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I. Also ist es in Ordnung, dass auch Christen möglichst viel Geld
scheffeln?
II. Die anvertrauten Zentner
1. Die Älteren wissen es noch: Ein Zentner sind 50 kg. Damals, zur Zeit
Jesu, waren es nur 35 kg. Was die drei Knechte bekommen hatten, waren
keine Gewichte, sondern eine bestimmte Menge Silbermünzen, die man der
Einfachkeit halber gewogen hat.
Im Griechischen steht das Wort tálanton, daher kommt unser Talent, das wir
aber ganz anders verstehen: Wenn jemand Talent hat, dann ist er für etwas
begabt. Mein Vater hatte war ein praktischer Mann. Er hatte das Talent,
einem Handwerker eine Stunde zuzusehen, und dann hat er's selber probiert.
Und gekonnt. Er besaß noch nicht mal ein Pfund Silbermünzen, aber er hatte
das Talent mit seinem wenigen Gelde auszukommen und hat uns keine Schulden
hinterlassen.
2. So reden wir heute von Talenten. Was aber erwartet Jesus von uns,
wenn er dieses Gleichnis erzählt?
a) Der Chef erwartet von seinen Leuten, dass sie mit dem anvertrauten Geld
etwas anfangen. Der dritte Knecht wird getadelt, weil er das Geld nur in
den Tresor gelegt hat. Auf der Bank hätte er wenigstens Zinsen bekommen.
Die beiden anderen haben ihr Kapital verdoppelt, vielleicht als Kaufleute
Geld gemacht, vielleicht in ein Unternehmen investiert.
b) Ich bin gewöhnt, die Geschichte so zu auszulegen: Gott hat jedem von
uns Gaben und Fähigkeiten anvertraut, die sollen wir nutzen. Also zum
Beispiel: Gott hat dem Sportler einen gesunden Körper und Spaß an Bewegung
und Wettkampf geschenkt. Es wäre eine Schande, wenn er sein Talent
verkümmern lassen würde. - In einer früheren Gemeinde hatten wir an der
Kirche eine Anlage, die wurde von Leuten aus dem Gartenbauverein
ehrenamtlich gepflegt. Gott hat ihnen das Talent zum Gärtnern geschenkt,
das haben sie zum Wohl der Gemeinde angewendet. - Ich hatte einen
Kollektenrechner, der war ein Finanzgenie. Der hat nicht nur ein Haus
gebaut, ohne einen Pfennig Schulden zu machen, sondern er hat auch fast
ein Drittel unsrer Orgelrenovierung dadurch finanziert, dass er die
Spendengelder zinsgünstig angelegt hat – das waren damals noch andere
Zeiten.
c) Am Ende kommt der Chef zurück und rechnet ab. Dann kommt's gar nicht
mehr auf Einzelheiten an, ob der Knecht in dem und dem Jahr Gewinne oder
Verluste gemacht hat. Nur das Endergebnis zählt.
d) So ist es auch bei den Beispielen, die ich genannt habe. Beim Sportler
zählen nicht die Medaillen und Pokale, sondern dass er auch im hohen Alter
fit ist, dass er nicht nur gewinnen kann, sondern auch ein guter Verlierer
ist und gelernt hat fair zu sein. - Die Gartenpfleger haben ab und zu ihre
Blumenpracht fotografiert, aber die Bilder wären mir heute gar nicht so
wichtig, das sind nur schöne Erinnerungen. Wichtiger war mir, dass sie der
Gemeinde dadurch einen wichtigen Dienst geleistet haben, und dass sie die
Möglichkeit hatten, auf ihre Art mit der Kirche in Verbindung zu bleiben.
- Die Orgel musste inzwischen schon wieder repariert werden. Wie das
finanziert wurde, weiß ich nicht, aber ich schätze am damaligen Rechner,
dass er sein Talent heute noch zum Nutzen der Gemeinde anwendet.
3. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott uns am Ende kleinlich unsre
Sünden aufzählt und mit unsern Verdiensten verrechnet, sondern am Ende
kommt's nur darauf an, dass wir wieder zu ihm zurückkommen. Und was aus
uns geworden ist. Denn wir haben uns ja im Laufe unsres Lebens verändert.
Das Leben schleift uns ab, und unsre Talente dienen dazu, dass wir uns
selbst veredeln. Gott erwartet von uns, dass wir uns im Laufe unsres
Lebens zu Persönlichkeiten entwickeln. Die zwei ersten Knechte haben nicht
nur ihre Kapital verdoppelt, sondern sind dadurch innerlich selbst
gewachsen. Der dritte Knecht gab seinen Geldsack ungebraucht zurück und
hat sich selbst auch nicht verändert. Er hat nicht die Chance genutzt, aus
seinem Leben etwas zu machen.
III. Rechenschaft
1. Die Moral von der Geschichte ist nicht, dass die Knechte oder wir
möglichst viel Gewinn machen sollen, sondern dass wir eines Tages zur
Rechenschaft gezogen werden.
2. Ich habe den Eindruck, dass es dem Chef gar nicht darauf ankam, sein
Vermögen zu verdoppeln, das sollte nur eine Bewährung
b) Worauf's Jesus ankommt in seinem Gleichnis steht am Schluss: nicht die
Beförderung, sondern das Festmahl, die Teilhabe am Reich Gottes.
3. Die Moral für uns ist also: Unser Leben ist eine Bewährungsprobe und
am Schluss kommt die Abrechnung.
a) Sicherlich werden wir am Ender unsres Lebens gefragt, was wir daraus
gemacht haben. Als Jugendlicher las ich einmal die Geschichte von einem
Dachdecker, der abstürzte, aber mit dem Leben davonkam. In den paar
Sekunden, in denen er fiel, sei sein ganzes Leben wie in einem Film
abgelaufen. Später habe ich noch mehr davon gehört. Da geht es nicht nur
um einen Rückblick, sondern zugleich auch um eine kritische Beurteilung:
Da und da habe ich Fehler gemacht, das war nicht gut.
b) Ich wurde mal gebeten, einer sterbenden Frau das Abendmahl zu geben.
Dazu gehört auch das Beichtgebet, die Frage, ob sie ihre Sünden bereut und
der Zuspruch der Vergebung. Die Frau sagte aber: "Sie dürfen mir glauben,
ich habe nie gegen die 10 Gebote verstoßen." Was sollte ich dazu sagen?
Darauf kommt's aber am Ende des Lebens nicht an, nicht auf die Sünden,
sondern auf die Fehler, die wir gemacht haben, Fehler in der
Lebensführung, falsche Entscheidungen, die wir getroffen haben. Mir sagte
einmal ein Sterbender, er hätte sich mehr um seine Familie kümmern müssen.
Ein anderer muss sich vielleicht vorwerfen, dass er sich nur um seine
Familie gekümmert hat und um nichts anderes. Das kann man nicht
verallgemeinern. Gott erwartet nicht von allen dasselbe. Das sehen wir ja
auch im Gleichnis: Der eine bekommt viel Geld, der andere wenig. Der Chef
erwartet bei dem dritten ja gar nicht, dass er aus seinem einen Zentner
zehn macht.
c) Spätestens am Ende unsres Lebens kommt die Abrechnung, oft aber
schon früher. Der Dachdecker war ja nicht tot, als er unten ankam, sondern
hat weiter gelebt. Wie's mit ihm weiter ging, stand nicht in der Zeitung.
Ob er wohl seine Konsequenzen aus diesem Lebensfilm gezogen hat?
d) Mir ist es mehrmals so ergangen, dass ich in einer Krise oder am
Ende eines Lebensabschnittes Bilanz zog. Ich habe mir sozusagen den Film
selbst abgespielt und mir meine Gedanken darüber gemacht. Da gibt es so
viele Dummheiten, die nicht aufgearbeitet sind, so viele Wunden und
Verletzungen, die lange zurückliegen, aber immer noch nicht verheilt sind.
Ich hoffe, dass wir das, was wir heute aufarbeiten, uns am Ende unsres
Lebens erspart bleibt.
Ich habe das bei meiner Mutter gesehen, die hatte ein schweres Leben, das
ganz anders verlaufen ist, als sie sich's gewünscht hatte. Als sie sich
wieder einmal damit herumquälte, bat ich sie, ihre Erinnerungen
aufzuschreiben, das hat sie gemacht und uns damit ein wertvolles Erbe
hinterlassen. Beim Schreiben hat sie ihre damaligen Probleme verarbeitet.
Als sie dann 20 Jahre später am Sterben lag, haben wir lange miteinander
gesprochen. Was in den Memoiren stand, hat sie mit keinem Wort mehr
erwähnt, dafür kamen ganz andere Dinge zu Sprache, die sie entweder nicht
genannt hatte oder sich später ergeben hatten.
Für mich war das eine wertvolle Erfahrung, die ich euch weitergeben
möchte: Scheut euch nicht, ab und zu mal selber Bilanz zu ziehen. Was ihr
vorher verarbeitet und abgeschlossen habt, das erspart ihr euch auf dem
Totenbett. Nur wenn wir immer wieder selber Bilanz ziehen, können wir aus
unsern Fehlern lernen.
e) Abrechnung also nicht erst am Ende, sondern auch zwischendurch. Aber
wie ist das mit dem Jüngsten Gericht am Ende der Zeit, wie wir's im
Glaubensbekenntnis gesprochen haben?
Wenn ich sterbe, geht für mich die Welt unter, und bei euch wird es auch
nicht anders sein. Die Uhr bleibt stehen und läuft nicht mehr weiter. Dann
ist es egal, ob die Endabrechnung für mich kommt, wenn ich sterbe oder
tausend Jahre später. Dann ist es auch egal, ob ich sofort am Festmahl
Gottes teilnehmen darf oder noch tausend Jahre warten muss – das sind
Gedanken, die wir Lebenden uns machen. Nach dem Tod und bei Gott gibt es
keine Zeit mehr, daher ist es müßig sich darüber Gedanken zu machen, wann
der Jüngste Tag ist.
IV. Das wichtigste unsrer Talente ist die Liebe, haben wir
vorhin in der Lesung gehört. Ich möchte meine Predigt schließen mit einem
Sinnspruch, der mir sehr wichtig geworden ist: "Das will ich mir
schreiben in Herz und Sinn, dass ich nicht für mich auf Erden bin, dass
ich die Liebe, von der ich leb, liebend an andere weitergeb." |
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Hochzeit Trauung |