Startseite | Religion | Sprachwissenschaft | Logische Wissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Quellen | Bibelwissenschaft | Systematische Theologie | Religionswissenschaft | Praxis

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Frieden in der Bibel

Neues Testament

Evangelisten

veröffentlicht in der Mitarbeiterzeitschrift der Evangelischen Jugend im Dekanat Reinheim
"Team" 6-1981

Email:

Matthäus
Markus
Lukas
Johannes

 

Die Evangelisten setzen jeweils ihre eignen Schwerpunkte zum Thema Frieden:

Matthäus, mit dem wir uns bereits eingehend befasst haben, versteht Jesus hauptsächlich als neuen Gesetzgeber; er ist dann auch derjenige, der die einschlägigen Jesusworte zum Frieden ausführlich überliefert.

Markus trägt am wenigsten zu diesem Thema bei; interessant ist immerhin die einzige Stelle 9, 50 Haltet Frieden untereinander im Anschluss an das Wort vom Salz. Dass Christen das Salz der Erde sind (Mt 5.13), ist also nach Markus so zu verstehen, dass sie Friedensstifter sind und selbst Frieden halten!

Lukas gebraucht das Wort "Frieden" am häufigsten (11x), allerdings meist formelhaft und im allgemeinen Sinne von 'Heil'. Die wichtigste Stelle ist das Gloria 2, 14:

Ehre in den Höhen Gott und auf Erden Friede bei den Menschen des Wohlgefallens.

Es ist umstritten, ob dieser Vers aus 2 oder 3 Teilen besteht:

Ehre sei Gott im Himmel und auf Erden,
Frieden bei den Menschen des Wohlgefallens,

oder wie Luther

Ehre sei Gott in der Höhe,
Frieden auf Erden
UND den Menschen ein Wohlgefallen.

Dazu ist außerdem noch Luk 19, 38 (im Zusammenhang des Einzugs) heranzuziehen: "

Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN, der König. Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe.

Hier stimmt also die Volksmenge mit ähnlichen Worten das Gloria der Engel an.

Was hier die Engel verheißen und die Volksmenge erwartet, ist nicht der politische Frieden, sondern der Friede mit Gott, wie aus der Formulierung Menschen des Wohlgefallens und Friede im Himmel eindeutig hervorgeht.

Dennoch ist Lukas der einzige neutestamentliche Schriftsteller, der auch vom politischen Frieden redet, allerdings in ganz belanglosen Zusammenhängen:

Lk 14, 32 bittet ein König im Gleichnis um Frieden

Apg 12, 20 bitten die Einwohner zweier Städte um Frieden.

Einzige Ausnahme ist Off 6, 4 vom apokalyptischen Reiter, der den Frieden von der Erde wegnehmen soll, damit die Menschen sich gegenseitig umbringen sollten. Der politische Friede als erstrebenswertes Ziel kommt also im ganzen Neuen Testament nirgends ausdrücklich zur Sprache!

Dabei ist freilich zu bedenken, dass es innerhalb des Römischen Reichs keinen Krieg gab. Auch Jesus und die Apostel genossen den Schutz der Pax Romana, des 'römischen Friedens'. "Krieg und Frieden" war also für Jesus nur ein Randthema. Erst mit dem Jüdischen Krieg 66-70 wurde alles anders.

Johannes schließlich gebraucht "Frieden" gänzlich im allgemeinen Sinn von "Heil", innerer Friede,

14,27: Den Frieden lasse ich euch zurück, meinen Frieden gebe ich euch.

weiter

   

nach oben

Übersicht

 

 

 

Datum: 1981 / 2005

Aktuell: 14.07.2006