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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Jesus ist auferstanden.Wie stellen wir uns das vor? |
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Wie stellen wir uns die Auferstehung Jesu vor? a. Argumente für eine körperliche Auferstehung c. Was ist mit der Leiche geschehen? |
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Als einer der häufigsten Einwände gegen den Kern des christlichen Glaubens
wird heute geltend gemacht: "Es mag ja sein, dass Jesus wieder lebendig
aus dem Grab herausgekommen ist. Aber dann ist doch eher anzunehmen, dass
er nur scheintot war, von jemand (z.B. Josef von Arimathäa) heimlich
aufgepäppelt und aus dem Grab herausgelassen wurde." Wie stellen wir uns als Christen denn das mit der Auferstehung vor?1. Herkömmlicherweise stellt man sich vor,dass Jesus am Kreuz gestorben ist, wirklich tot in die Grabhöhle gelegt wurde, aber am Ostermorgen wieder lebendig aus dem Grab herauskam, 40 Tage lang mit den Jüngern Kontakt hatte und dann "in den Himmel fuhr". Der Streitpunkt ist heute: Ist Jesus körperlich aus dem Grab herausgekommen oder anders? a. Für eine körperliche Auferstehung sprechen:i. Das leere GrabEs hat im Altertum niemand bezweifelt, dass das Grab Jesu leer war, sondern man hat sich alle möglichen andere Erklärungen überlegt (z.B. die Jünger hätten die Leiche in betrügerischer Absicht beseitigt, vgl. Mt 27,62-28,15). Es wurde also mit Sicherheit schon in der Mitte der 1. Jahrhunderts in Jerusalem das leere Grab Jesu als Beweis für die Auferstehung gezeigt. ii. Die GrabtücherSchon Lukas (24,12) und Johannes (20,6.7) scheinen etwas von den unversehrten Grabtüchern gehört zu haben. Man hat also anscheinend auch die Grabtücher als Beweisstücke vorgezeigt. Die Tücher machen noch mehr als das Grab selbst wahrscheinlich, dass die Leiche nicht lange im Grab lag, sonst wären die Tücher nämlich verrottet. Im Unterschied zu der einen Stoffbahn von Turin ist übrigens in den Ostergeschichten von mehreren Tüchern die Rede. iii. Der Auferstandene kann essen und angefasst werden.Die Evangelisten scheinen selbst an eine Art körperliche Auferstehung gedacht zu haben: Der Auferstandene konnte essen und angefasst werden (ganz deutlich Lk 24,38-43). b. Andrerseits widersprechen manche Einzelheiten der Ostergeschichten einer allzu massiven Körperlichkeit:i. GeisterhaftesDer Auferstandene kann z.B. plötzlich verschwinden (Lk 24,31), durch verschlossene Türen gehen (Jh 20,19) und an verschiedenen Stellen gleichzeitig sein, wie die Emmausgeschichte nahe legt (Lk 24). Das ist doch eher so, wie man sich etwa einen Engel vorstellt: ein nicht materielles Wesen, das aber eine sichtbare Gestalt hat und mit materiellen Gegenständen hantieren kann. ii. HimmelfahrtErst recht müssen wir bei der Himmelfahrtsgeschichte an eine mehr engelähnliche Beschaffenheit des Auferstandenen denken. Denn so naiv waren die ersten Christen wohl nicht, dass sie allen Ernstes geglaubt hätten, der wieder zu Leben erwachte Jesus wäre mit seinem zerschundenen Körper in den Himmel gefahren. c. Das Dilemma: Was ist mit der Leiche geschehen?
Ob wir an eine körperliche oder geistige Auferstehung Jesu denken, bleibt
die Frage ungeklärt: Was ist denn mit der Leiche Jesu geschehen? d. Wie hat sich denn Jesus selbst die Auferstehung vorgestellt?i. Jesus zur SadduzäerfrageDarüber erfahren wir in seiner Diskussion mit den Sadduzäern (Mk 12,18-27). Diese erzkonservative Priesterpartei lehnte die damalige volkstümliche Auffassung einer Rückkehr der Toten ins körperliche Leben ab und begründete das vor Jesus mit dem Argument: "Eine solche Wiederherstellung der irdischen Verhältnisse gibt unlösbare Probleme, wenn z.B. eine Frau mehrmals verheiratet war." Dagegen Jesus: "Ihr geht von falschen Vorstellungen aus. Wer sagt denn, dass die Auferstandenen heiraten? Sie werden vielmehr sein wie die Engel", also geschlechtslos, ohne körperlichen Bedürfnisse und offenbar auch ohne Körper im uns bekannten Sinn. ii. PaulusNoch genauer äußert sich Paulus, der in 1. Ko 15,35-45 von einem "geistlichen Leib" schreibt. Da Paulus die Auferstehung Jesu als einen Sonderfall der Totenauferstehung am Jüngsten Tag ansieht, hat er wohl auch an eine "geistlichen Leib" des auferstandenen Jesus gedacht. e. Der geistliche Leibi. hat nicht eine "feinstoffliche Substanz"
Spiritisten sind Leute, die versuchen, mit Toten im Jenseits Kontakt
aufzunehmen ("Tischrücken") und können mitunter auch einen Toten
sichtbar machen (wie die "Hexe von Endor" den Samuel, 1 Sam 28 und
Odysseus den Seher Teiresias). Man stellt sich das so vor, dass die Toten
zwar sichtbar sind, aber keine feste, sondern eine nebelhafte
("feinstoffliche") Substanz haben. ii. sondern eine geistige Gestalt
Wir können uns auch aus einem längst Verstorbenen ein Bild machen, auch
wenn nichts Materielles mehr übrig ist. Ich weiß nicht nur, wie meine
Eltern ausgesehen haben, sondern ich verbinde mit ihnen viele andere
Erinnerungen, an Erlebnisse mit ihnen wie auch an ihre Charakterzüge. Auch
von Jesus habe ich meine Vorstellungen. 2. Visionena. Paulusschreibt in 1 Kor 15,3-8 nichts vom leeren Grab, sondern dass Jesus von vielen Christen "gesehen" worden ist. Das wesentliche scheint mir auf jeden Fall nicht das leere Grab zu sein, sondern diese Erscheinungen, etwa wie in Jh 21: Petrus hatte nach Karfreitag ein Erlebnis mit dem Auferstandenen, das aus dem verzweifelten Verleugner einen tapferen Bekenner gemacht hat. Anderen Urchristen ging es ähnlich. Sie schlossen nicht daraus: "Aha, es gibt doch eine Auferstehung oder ein Weiterleben nach dem Tod!" oder: "Jesus ist jetzt im Himmel", sondern: "Gott hat den scheinbar Gescheiterten bestätigt, ihn zu sich in den Himmel geholt und ihm einen Platz zu seiner Rechten angewiesen" (ähnlich Stephanus in Apg 7,55-56). b. Von Stephanuslesen wir, er sei "voll des heiligen Geistes gewesen", er habe also eine Vision gehabt (Apg 7,54-60). Eine Vision ist, wenn unter gewissen Voraussetzungen (z.B. Sterbestunde wie bei Stephanus) ein inneres Ereignis so erlebt wird, als sei es ein äußeres. Viele äußere Wahrnehmungen sind nur Schein und führen zu falschen Schlüssen; umgekehrt führt eine Vision zu richtigen, tieferen Erkenntnissen. Was sollen wir denn nun glauben?Worauf es bei unserem christlichen Osterbekenntnis ankommt, ist nicht das Stichwort "Auferstehung", das missverständlich ist und zu falschen Schlüssen führen kann. Was die ersten Christen an diesem ersten Ostertag erfahren haben und was jeder Gläubige bis heute bestätigen kann, ist was Anderes: "Jesus lebt, ihm ist das Reich über alle Welt gegeben" und "Jesus lebt, mit ihm auch ich" (Ev. Gesangbuch 115). |
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Heinrich Tischner Jesus: Glaubwürdiges über Leben, Sühnetod, Auferstehung und Heilsbedeutung des Gottessohns
Weißensee Verlag
Berlin, 14,80 € |
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Leben nach dem Tod | Auferstehung | Sprachecke 06-04.2010 |
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Datum: 1994 / 2005 Aktuell: 06.04.2011 |
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