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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Frieden in der BibelNeues TestamentApokalyptikveröffentlicht in der Mitarbeiterzeitschrift
der Evangelischen Jugend im Dekanat Reinheim |
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Das
ganze Neue Testament ist durchtränkt von apokalyptischem
Gedankengut, jener Geistesrichtung, die mit dem baldigen Weltuntergang
rechnet und ihre Erwartung in düsteren Bildern ausdrückt. Wir finden
apokalyptische Gedanken bei Jesus (Mt 24+25 u. ö.), den Aposteln (z.B. 1.
Th 4, 13-18) und vor allem in der Offenbarung. Typisch
für die apokalyptische Erwartung ist, dass der Weltuntergang nicht plötzlich
eintritt, sondern sich durch viele schreckliche Zeichen ankündigt; zu ihnen
gehören auch Kriege: Ihr werdet von Kriegen und Kriegsgerüchten hören; seht zu und erschreckt nicht. Denn
das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. (Mt 24,6) Jesus warnt also davor, in irgendwelchen Kriegen den Beginn des Weltuntergangs zu vermuten; Kriege wird es immer wieder geben; sie sind genauso wie Hungersnöte und Erdbeben (V 7) nicht das Ende, sondern erst der Anfang der Wehen. Ähnliches
lesen wir in der Offenbarung (vgl. die apokalyptischen Reiter Off 6, 1-8).
Dadurch, dass Johannes die Katastrophen in immer neuen Wellen über die Erde
hinweggehen lässt, drückt er aus, dass Katastrophen und Kriege noch keinen Weltuntergang machen. Das sind vielmehr
Ereignisse, die in begrenztem Umfang fast "normal" sind. Jesus
und die Offenbarung halten also den Krieg für
ein Unglück, das immer wieder über Menschen hereinbricht, nicht für ein
Verbrechen, an dem Menschen schuld sind. Das liegt einmal am beschränkten
Gesichtskreis der damaligen Menschen. Krieg war eine Sache, auf die sie keinen
Einfluss hatten. Außerdem lebte gerade Jesus in einer Zeit relativen Friedens.
Krieg führte man an den Grenzen des Reichs, aber im Innern bekam man wenig
davon zu spüren. Das Problem der
Zeitgenossen Jesu war ein ganz anderes: nicht der drohende Krieg, sondern
die Besetzung durch die Römer. Mitten im Frieden musste der kleine Mann unter
den Schikanen der Besatzer leiden. Mit diesem Problem hat sich Jesus
auseinandergesetzt, wie wir gesehen haben, und jeden Widerstand verboten. Wir
müssen außerdem berücksichtigen, dass es vielen
unserer Zeitgenossen immer noch nicht klar ist, dass der Krieg ein Verbrechen
und kein Unglück ist, obwohl das immer wieder in unserer Zeit gesagt worden
ist. Wenn noch nicht einmal wir das begreifen, können wir dem Neuen Testament
keinen Vorwurf machen. Jesus hat eine Geistesentwicklung erst eingeleitet, die
in unserer Zeit noch nicht zum Abschluss gekommen ist. ◀ Ende ■ |
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Datum: 1981 / 2005 Aktuell: 14.07.2006 |
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