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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Die Leidensgeschichte JesuAnhängeDer Lieblingsjünger |
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a) der Jünger, den Jesus liebte, der andere Jünger b) ein ungenannter andere Jünger 3. Wer war diese geheimnisvolle Gestalt? b) Der Evangelist weiß nicht von Johannes a) Der Evangelist war Johannes Markus b) Der Lieblingsjünger war das bessere Ich des Petrus |
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1. Befunda) der Jünger, den Jesus liebte, der andere Jünger
b) ein ungenannter andere JüngerAn drei weiteren Stellen werden Jünger in wichtiger Position erwähnt, die ebenfalls nicht namentlich genannt werden und mit dem Lieblingsjünger eins sein könnten:
2. Beziehung zu PetrusEs fällt auf, dass an allen Stellen außer 19,26‑27 der Lieblingsjünger immer zusammen mit Petrus auftritt:
In Johannes 19,26‑27 macht Jesus den Lieblingsjünger zum Sohn der Maria und damit zu seinem Bruder. Der Lieblingsjünger tritt also in Konkurrenz zu den im vierten Evangelium mehrfach erwähnten Herrenbrüdern (2,12 Hochzeit zu Kana; 7,1‑10 Laubhüttenfest; die Brüder glauben nicht). In allen Fällen handelt es sich um Traditionsgut, das uns auch von den Synoptikern bekannt ist, und in allen Fällen scheint der Lieblingsjünger nachträglich eingefügt worden zu sein. 3. Wer war diese geheimnisvolle Gestalt?a) Der vierte Evangelist?Der Endherausgeber behauptet 21,24, es handle sich um den Verfasser des Evangeliums, der also ein Jünger Jesu gewesen sein müsste. b) Der Evangelist weiß nicht von JohannesNach der altkirchlichen Tradition war es der Apostel und Zebedäussohn Johannes.
Das 4. Evangelium hat also von Johannes und Jakobus wirklich nichts gewusst. Daher kann Johannes auch nicht der Evangelist sein. 4. AlternativenDamit ist aber noch nicht das letzte Wort gesprochen. Es sollen in der Folge noch einige weitere, bisher nicht beachtete Möglichkeiten geprüft werden: a) Der Evangelist war Johannes MarkusNach der altkirchlichen Überlieferung hat ein Johannes Markus aus Jerusalem Petrus als Dolmetscher begleitet und nach dem Tod des Petrus dessen Erzählungen von Jesus aufgeschrieben. Dies soll allerdings die Grundlage des Markusevangeliums gewesen sein. Nun wäre ja denkbar, dass der Grund für diese Behauptung der Doppelname Johannes Markus war: Nachdem man das Johannesevangelium dem Apostel zugeschrieben hatte, bot sich diese Überlieferung für das Markusevangelium an. Die Beziehung zu Petrus und Rom könnte aber auch aus 1. Petr 5,13 (Babylon Deckname für Rom) erschlossen sein. Was spricht noch für diese Hypothese?
Dass Johannes Markus der Urheber des Johannesevangeliums ist, ist möglich, aber durch die altkirchliche Tradition nicht gedeckt. b) Der Lieblingsjünger war das bessere Ich des PetrusVielleicht muss man die Verfasserfrage und die Frage nach dem Lieblingsjünger voneinander trennen. Es ist nämlich nicht auszuschließen, dass mit dem Lieblingsjünger eine Art Doppelgänger des Petrus, seine verkörperte Seele oder sein Engel gemeint ist. Dass man Petrus einen eigenen "Engel" zuschrieb, erfahren wir Apostelgeschichte 12,15. Wenn die Deutung von Mark 14,51.52 stimmt, dass der fliehende Jüngling ein doketistisches Symbol für den Gottessohn Christus ist, der sich vor der Passion von dem Menschen Jesus trennt, dann wäre der "Jüngling" ja auch eine Art Doppelgänger oder Engel von Jesus. Vielleicht bekommt dadurch das Nebeneinander von Petrus, dem anderen Jünger und dem Lieblingsjünger einen Sinn: Es handelt sich um die zwei Seelen, die in der Brust von Petrus wohnen und die das Handeln von Petrus vorbereiten:
c) Das wahre Ich des Petrus bleibtDem scheint der Schluss der Beauftragungsgeschichte Johannes 21,18‑23 zu widersprechen: Jesus deutet Petrus den Märtyrertod im Alter an ("führen, wohin du nicht willst") und sagt vom Lieblingsjünger "Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht's dich an?" Die Christen hätten daraus entnommen, dass der Lieblingsjünger nicht sterben wird, aber das habe Jesus nicht gemeint. Man hat also den Lieblingsjünger später für eine historische Person gehalten, den Verfasser des Evangeliums, der Ende des 1. Jahrhunderts gestorben ist, und sich dann über das Jesuswort gewundert, das man auf das leibliche Leben bezogen hat. Was könnte das Jesuswort aber gemeint haben? Bleiben im Johannesevangelium bedeutet außer im profanen Sinn 'sich aufhalten' im geistlichen Sinn 'glauben' (= bei Jesus bleiben) oder 'ewigen Bestand haben', an keiner Stelle aber 'leben und nicht sterben', wird auch in der Lazarusgeschichte Johannes 11 nicht verwendet, wo es um leibliches und ewiges Leben geht (Johannes 11,25.26). Wenn wir das Jesuswort im Sinne von Johannes verstehen, so müssen wir umschreiben: "Wenn ich will, dass er im Glauben ewigen Bestand hat..." Petrus hat sich also nicht nach dem Schicksal eines Mitjüngers, sondern seiner eigenen Seele erkundigt und Jesus deutet ihm an: "Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt, und wer da lebt und glaubt an mich, wird nimmer mehr sterben." (Johannes 11,25.26). Dazu
kommt als Hintergrund ein Problem, das die Christen in Thessalonich
beschäftigt hat: Man rechnete zunächst mit einer baldigen Wiederkunft des
Herrn in wenigen Monaten oder Jahren. Dann aber starben die ersten
Christen, ohne die Wiederkunft erlebt zu haben. Haben sie damit was
Wichtiges versäumt? Wenn wir der obigen Deutung folgen, war der Lieblingsjünger niemand anders als Petrus selbst, seine personifizierte Seele oder sein Engel. d) Das 4. Evangelium ist im Geist des Petrus geschriebenWas hat es dann aber mit der Bemerkung Johannes 21,24 auf sich, der Lieblingsjünger sei der Evangelist gewesen? Das kann doch nur bedeuten: Der "Geist des Petrus" durchweht das Evangelium, es ist in seinem Geist geschrieben. Ein Hinweis, dass Johannes Markus, der angebliche Petrusdolmetscher der Verfasser ist? |
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Datum: 1989 / 2005 Aktuell: 14.07.2006 |
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