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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Was glauben die anderen?Ferienbibelseminar
des Ev. Dekanats Reinheim Die Antwort der Religionen |
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MonotheismusEs gibt nur einen Gott. Er hat die Welt erschaffen und steht als Schöpfer der Welt gegenüber. Sein Wesen ist Geist, sein Aufenthaltsort eine geistige Wirklichkeit, die außerhalb der Welt ist und doch die Welt durchdringt (bildhaft: Gott ist im Himmel). Gott wirkt in der Natur und im menschlichen Leben. Er hat sich wiederholt in der Geschichte bestimmten Propheten offenbart und die Menschen seinen Willen gelehrt. Gott wird verehrt vor allem durch Gehorsam, aber auch im Gebet. Die maßgeblichen Überlieferungen der Propheten sind in einer heiligen Schrift zusammengefasst. Gottesdienst hat als wesentlichen Inhalt unter anderem die Verlesung und Auslegung eines heiligen Textes. Da Gottes Wesen Geist ist, gilt er prinzipiell als unsichtbar und darf nicht bildlich dargestellt werden. JudentumGott hat sich wiederholt den Vorfahren der Juden offenbart und ihnen nach und nach sein Wesen bekanntgemacht. Als erster Verehrer des einen Gottes und zugleich als Stammvater Israels gilt Abraham, als wichtigster Verkünder des Gotteswillens Mose. Gott hat speziell mit dem jüdischen Volk einen Bund geschlossen und ihm das alttestamentliche Gesetz mitgeteilt. Obwohl dieser Bund wiederholt gebrochen wurde, hält Gott heute noch in großer Treue daran fest. Das Wesen Gottes ist für den Juden am besten wohl mit dem Stichwort Wille wiedergegeben. ChristentumNachdem Gott sich über tausend Jahre lang nur mit Israel beschäftigt hatte, hat er zur Zeitenwende seinen Sohn als endgültigen Offenbarer geschickt, oder besser gesagt, er kam in Jesus Christus selbst als Mensch auf die Erde. Zwar hatte er schon Mose sein wahres Wesen offenbart und ihm gesagt, dass er barmherzig und gnädig ist; aber erst seit Christus wissen wir, dass Gottes Wesen nichts als Liebe ist. Diese Liebe gilt seither nicht bloß einem kleinen Volk, sondern allen Menschen. Jeder darf seitdem an Gott glauben, seine Liebe verspüren und das ewige Leben bekommen. Das christliche Gottesverständnis widerspricht nicht dem jüdischen, sondern erweitert es dadurch, dass herausgestellt wird, dass Gott die Liebe ist, und betont wird, dass diese Liebe allen Menschen gilt. Neu ist freilich die Behauptung, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist und damit am göttlichen Wesen Anteil hat. Für einen Uneingeweihten kann es daher scheinen, als sei im Christentum der strenge Monotheismus aufgegeben und es werde die Existenz von zwei oder gar drei Göttern behauptet. Die Begründung, weshalb Gott, Jesus und der Heilige Geist nicht drei, sondern ein Gott sind, ist schwer zu verstehen und setzt ein beachtliches Maß an abstraktem Denken voraus. Offensichtlich ist aber dem christlichen Glauben die Einzigkeit Gottes nicht so wichtig. Der heidnische Polytheismus ist dem Christentum kein ernst zu nehmender Gegner mehr. IslamMohammed erkennt die jüdischen und christlichen Gottesoffenbarungen an. Der Gott Mohammeds ist also auch der Gott von Abraham, Mose und Jesus. Mohammed ist aber der Meinung, dass die beiden anderen Religionen die Offenbarung verfälscht haben, während er, Mohammed, sie wieder in ihrer alten Reinheit erkannt habe. Nicht Jesus, sondern Mohammed ist der maßgebliche Prophet; alle anderen sind nur seine Vorläufer. Mohammed muss sich vor allem mit seinen heidnischen Landsleuten auseinandersetzen, die an viele Götter glauben. Deswegen legt er größten Wert auf die Einzigkeit Gottes und wirft daher dem Christentum vor, es betreibe mit seiner Dreieinigkeitslehre Vielgötterei. Stärker als in den beiden anderen Religionen wird beim Gott Mohammeds seine Allmacht betont. Gott kann tun, was er will, und es ist dem Menschen geboten, sich der Allmacht ohne Auflehnung zu unterwerfen. Diese Schickung in Seinen Willen kann soweit gehen, dass der Mensch seinen eigenen Willen aufgibt. Dies wird immer wieder als typisch muslimische Eigenart dargestellt. Dabei übersehen wir, dass es diese Meinung im Juden‑ und Christentum auch gibt, wenn sie vielleicht auch nicht ganz so stark zur Geltung kommt. Vergleich
Alles in allem müssen wir sagen, dass der jüdische, christliche und muslimische Gott ein und derselbe sind, wenn auch die Schwerpunkte etwas anders verteilt sind, und wenn auch die älteren Religionen die jüngeren Offenbarungen nicht mehr anerkennen. Und dennoch besteht da ein wichtiger Unterschied: Zwar kennen auch Juden und Muslime Gott als den Schöpfer in der Vorzeit, den historischen Offenbarer und den, der gegenwärtig wirksam ist. Aber das ist doch etwas anderes als die christliche Dreieinigkeit; denn weder Abraham noch Mose noch Elia noch Mohammed haben den Anspruch erhoben, Gottes Sohn zu sein; auch kennen beide Religionen keine Erlösung, und schließlich spielt in keinen eine wesentliche Rolle, dass der einzelne Gläubige Gott in sich hat:
Der Gott der Juden und der Muslime ist also christlich gesprochen "Gott der Vater"; die Aspekte "Sohn" und "Heiliger Geist" fehlen. PolytheismusGrundüberzeugung des Polytheismus ist, dass es viele Götter gibt. Sie wohnen im Himmel und in der Luft, in der Erde, im Wasser und in der Unterwelt und haben vielfältig spezialisierte Aufgaben: die Fürsorge für die einzelnen Bereiche der Welt, die Obhut über die verschiedenen Naturerscheinungen und die menschlichen Lebensäußerungen sowie die Aufsicht über die Menschen. Diese Götterwelt ist meist hierarchisch gegliedert. An der Spitze stellt ein Gott oder Götterpaar. Es wird oft behauptet, dass die anderen Götter von ihm abstammen. Manchmal gilt der regierende Gott nicht als der ursprüngliche; er habe die Macht einem anderen, älteren Gott entrissen. Auch die übrigen Götter sind untereinander nicht gleich. Zwischen dem obersten Gott und den Menschen gibt es mitunter einen nahtlosen Übergang über Haupt‑ und Nebengötter, Naturgeister und Halbgötter. Die Zahl der Götter ist unbegrenzt; auch wenn manchmal exakte Zahlen genannt werden, so sind diese doch unvorstellbar hoch, so dass man gar nicht in der Lage ist, sie alle aufzuzählen und zu nennen. Trotzdem ist der Gläubige nicht verpflichtet, alle in gleicher Weise zu verehren, weil die meisten nur eine untergeordnete Bedeutung haben oder nur zu bestimmten Zeiten in Tätigkeit treten. Die Hauptgötter müssen zwar von Staats wegen öffentlich verehrt werden; aber dem einzelnen Gläubigen steht es frei, alle Hauptgötter oder nur einen einzelnen Lieblingsgott anzubeten, einer ausländischen Gottheit zu dienen oder die Existenz der Götter schlechtweg zu ignorieren. Das hängt damit zusammen, dass die Götterlehre zwar in irgendeiner Gestalt mündlich oder schriftlich überliefert, aber nicht in der Weise normativ festgelegt ist wie in den monotheistischen Religionen. Die gescheitesten Polytheisten waren sich immer bewusst, dass sich hinter den einzelnen Göttern in Wirklichkeit eine einzige Gottheit verbarg. Dies brachten sie auf verschiedene Weise zum Ausdruck:
Auch wir können mythologische Gestalten wie Zeus, Donar oder Baal zusammen mit der Zentralfigur unseres Glaubens unter der Sammelbezeichnung 'Gott' zusammenfassen und gehen merkwürdigerweise davon aus, dass unser Gott mit den heidnischen Göttern was gemeinsam hat. Worin besteht die Gemeinsamkeit? Der Begriff 'Gott' kann zweierlei bedeuten:
Bisher hatten wir uns der Einfachkeit halber nur mit den Göttern der klassischen Antike beschäftigt, weil diese uns am besten bekannt sind. Bei den hinduistischen Göttern ist es prinzipiell nicht anders, nur dass sie andere Namen tragen und nicht ohne weiteres mit den klassischen Göttern identifiziert werden können. hat nun allerdings seine Religion weiterentwickelt und bietet sich daher eher als Gesprächspartner mit den monotheistischen Religionen an. Er hat sich vor allen Dingen stärker als die klassischen Glaubensgemeinschaften Gedanken über das undefinierbare Göttliche gemacht, das hinter den konkreten Göttern steht, und ist dabei zu Ergebnissen gekommen, die bezweifeln lassen, dass der monotheistische Gott und die polytheistische "Hintergrundsgottheit" dasselbe sind. Das hängt damit zusammen, dass im Fernen Osten religiöse Übungen entwickelt wurden, die das Abendland und der Nahe Osten von alters her nicht kannten: die Meditation, d.h. die Versenkung in den Urgrund des Seins. Das ist etwas ganz Anderes als das auch in den fernöstlichen Religionen bekannte Gebet: Im Gebet nimmt man gesprächsweise Kontakt mit personhaften überirdischen Mächten auf – in der Meditation versetzt man sich in einen anderen Bewusstseinszustand, in dem man sich selbst verliert, oder anders ausgedrückt, man versucht sich in die unpersönliche Gottheit hineinzuversetzen. Zwar haben auch die westlichen Religionen im Rosenkranzgebet und in der Mystik ähnliche Techniken entwickelt, aber gerade hier zeigt sich der wesentliche Unterschied, den wir uns nun am Beispiel der aus Indien stammenden Transzendentalen Meditation deutlich machen wollen:
Der wesentliche Unterschied besteht also darin, dass für die
Vergleich
AtheismusEr verzichtet auf den Glauben an ein überirdisches Wesen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich:
Dem Gottesglauben gleichgültig gegenüber stand auch der Stifter des Buddhismus. Sein Problem war, wie er dem ewigen Geburtenkreislauf, an den er glaubte, entrinnen könne. Die Lösung fand er, ohne sich über Götter Gedanken machen zu müssen: durch richtige Erkenntnis und richtiges Verhalten. Für den Grundgedanken des Buddhismus ist es daher gleichgültig, ob der einzelne Buddhist an Götter glaubt oder nicht. Als Atheismus im engeren Sinn betrachten wir heute die bewusste Leugnung Gottes, weil man meint die Welt auch ohne Ihn erklären zu können. Im Unterschied dazu nennen wir den Glauben an überirdische Wesen Theismus. Vergleich
Eine Sonderform des Atheismus ist der Säkularismus, der unabhängig von der Weltanschauung im täglichen Leben Gott ignoriert. Auch wenn man die Existenz Gottes für wahrscheinlich hält, zieht man für sein alltägliches Verhalten keine Folgerungen daraus und lebt so, als ob es Gott nicht gäbe:
Dieser praktische Atheismus unterscheidet sich vom eigentlichen Atheismus nur dadurch, dass man die Existenz Gottes nicht leugnet. Eine weitere Sonderform ist der Materialismus, der nicht nur behauptet, es gäbe keinen Gott, sondern auch keinen Geist. Dieser weitergehende Schritt ist nicht notwendig mit dem Atheismus verbunden. Buddha z.B. glaubte durchaus an eine Seele und ein Weiterleben nach dem Tod, wenn er auch zur Begründung seiner Lehre keine Götter bemühte. Der konsequente Materialismus dagegen leugnet auch die Existenz der Seele und einer geistigen Wirklichkeit: Es gibt nur die Materie. Das, was wir Geist nennen, entsteht durch die Tätigkeit der Materie und geht mit ihr zugrunde.
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Datum: 1984 / 2007 Aktuell: 12.06.2007 |
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