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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Frieden in der BibelNeues TestamentJesus:veröffentlicht in der Mitarbeiterzeitschrift
der Evangelischen Jugend im Dekanat Reinheim |
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LeidensgeschichteInteressant wird die Haltung Jesu besonders in der Leidensgeschichte. Alle Umstände sprechen dafür, dass Jesus mit seiner Verhaftung gerechnet hat -
nicht nur die wiederholten Leidensankündigungen zeigen das, sondern auch in
besonderer Weise sein Verhalten
in den letzten Tagen: Er traut sich nicht mehr nach Jerusalem und betritt die
Stadt erst nach Anbruch der Dunkelheit. Die Vorbereitungen für das Passamahl
werden von den Jüngern heimlich getroffen; mit einem Jerusalemer Bürger wurde
ein Geheimzeichen (Mann mit Wasserkrug) vereinbart. Alles, was Jesus vorher
über sein Leiden gesagt hat, hätte man ihm auch nachträglich in den Mund legen
können; aber dieses merkwürdige Verhalten spricht für sich. Der
merkwürdige Abschnitt Lk 22, 35-38 gibt Anlass zu Vermutungen, dass Jesus mit
dem Gedanken an bewaffneten Widerstand gespielt
hat, wenn er seinen Jüngern empfiehlt, den Mantel zu verkaufen und ein Schwert
zu kaufen. Er würgt aber den Hinweis, es seien ja zwei Schwerter (für die ganze
Jüngerschaft!) vorhanden, mit den Worten ab "Es ist genug." Das ist
sicher nicht so zu verstehen: "Mehr brauchen wir nicht", sondern:
"Genug davon, das war nicht so wörtlich gemeint." Der
Bericht von Jesu Gefangennahme zeigt, dass das mit den zwei Schwertern von den
Jüngern durchaus ernst genommen, wurde; sie waren anscheinend auf einen Gewaltakt gefasst, haben aber
zu diesem Zeitpunkt wohl nicht mit gerechnet, sondern wurden von Judas und
seinen Leuten überrumpelt, so dass es nur zu einer Andeutung von
Widerstand kam. Auch die Feinde Jesu müssen mit Widerstand gerechnet haben,
sonst wären sie nicht so schwer bewaffnet unter Vorsichtsmaßregeln losgezogen. Man hat
sich immer wieder und schon sehr früh darüber gewundert, dass sich Jesus tatsächlich nicht gewehrt hat.
Das zeigen folgende Züge der Passionserzählungen:
Es wäre
natürlich die Frage, ob Jesus nach seine Verhaftung noch etwas hätte
unternehmen können zu seiner Befreiung. Es bleibt aber auffällig, dass er selbst
offenbar vorher keine Maßnahmen ergriffen hat, um seine Verhaftung zu
verhindern, mit der er ja wohl rechnete. Es gibt wohl keine andere Möglichkeit
der Erklärung als die, die uns die Evangelisten in der Gethsemane-Geschichte
bieten: Jesus hat sich dazu
durchgerungen, das bevorstehende Leiden aus Gottes Hand hinzunehmen. Das wäre
ihm sicher schwerer gefallen, wenn er nicht schon vorher wiederholt seinen Jüngern
gesagt hätte, sie sollten sich auf Schwierigkeiten gefasst machen und tapfer das
Kreuz auf sich nehmen. Er hat ihnen nicht den bewaffneten, auch nicht den sog.
gewaltlosen Widerstand, sondern das
widerstandslose Leiden als einzig angemessene Waffe in der Verfolgung
empfohlen. Jesus und der gewaltlose Widerstand Zur
Terminologie:
Dagegen
bieten uns die anderen neutestamentlichen Schriften die einzige einleuchtende
und sinnvolle Begründung, wie wir sie z.B. Petr 2, 23 lesen: Christus wehrte
sich nicht gegen seine Kreuzigung;
er
stellte es aber dem anheim, der da
recht richtet. Nur im Vertrauen darauf ist ein solcher rigoroser
Verzicht auf Wider stand bis hin zur Selbstaufgabe sinnvoll, nur mit einem
absoluten und unerschütterlichen Gottvertrauen ist er überhaupt möglich. Wenn
wir das im Hintergrund sehen, müssen wir Jesu Forderung, die andere Backe
hinzuhalten, wirklich wörtlich so verstehen, wie sie dasteht, ohne Wenn und
Aber. Gottvertrauen
im Sinn des Neuen Testaments heißt nun allerdings etwas anderes als die vage
Hoffnung: "Es wird schon gut gehen." Denn das Neue Testament richtet
unsere Hoffnung nicht auf innerweltliche
Veränderung, sondern auf das Reich
Gottes und das ewige Leben. Die Märtyrer der alten Kirche konnten Jesu Forderung
deshalb ernst nehmen, weil sie ihr Heil nicht in dieser Welt suchten. Sie
konnten nur deshalb alle Leiden dieses Lebens geduldig ertragen, weil ihnen das
ewige Leben vor Augen stand. Damit
ist also klar, dass das Neue Testament praktisch auch jede christliche Bestätigung zur Weltveränderung, ja sogar politische
Aktivität überhaupt ausschließt. Denn dazu braucht man mindestens den Zwang,
wenn nicht sogar die Gewalt. Jesus hat seine Jünger nicht aufgerufen, die Welt
zu verändern (also etwa die Armut zu beseitigen, den Ausbeutern und
Menschenschindern das Handwerk zu legen und korrupte Beamte ihres Amtes zu
entheben), sondern inmitten einer unmöglichen, ungerechten und gottlosen Welt
schlicht und einfach Gottes Willen zu tun. Nun könnte man die Bergpredigt allerdings so auslegen, als wolle Jesus zur Nachgiebigkeit ermahnen, vgl. Stellen wie Mt 5, 25 Vertrage dich mit deinem Gegner, damit er dich nicht dem Richter ausliefert oder 5, 24 Gib dem, der dich bittet.... Hier wurden an Jesusworte (oder an weisheitliche Lebensregeln) mit Anweisungen für das Privatleben grundsätzlichen Ausführungen Jesu angehängt. Diese Worte sind mit den vorigen nur durch die Ähnlichkeit des Themas verbunden, haben aber mit dem, was Jesus an dieser Stelle will, nichts zu tun. Dass Jesus gerade nicht zur Nachgiebigkeit aufgerufen hat, sehen wir an der Auslegung der Märtyrer: Sie nahmen Jesu Verbot des Widerstands ernst und ließen sich foltern und abschlachten, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber sie ließen sich durch die Folter auch nicht dazu bewegen, ihrem Glauben abzuschwören oder ihre Brüder zu verraten. Verzicht auf Widerstand ist also noch nicht Nachgiebigkeit! |
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Datum: 1981 / 2005 Aktuell: 14.07.2006 |
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