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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Frieden in der Bibel

Neues Testament

Apokalyptik

veröffentlicht in der Mitarbeiterzeitschrift der Evangelischen Jugend im Dekanat Reinheim
"Team" 6-1981

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Das ganze Neue Testament ist durchtränkt von apokalyptischem Gedankengut, jener Geistesrichtung, die mit dem baldigen Weltuntergang rechnet und ihre Erwartung in düsteren Bildern ausdrückt. Wir finden apokalyptische Gedanken bei Jesus (Mt 24+25 u. ö.), den Aposteln (z.B. 1. Th 4, 13-18) und vor allem in der Offenbarung.

Typisch für die apokalyptische Erwartung ist, dass der Weltuntergang nicht plötzlich eintritt, sondern sich durch viele schreckliche Zeichen ankündigt; zu ihnen gehören auch Kriege:

Ihr werdet von Kriegen und Kriegsgerüchten  hören; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. (Mt 24,6)

Jesus warnt also davor, in irgendwelchen Kriegen den Beginn des Weltuntergangs zu vermuten; Kriege wird es immer wieder geben; sie sind genauso wie Hungersnöte und Erdbeben (V 7) nicht das Ende, sondern erst der Anfang der Wehen.

Ähnliches lesen wir in der Offenbarung (vgl. die apokalyptischen Reiter Off 6, 1-8). Dadurch, dass Johannes die Katastrophen in immer neuen Wellen über die Erde hinweggehen lässt, drückt er aus, dass Katastrophen und Kriege noch keinen Weltuntergang machen. Das sind vielmehr Ereignisse, die in begrenztem Umfang fast "normal" sind.

Jesus und die Offenbarung halten also den Krieg für ein Unglück, das immer wieder über Menschen hereinbricht, nicht für ein Verbrechen, an dem Menschen schuld sind. Das liegt einmal am beschränkten Gesichtskreis der damaligen Menschen. Krieg war eine Sache, auf die sie keinen Einfluss hatten. Außerdem lebte gerade Jesus in einer Zeit relativen Friedens. Krieg führte man an den Grenzen des Reichs, aber im Innern bekam man wenig davon zu spüren. Das Problem der Zeitgenossen Jesu war ein ganz anderes: nicht der drohende Krieg, sondern die Besetzung durch die Römer. Mitten im Frieden musste der kleine Mann unter den Schikanen der Besatzer leiden. Mit diesem Problem hat sich Jesus auseinandergesetzt, wie wir gesehen haben, und jeden Widerstand verboten.

Wir müssen außerdem berücksichtigen, dass es vielen unserer Zeitgenossen immer noch nicht klar ist, dass der Krieg ein Verbrechen und kein Unglück ist, obwohl das immer wieder in unserer Zeit gesagt worden ist. Wenn noch nicht einmal wir das begreifen, können wir dem Neuen Testament keinen Vorwurf machen. Jesus hat eine Geistesentwicklung erst eingeleitet, die in unserer Zeit noch nicht zum Abschluss gekommen ist.

Ende

   

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Datum: 1981 / 2005

Aktuell: 14.07.2006