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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Christlich erziehen, aber wie? |
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1. Glauben wecken und christliches Leben einüben a. Können Eltern christliches Leben einüben? b. Können Eltern christliche Inhalte vermitteln? 2. Erziehung zur Lebenstüchtigkeit b. Wie ich meine Eltern erlebt habe, so stelle ich mir Gott vor. d. Positive Einstellung zum Leben 3. Erziehung zur Leidensfähigkeit
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Eltern versprechen in der Taufe, ihr Kind christlich zu erziehen. Wie macht man das? 1. Glauben wecken und christliches Leben einübenChristliche Erziehung hat zum Ziel Glauben zu wecken und christliches Leben einzuüben. Dazu gehört, dass das Kind mit den christlichen Lebensformen vertraut wird (Gebet, auch Tischgebet, Gottesdienstbesuch, Kirchenjahr, Andacht usw.) und die Inhalte des christlichen Glaubens kennen lernt. a. Können Eltern christliches Leben einüben?Die erste Schwierigkeit: Die Eltern können keine christlichen Lebensformen vermitteln, weil sie keine praktizierenden Christen mehr sind. b. Können Eltern christliche Inhalte vermitteln?Die zweite Schwierigkeit: Viele Eltern sind nicht mehr in der Lage, christliche Inhalte zu vermitteln, und überlassen das der Kirche. Kirchliche Kindergärten, Religions- und Konfirmandenunterricht und kirchliche Jugendarbeit haben nach wie vor einen festen Platz in unserer Gesellschaft. Es schicken auch einige Eltern ihre Kinder dorthin, die mit Religion und Kirche nicht mehr viel anfangen können. c. Konsequenzen:Eltern, die sich als Christen verstehen, sollten daher umso größeren Wert darauf legen, dass ihre Kinder Glauben und Lebensformen bereits zu Hause kennen lernen und einüben. Die Kirchen müssen größeren Wert als bisher darauf legen, dass ihr Nachwuchs nicht nur zu lebenstüchtigen Menschen heranwächst, sondern in Kirche und Glauben hineinwächst. 2. Erziehung zur LebenstüchtigkeitChristliche Erziehung hat aber auch zum Ziel, junge Menschen so heranzubilden, dass sie im Sinne des Evangeliums lebenstüchtig werden. a. Vertrauen lernenEins der wichtigsten Dinge, die ein Mensch schon in seinen ersten Lebenstagen lernen muss, ist das Vertrauen. Wenn ein Kind erfährt, dass es sich auf seine Eltern, besonders auf seine Mutter, verlassen kann, ist damit der Grundstein gelegt dafür, dass es später in der Lage ist, auch anderen zu vertrauen, andere zu lieben und sich so zu verhalten, wie es erforderlich ist. Wenn es dieses "Urvertrauen" nicht erfährt, etwa weil es in Heimen aufwächst, wird es kaum in der Lage sein, sich in eine Gemeinschaft einzufügen. b. Wie ich meine Eltern erlebt habe, so stelle ich mir Gott vor.Alle Erfahrungen, die ein kleines Kind mit seinen Eltern macht, werden sich nicht nur auf sein späteres bürgerliches Leben auswirken, sondern auch auf seine spätere religiöse Einstellung, und zwar nicht nur so, dass es die religiösen Anschauungen seiner Eltern übernimmt oder ablehnt. Sondern die Erfahrungen selbst, die es mit Menschen und dem Leben macht, werden sein religiöses Leben bestimmen. Luther zum Beispiel hatte sehr strenge Eltern, die ihn aber immer wieder ihre Liebe spüren ließen. Als erwachsener Mensch hatte Luther ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu Gott: eine Mischung aus Angst und Liebe - eben so, wie er es bei seinen Eltern erfahren hatte. Unsere Kinder werden also nur dann lernen, dass Gott die Liebe ist, wenn sie bei uns Liebe erfahren haben. Sie werden nur dann Gott vertrauen können, wen sie uns vertrauen konnten. Sie werden nur dann glauben können, wenn sie uns glauben können. c. GewissensbildungZur religiösen Erziehung gehört auch die Gewissensbildung. Gewissen, das ist nicht bloß die innere Stimme, die uns Vorwürfe macht, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Gewissen ist auch eine Art Gewohnheit: Wir haben uns angewöhnt haben, uns normalerweise richtig zu verhalten. Gewissen, das sind die Verhaltensregeln, die uns unsere Eltern und Erzieher beigebracht und die wir uns zu Eigen gemacht haben. Wenn wir unsere Kinder christlich erziehen wollen, werden wir uns überlegen müssen, wie denn christliche Verhaltensregeln aussehen; und wir werden zugleich auch versuchen müssen, diese christlichen Verhaltensregeln mit unseren Kindern einzuüben (Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Vergebungsbereitschaft, Einsicht in die eigenen Fehler, Selbstbeherrschung ohne Krampf, Rücksichtnahme, Verantwortungsbewusstsein...) d. Positive Einstellung zum LebenZur christlichen Erziehung gehört auch eine positive Einstellung zum Leben. Gewiss, das Evangelium wendet sich an Pessimisten, an Pechvögel, an Menschen auf der Schattenseite des Lebens. Aber muss ich deshalb ein Unglücksrabe sein, wenn ich Christ sein will? Oder wäre nicht dem Evangelium angemessen, wenn wir Glück haben, glücklich sind und andere glücklich machen können? Zu einer positiven Lebensauffassung können wir nur dann erziehen, wenn wir selbst diese positive Einstellung haben. 3. Erziehung zur LeidensfähigkeitChristliche Erziehung ist schließlich auch Erziehung zur Leidensfähigkeit. Die Kinder sollen lernen, Widerwärtigkeiten, Misserfolg, Ablehnung, Schmerz zu ertragen. Daher dürfen ihnen die Eltern nicht alle Steine aus dem Weg räumen oder ihnen eine heile Welt vorgaukeln. Die Auseinandersetzung mit Leid und Tod darf ihnen nicht erspart werden. Im Gegenteil, es ist besser, wenn liebevolle Eltern sie darauf vorbereiten, dass das Leben ganz anders sein kann. |
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Datum: 1974 / 2005 Aktuell: 14.07.2006 |
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