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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Frieden in der BibelNeues TestamentPaulusveröffentlicht in der Mitarbeiterzeitschrift
der Evangelischen Jugend im Dekanat Reinheim |
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Wie die Evangelisten versteht
Paulus unter
"Frieden" vor allem den Frieden
mit Gott, so ausdrücklich Rö 5, 1: haben wir Frieden mit Gott durch Jesus.
Für ihn
ist es also ganz deutlich, was auch Lk 19, 37+38 anklingt, dass Jesus der
Friedens- und Heilbringer ist.
Dabei
betont er allerdings immer wieder: Wer am göttlichen Frieden Anteil hat, ist
verpflichtet auch mit anderen Menschen
in Frieden zu leben:
Wohlgemerkt:
Es handelt sich um den Frieden im privaten, nicht im politischen Bereich.
Dieser lag ganz außerhalb der Möglichkeiten der ersten Christen. Der Staat
Paulus setzt sich aber in Rö 13 trotzdem mit dem Problem des Staates auseinander, u.zw. wieder aus der Sicht des kleiner
Mannes, der nicht die Möglichkeit hat, auf die Politik Einfluss zu nehmen. Seine
Forderung der Obrigkeit untertan zu sein, ist nur unter diesem
Gesichtspunkt verständlich: Gebt dem römischen Staat keinen Vorwand, gegen euch
vorzugehen, weil ihr euch gegen ihn auflehnt.
Der 1. Petrusbrief führt das noch genauer
aus: Er greift in 2, 13-17 die Forderung von Paulus auf und fügt 4, 15 hinzu:
Ihr werdet um eures Glaubens willen in Schwierigkeiten kommen; aber
Niemand sei unter euch, der als Mörder, Dieb oder Übeltäter zu leiden hat
oder als einer der in ein fremdes Amt eingreift. Wenn Paulus und Petrus
also Unterordnung unter den Staat fordern und damit jede Auflehnung verbieten,
tun sie das unter pragmatischen
Gesichtspunkten: Die Christen sollen ihren Willen zur Loyalität zeigen und
sich nicht als Staatsfeinde verdächtig machen. Staatliche Maßnahmen gegen die
Christen können nur deswegen eingeleitet werden, weil die Christen Gott
mehr
gehorchen als dem Kaiser, nicht weil sie dem Kaiser jeden Gehorsam verweigern.
Paulus
und Petrus begründen ihre Forderung damit, dass der Staat eine Institution ist,
die von Gott eingesetzt ist, um die
Bösen zu bestrafen. Beide Apostel erkennen also die staatliche Gerichtsgewalt an: sie führt das (Richt-)Schwert im
Auftrag Gottes.
Damit
werden staatliche Gerichtsbarkeit, Polizeigewalt und Todesstrafe als von Gott
eingesetzt erklärt. Aber vom Kriegsschwert,
von Militär und Rüstung ist keine Rede. Die Apostel erlauben dem Staat zwar,
Verbrecher zu bekämpfen und hinzurichten; sie dulden, dass er Christen verfolgt
(als Betroffene, versteht sich); aber sie sagen mit keinem Wort, dass er das
Recht habe, Krieg zu führen. Diese Möglichkeit liegt außerhalb des
Gesichtsfeldes der Apostel, sonst hätten sie sich dazu geäußert. Das gesamte
Neue Testament versteht den Krieg als ein Unglück, das über Unschuldige
hereinbricht, nicht als ein Verbrechen, das man tun oder lassen kann. Es darf nicht verschwiegen werden, dass die Bibel nicht überall so
positiv vom Staat redet: 1. Sam 8 spricht sich Samuel
dagegen aus, dass Israel einen König bekommt und damit zum Staat wird, u. zw.
nicht nur deshalb, weil die Israeliten individuelle Freiheiten verlieren,
sondern weil sie "Gott verwerfen", der bisher als Staatsoberhaupt
galt. Samuel muss sich dann allerdings von Gott belehren lassen, er solle Israel
einen König geben; sie werden schon merken, was sie davon haben. Die Offenbarung sieht
im römischen Staat keine von Gott eingesetzte Obrigkeit, sondern einen
Handlanger des Teufels, der seine Macht nur hat, weil Gott nichts dagegen
unternimmt. Wir müssen uns angesichts solcher negativen Äußerungen fragen, ob
das "Schwert", das der Staat führt, nicht ebenso unter das Verbot
Jesu fällt, wie das Schwert des Jüngers, der Jesus verteidigt. Wenn Gewalt böse
ist, auch in der Verteidigung, müsste das für die staatliche Gewalt und damit
für den Staat überhaupt gelten wie für das private Leben. Denn das Wesen des
Staates ist Gewalt, darauf kann auch ein moderner Rechtsstaat nicht verzichten,
nicht nur weil es böse Menschen gibt, die die anderen nicht in Frieden lassen,
sondern weil der Staat auf den guten Willen seiner Bürger nicht vertraut und
weil auch in der Demokratie nicht jeder Bürger in jeder Angelegenheit gefragt
wird. So geht vieles, was die Regierung tut, gegen den Willen der Bevölkerung,
und die Regierung muss Zwangsmaßnahmen gebrauchen, um ihren Willen
durchzusetzen. Aber sind diese Zwangsmaßnahmen des Staates wirklich anders zu
beurteilen als Zwangsmaßnahmen eines Einzelnen? Hat der Staat vor Gott das
Recht, Menschen zu töten, ihr Eigentum zu nehmen, sie einzusperren, wenn der
einzelne Mensch dazu nicht das Recht hat? Es bleibt dabei: Wenn wir der Meinung sind, dass Gewalt böse ist, dann muss auch der Staat
böse sein. Wir können uns da nicht mit herausreden, der Staat sei eine
Notverordnung Gottes, um dem Bösen Einhalt zu gebieten. Denn problematisch ist
nicht die Gewalt, die der Staat gegenüber Verbrechern ausübt, sondern die
Gewalt, die er gegen seine eigenen Bürger einsetzt, um ihnen seinen Willen
aufzuzwingen. Kann ein Christ Soldat sein?Die einzige Stelle im Neuen Testaments, die sich mit der Möglichkeit beschäftigt, dass ein gläubiger Mensch Soldat sein könnte, finden wir im Munde Johannes des Täufers bei Lukas 3,14; da empfiehlt der Täufer taufwilligen Soldaten:
Johannes verlangt, also von den Soldaten nicht, ihren Beruf aufzugeben,
genauso wenig wie er das von den Zöllnern verlangt. Er begnügt sich damit, dass
die Soldaten auf unrechtmäßige Aufbesserung ihres Soldes verzichten. Johannes
beurteilt also den Soldatenberuf, wie er ihn erlebt: sie sind staatlich
angestellte Räuber. Und er meint, wenn sie ihr Räuberhandwerk aufgeben, könnten
sie so sein, wie Gott sie haben will.
Damit
hinterfragt Johannes nicht den Soldatenberuf. Er würde z.B. nichts dabei
finden, wenn der Soldat im Krieg Menschen tötet, und er macht sich auch keine
Gedanken darüber, ob das Kriegshandwerk sich mit dem Willen Gottes vereinbaren
lässt. Das ist einer der schwachen . Stellen des Neuen Testaments, dass es da
nicht weiter denkt. Zugegeben, Johannes ist noch kein Christ, seine Meinung ist
für uns nicht verbindlich. Aber Jesus, Paulus und Petrus äußern sich auch nicht
zu dieser Frage. |
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Datum: 1981 / 2005 Aktuell: 14.07.2006 |
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