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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Warum wir Evangelischen
nicht an Maria glauben

Weiterlesen für Katholiken nicht empfohlen

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Heilige überhaupt

Maria

Biblische Grundlage

Jungfrau Maria

Im NT keine Marienverehrung

Mariendogma

Evg. Grundsatz

 

 

 

 

I. HEILIGE ÜBERHAUPT
Wir lehnen nicht nur die Marienverehrung ab, sondern die Heiligenverehrung überhaupt:
1. Warum müssen wir Heilige als Vermittler oder Nothelfer anrufen, wenn wir uns im Namen Jesu direkt an Gott wenden können?
2. Wie verträgt sich die Verehrung "heiliger Menschen" mit dem Gebot, Gott allein zu dienen? Wie genau nehmen wir's überhaupt mit dem ersten Gebot?
3. Das schließt nicht aus, dass wir bestimmte vorbildliche Menschen besonders schätzen. Es kann aber jeder Mensch zum falschen Gott werden, wenn er uns daran hindert, unser Herz allein an Gott zu hängen. Das ist zunächst mal ein Fehler von uns, wenn wir ihn an die Stelle Gottes setzen. Eltern, Vorbilder, Menschen, die uns etwas bedeuten, sind nur Platzhalter für Gott in unsren Herzen. Sie versündigen sich, wenn sie sich unentbehrlich machen, und wir versündigen uns, wenn wir sie an die Stelle Gottes setzen.

II. MARIA
Unser Vorbehalt gegenüber der Heiligenverehrung gilt auch gegenüber Maria.

1. BIBLISCHE GRUNDLAGE

Was wir im Neuen Testament über Maria lesen, gibt keinen Anlass für eine Marienverehrung:
a) Maria war die Mutter Jesu. Sie war mit Josef erst verlobt, später auch verheiratet (Mt 1,18.24). Josef wird in der Geschichte vom 12jährigen Jesus zum letzten Mal erwähnt (Lk 2,41 ohne Namen). Später ist nur noch von Jesu Mutter, Brüdern und Schwestern die Rede (Mk 6,3). Maria hat Jesus überlebt und war Mitglied der Urgemeinde (Apg 1,14). Ihre weiteren Spuren verlieren sich im Dunkel. Ein Mariengrab wird in Jerusalem gezeigt; es wird aber auch behauptet, sie sei in Ephesus gestorben. Dass Maria mit Johannes nach Ephesus gegangen wäre, kann man aus Joh 19,25-27 herauslesen, ergibt sich aber nicht zwingend aus dem Text. Maria könnte ja gestorben sein, bevor der Apostel nach Ephesus ging.
b) Wenn man das Neue Testament unvoreingenommen liest, war das Verhältnis zwischen Jesus und seinen Verwandten nicht spannungsfrei:
* Bei der Hochzeit zu Kana weist Jesus seine Mutter schroff zurecht: "Frau, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Zeit ist noch nicht gekommen." (Joh 2,4) Jesus wehrt sich gegen die Erwartung Marias, die ihn als Problemlöser betrachtet.
* Die Angehörigen glaubten, Jesus sei verrückt. (Mk 3,21). Jesus distanziert sich von seiner Mutter und seinen Brüdern und sagt, seine Verwandte seien die, die Gottes Willen tun. (Mk 3,31-35) Darin steckt deutlich die Kritik, dass Maria und die Brüder im Moment Gottes Willen nicht tun. Jesus fordert auch von seinen Jüngern, dass sie ihre Familie verlassen, wenn sie ihm nachfolgen. (Mk 10,29.30)
* Nach Joh 7,3-5.12 haben die Brüder nicht an Jesus geglaubt, d.h. nicht im christlichen Sinn. Nicht dass sie Jesus nichts zugetraut hätten. Sie erwarteten, dass Jesus sich so profilierte, dass man an ihn glauben konnte, aber Jesus lehnte das ab.
* Jakobus, der "Bruder des Herrn" (Gal 1,19) galt in der Urgemeinde als Apostel und war nach Petrus Leiter der Gemeinde in Jerusalem. Von ihm wird eine besondere Osteroffenbarung überliefert (1. Kor 15,7), die ihn nach außerbiblischer Überlieferung erst zum Christen machte. Die Brüder Jesu standen bei den ersten Christen in hohem Ansehen; der Jakobus- und Judasbrief werden ihnen zugeschrieben.
c) Wenn man das neue Testament unbefangen liest, muss man die namentlich genannten Jakobus, Simon, Judas und Joses samt ihren Schwestern (Mk 6,3) für Kinder der Maria und leibliche Geschwister Jesu halten, auch da, wo Mutter und Brüder zusammen erwähnt werden. Nur das nachbiblische Dogma von der immer währenden Jungfrauschaft Marias verleitet zu anderen Überlegungen.
d) Von Maria wird aber nur überliefert, dass sie Jesus als Jungfrau empfangen hat, und das auch nur in Mt 1,20-25 und Lk 1,34+35 (beide Male "schwanger vom heiligen Geist".) Sonst spielt die jungfräuliche Geburt im NT überhaupt keine Rolle.
Gegen eine immerwährende Jungfrauschaft spricht eindeutig Mt 1,25 "Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus." Wenn man das liest ohne Dogmen im Hinterkopf, muss man das so verstehen, dass er sie später doch "berührt" habe.

2. GEBOREN VON DEN JUNGFRAU MARIA
Das Jungfrauendogma hat schon früh die Kritik herausgefordert:
a) Die Juden haben keine originalen Überlieferungen über Jesus aufbewahrt. Was in ihren religiösen Schriften über Jesus steht, spiegelt die Auseinandersetzungen der damaligen Zeit. So entstand die Gegenbehauptung, Jesus sei ein uneheliches Kind gewesen, Sohn eines römischen Legionärs Panthera. Wahrscheinlich gab es einen Jesus, Sohn des Panthera, der mit dem von Nazareth nichts zu tun hatte. Jesus war ein häufiger Name. Das wäre also eine Verwechslung. Dahinter steht aber das Bedürfnis, auf eine näher liegende Weise zu erklären, wie Maria zu ihrem Kind kam: Wenn der rechtmäßige Ehemann Josef nicht der Erzeuger war, dann war es halt ein anderer. Ein voreheliches Verhältnis und ein uneheliches Kind waren aber eine Schande, damit würde nicht nur Maria, sondern auch Jesus belastet. Zu solchen absurden Folgerungen kann also das Dogma führen.
b) Das wäre für uns heute kein Problem mehr. Uns macht eher zu schaffen, dass eine Jungfrauengeburt biologisch unmöglich ist. Selbst wenn man bedenkt, dass bei Tieren sich auch unbefruchtete Eier zu Jungen entwickeln können, und dass sich das bei Menschen kaum nachweisen lässt: Die Jungen sind Klone der Mutter und haben nur weibliche Gene. Bei Jesus hat aber niemand bezweifelt, dass er männlich war. Biologische "Jungfernzeugung" kommt also für Maria nicht in Frage.
c) Da tut es gut, dass wir uns fragen: Was soll überhaupt die biblische Jungfrauengeburt? Das ist keine medizinisch erwiesene Tatsache, wie spätere Legenden behaupten, sondern ein heidenchristlicher Versuch zu erklären, wie Jesus Gottes Sohn sein konnte: Die Heiden glaubten ja an Halbgötter, Vater ein Gott, Mutter ein Mensch. Beispiel Herkules. Wenn Heiden zum ersten Mal hörten, Jesus sei Gottes Sohn, dann stellten sie sich das vor wie bei Herkules.
Die Bibel hat aber noch andere Erklärungen, die älteste in Röm 1,3+4: »von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, und nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten.« Für Paulus wurde Jesus erst zum Gottessohn durch die Auferstehung, in geistlicher Hinsicht, nicht durch die Jungfrauengeburt "nach dem Fleisch".

3. IM NEUEN TESTAMENT KEINE MARIENVEREHRUNG

Was man gewöhnlich als Belege für Marienverehrung im Neuen Testament anführt, ist dürftig und stützt keine Marienverehrung im heutigen Sinn:
a) In Lk 1,38 wird Maria dargestellt als eine Frau, die Gott an sich wirken lässt. Was hätte sie auch anders tun können? Wenn Abraham, Zacharias und andere Kinderlose im Alter noch einmal "der Liebe pflegten", dann kann man das als Akt des Gehorsams gegenüber der Verheißung ansehen. Aber ein Kind vom Heiligen Geist empfangen? Hätte Maria sich wehren können? Auch die Propheten konnten sich Gott nicht widersetzen, wenn er etwas von ihnen wollte.
b) Im "Englischen Gruß" (Lk 1,28, Ave Maria) heißt es im griechischen Text wörtlich: "Sei gegrüßt, Beschenkte / Begnadete", gemeint ist: "von Gott Beschenkte". So muss man auch das lateinische "gratia plena" verstehen: 'mit der Gnadengabe Gottes erfüllt'. Später verstand man aber "Gnadenreiche", d.h. sie wäre fähig, anderen Menschen Gnade zukommen zu lassen. "Gnade" bedeutet in der Bibel 'Zuneigung' oder 'Geschenk'; im Mittelalter verstand man darunter die ewige Seligkeit.
c) Im Magnificat sagt Maria: "Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder." (Maria bzw. Lukas rechnet damit, dass Maria Enkel haben könnte!) Das hört sich heute bedeutungsvoller an, als es gemeint ist: "Selig preisen" im Sinne der Bibel meint nicht so was Ähnliches wie "selig / heilig sprechen", sondern einfach sagen "du hast's gut" (weil du den Jesus geboren hast). Die neutestamentliche Redewendung entspricht im Alten Testament "wohl dem, der…" (der ist zu loben).
d) Die Offenbarung als ganze ist schwer zu verstehen in ihrer Grundaussage und in ihren einzelnen Bildern. Das gilt auch für das 12. Kapitel (die Mutter und der Drache). Offb 12,5 kann man auf Jesus beziehen, dann wäre die Mutter Maria. Aber wie schon der Drache zeigt, sind Kind und Mutter keine irdischen Gestalten, genauso wenig wie die "Hure Babylon" in Kap. 17. Die beiden Kapitel gehören zusammen: Die Hure Babylon ist das heidnische Rom, das merkwürdige Reittier wie der Drache sind Symbole für den Teufel. Der unterstützt also die Christusfeinde in Rom und verfolgt die Gläubigen. Die Mutter ist nicht Maria, sondern die Kirche. Denjenigen, dem die Zukunft gehört, Jesus, konnte eh keiner mehr was anhaben, weil er im Himmel ist.
Das ist nur der Versuch einer Deutung. Offensichtlich spielen auch astrologische Symbole eine Rolle (Sonne, Mond, 12 Sterne = Tierkreiszeichen) und heidnische Vorstellungen von der göttlichen Mutter Isis, deren Mann Osiris vom bösen Gott Seth getötet wurde, der auch das göttliche Kind Horus umbringen wollte.
Man kann also diese Stelle auf Maria deuten, zwingend ist dieser Schluss aber nicht, weil es um Symbole und nicht um historische Menschen geht. Es ist auch nicht zu erkennen, dass diese Stelle fordert, dass man diese Mutter verehren müsse.

III. MARIENDOGMA
Die biblischen Grundlagen für das Mariendogma sind also sehr dürftig.

Das Mariendogma beruft sich vielmehr auf das Kindheitsevangelium des Jakobus.
Die folgenden Informationen stammen aus Hennecke & Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen I 277 ff.
Dieses Evangelium kam nicht ins Neue Testament, weil das Buch erst um 150 n. Chr. entstanden ist. Damals stand der Grundbestand des Neuen Testaments bereits fest: mindestens die 4 Evangelien, Apostelgeschichte, Paulus. Obwohl man annehmen sollte, dass der Herrenbruder über die Familiengeschichte bestens unterrichtet war, hat die Alte Kirche den Evangelienbestand nicht erweitert. Das heißt: Man hielt das Buch 1. nicht für wichtig und 2. für eine Fälschung. Es ist gar nicht so, dass man damals so naiv gläubig gewesen wäre, dass man alles, was fromm aussah, für bare Münze genommen hätte.
Im Jakobusevangelium erfahren wir nicht nur, wie Marias Eltern hießen (Joachim und Anna), sondern auch, dass auch Anna kinderlos war und versprach, ihr zukünftiges Kind in den Tempel zu geben. Dort wuchs Maria "jungfräulich" auf und wurde mit 12 pro forma mit dem Witwer Josef verheiratet, der ihre Jungfräulichkeit behüten sollte. Nach der Geburt Jesu überprüfte eine Hebamme, ob Maria wirklich Jungfrau war. Sie konnte gar nichts feststellen, weil durch ein Wunder die untersuchende Hand abgefallen war, das Strafwunder genügte als "Beweis".

IV. DER EVANGELISCHE GRUNDSATZ

Wir Evangelischen versuchen uns auf die Mitte zu konzentrieren, das ist Gott, wie er sich in Jesus Christus offenbart hat. Für uns ist Jesus der alleinige Vermittler der ewigen Seligkeit. Mehr brauchen wir nicht. Glauben ist ganz einfach.

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 2008

Aktuell: 30.12.2010