiser hält sich für einen Gott; sein Bild auf der Münze ist ein Gottesbild, und Gottesbilder sind für den Juden verboten. Jesu Gegner schließen daraus, dass man keine Steuern zahlen darf Jesu dagegen meint, man dürfe solche Steuermünzen nicht besitzen, müsse sie also dem Kaiser zurückgeben.

Lk 13, 1-5 Jesus wertet die Nachricht von einem Blutbad, das Pilatus unter verdächtigen Pilgern anrichten ließ, nicht politisch, sondern religiös: Es ist eine Warnung für alle, das zeigt die Parallele mit dem Unglück am Siloah-Turm. - Natürlich mag die Warnung Jesu sich besonders gegen seine Gegner richten, die ebenfalls mit bewaffnetem Widerstand gegen Rom liebäugeln: Das Schicksal der Galiläer kann auch euer eigenes werden.

Nun lässt sich aber nicht leugnen, dass Jesus als König der Juden gekreuzigt wurde, auch wenn z.B. Jh 18,36+37 (mein Reich ist nicht von dieser Welt) diesen Schuldvorwurf ins Unpolitische abbiegen will. Dass der Vorwurf politisch gemeint ist, zeigt ganz deutlich Lk 23,2, wo sogar behauptet wird, Jesu habe verboten, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Pilatus hat anschließend Jesus für einen angesehen, der nach politischer Macht trachtete, und musste ihn deshalb aus Sicherheitsgründen kreuzigen.

Das Reich Gottes

Die politische Bedeutung Jesu erhellt sich eigentlich weniger aus seinen Worten direkt, sondern mehr in ihrem zeitgeschichtlichen Rahmen: Obwohl die Evangelisten mit keinem Wort darauf eingehen, können wir Jesu eigentlich nicht verstehen, wenn wir nicht annehmen, dass er sich mit der zelotischen Bewegung auseinandergesetzt hat, die den offenen Kampf mit Rom forcierte. Was die Zeloten wollten, war dem Namen nach dasselbe wie Jesus: das Reich Gottes, d.h. Gott sollte wieder König in Israel sein, und das ging ihrer Meinung nach nur in einem selbständigen Staat. Gottes Herrschaft konnte also nur Wirklichkeit werden, wenn man dafür kämpfte mit der Waffe in der Hand.
Jesus sah die Sache dagegen völlig anders: Gottes Reich ist überall da, wo Menschen Gottes Willen tun; und das konnte man seiner Meinung nach in einem selbständigen jüdischen Staat genauso wie unter römischer Oberherrschaft. Jesus wehrt sich auch in den Reichgottesgleichnissen gegen die Vorstellung, als könne Gott sozusagen durch einen Staatsstreich an die Macht kommen, sondern er behauptet, das Reich Gottes müsse langsam wachsen wie eine Pflanze: Je mehr Menschen Gottes Willen tun, desto größer wird seine Macht. Und Jesu ist da völlig zuversichtlich, dass auch aus kleinen, unscheinbaren Anfängen Großes entstehen kann.

Bergpredigt

Jesus fragt nach dem ursprünglichen Willen Gottes

Auf diesem Hintergrund ist auch Jesu Beitrag zur damaligen Gesetzesdiskussion zu verstehen: Wenn Jesus in der Bergpredigt das überlieferte Recht verschärft und in anderen Fällen barmherziger urteilt als seine Zeitgenossen, dann tut er es deshalb, weil er hinter dem Buchstaben des Gesetzes den ursprünglichen Wille Gottes erkennt. Daher kommt er etwa zu der Auffassung:

  • Mt 5,21-22 Das Gesetz verbietet den Mord; aber Gott verbietet eigentlich auch schon die bösen Gedanken, die zum Mord führen.

  • Mt 5,38-39 Das Gesetz verbietet nicht die Rache, sondern schränkt sie nur ein. Aber Gott verbietet eigentlich schon jede Art von Gewalt, auch die im Gesetz erlaubte Notwehr.

  • Mt 5, 43-48 Das Gesetz fordert Liebe nur zu den Volks- und Glaubensgenossen; Andersgläubige sind zugleich Feinde Gottes, die ist man sogar um des Glaubens willen verpflichtet zu hassen. Aber Gott selbst verhält sich anders; er behandelt "Freund und Feind" gleich. Daraus folgert Jesu sein Gebot der Feindesliebe.

Bergpredigt auch für die politische Ethik gedacht

Wenn wir Jesu Meinung auf dem zeitgeschichtlichen Hintergrund recht verstehen, dann sind seine Verbote der abfälligen Äußerung und der gewaltsamen Notwehr und sein Gebot der Feindesliebe nicht bloß Angelegenheit der privaten, sondern genauso auch der politischen Ethik. Denn der Feind, der einem Gewalt antun kann, und den man trotzdem lieben soll, ist der heidnische Römer oder der andersgläubige Samariter, nicht der Nachbar, mit dem ich in Streit lebe (wie kann denn ein rechtschaffener Mensch in eine Schlägerei verwickelt werden oder im privaten Bereich in Feindschaft leben?). Wenn der Gläubige in Schwierigkeiten kommt, dann nicht deswegen, weil er unausstehlich ist oder fortwährend Streit sucht, sondern um seines Glaubens willen, oder weil er einer unterdrückten Volksgruppe angehört.

Missverständnis der Bergpredigt

Es gilt hier ein weit verbreitetes Missverständnis der Bergpredigt auszuräumen, welches behauptet, Jesus habe die alttestamentlichen Gebote nur deswegen verschärft, weil er zeigen wollte, dass man sie gar nicht halten könne, und dass es daher unmöglich sei, sich durch gute Werke den Himmel zu verdienen.

Dem widerspricht

  1. die Aussage der Bergpredigt selbst: Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen sei, das Gesetz und die Propheten. aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen sondern zu erfüllen, (Mt 5.17) d.h. um das Gesetz mit neuem Inhalt zu füllen (nicht auf den Buchstaben, sondern auf den Geist kommt's an) und selbst zu halten. Oder Es sei denn eure Gerechtigkeit besser als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Damit fordert Jesus ja doch auch die "Erfüllung" des Gesetzes durch die Christen, aber eben besser und anders als die Juden,

  2. Unser Gesetzesverständnis ist etwas einseitig von Paulus und von Luther her geprägt, als sei Gesetz grundsätzlich etwas Negatives. Matthäus und Jakobus haben Jesus sicher anders verstanden: Nicht als einen, der das jüdische Gesetz auf heben will, sondern als einen, der ihm einen neuen Sinn gibt, als neuen Mose, der das vollkommene Gesetz der Freiheit gibt (Jak 1, 25). Was Paulus und Luther durchaus im Einklang mit Jesus und den Propheten ablehnen, ist die Auffassung, man könne sich durch das Halten des Zeremonialgesetzes (Opfer, Reinheitsvorschriften usw.) bei Gott einen guten Namen machen. Die "guten Werke", die als nutzlos abgelehnt werden,  sind Frömmigkeitsübungen, vgl. Mt 6. Weder Paulus noch Luther haben behauptet, mit dem Zeremonialgesetz seien auch die ethischen Vorschriften des Gesetzes überholt.

Wir müssen also die Bergpredigt im Sinne von Matthäus so verstehen, als sei das Gesetz in seinen ethischen Abschnitten noch nicht radikal genug. Jesus legt es noch viel schärfer aus und verbietet z.B. auch die Notwehr oder die Ehescheidung. Es gibt also keinen exegetischen Kunstgriff, der uns erlaubt, Mt 5. anders zu verstehen, als es wörtlich da steht: Jesus verbietet böse Worte, Rache und Notwehr und gebietet die Feindesliebe.

Wenn wir diese Anweisungen wörtlich nehmen, müssten, wir uns nun Überlegen, was wir damit anfangen können:

Feindschaft beginnt damit, dass man schlecht über andere denkt, und böse Gedanken äußern sich in bösen Worten. Das ist nicht nur im Privatleben so, sondern im öffentlichen Leben auch. Es ist also eine Frage, wie wir über einander denken: Politische Feindschaft, Krieg und Völkermord können damit beginnen, dass wir die Angehörigen anderer Völker als Untermenschen verachten oder als Unmenschen fürchten. Wer seinen Bruder für einen Nichtsnutz oder einen gottlosen Narren hält, ist auch leicht bereit, auf ihn zu schießen. Wer Italiener für faul und dreckig, Türken für halbzivilisierte Wilden und Russen für blutdürstende Kriegstreiber hält, der spielt in seinem Herzen bereits mit Völkermord, und für den ist vielleicht sogar das höllische Feuer noch zu schade.

Die Weisung Jesu, dem Schläger auch die andere Backe hinzuhalten, ist für den Gläubigen nicht interessant, wenn es sich um sein privates Verhalten handelt. Denn ein "friedfertiger" Mensch (Mt 5, 9) wird sich wohl kaum in eine Schlägerei verwickeln lassen. Und ungläubige Draufgänger werden sich auch kaum an diese Weisung halten. Sinnvoll ist dieses Wort Jesu eigentlich nur in der weltanschaulichen und politischen Auseinandersetzung: Wenn du als Gläubiger oder Unterdrückter geschlagen wirst, dann leiste keine Gegenwehr, sondern "nimm das Kreuz auf dich." Da Jesus aber seine Weisung nicht an seine Bedingung (Verfolgung) geknüpft hat, ist das Verbot der Notwehr generell gemeint, also auch im alltäglichen Leben unabhängig von einer Verfolgungssituation.

Leider hat Jesu sein Verbot nicht begründet, dann wäre uns vieles klarer. Wir würden es besser verstehen, wenn er gesagt hätte "Gewalt ist grundsätzlich böse, im Angriff wie in der Verteidigung" oder "Lieber Unrecht leiden als Unrecht tun" oder "Liebe verträgt sich nicht mit Gewalt."

  • Dass Gewalt grundsätzlich böse ist, wird in der Bibel nicht ausdrücklich gesagt; es ergibt sich aber aus diesem Jesuswort. Es ist daher nicht die Begründung des Verbots, sondern eine Folgerung daraus, wenn wir sagen "Gewalt ist böse."

  • Der Satz Lieber Unrecht leiden als Unrecht tun steht ebenfalls nicht in der Bibel, sondern stammt von Sokrates: Wenn ich vor der Notwendigkeit stünde, entweder Unrecht zu tun oder Unrecht zu leiden, würde ich lieber Unrecht leiden als Unrecht tun. [1]

  • Die christliche und jüdische Fassung dieser Überzeugung lautet vielmehr: Segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen (Mt 5,44). Vergeltet niemand Böses mit Bösem... Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Rö 12, 17+21); und jüdischerseits: Gott sprach zu Mose: Sei mir gleich; ich will Gutes für Böses vergelten, so vergiltst auch du Gutes für Böses. [2]- Ausgangspunkt ist die Forderung aus Spr 25, 21+22, dem Not leidenden Feind zu helfen.

  • Weshalb Jesu die Gewaltanwendung auch in der Verteidigung verbietet, ergibt sich aber klar aus dem Liebesgebot, wie Paulus es lapidar Rö 13, 10 formuliert: Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.

Feindesliebe ergibt sich eigentlich aus dem Liebesgebot selbst; Jesu begründet seine Forderung aber weder mit dem Liebesgebot noch mit Sprüche 25, 21+22, sondern mit dem Verhalten Gottes, der auch keinen Unterschiede zwischen Freund und Feind macht. Um das Gebot der Feindesliebe verstehen zu können, müssen wir folgendes wissen:

  1. Der Feind im biblischen Sinn ist nicht der, den ich nicht leiden kann und mit dem ich streite (also der "Gegner"), auch nicht der "Unfreund" (lat. inimicus), sondern der "Hasser" (hebr.: איב ojjeb; auch das deutsche Feind ist ein aktives Partizip von ahd. en 'hassen, verfolgen'). Jesus verlangt also nicht, dass wir die lieben sollen, die wir nicht leiden können (das wäre ein Widerspruch in sich selbst), sondern dass wir unsere "Hasser" lieben sollen, die uns verfolgen und Böses tun.

  2. Lieben im biblischen Sinn ist weniger ein Gefühl (wie griech. ἐρᾶσθαι erâsthai), sondern eine Verhaltensweise und wird daher teilweise nicht wie bei uns mit dem Akkusativ, sondern mit dem Dativ konstruiert: 3. Mose 19,18 ואהבת לרעך כמוך Weʔahabtá . leʕaká kámôká (nicht את־רעך ät-ʕa) muss übersetzt werden: Du sollst lieb zu deinem Nächsten sein. Dass das so zu verstehen ist, ergibt sich auch von selbst aus der Folgerung Mt 5, 44 Segnet, die euch verfolgen...

Was Jesus verlangt, ist also zunächst weiter nichts, als das wir auch diejenigen anständig behandeln, die uns Schwierigkeiten machen. Dass sich aber Handlungsweise und Gefühl nicht voneinander trennen lassen, versteht sich von selbst: Wer seinen Feind hasst, tut sich sehr schwer, ihn anständig zu behandeln. Voraussetzung ist also schon die innere Einstellung. Umgekehrt: Wer seinen Feind-anständig behandelt, tut sich sehr schwer, ihn weiterhin zu hassen. Man begibt sich damit gewissermaßen in einen Regelkreis, in dem Gefühl und Verhalten sich gegenseitig verstärken. Das Gebot der Feindesliebe ist sicher nicht bloß auf den privaten Bereich zu beschränken, zumal für den Zeitgenossen Jesu die "Hasser" ja nicht nur die ungläubigen Angehörigen des israelitischen Volkes und die Samariter, sondern vor allem die heidnischen Besetzer ihres Landes waren. Auch ihnen gegenüber ist also das Liebesgebot anzuwenden.

Jesu Seligpreisung der "Friedensstifter" (Mt 5,9) steht eigentlich gar nicht so isoliert in den Seligpreisungen, wie es vielleicht den Anschein hat: Im Unterschied zur Lukasfassung, der die materiell Armen im Auge hat, denkt Matthäus an die "geistlich Armen" im jüdischen Sinn, d.h. an die Frommen, die sich bereits im AT als arm, verfolgt und unterdrückt verstanden. Die einzelnen Seligpreisungen meinen also ein und dieselbe Menschengruppe:

  • Die "Armen im Geist" (עניי רוח ʕanijê rûa) sind dieselben wie die "Sanftmütigen" (ענוים ʕanáwîm) - eine Selbstbezeichnung der Frommen, die demütig Gott gegenüber und sanftmütig den Menschen gegenüber sind.

  • Die "Armen im Geist" stehen parallel zu den "Reinen im Herzen"; sie zeichnen sich nicht bloß durch saubere Hände (äußere Reinheit),  sondern durch ein reines Gewissen aus. Zugleich hat diese Reinheit genau wie die Armut einen Aspekt des Mangels: Die Frommen haben Gott nichts zu bieten; sie stehen vor ihm "mit leeren Händen und Herzen."

  • Die Seligpreisenden sind zugleich Sanftmütige und Friedensstifter. Was unter sanftmütig zu verstehen ist, zeigt die jüdische Legende um Hillel, der sich im Unterschied zu seinen hitzköpfigen Kollegen Schammaj nicht aus der Ruhe bringen lässt. [3] Sanftmütig sind also diejenigen, die sich nicht provozieren lassen und die innere Größe haben, sich alles gefallen zu lassen.

Demgegenüber ist der Ausdruck "Friedensstifter" nicht passiv, sondern aktiv zu verstehen. Der Ausdruck wird in der jüdischen Tradition z.B. auf Menschen angewendet, denen es gelingt, streitende Ehepaare wieder miteinander auszusöhnen. [4]

Beide Seligpreisungen können sich übrigens auf das Alte Testament berufen: Ps. 37, 11 Aber die Elenden (bzw. Sanftmütigen) werden das Land erben und ihre Freude haben an großem Frieden und Spr. 34,15 Suche Frieden und jage ihm nach.

  • Die friedfertigen Frommen sind aber zugleich die Leidenden (V 4), ungerecht Behandelten (V 6) und Verfolgten (V 10-12).

Die Bergpredigt stellt uns also ein bestimmtes Frömmigkeits-Ideal vor Augen: Menschen, die demütig sind vor Gott und sich von bösen Menschen nicht provozieren lassen, sondern umgekehrt alles tun, um in Frieden mit anderen auszukommen und selbst Frieden stiften.

Der politische Aspekt dieser Einstellung kommt dabei nicht zur Geltung. Es wird uns aber deutlich in der alttestamentlichen Formulierung Die Elenden werden das Land besitzen, also diejenigen, die im Moment unterdrückt werden: abhängig gewordene Kleinbauern, die weder wirtschaftlich noch politisch was zu sagen haben. Es sind nicht die "Gewaltlosen" im Sinne Gandhis, die bei ihrem Kampf auf Gebrauch von Gewalt verzichten, sondern die Machtlosen, die nicht in der Lage sind, sich zu wehren und durchzusetzen. Ihnen wird Gott selbst zum Recht verhelfen - das ist auch der Sinn der Seligpreisungen,

Jesus war kein friedfertiger Mensch

Jesus, wie ihn uns die Evangelisten darstellen, war kein friedlicher Mensch. Das zeigen uns folgende Beispiele:

  • Er hatte Feinde, die ihn schließlich ans Kreuz brachten.

  • Er hat sich mit seinen Gegnern recht aggressiv auseinandergesetzt, auch wenn wir Abschnitte wie Matthäus 23 (Wehe euch Schriftgelehrten und Pharisäern!) nicht als originale Rede Jesu, sondern als christliche Auseinandersetzung mit dem Judentum verstehen müssen, die auf Argumente Jesu zurückgreift.

  • Mt 10, 34-39 versteht sich Jesus nicht als Friedensstifter, sondern als einen, der Streit und Zwietracht selbst in die Familien bringt und dies im Gegensatz zu Erwartungen wie Mal 3,24, wonach der wiederkommende Prophet Elia am Ende der Zeit das Herz der Väter zu den Söhnen (und umgekehrt) bekehren soll. Diese Stelle ist aber sicher nicht so gemeint, als wolle Jesus Streit und Unfrieden. Sondern er will Menschen, die in seine Nachfolge treten wollen, Mut machen, diesen häuslichen Unfrieden zu riskieren.

  • Jesus hat bei der Tempelreinigung vor Gewaltausübung nicht zurückgescheut: Er warf die Stände und Buden um, und wenn wir dem Johannesevangelium Glauben schenken dürfen,  trieb er die Händler und Wechsler sogar mit einer Peitsche hinaus.

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[1] zitiert Platon, Gorgias 469c

 

[2] Rabbi Meir, zit. Exodus Rabba 26 (87 b), Billerbeck 1 372

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[3] Billerbeck 1 198 ff

 

[4] Billerbeck 1 216+17

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 1981 / 2005

Aktuell: 14.07.2006