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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Was glauben die anderen?

Ferienbibelseminar des Ev. Dekanats Reinheim
24.04.-01.05.1984

Die Antwort der Religionen

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Monotheismus

   Judentum

   Christentum

   Islam

Polytheismus

   Hinduismus

Atheismus

Vergleich

 

Monotheismus

Es gibt nur einen Gott. Er hat die Welt erschaffen und steht als Schöpfer der Welt gegenüber. Sein Wesen ist Geist, sein Aufenthaltsort eine geistige Wirklichkeit, die außerhalb der Welt ist und doch die Welt durchdringt (bildhaft: Gott ist im Himmel). Gott wirkt in der Natur und im menschlichen Leben. Er hat sich wiederholt in der Geschichte bestimmten Propheten offenbart und die Menschen seinen Willen gelehrt. Gott wird verehrt vor allem durch Gehorsam, aber auch im Gebet. Die maßgeblichen Überlieferungen der Propheten sind in einer heiligen Schrift zusammengefasst. Gottesdienst hat als wesentlichen Inhalt unter anderem die Verlesung und Auslegung eines heiligen Textes. Da Gottes Wesen Geist ist, gilt er prinzipiell als unsichtbar und darf nicht bildlich dargestellt werden.

Judentum

Gott hat sich wiederholt den Vorfahren der Juden offenbart und ihnen nach und nach sein Wesen bekanntgemacht. Als erster Verehrer des einen Gottes und zugleich als Stammvater Israels gilt Abraham, als wichtigster Verkünder des Gotteswillens Mose. Gott hat speziell mit dem jüdischen Volk einen Bund geschlossen und ihm das alttestamentliche Gesetz mitgeteilt. Obwohl dieser Bund wiederholt gebrochen wurde, hält Gott heute noch in großer Treue daran fest. Das Wesen Gottes ist für den Juden am besten wohl mit dem Stichwort Wille wiedergegeben.

Christentum

Nachdem Gott sich über tausend Jahre lang nur mit Israel beschäftigt hatte, hat er zur Zeitenwende seinen Sohn als endgültigen Offenbarer geschickt, oder besser gesagt, er kam in Jesus Christus selbst als Mensch auf die Erde. Zwar hatte er schon Mose sein wahres Wesen offenbart und ihm gesagt, dass er barmherzig und gnädig ist; aber erst seit Christus wissen wir, dass Gottes Wesen nichts als Liebe ist. Diese Liebe gilt seither nicht bloß einem kleinen Volk, sondern allen Menschen. Jeder darf seitdem an Gott glauben, seine Liebe verspüren und das ewige Leben bekommen.

Das christliche Gottesverständnis widerspricht nicht dem jüdischen, sondern erweitert es dadurch, dass herausgestellt wird, dass Gott die Liebe ist, und betont wird, dass diese Liebe allen Menschen gilt.

Neu ist freilich die Behauptung, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist und damit am göttlichen Wesen Anteil hat. Für einen Uneingeweihten kann es daher scheinen, als sei im Christentum der strenge Monotheismus aufgegeben und es werde die Existenz von zwei oder gar drei Göttern behauptet. Die Begründung, weshalb Gott, Jesus und der Heilige Geist nicht drei, sondern ein Gott sind, ist schwer zu verstehen und setzt ein beachtliches Maß an abstraktem Denken voraus. Offensichtlich ist aber dem christlichen Glauben die Einzigkeit Gottes nicht so wichtig. Der heidnische Polytheismus ist dem Christentum kein ernst zu nehmender Gegner mehr.

Islam

Mohammed erkennt die jüdischen und christlichen Gottesoffenbarungen an. Der Gott Mohammeds ist also auch der Gott von Abraham, Mose und Jesus. Mohammed ist aber der Meinung, dass die beiden anderen Religionen die Offenbarung verfälscht haben, während er, Mohammed, sie wieder in ihrer alten Reinheit erkannt habe. Nicht Jesus, sondern Mohammed ist der maßgebliche Prophet; alle anderen sind nur seine Vorläufer.

Mohammed muss sich vor allem mit seinen heidnischen Landsleuten auseinandersetzen, die an viele Götter glauben. Deswegen legt er größten Wert auf die Einzigkeit Gottes und wirft daher dem Christentum vor, es betreibe mit seiner Dreieinigkeitslehre Vielgötterei.

Stärker als in den beiden anderen Religionen wird beim Gott Mohammeds seine Allmacht betont. Gott kann tun, was er will, und es ist dem Menschen geboten, sich der Allmacht ohne Auflehnung zu unterwerfen. Diese Schickung in Seinen Willen kann soweit gehen, dass der Mensch seinen eigenen Willen aufgibt.

Dies wird immer wieder als typisch muslimische Eigenart dargestellt. Dabei übersehen wir, dass es diese Meinung im Juden‑ und Christentum auch gibt, wenn sie vielleicht auch nicht ganz so stark zur Geltung kommt.

Vergleich

 

Judentum

Christentum

Islam

Offenbarer

Propheten

Propheten + Christus

Propheten + Jesus + Mohammed

Offenbarung

AT

AT+NT

Koran

Zahl der Götter

nur einen

nur einen

nur einen

innere Struktur

Einheit

Dreieinigkeit

Einheit

Wesen Gottes

Wille

Liebe

Allmacht

Religion

Gehorsam

Glauben

Ergebung

 

Alles in allem müssen wir sagen, dass der jüdische, christliche und muslimische Gott ein und derselbe sind, wenn auch die Schwerpunkte etwas anders verteilt sind, und wenn auch die älteren Religionen die jüngeren Offenbarungen nicht mehr anerkennen.

Und dennoch besteht da ein wichtiger Unterschied: Zwar kennen auch Juden und Muslime Gott als den Schöpfer in der Vorzeit, den historischen Offenbarer und den, der gegenwärtig wirksam ist. Aber das ist doch etwas anderes als die christliche Dreieinigkeit; denn weder Abraham noch Mose noch Elia noch Mohammed haben den Anspruch erhoben, Gottes Sohn zu sein; auch kennen beide Religionen keine Erlösung, und schließlich spielt in keinen eine wesentliche Rolle, dass der einzelne Gläubige Gott in sich hat:

 

Judentum

Christentum

Islam

Offenbarer

Propheten

Gottes Sohn

Prophet

Erlösung

am jüngsten Tag

durch Jesu Tod

- – -

Führung

Wort der Thora

Geist Gottes

Schicksal

Gott heute

im Himmel

in unserm Herzen

im Himmel

Der Gott der Juden und der Muslime ist also christlich gesprochen "Gott der Vater"; die Aspekte "Sohn" und "Heiliger Geist" fehlen.

Polytheismus

Grundüberzeugung des Polytheismus ist, dass es viele Götter gibt. Sie wohnen im Himmel und in der Luft, in der Erde, im Wasser und in der Unterwelt und haben vielfältig spezialisierte Aufgaben: die Fürsorge für die einzelnen Bereiche der Welt, die Obhut über die verschiedenen Naturerscheinungen und die menschlichen Lebensäußerungen sowie die Aufsicht über die Menschen. Diese Götterwelt ist meist hierarchisch gegliedert. An der Spitze stellt ein Gott oder Götterpaar. Es wird oft behauptet, dass die anderen Götter von ihm abstammen. Manchmal gilt der regierende Gott nicht als der ursprüngliche; er habe die Macht einem anderen, älteren Gott entrissen. Auch die übrigen Götter sind untereinander nicht gleich. Zwischen dem obersten Gott und den Menschen gibt es mitunter einen nahtlosen Übergang über Haupt‑ und Nebengötter, Naturgeister und Halbgötter.

Die Zahl der Götter ist unbegrenzt; auch wenn manchmal exakte Zahlen genannt werden, so sind diese doch unvorstellbar hoch, so dass man gar nicht in der Lage ist, sie alle aufzuzählen und zu nennen. Trotzdem ist der Gläubige nicht verpflichtet, alle in gleicher Weise zu verehren, weil die meisten nur eine untergeordnete Bedeutung haben oder nur zu bestimmten Zeiten in Tätigkeit treten. Die Hauptgötter müssen zwar von Staats wegen öffentlich verehrt werden; aber dem einzelnen Gläubigen steht es frei, alle Hauptgötter oder nur einen einzelnen Lieblingsgott anzubeten, einer ausländischen Gottheit zu dienen oder die Existenz der Götter schlechtweg zu ignorieren.

Das hängt damit zusammen, dass die Götterlehre zwar in irgendeiner Gestalt mündlich oder schriftlich überliefert, aber nicht in der Weise normativ festgelegt ist wie in den monotheistischen Religionen.

Die gescheitesten Polytheisten waren sich immer bewusst, dass sich hinter den einzelnen Göttern in Wirklichkeit eine einzige Gottheit verbarg. Dies brachten sie auf verschiedene Weise zum Ausdruck:

1. Die vielen Götter stammen alle von einem ab, sind also verselbständigte Aspekte des einen Gottes. Das ist etwa so, wie wenn Katholiken das heilige Herz Jesu verehren, als wäre das etwas anderes als Jesus selbst, oder wie wenn die Evangelischen vom Wort Gottes reden, als wäre das etwas anderes als Gott selbst.

2. Die vielen Götter sind in Wirklichkeit Erscheinungsformen, Offenbarungen einer dahinter stehenden unfassbaren Gottheit, die an sich nicht zu erkennen ist, sondern nur in ihren einzelnen Erscheinungen. Ob im Gewitter, im Krieg oder in der Liebe – überall sind es zwar verschiedene Erfahrungen, die der Mensch mit dem Heiligen macht; aber alles sind doch nur verschiedene Ausdrucksweisen der selben Gottheit. Das ist etwa so, wie wenn die biblische Theologie vom Zorn und der Liebe Gottes reden: gegensätzliche Ausdrucksformen ein und derselben göttlichen Person. Der Unter schied zwischen monotheistischer und polytheistischer Betrachtungsweise ist aber der, dass der Monotheist auf Offenbarungen zurückgreift, während für den Polytheisten sich Gott hinter den Erscheinungen mehr verbirgt als offenbart.

3. Alle Götter können mit einem einzigen konkreten Gott identifiziert werden. Tatsächlich hat man immer wieder verschiedene Götter "zusammengelegt"; kleinere wurden von den größeren geschluckt; diese führen den Namen der kleineren nur noch als Beinamen: Pallas war ursprünglich eine eigene Göttin; später war Pallas Beiname der Göttin Athene. Die Ägypter vereinigten die Götter Amun, Re und Horus und machten daraus einen Staatsgott. Die Römer verehrten den semitischen Baal als Jupiter Dolichenus. Und manchmal gab es Leute, die behaupteten: Der Name aller Götter ist Zeus; Zeus ist in Wirklichkeit der einzige Gott; alle anderen sind nur besondere Aspekte von Zeus.

4. Obwohl man mitunter verschiedene Götterklassen voneinander unterschied, gab es doch für alle eine Sammelbezeichnung; so nannten die Germanen die Klassen der Asen und Wanen zusammen 'Götter'. Hier werden die einzelnen Götter und ihre Abteilungen als Angehörige einer gemeinsamen Gattung angesehen.

Auch wir können mythologische Gestalten wie Zeus, Donar oder Baal zusammen mit der Zentralfigur unseres Glaubens unter der Sammelbezeichnung 'Gott' zusammenfassen und gehen merkwürdigerweise davon aus, dass unser Gott mit den heidnischen Göttern was gemeinsam hat.

Worin besteht die Gemeinsamkeit?

Der Begriff 'Gott' kann zweierlei bedeuten:

1. funktionale Definition: ein Gott ist jemand, den ich als ein mir überlegenes Wesen verehre. (Luther: "Worauf du nu, sag ich, deine Herz hängest und verlässest, das ist in Wirklichkeit dein Gott"). Nach dieser Definition wäre der monotheistische Gott mit den polytheistischen Göttern zu vergleichen, denn sie alle werden auf diese Weise verehrt.

2. Ontische Definition: Hier stellen wir fest, dass der monotheistische Gott der Welt gegenübersteht, während die polytheistischen Götter Bestandteile der Welt sind. Aus monotheistischer Sicht verehrt also der Polytheist Geschöpfe an Stelle des Schöpfers – aus polytheistischer Sicht verehrt der Monotheist nicht die natürlichen Offenbarungen des unfassbaren Heiligen, sondern das Heilige selbst, das dahinter steht. Nach dieser Definition wären also beide Gottesbegriffe nicht miteinander zu vergleichen.

Bisher hatten wir uns der Einfachkeit halber nur mit den Göttern der klassischen Antike beschäftigt, weil diese uns am besten bekannt sind. Bei den hinduistischen Göttern ist es prinzipiell nicht anders, nur dass sie andere Namen tragen und nicht ohne weiteres mit den klassischen Göttern identifiziert werden können.

Der Hinduismus

hat nun allerdings seine Religion weiterentwickelt und bietet sich daher eher als Gesprächspartner mit den monotheistischen Religionen an. Er hat sich vor allen Dingen stärker als die klassischen Glaubensgemeinschaften Gedanken über das undefinierbare Göttliche gemacht, das hinter den konkreten Göttern steht, und ist dabei zu Ergebnissen gekommen, die bezweifeln lassen, dass der monotheistische Gott und die polytheistische "Hintergrundsgottheit" dasselbe sind.

Das hängt damit zusammen, dass im Fernen Osten religiöse Übungen entwickelt wurden, die das Abendland und der Nahe Osten von alters her nicht kannten: die Meditation, d.h. die Versenkung in den Urgrund des Seins. Das ist etwas ganz Anderes als das auch in den fernöstlichen Religionen bekannte Gebet: Im Gebet nimmt man gesprächsweise Kontakt mit personhaften überirdischen Mächten auf – in der Meditation versetzt man sich in einen anderen Bewusstseinszustand, in dem man sich selbst verliert, oder anders ausgedrückt, man versucht sich in die unpersönliche Gottheit hineinzuversetzen.

Zwar haben auch die westlichen Religionen im Rosenkranzgebet und in der Mystik ähnliche Techniken entwickelt, aber gerade hier zeigt sich der wesentliche Unterschied, den wir uns nun am Beispiel der aus Indien stammenden Transzendentalen Meditation deutlich machen wollen:

 

Rosenkranzgebet

Transzendentale Meditation (TM)

Medium

Gebete in Worten

Mantra, d.i. eine Abfolge sinnloser Silben

Methode

ständiges Wiederholen

ständiges Wiederholen

Wirkung

Ablösung der Gedanken

Ablösung der Gedanken

 

Versenkung in Gott

Versenkung in das Nichts

Äußerlich gleichen sich also beide Techniken: Man führt die Versenkung durch ständiges Vor-sich-hin-murmeln herbei. Während aber der westliche Rosenkranzbeter Gebete in der ihm geläufigen Sprache gebraucht, die also einen Sinn haben, benutzt der Anhänger der TM zusammenhanglose Silben aus der ihm fremden indischen Sprache, die in dieser Zusammenstellung auch für den Inder keinen Sinn ergeben. Sinn der Sache ist nicht, dass der Meditierende über die Worte oder etwas Anderes nachdenkt, sondern dass er seine Gedanken völlig abschaltet. Das geschieht zwar auch beim Rosenkranzbeten: Wer x-mal das Vaterunser oder das Avemaria hersagt, der kann sich nicht mehr auf die Worte des Gebets konzentrieren. Die Gedanken schweifen ab, irren ziellos umher und hören dann ganz auf. Aber durch das unbewusste Hersagen der Gebete prägt sich der Beter trotzdem den Inhalt der Worte ein, so dass sie ihm in Fleisch und Blut übergehen. Sinn seines Betens ist also weniger die Versenkung als vielmehr die Verinnerlichung der religiösen Inhalte 

Der wesentliche Unterschied besteht also darin, dass für die

  • westlichen Religionen Gott die Fülle,

  • östlichen Religionen Gott die Leere ist.

Vergleich

 

Monotheismus

Polytheismus

Gotteserkenntnis

durch Offenbarung

aus der Natur

Zahl der Götter

einer

viele

Naturerscheinung

weltlich

göttlich

Gott und Welt

Gott außerhalb

Gott innerhalb

 

(transzendent)

(immanent)

Verhältnis

Schöpfung

göttliche Erscheinungen

 

Schöpfer

dahinter verborgenes göttliches Wesen

 

Westen

Osten

Gebet

Zwiesprache mit Gott

magische Formel

Meditation

Verinnerlichung von religiösen Inhalten

Versenkung in das Nichts

Gott

Fülle

Leere Nichts

Atheismus

Er verzichtet auf den Glauben an ein überirdisches Wesen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich:

a) Rationalismus, der die Welt rein innerweltlich erklären will. Ansatz dafür bieten schon die monotheistischen Religionen, die Gott und Welt scharf voneinander trennen. Für sie funktioniert die Welt ohne göttliche Eingriffe und ist aus sich selbst heraus erklärbar. Die ganze moderne Wissenschaft ist atheistisch, weil sie so tut, als gäbe es Gott nicht. Christen und Atheisten sind sich heute darüber einig, dass zum Beispiel das Gewitter rational als elektrische Entladung und nicht religiös als eine Äußerung Gottes zu verstehen ist. Der Unterschied besteht freilich darin, dass ein gläubiger Mensch trotzdem mit einem wissenschaftlich nicht fassbaren Gott rechnet, während der Atheist diesen leugnet. Der Gläubige wird zum Beispiel das Gewitter trotzdem als einen Beweis der Größe Gottes verstehen können, obwohl er es naturwissenschaftlich erklären kann.

b) Freiheitsdrang, der sich nicht durch göttliche Gebote einschränken lassen will. Wo Gott als Garant der sittlichen Weltordnung gilt, bedeutet die Leugnung Gottes Unmoral und Sünde. Die klassische "Gottlosigkeit" war tatsächlich Ablehnung der geltenden Normen; ein rationalistischer Atheist kann sich dagegen durchaus an die geltenden Normen halten, die er dann irgendwie anders begründen muss.

c. Gleichgültigkeit und Unsicherheit. Da man die Existenz Gottes weder schlüssig beweisen noch widerlegen kann, begnügen sich viele mit der Meinung "Wir wissen's ja doch nicht" und machen sich weiter keine Gedanken darüber.

Dem Gottesglauben gleichgültig gegenüber stand auch der Stifter des Buddhismus. Sein Problem war, wie er dem ewigen Geburtenkreislauf, an den er glaubte, entrinnen könne. Die Lösung fand er, ohne sich über Götter Gedanken machen zu müssen: durch richtige Erkenntnis und richtiges Verhalten. Für den Grundgedanken des Buddhismus ist es daher gleichgültig, ob der einzelne Buddhist an Götter glaubt oder nicht.

Als Atheismus im engeren Sinn betrachten wir heute die bewusste Leugnung Gottes, weil man meint die Welt auch ohne Ihn erklären zu können. Im Unterschied dazu nennen wir den Glauben an überirdische Wesen Theismus.

Vergleich

 

Theismus

Atheismus

 

Polytheismus

Monotheismus

Atheismus

Gottheiten

viele

eine

keine

Entstehung der Welt durch

Götter

Schöpfung Gottes

Zufall

Funktionieren der Welt

durch Götter

von selbst

von selbst

Moral

wie die Götter

Wille Gottes

Prinzipien

Sinn der Welt

gottgewollt

gottgewollt

kein Sinn

Eine Sonderform des Atheismus ist der Säkularismus, der unabhängig von der Weltanschauung im täglichen Leben Gott ignoriert. Auch wenn man die Existenz Gottes für wahrscheinlich hält, zieht man für sein alltägliches Verhalten keine Folgerungen daraus und lebt so, als ob es Gott nicht gäbe:

 

Religiös

säkular

atheistisch

Weltanschauung

Gott

Gott

kein Gott

Welterklärung

(durch Gott)

Wissenschaft

Wissenschaft

Gottesverehrung

ja

nein

nein

Dieser praktische Atheismus unterscheidet sich vom eigentlichen Atheismus nur dadurch, dass man die Existenz Gottes nicht leugnet.

Eine weitere Sonderform ist der Materialismus, der nicht nur behauptet, es gäbe keinen Gott, sondern auch keinen Geist. Dieser weitergehende Schritt ist nicht notwendig mit dem Atheismus verbunden. Buddha z.B. glaubte durchaus an eine Seele und ein Weiterleben nach dem Tod, wenn er auch zur Begründung seiner Lehre keine Götter bemühte. Der konsequente Materialismus dagegen leugnet auch die Existenz der Seele und einer geistigen Wirklichkeit: Es gibt nur die Materie. Das, was wir Geist nennen, entsteht durch die Tätigkeit der Materie und geht mit ihr zugrunde.

 

Grund des Seins

Wirklichkeit

Schein

Religion

Gott

Körper + Seele

 

Buddha

Nirvana

Seele

Körper

Materialist

(gibt's nicht)

Körper

Seele

 

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 1984 / 2007

Aktuell: 26.03.2016