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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Was ist in der Bibel maßgeblich?

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1. Der Schöpfungswille Gottes hat den Vorrang

2. Der Wille Gottes ist im Liebesgebot zusammengefasst

3. Das Wort Jesu hat Vorrang

4. eigentliches Wort Gottes und  unzulängliche Übersetzung

 

Was ist in der Bibel maßgeblich?

Frauenfeinde haben sich immer wieder auf einige Bibelstellen berufen, die ihnen angeblich ein Recht zur Unterdrückung der Frau gaben. Umgekehrt rufen Männerfeindinnen heute dazu auf, den Vorrang der Frau zu predigen. Dazu muss man aber die Bibel entweder ganz außer acht lassen oder total auf den Kopf stellen.

Es geht nicht an, dass sich jeder aus dem dicken Buch der Bibel jeweils die Rosinen herauspickt, die ihm schmecken. So lassen sich aus der heiligen Schrift Gründe für oder gegen eine menschliche Meinung herauslesen; das Wort Gottes wird damit zu einem Steinbruch für Zitate, die unsere Meinung stützen, statt dass das Buch der Bücher zu allererst einmal unsere vorgefasste Meinung in Frage stellt und uns zum Umdenken zwingt.

Nun lässt sich nicht leugnen, dass in der Bibel mitunter sehr widersprüchliche Anweisungen und Aussagen stehen. Jeremia behauptet zum Beispiel in Kapitel 7,22, Gott habe beim Auszug aus Ägypten keine Opfervorschriften erlassen (und er musste es als Priestersohn eigentlich ganz genau wissen); im 2. und 3. Buch Mose steht es aber anders. Was ist nun richtig?

Ich will mich jetzt nicht über die Geschichte der alttestamentlichen Opfervorschriften auslassen. Es ist aber die Frage, wie wir mit diesen widersprüchlichen Angaben umgehen. Das wird auch für eine Untersuchung über die Rolle der Geschlechter wichtig sein.

Hier kann uns Jesus selbst ein Beispiel geben in Seiner Auseinandersetzung um die Scheidungsfrage (Markus 10,1­12): Er klammert sich nicht an den Wortlaut des Gesetzes, sondern fragt nach dem ursprünglichen Willen Gottes. Das Gesetz erlaubt die Verstoßung der Frau "um eures Herzens Härtigkeit willen" ‑ Gott hat's ursprünglich anders gemeint.

Regel 1: Der Schöpfungswille Gottes hat den Vorrang vor Einzelvorschriften des Gesetzes.

Jesus war weiterhin der Meinung, dass das ganze Gesetz zusammengefasst ist im Doppelgebot der Liebe, und wird darin von den Aposteln bestätigt (Jesus in Matth. 22,34­40; Mark. 12,28‑31; Luk. 10,25‑28; Joh. 13,34‑35; 15, 12.17 ‑ Paulus in Röm 13,8‑10; Gal. 5,14 ‑ Johannes im 1. Brief durchgehend, bes. 4,21. Sogar der oft verkannte Jakobus weiß davon, wenn er vom "Gesetz der Freiheit" schreibt: 1,25; 2,8‑13).

Regel 2: Der Wille Gottes ist im Liebesgebot zusammengefasst.

Die Einzelparagraphen des Gesetzes sind wie Bäume, die zusammen den Wald bilden. Jesus hat uns gelehrt, auf das Ganze, den "Wald" zu achten und nicht auf Einzelheiten, die "Bäume".

Paulus bestätigt das in 2. Kor. 3,6 "Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig". Es gilt den "Geist" der heiligen Schrift zu erfassen und nicht an Buchstaben kleben zu bleiben.

Paulus hilft uns auch weiter, indem er seine eigene Verlegenheit in einer Einzelfrage bekennt: Jesus hat sich zwar eindeutig über die Ehescheidung geäußert, aber nicht darüber gesagt, wie man sich verhalten soll, wenn ein Mann Christ wird, seine Frau aber nicht: 1. Kor. 7,10‑16. Paulus unterscheidet sorgfältig zwischen seiner eigenen Meinung und dem Gebot des Herrn.

Regel 3: Das Wort Jesu hat Vorrang vor dem der Apostel; ferner hat Jesus größere Autorität als Mose.

Im Zusammen hang mit der oben erwähnten Ehescheidungsfrage macht uns Jesus noch etwas anderes klar: Wir müssen unterscheiden zwischen dem absoluten Anspruch Gottes und dem, was Menschen verstehen und leisten können. Mose hat in seiner Scheidungsregel die menschliche Schwachheit berücksichtigt, damit aber den eigentlichen Willen Gottes verkannt.

Regel 4: Wir müssen auch in der Bibel unterscheiden zwischen dem eigentlichen Wort Gottes und der unzulänglichen Übersetzung in menschliche Worte.

Nach diesen vier Regeln wollen wir nun die heilige Schrift nach dem gottgewollten Verhältnis der Geschlechter befragen.

   

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Zum Artikel

 

Biblische Einsichten zur Rolle der Geschlechter

 

Datum: 1985 / 2015

Aktuell: 07.12.2017