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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Ist Gott männlich oder weiblich?

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Wenn "der" Mensch und nicht Adam oder Eva ein Bild Gottes ist, so erledigt sich die Frage eigentlich von selbst: Gott hat kein Geschlecht oder ist nicht in Geschlechter aufgeteilt.

Nun hat es aber unsere Sprache und die der heiligen Schrift einmal an sich, dass sie Hauptwörter grundsätzlich in verschiedene Geschlechter einteilt. Dies gilt nicht nur von Lebewesen, sondern auch von toten Gegenständen, die rein logisch gesehen "sächlich" sein müssten. Wir sagen aber "der Mond" "die Sonne", "das Wetter" , und wir sagen nun einmal "der Gott", und nicht "die Gott" oder "das Gott". Die Einteilung in grammatische Geschlechter hat also mit Logik oder der Wirklichkeit nichts zu tun, sondern ist rein zufälliger Art, bedingt durch menschliche Vorstellungen und anderes.

Das ist nicht nur eine Eigenheit der heutigen Menschen und des Deutschen, sondern auch der Bibel und ihrer Sprachen. "Gott" hat auch im Hebräischen (אל, אלוה, אלהים  él, äah, älohim) und Griechischen (ὁ θες ho theós) männliches Geschlecht und wird auch durchgehend als männliches, nicht als weibliches Wesen oder sogar als geschlechtsloses unpersönliches Etwas gedacht, dem man entsprechend männliche Eigenschaften anhängt.

Hier muss ich jedoch gleich wieder einschränken: Im hebräischen Alten Testament kommt 2.896mal das Wort "Gott" vor, davon wird in den weitaus meisten Fällen, nämlich 2.600mal אלהים (älohim) verwendet, ein Plural, der zwar die männliche Endung -îm trägt, aber wohl doch von einer zu einseitigen Festlegung auf das männliche Geschlecht abbringen will: Die männlichen "Väter", אבות ábôt, tragen die weibliche Pluralendung -ôt, die weiblichen "Frauen", נשים nášîm dagegen die männliche Pluralendung -îm. אלהים älohim bezeichnet in einigen Fällen (z.B. im 1. Gebot) die Mehrzahl "Götter", meint aber in den meisten Fällen den einen Gott. Der Plural des Wortes drückt also hier die Fülle aus, die alle Gegensätze zwischen den grammatischen und natürlichen Geschlechtern überwindet.

Der biblische Gott trägt also die männlichen Beinamen "Herr" und "Vater" (und nicht "Herrin" und "Mutter"); der biblische Sprachgebrauch selbst lässt aber keinen Zweifel, dass diese Redeweisen nur unangemessene Bilder für eine Wirklichkeit sind, die wir nicht begreifen können.

Jesus deutet in Mt 22,30 par. an, dass die Engel geschlechtslos sind. Wenn das schon von den Engeln gilt, wieso sollte dann Gott ein Geschlecht haben?

   

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Datum: 1985 / 2015

Aktuell: 26.03.2016