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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Frieden in der BibelNeues TestamentJesusveröffentlicht in der Mitarbeiterzeitschrift
der Evangelischen Jugend im Dekanat Reinheim |
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Jesus hat sich über die Fragen der Politik nur zurückhaltend geäußert: Jesus fragt nach dem ursprünglichen Willen Gottes Bergpredigt auch für die politische Ethik gedacht Missverständnis der Bergpredigt |
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Das
Neue Testament erweckt den Eindruck, als sei der Friede nun völlig auf den privaten Sektor und der Innerlichkeit beschränkt und als spiele
die politische Seite keine Rolle.Grundsätzliches
Jesus hat sich über die Fragen der Politik
nur zurückhaltend geäußert: Mk 12,13-17 Die Frage, ob ein gläubiger Jude dem Kaiser Steuern zahlen darf oder nicht, ist in erster Linie eine religiöse
Frage: Der Kaiser hält sich für einen Gott; sein Bild auf der Münze ist ein
Gottesbild, und Gottesbilder sind für den Juden verboten. Jesu Gegner schließen
daraus, dass man keine Steuern zahlen darf Jesu dagegen meint, man dürfe solche
Steuermünzen nicht besitzen, müsse sie also dem Kaiser zurückgeben. Lk 13,
1-5 Jesus wertet die Nachricht von einem Blutbad,
das Pilatus unter verdächtigen Pilgern anrichten ließ, nicht politisch,
sondern religiös: Es ist eine Warnung für alle, das zeigt die Parallele mit dem
Unglück am Siloah-Turm. - Natürlich mag die Warnung Jesu sich besonders gegen
seine Gegner richten, die ebenfalls mit bewaffnetem Widerstand gegen Rom
liebäugeln: Das Schicksal der Galiläer kann auch euer eigenes werden. Nun lässt sich aber nicht leugnen, dass Jesus als König der Juden gekreuzigt wurde, auch wenn z.B. Jh 18,36+37 (mein Reich ist nicht von dieser Welt) diesen Schuldvorwurf ins Unpolitische abbiegen will. Dass der Vorwurf politisch gemeint ist, zeigt ganz deutlich Lk 23,2, wo sogar behauptet wird, Jesu habe verboten, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Pilatus hat anschließend Jesus für einen angesehen, der nach politischer Macht trachtete, und musste ihn deshalb aus Sicherheitsgründen kreuzigen. Die politische Bedeutung Jesu erhellt sich eigentlich weniger aus seinen Worten
direkt, sondern mehr in ihrem zeitgeschichtlichen Rahmen: Obwohl die
Evangelisten mit keinem Wort darauf eingehen, können wir Jesu eigentlich nicht
verstehen, wenn wir nicht annehmen, dass er sich mit der zelotischen Bewegung auseinandergesetzt hat, die den offenen Kampf
mit Rom forcierte. Was die Zeloten wollten, war dem Namen nach dasselbe wie
Jesus: das Reich Gottes, d.h. Gott
sollte wieder König in Israel sein, und das ging ihrer Meinung nach nur in
einem selbständigen Staat. Gottes Herrschaft konnte also nur Wirklichkeit
werden, wenn man dafür kämpfte mit der Waffe in der Hand. BergpredigtJesus fragt nach dem ursprünglichen Willen Gottes Auf diesem Hintergrund ist auch Jesu Beitrag zur damaligen Gesetzesdiskussion zu verstehen: Wenn Jesus in der Bergpredigt das überlieferte Recht verschärft und in anderen Fällen barmherziger urteilt als seine Zeitgenossen, dann tut er es deshalb, weil er hinter dem Buchstaben des Gesetzes den ursprünglichen Wille Gottes erkennt. Daher kommt er etwa zu der Auffassung:
Bergpredigt auch für die politische Ethik gedacht
Wenn wir
Jesu Meinung auf dem zeitgeschichtlichen Hintergrund recht verstehen, dann sind
seine Verbote der abfälligen Äußerung und der gewaltsamen Notwehr und sein Gebot
der Feindesliebe nicht bloß Angelegenheit der privaten, sondern genauso auch
der politischen Ethik. Denn der
Feind, der einem Gewalt antun kann, und den man trotzdem lieben soll, ist der
heidnische Römer oder der andersgläubige Samariter, nicht der Nachbar, mit dem
ich in Streit lebe (wie kann denn ein rechtschaffener Mensch in eine
Schlägerei verwickelt werden oder im privaten Bereich in Feindschaft leben?).
Wenn der Gläubige in Schwierigkeiten kommt, dann nicht deswegen, weil er
unausstehlich ist oder fortwährend Streit sucht, sondern um seines Glaubens
willen, oder weil er einer unterdrückten Volksgruppe angehört. Missverständnis der Bergpredigt Es gilt hier ein weit verbreitetes Missverständnis der Bergpredigt auszuräumen, welches behauptet,
Jesus habe die alttestamentlichen Gebote nur deswegen verschärft, weil er zeigen
wollte, dass man sie gar nicht halten könne, und dass es daher unmöglich sei, sich durch
gute Werke den Himmel zu verdienen. Dem widerspricht
Wir müssen also die Bergpredigt im Sinne von Matthäus so
verstehen, als sei das Gesetz in seinen ethischen Abschnitten noch nicht
radikal genug. Jesus legt es noch viel schärfer aus und verbietet z.B. auch die
Notwehr oder die Ehescheidung. Es gibt also keinen exegetischen Kunstgriff, der
uns erlaubt, Mt 5. anders zu verstehen, als es wörtlich da steht: Jesus
verbietet böse Worte, Rache und Notwehr und gebietet die Feindesliebe.
Wenn wir diese Anweisungen wörtlich nehmen, müssten, wir uns nun Überlegen,
was wir damit anfangen können:
Die Weisung Jesu, dem Schläger
auch die
andere Backe hinzuhalten, ist für den Gläubigen nicht interessant, wenn es
sich um sein privates Verhalten handelt. Denn ein "friedfertiger"
Mensch (Mt 5, 9) wird sich wohl kaum in eine Schlägerei verwickeln lassen.
Und ungläubige Draufgänger werden sich auch kaum an diese Weisung halten.
Sinnvoll ist dieses Wort Jesu eigentlich nur in der weltanschaulichen und politischen Auseinandersetzung: Wenn
du als Gläubiger oder Unterdrückter geschlagen wirst, dann leiste keine
Gegenwehr, sondern "nimm das Kreuz auf dich." Da Jesus aber seine
Weisung nicht an seine Bedingung (Verfolgung) geknüpft hat, ist das Verbot der
Notwehr generell gemeint, also auch im alltäglichen Leben unabhängig von einer
Verfolgungssituation. Leider hat Jesu sein Verbot
nicht begründet, dann wäre uns vieles klarer. Wir würden es besser
verstehen, wenn er gesagt hätte "Gewalt ist grundsätzlich böse, im Angriff
wie in der Verteidigung" oder "Lieber Unrecht leiden als Unrecht
tun" oder "Liebe verträgt sich nicht mit Gewalt."
Feindesliebe ergibt sich
eigentlich aus dem Liebesgebot selbst; Jesu begründet seine Forderung aber
weder mit dem Liebesgebot noch mit Sprüche 25, 21+22, sondern mit dem Verhalten
Gottes, der auch keinen Unterschiede zwischen Freund und Feind macht. Um das
Gebot der Feindesliebe verstehen zu können, müssen wir folgendes wissen:
Was
Jesus verlangt, ist also zunächst weiter nichts, als das wir auch diejenigen anständig behandeln, die uns
Schwierigkeiten machen. Dass sich aber Handlungsweise und Gefühl nicht
voneinander trennen lassen, versteht sich von selbst: Wer seinen Feind hasst,
tut sich sehr schwer, ihn anständig zu behandeln. Voraussetzung ist also schon
die innere Einstellung. Umgekehrt: Wer seinen Feind-anständig behandelt, tut
sich sehr schwer, ihn weiterhin zu hassen. Man begibt sich damit gewissermaßen
in einen Regelkreis, in dem Gefühl und Verhalten sich gegenseitig verstärken.
Das Gebot der Feindesliebe ist sicher nicht bloß auf den privaten Bereich zu
beschränken, zumal für den Zeitgenossen Jesu die "Hasser" ja nicht
nur die ungläubigen Angehörigen des israelitischen Volkes und die Samariter,
sondern vor allem die heidnischen Besetzer ihres Landes waren. Auch ihnen
gegenüber ist also das Liebesgebot anzuwenden.
Jesu
Seligpreisung der "Friedensstifter"
(Mt 5,9) steht eigentlich gar nicht so isoliert in den Seligpreisungen, wie
es vielleicht den Anschein hat: Im Unterschied zur Lukasfassung, der die
materiell Armen im Auge hat, denkt Matthäus an die "geistlich Armen"
im jüdischen Sinn, d.h. an die Frommen, die sich bereits im AT als arm,
verfolgt und unterdrückt verstanden. Die einzelnen Seligpreisungen meinen also
ein und dieselbe Menschengruppe:
Demgegenüber
ist der Ausdruck "Friedensstifter" nicht passiv, sondern aktiv zu
verstehen. Der Ausdruck wird in der jüdischen Tradition z.B. auf Menschen
angewendet, denen es gelingt, streitende Ehepaare wieder miteinander
auszusöhnen.
[4]
Beide
Seligpreisungen können sich übrigens auf das Alte Testament berufen: Ps. 37, 11
Aber die Elenden (bzw. Sanftmütigen) werden das Land erben und ihre
Freude haben an großem Frieden und Spr. 34,15 Suche Frieden und jage
ihm nach.
Die
Bergpredigt stellt uns also ein bestimmtes Frömmigkeits-Ideal
vor Augen: Menschen, die demütig sind vor Gott und sich von bösen Menschen
nicht provozieren lassen, sondern umgekehrt alles tun, um in Frieden mit
anderen auszukommen und selbst Frieden stiften.
Der politische Aspekt dieser Einstellung kommt
dabei nicht zur Geltung. Es wird uns aber deutlich in der alttestamentlichen
Formulierung Die Elenden werden das Land besitzen, also diejenigen,
die im Moment unterdrückt werden: abhängig gewordene Kleinbauern, die weder
wirtschaftlich noch politisch was zu sagen haben. Es sind nicht die
"Gewaltlosen" im Sinne Gandhis, die bei ihrem Kampf auf Gebrauch von Gewalt
verzichten, sondern die Machtlosen,
die nicht in der Lage sind, sich zu wehren und durchzusetzen. Ihnen wird Gott
selbst zum Recht verhelfen - das ist auch der Sinn der Seligpreisungen, Jesus war kein friedfertiger Mensch
Jesus, wie ihn uns die Evangelisten darstellen, war
kein friedlicher Mensch. Das zeigen uns folgende Beispiele:
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[2] Rabbi Meir, zit. Exodus Rabba 26 (87 b), Billerbeck 1 372
[4] Billerbeck 1 216+17 |
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Datum: 1981 / 2005 Aktuell: 14.07.2006 |
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