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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Biblische Einsichten
zur Rolle der Geschlechter

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Was ist in der Bibel maßgeblich?

1. Was ist der Schöpfungswille Gottes?

a. Gott schuf den Menschen männlich und weiblich

b. Ist Gott männlich oder weiblich?

c. Die Unwesentlichkeit der Geschlechter

d. Adam und Eva, oder der kleine Unterschied

e. Er aber soll dein Herr sein

2. Wie legt Jesus den Schöpfungswillen Gottes aus?

3. Darf eine Frau Leitungsfunktionen übernehmen?

 

Was ist in der Bibel maßgeblich?

1. Was ist der Schöpfungswille Gottes?

Wenn wir uns nun die ersten drei Kapitel der Bibel vornehmen, merken wir, dass wir es mit drei verschiedenen Aussagen zu tun haben:

  • 1. Mose 1: Der Mensch im Rahmen der Gesamtschöpfung. Was in 1. Mose 1,26‑31 geschrieben ist, können wir am besten als Rahmenprogramm für die Erschaffung des Menschen verstehen, das also im Zweifelsfall Vorrang vor dem hat, was in den folgenden Kapiteln geschrieben ist.

  • 1. Mose 2 bringt die Ausführung dieses Rahmenprogramms in einer ganz anderen Aussageform: kein trockener wissenschaftlicher Report wie Kap. 1, sondern eine lebendige Erzählung, in der aber eine ganze Menge von wichtigen Aussagen eingearbeitet sind.

  • Die Fortsetzung 1. Mose 3 zeigt, was aus dem Programm und der Ausführung geworden ist: Der Mensch ist zwar entsprechend dem Vorsatz gut erschaffen worden, hat dann aber sich selbst Ziele gesteckt, die von dem ursprünglichen Plan abweichen. Der heutige Mensch ist also nicht so, wie ihn Gott gewollt hat. Maßstab kann also nicht sein, was wir heute als menschliche Art erkennen können, sondern allein das, was sich Gott bei der Schöpfung gedacht hat.

Was können wir nun über die gottgewollte Rolle der Geschlechter erkennen?

a. Gott schuf den Menschen männlich und weiblich

1. Mose 1,27 lässt also keinen Zweifel, dass das Nebeneinander der beiden Geschlechter kein Ergebnis eines Sündenfalls, sondern von Gott geschaffen ist. Es gibt den Menschen nicht an sich, sondern immer nur als Mann oder Frau.

Halten wir an der obigen Unterscheidung zwischen Plan und Ausführung fest, so müssen wir jedoch gleich einschränkend sagen: Im Plan 1. Mose 1,26 war von der Aufteilung nach Geschlechtern nicht die Rede. Die Aufteilung des Menschen nach Geschlechtern lässt sich zwar nicht ändern, ist aber im Prinzip so unwesentlich wie die Aufteilung nach Rassen oder Intelligenzquotienten. Gott hat zwar zwei Sorten von Menschen gemacht; aber Er wollte eigentlich nur ein "Bild, das ihm gleich sei". Der Mensch als Mann oder Frau trägt das Bild Gottes!

Abschweifung:

b. Ist Gott männlich oder weiblich?

c. Die Unwesentlichkeit der Geschlechter

Aus dem angeführten Jesuswort Mt 22,30 "Denn in der Auferstehung werden sie weder heiraten noch sich heiraten lassen, sondern sie sind wie die Engel im Himmel" geht hervor, dass das Geschlecht des Menschen nur eine unwesentliche Eigenschaft ist, die er auf Erden trägt, aber im Himmel ablegen wird, wie sie denn auch im Schöpfungsplan Gottes nicht vorgesehen war.

Damit stimmt überein, was Paulus in Gal. 3,28 schreibt:

"Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus." Der Apostel wirft also die Geschlechtsunterschiede in einen Topf mit Volks‑, Religions- und Standesunterschieden. Er sagt aber nicht: Vor Gott sind alle Menschen gleich, sondern: In der christlichen Gemeinde spielen diese Unterschiede keine Rolle ‑ was aber vielleicht aufs selbe hinausläuft.

d. Adam und Eva, oder der kleine Unterschied

Im Unterschied zu 1. Mose 1,27 (Mensch als Mann und Frau geschaffen) behauptet nun 1. Mose 2, Adam sei zuerst, noch vor den Bäumen und Tieren, und Eva zuletzt als "Gehilfin" (Luther) Adams erschaffen worden. Nicht erst böswillige Männer, sondern schon Paulus zieht in 1. Tim. 2,13 daraus die Folgerung, dass die Frau dem Mann untergeordnet sei. Folgerungen: Die Frau hat in der Gemeinde nichts zu sagen (1. Kor. 14,34; 1. Tim. 2,12), sondern hat sich unterzuordnen (Eph. 5,22; Kol. 3,18; 1. Tim. 2,11.12; Tit. 2,5) und Kinder zur Welt zu bringen (1. Tim. 2,15): eindeutige und unmissverständliche Worte der heiligen Schrift, die man nicht einfach übersehen kann.

Nun möchte ich aber den selbstherrlichen Unterdrückern der Frau nicht noch Wasser auf die Mühle gießen, denn wir dürfen nach allen Regeln der Schriftauslegungskunst diese Stellen nicht einfach aus dem Zusammenhang reißen. Und da muss sich das angeblich starke Geschlecht auch sagen lassen: "Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben ... Darum auch ihr: Ein jeder habe lieb seine Frau wie sich selbst." (Eph. 5,25.33). Es ist eben ein Unterschied, ob die Frau sich freiwillig unterordnet, oder ob der Mann sie unterdrückt. Die selbstlose Liebe, die Paulus fordert, verbietet jedenfalls die Unterdrückung. Die christusgemäße Liebe des Mannes kann dazu führen, dass er sich für seine Frau (nicht: seiner Frau) hingibt, wie Christus es für die Gemeinde getan hat. Paulus unterstellt sich zwar der traditionellen Gesellschaftsordnung mit der Unterordnung von Frauen und Sklaven, aber er durchbricht sie zugleich, indem er auf die grenzenlose Liebe Christi verweist, die alle menschlichen Schranken durchbricht.

Nach Regel 1 hat der Schöpfungswille Gottes Vorrang vor dem Gesetz (und ein solches Gesetz wären auch die Ermahnungen des Apostels). Was geht nun aus 1. Mose 2 über den Schöpfungswillen Gottes hervor?

i. Es ist nicht gut,  dass der Mensch allein sei

Adam ist zu Beginn der Paradiesesgeschichte nicht der "Mann", auch nicht das erste Exemplar der Gattung Mensch mit Namen Adam, sondern der Prototyp der Menschheit (hebr. אדם adam, ein Kollektivbegriff mit der Bedeutung 'Menschheit'; der einzelne Mensch heißt בן אדם ben adam, von Luther übersetzt mit 'Menschenkind'). Zum Mann (איש isch) wird der Mensch erst durch die Erschaffung der Frau (אשה ischscha 1. Mose 2,22.23), zum Individuum mit eigenem Namen erst durch den Sündenfall (ab 1. Mose 3,8 steht אדם adam ohne Artikel und muss mit 'Adam' übersetzt werden. Folglich erhält die "Frau" auch erst nach dem Fall (l. Mose 3,20) den Namen "Eva".

1. Mose 2 erzählt also, wie Gott den Prototyp des Menschen erschafft, ihn in den Garten Eden setzt und Gesellschaft für ihn sucht. Dabei muss Gott die Erfahrung machen: So wie bisher, mit Lehm geht das nicht. Das gibt immer neue Geschöpfe; die Erschaffung eines zweiten Menschen will aber nicht gelingen. Also muss sich Gott eine neue Methode überlegen und bestimmt damit zugleich auch das Prinzip der weiteren Entwicklung: Die Schöpfung ist ein einmaliger Akt, beschränkt auf den Anfang. Die "serienmäßige Produktion" des Menschen geht nicht durch Schöpfung, sondern allein durch die Vermehrung.

Nun kann sich ein einzelner Mensch ‑ gleichgültig, ob Mann oder Frau ‑ bekanntlich nicht vermehren. Also greift Gott zum Mittel der ungeschlechtlichen Vermehrung durch einen "Ableger" aus der Rippe des Menschen. Der ungewöhnliche Ausdruck "er baute" (ויבן wajjiben) soll die Ungewöhnlichkeit des Vorgehens zeigen: Gott "erschuf" und "bildete" nicht oder wie die gängigen Schöpfungsausdrücke lauten; Er ließ auch nicht "gebären" oder "entstehen", "wachsen", was auf vergleichbare Vorgänge der Gegenwart deutet, sondern Er machte etwas ganz Einmaliges, Unvergleichliches. Dabei ist allerdings wohl nicht daran gedacht, dass Gott die Frau konstruiert und zusammengesetzt hätte wie ein Baumeister oder Mechaniker. Vielmehr wird bei der Wortwahl ויבן (wajjiben) die Ähnlichkeit mit בן (ben) 'Sohn' eine Rolle gespielt haben: Gott schenkte dem Menschen auf ungewöhnliche Weise einen "Sohn", die Frau. Von nun an können die beiden sich geschlechtlich vermehren; die ungeschlechtliche Vermehrung hat ausgedient.

Wir erinnern uns: Nicht aus der Rippe des Mannes wurde die Frau geschaffen, sondern aus einem Ableger des Urmenschen wurde ein zweiter Mensch geschaffen, die Frau, während von dem ursprünglichen Urmenschen ein Rest übrigblieb, der sich jetzt "Mann" nennt.

Nicht der Mann war also zuerst da, wie der Apostel es will, sondern der Mensch, und Mann und Frau sind durch nachträgliche Differenzierung entstanden. Und die Paradiesesgeschichte macht auch keinen Hehl daraus, dass nicht die Aufspaltung des Menschen das letzte Ziel ist, sondern sie sollen wieder "ein Fleisch" werden (1. Mose 2,24) ‑ ein Ziel, das sicher nicht mit der Erzeugung und Geburt von Kindern erschöpft ist. Mann und Frau müssen auf höherer Ebene zu einer neuen Einheit zusammenfinden.

db. Ich will ihm eine Hilfe machen, als sein Gegenstück

Luthers Übersetzung von der "Gehilfin, die um ihn sei", ist zwar ungenau, lässt aber doch erkennen, dass Gott nicht gemeint hat "die unter ihm sei". "Um ihn", d.h. links oder rechts, vorn oder hinten, vielleicht auch ihn umkreisend wie ein Satellit, aber jedenfalls nicht unter oder über ihm.

Eine genauere Übersetzung des Satzes wurde oben versucht. Daraus geht folgendes hervor:

  • Der Mensch kommt allein nicht zurecht, er braucht Hilfe. "Gehilfin" lässt an einen Lakai oder Handlanger denken, der seinem Herrn die Dreckarbeit macht. Aber so ist das nicht gemeint. Der Mann ist nicht der Boss und die Frau sein Handlanger, sondern der Mensch ist allein ein hilfloses Wesen, die Frau für ihn positiv die Möglichkeit, mit dem Leben zurechtzukommen. Nicht Sklave (עבד ebed), sondern Hilfe (עזר eser) soll die Frau dem Menschen sein: auch hier will wieder die Wortwahl beachtet sein. Gott selbst kann als Hilfe (עזר eser) der Menschen bezeichnet werden (2. Mose 18,4), nie aber wird er Sklave (עבד ebed) des Menschen genannt. Umgekehrt ist der Mensch ein Diener (עבד ebed) Gottes, nicht aber eine Hilfe (עזר eser) für Ihn. Der Helfer ist also im Grunde der Überlegene.

  • Die Frau soll "sein Gegenstück" sein, ein Wesen, das ihm gegenübersteht, ihm ins Gesicht sieht, mit ihm sprechen kann, das genauso ist wie er. Man denkt bei dem Ausdruck fast an zwei auseinander gebrochene Teile, die man wieder exakt zusammenfügen kann. Man könnte daher auch von "seinem Partner" reden.

Der Sinn ist also: Mann und Frau gehören zusammen, bilden eine Einheit und müssen sich gegenseitig ergänzen. Gott hat sie verschieden gemacht, damit sie aufeinander angewiesen sind und einander brauchen, weil Er erkannt hat, dass es "nicht gut ist, dass der Mensch allein ist."

Gott hat mindestens in dem Augenblick nicht an eine Unterordnung, sondern an Zusammenarbeit, gleichberechtigte Partnerschaft gedacht, sonst hätte er nicht gesagt "als sein Gegenstück", sondern hätte sagen müssen "als sein Untertan" o. ä . Auch hier spricht die Wortwahl für sich.

Diesem Gedanken des partnerschaftlichen Nebeneinanders scheint aber die Sündenfallgeschichte zu widersprechen:

e. Er aber soll dein Herr sein

Paulus leitet in 1. Tim 2,14 die Unterordnung der Frau nicht nur daraus ab, dass Adam eher da war (V. 13), sondern auch daraus, dass Eva und nicht Adam von der Schlange verführt wurde.

Auch hier müssen wir uns die Mühe machen, uns nicht nur an die Geschichte zu erinnern, sondern sie genau zu lesen:

ea. Die Unterordnung der Frau ist nicht Schöpfungswille Gottes, sondern der Fluch des Sündenfalls.

"Er aber soll dein Herr sein" (l. Mose 3,16) sagt Gott zu Eva. Das heißt: Du brauchst dich genauso wenig zu wundern, wenn jetzt dein Mann dich herumkommandiert und dir seinen Willen aufzwingt ‑ genauso wenig, wie er sich wundern darf, dass er sich auf einmal abrackern muss, wenn er was zu essen haben will. Die paradiesischen Zustände sind vorbei. Die Welt, der Acker, die Tiere und das Verhältnis der Geschlechter sind nicht mehr, wie sie sein sollen.

Gott sagt das zu Eva, nicht zu Adam. Er kann also kein Recht daraus ableiten, seine Frau zu tyrannisieren. Er hat kein Recht, so zu handeln, aber er ist durch den Biss in die verbotene Frucht zum Unmenschen geworden, dem alles zuzutrauen ist.

Der Fluch des Falls ist ein lästiges Übel, das uns auferlegt ist, kein Gesetz, das wir erfüllen müssen. Es ist prinzipiell denkbar, dass wir uns dem Fluch wieder entziehen. Wir nehmen uns ja auch das Recht heraus, gelassen und souverän mit dem Schlepper über den Acker zu fahren, statt ihn im Schweiße des Angesichts mit einer steinzeitlichen Hacke zu bearbeiten, wie es Gott geboten hat. Schließlich müssen wir uns auch überlegen, wie ernst es uns damit ist, dass Christus uns vom Fluch des Sündenfalls erlöst hat.

eb. Hat aber nicht Eva den Adam verführt und damit größere Schuld auf sich geladen?

Ein Argument, das zwar nicht in der Bibel steht, aber trotzdem immer wieder zu hören ist, lautet: Die Schlange hat sich an Eva gewandt, weil sie leichter zu verführen ist. Bei Adam hätte sie keine Chance gehabt.

Wenn wir aber die Geschichte genau lesen, merken wir, dass es für Eva kein Problem ist, ihren Mann zu verführen: Sie hält ihm wortlos die Frucht hin, und der Trottel beißt rein. Er macht sich gar nicht die Mühe, nachzudenken, er denkt nicht an seine Verantwortung und nicht an das Gebot, sondern ist ganz leicht zu einer Übertretung des Gebots zu bewegen.

Bei Eva hat die Schlange dagegen einige Mühe. Wie ein gewiefter Vertreter muss sie Eva mit einer raffinierten Taktik bearbeiten, um sie dahin zu kriegen, wo sie sie haben will:

Sie tut so, als sei sie um die Rechte der Menschen im Garten besorgt: "Stimmt es, dass Gott verboten hat, das Obst im Garten zu ernten?" Eva hat die Gelegenheit, die Sache richtig zu stellen: nicht das ganze Obst hat Er verboten, sondern nur die Früchte von dem einen Baum. Sie zitiert das Verbot und erinnert sich dabei an die angedrohte Todesstrafe. Damit gibt die Schlange der Frau Anlass, über das Verbot nachzudenken. Warum hat Gott es erlassen? Weil Er nicht will, dass ihr genauso klug werdet wie er! Das Verbot wird hinterfragt ‑ die Übertretung lässt nicht lange auf sich warten.

Zugegeben, Eva ist der raffinierten Taktik der Schlange auf den Leim gegangen. Aber wozu muss sie die ganze Taktik anwenden, wenn Eva doch angeblich so leicht zu verführen ist? Etwa weil Eva drüber entscheidet, was auf den Tisch kommt? Weil die Schlange es unter ihrer Würde hält, dem Adam einfach die verbotene Frucht hinzuhalten? Vielleicht, weil Eva der Haushaltsvorstand ist?

Immerhin hat Eva durch diese Bevorzugung die größere Schuld auf sich geladen, denn sie übertrat nicht nur das Verbot, sondern verleitete auch ihren Mann. Wenn wir aber dies der modernen Eva ankreiden wollen, dann müssen wir dem modernen Adam auch seine damalige Trottelhaftigkeit anlasten, und das wird er sicherlich nicht gern hören. Wenn es stimmt, dass Christus uns von der Schuld des Sündenfalls befreit hat, dann brauchen wir heute gar nicht mehr nach Schuldigen zu suchen.

ec. Acker und Haushalt

In der Sündenfallgeschichte lesen wir auch, dass der Mann die Aufgabe hat, auf dem Acker zu arbeiten, und die Frau, Kinder zu kriegen.

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich von selbst, dass diese Rollenverteilung keine Schöpfungsordnung ist, sondern ebenfalls eine Folge des Sündenfalls. Kann man daraus schließen, dass Gott bei der Schöpfung nicht an eine klare Rollenverteilung gedacht hatte?

  • Dass sich die Menschen irgendwie vermehren sollen, geht schon aus dem Segen 1. Mose 1,27 hervor. Merkwürdigerweise ist aber vom Kinderkriegen erst nach dem Fall die Rede; die Rolle wird hier der Frau zugewiesen (obwohl von der Absicht der Geschichte her doch wohl nicht gemeint ist: Du sollst dazu verdammt sein, Kinder zu kriegen, u. zw. unter Beschwerden, sondern: Wenn du Kinder kriegst (was von Anfang an vorgesehen war), sollst du Beschwerden haben.
    Man braucht keine Bibel, um festzustellen, dass es von Natur aus Sache der Frau ist, Kinder zu gebären. Daran kann keine Religion, Ideologie oder Emanzipation etwas deuten. Der weise Schöpfer hat der Frau also damit eine besondere Aufgabe zugedacht, die ein Mann nicht wahrnehmen kann.
    Aus dieser schöpfungsgemäßen Aufgabe der Frau ergibt sich von selbst die Mutterrolle, die sie zu spielen hat, mit allen historischen Folgerungen:

  • ° Die schwangere Frau ist körperlich nicht so leistungsfähig wie vorher, kann also z.B. anstrengende Jagdausflüge des Urmenschen nicht mitmachen. Da sie allein mit ihrer Milch das Kleinkind ernähren kann, und da das Kleinkind intensive Pflege braucht, ist auch in den nächsten Jahren an Jagdabenteuer nicht zu denken. Die Frau ist an den häuslichen Herd gebunden.

  • ° Da die häusliche Arbeit nicht so sehr körperliche Kräfte verlangt, entwickelt die Frau weniger Muskeln als der Mann und wird auch im Schnitt nicht so groß.

  • ° Die Pflege der Kleinkinder, die Erziehung der größeren und die Sorge um Kranke und Alte, die auch zu Hause bleiben müssen, erfordern bei der Frau hohe soziale Qualifikationen: Sie braucht einen Blick dafür, was andere nötig haben, Einfühlungsvermögen, ein liebevolles Herz. Sie muss fähig sein, den Frieden im Haus zu wahren und in Konflikten zu vermitteln. Sie muss aber auch in der Lage sein, bei den Kindern nicht alles durchgehen zu lassen, sondern ihnen den richtigen Weg zu zeigen.
    Die körperlichen und seelischen Besonderheiten der Frau sind ihr also nicht einfach vom Schöpfer in die Wiege gelegt worden, sondern ergaben sich aus den Anforderungen ihrer Mutterrolle. Von daher ist es klar, dass die Frauen untereinander sehr verschieden und in sehr unterschiedlichem Maße dieser Rolle gewachsen sind.

  • Nach allem, was wir von Ihm wissen, hat Jesus ehelos gelebt. Er hat damit nicht nur selbst diesen Weg gewählt, sondern auch einer Frau den Weg in die Ehe verweigert und sie daran gehindert, die Mutterrolle zu übernehmen. Wie er sich dazu geäußert hat, ist nur in dem rätselvollen Wort Mt 19,12 überliefert als Antwort auf eine Folgerung der Jünger: "Es ist besser, gar nicht zu heiraten." Man kann den Ausspruch Jesu von der Eheunfähigkeit um des Reiches Gottes willen vielleicht so verstehen, dass freiwillige Ehelosigkeit nicht jedermanns Sache ist.
    Paulus, der auch ehelos gelebt hat, setzt sich ausführlicher mit dieser Frage auseinander (l. Kor. 7). Er hält es für gut, wenn auch Frauen nicht heiraten, weil sie dann eher die Möglichkeit haben, ganz für Christus zu leben und nicht an einen Mann gebunden zu sein. Von der Mutterrolle schreibt der Apostel nichts. Es ist jedoch klar, dass eine solche Frau darauf verzichten muss, Mutter zu werden.
    Man kann also nicht sagen, dass eine Frau von der Schöpfung her den Auftrag hat, Mutter zu sein. Es gibt auch ein sinnvolles Frauenleben ohne Kinder. Die Frage wäre, wie ein solches Leben zu gestalten und zu verstehen ist. Kann eine kinderlose Frau Aufgaben übernehmen, die sie als Mutter nicht wahrnehmen könnte, und die daher traditionell dem Mann vorbehalten waren?
    Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass die Menschen im Paradies nicht hätten arbeiten müssen. Denn "Gott setzte den Menschen in den Garten, dass er ihn bebaute und bewahrte" (l. Mose 2,15).

Auch im Paradies gibt's also Arbeit, die dem  Urmenschen als zunächst einzigem Bewohner des  Gartens aufgetragen ist. Wenn er dann die Frau als  "Hilfe" zugeteilt bekommt, so kann man das im Sinne  der Geschichte nur so verstehen, dass auch sie im Garten arbeiten soll. Eine Aufgabenverteilung im klassischen Sinn kann man  da noch nicht erkennen, es sei denn, man liest aus der Geschichte heraus, dass Eva die Arbeit des Erntens  zugefallen sei, während sich Adam mit anderen Arbeiten beschäftigt hätte, die ich mir im Paradies aber schlecht vorstellen kann.

Nicht die Arbeit selbst ist also ein Fluch, auch nicht dass der Mann dazu verdammt sei, sondern dass die leichte Tätigkeit im Paradies abgelöst wird durch die oft erfolglose Knochenarbeit auf dem Acker.

Die herkömmliche Rollenverteilung, dass der Mann auf dem Acker arbeitet oder einem Beruf nachgeht, ist also im Laufe der Geschichte so entstanden, aber nicht von der Schöpfung her so vorgesehen.

Man nimmt heute an, dass die Urmenschen zunächst wie Adam und Eva im Paradies von dem lebten, was sie in der Wildnis vorfanden. Jeder trug nach Kräften dazu bei; eine Arbeitsteilung war nicht nötig. Als die Bevölkerung zunahm und das Klima sich vielleicht verschlechterte, war diese paradiesische Lebensweise nicht mehr möglich. Die Menschen mussten sich wirksamere Methoden der Nahrungsgewinnung ausdenken. So erfanden sie Waffen und gingen auf die Großwildjagd. Bei dieser anstrengenden Tätigkeit konnten die Frauen nicht mithalten und mussten im Lager bleiben. Sie sammelten weiterhin Pflanzenteile und entdeckten die Grundlagen der Landwirtschaft. In den Hackbau‑Kulturen der dritten Welt ist der Ackerbau mit der Hacke heute noch Frauensache. Zur Aufgabe des Mannes wurde er erst mit der Erfindung des Pfluges, zu dem man Zugtiere brauchte. Tiere aber waren von alters her Angelegenheit der Männer.

So einfach, wie man glauben könnte, ist also die Entstehung der Arbeitsteilung nicht. Die Bibel hält mit ihrer Alternative Acker oder Kinderkriegen nur das wichtigste Ergebnis der Entwicklung fest.

Ursprünglich scheint es aber um die mehr bewegliche Lebensweise des Mannes mit Jagd, Viehzucht und Krieg und die mehr ortsgebundene Lebensweise der Frau mit Kindern, Nahrungsbereitung und Pflanzenbau gegangen zu sein.

Die bewegliche Lebensweise des Mannes stellte andere Anforderungen an ihn:

° Jagd und Krieg forderten größere Muskelkraft; daher sind die Männer im Schnitt muskulöser und größer als die Frauen.

° Beide Tätigkeiten hatten nur Erfolg, wenn die Männer zusammenarbeiten konnten. Sie mussten daher ebenfalls soziale Tugenden entwickeln: Organisationstalent, denn die erforderlichen Arbeiten mussten auf verschiedene Jagdteilnehmer verteilt werden. Fähigkeit, Entscheidungen zu fällen, denn die Jagdgesellschaft musste sich einig werden, was sie wollte; daher auch eine klare Rangordnung mit Anführern und Untergebenen. Die Bereitschaft, sich für gemeinsame Aufgaben einzusetzen, für einander einzustehen und für ein größeres Ziel Strapazen auf sich zu nehmen. Gerechtigkeit beim Aufteilen der Beute.

° Die Widrigkeiten der Natur und die körperlichen Mängel des Menschen (keine angewachsenen Waffen wie Raubtierzähne und scharfe Krallen) förderten den Erfindungsreichtum und das technische Können.

Wie die Frau musste also auch der Mann für seinen Tätigkeitsbereich über lange Zeiträume hinweg Tugenden entwickeln, die ihm halfen, seine besonderen Aufgaben besser bewältigen zu können.

Der Schöpfer hat ihm diese Freiheit zur Entwicklung mit auf den Weg gegeben. Aber hat er den Menschen auch gleich so geschaffen, dass die Frau diese, der Mann jene Eigenschaften hat? Ich meine, dass die Mutterrolle der Frau diese verschiedenen Entwicklungen der beiden Geschlechter erst ausgelöst hat.

Die herkömmliche Rollenverteilung ist also nicht in der Schöpfungsordnung festgelegt, sondern hat sich im Laufe der Geschichte erst ergeben. Es ist also denkbar, dass sie auch heute noch nicht festgeschrieben, sondern entwicklungsfähig ist.

Das Beispiel von der neutestamentlichen Stellungnahme zur Ehelosigkeit hat gezeigt, dass die Bibel durchaus der Meinung ist, dass die Frau nicht auf ihre Mutterrolle festgelegt sein muss.

Wie ist es aber mit der Vaterrolle des Mannes? "Von Natur aus" ist er ja zunächst nicht der Vater, sondern nur der Erzeuger. Dass er nicht nur Kinder zeugt, sondern sich auch um Frau und Kinder kümmert, ist nicht selbstverständlich; oft genug müssen wir auch heute das Gegenteil erleben.

Dass eine Frau ihre Kinder vernachlässigt, ist biologisch widersinnig, also sozusagen naturrechtlich verboten. Die Vaterrolle des Mannes dagegen ist nicht biologisch verankert. Wie kommt er dazu? Darüber schweigt nicht nur die Schöpfungsgeschichte, sondern auch Mose, der keine Bestimmungen darüber hat, dass der Erzeuger auch für seine Kinder zu sorgen hat.

Offensichtlich ist die Vaterrolle des Mannes eng mit der Stiftung der Ehe verbunden: Der Mann wird in der Ehe an die Frau gebunden und ist verpflichtet, für sie und die Kinder zu sorgen.

Vaterschaft und Ehe sind daher nicht durch die Schöpfung vorgegeben, also Naturrecht, sondern positives Recht, also dem Menschen nach seiner Erschaffung auferlegt. Wann und durch wen?

1. Mose 2,24 "Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen" wird von Jesus verstanden als Stiftung der Ehe durch Gott (Matth. 19,5). Der Zusammenhang von 1. Mose 2,23+24 erweckt aber den Anschein, dass V. 24 nicht ein Wort Gottes, sondern die Fortsetzung der Rede Adams aus V. 23 ist. Gott hat aus dem Urmenschen Mann und Frau gemacht, und Adam kommt zu dem Schluss, dass Mann und Frau zusammengehören und der Mann "der Frau anhangen" soll.

Die Stiftung der Ehe ist in diesem Vers jedenfalls mehr angedeutet als berichtet, und von einer möglichen Vaterschaft Adams steht noch weniger drin, es sei denn, man versucht in die Formulierung "sie werden sein ein Fleisch" etwas hineinzulesen.

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Datum: 1985 / 2015

Aktuell: 07.12.2017