|
|
|
- Das geschieht dem reichen Geizkragen ganz recht, dass er in der Hölle schmort.
- Was lebt er auch herrlich und in Freuden, während der arme Lazarus vor seiner Haustür jämmerlich vor die Hunde geht! Er hat nichts außer Hunger und Schmerzen. Er hätte gern von den Abfällen aus dem reichen Haus gegessen, aber offensichtlich bekam er nichts, sonst würden nicht dastehen "er begehrte sich zu sättigen." Ein krasser Gegensatz, den Jesus da mit kurzen Worten beschreibt.
- Das war vor 2000 Jahren, aber die Geschichte klingt fast modern. Reiche und Arme gibt's immer noch. Wir denken an die Finanzkrise: Ein paar konnten den Hals nicht voll genug kriegen. Erst bröckelten die Aktienkurse, dann machten diejenigen bankrott, die eigenlich Geld haben müssten, nämlich die Banken. Firmen wie Opel und Karstadt kommen ins Schleudern, Arbeitsplätze sind bedroht, die Menschen sind dabei zu verarmen, weil ein paar nicht reich genug werden konnten. Die Regierung versucht mit Garantien und Milliardenbeträgen zu helfen und nimmt trotz aller guten Vorsätze riesige Kredite auf, stützt Geld, dem keine Werte entsprechen, mit Geld das sie nicht hat. Wie wird das weitergehen?
- So viel also zu der heutigen Situation und zur Einstimmung. Ich will's mal damit genug sein lassen, denn ich glaube kaum, dass unter euch einer dieser gewissenlosen Bankmanager ist. Ich schimpfe nicht über Abwesende.
Lasst uns lieber miteinander überlegen, was uns dieses Gleichnis zu sagen hat.
Die Moral von der Geschicht steht am Ende: Es würde den Brüdern nichts nützen, wenn Lazarus aus dem Jenseits zurückkommen und ihnen die Leviten lesen würde: "Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören." Es steht doch alles in der Bibel, die Leviten, das 3. Buch Mose mit dem Liebesgebot, können sie selbst lesen, dazu brauchen sie keine Geistererscheinung.
Jesus hat auch selbst seine Jünger vor den Gefahren des Reichtums gewarnt und den Reichen buchstäblich die Hölle heiß gemacht. Hier in dieser Geschichte ist es besonders drastisch. Er sagt aber an anderen Stellen was Ähnliches: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt." Und es steht auch dabei, dass dieses Wort die Jünger schockiert hat. Hier im Gleichnis ist dieses harte Wort in ein Bild umgesetzt: Der arme Lazarus ruht in Abrahams Schoß, der namenlose Reiche leidet Höllenqualen.
Dass der gewissenlose Großkapitalist bestraft wird, kann ich ja noch verstehen. Aber warum wird der Arme belohnt? Das will mir nicht in den Kopf. Gibt es nicht auch gewissenlose Arme, die sich ihren Verpflichtungen entziehen und auf Kosten der Allgemeinheit leben? Gibt's nicht auch gewissenhafte Reiche, die mit ihrem Geld Arbeitsplätze schaffen und erhalten und gemeinnützige Projekte finanzieren? Kommen die auch in die Hölle? So einfach ist die Sache doch gar nicht!
Fragen wir uns lieber, welchen verborgenen Sinn diese Geschichte hat:
Jesus ging es nicht einfach darum, wie viel oder wenig Geld jemand hat, wie er dazu gekommen ist und was er damit macht. Dann hätten wir ihn missverstanden.
Er sagt nämlich in der Bergpredigt: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf der Erde", sondern zusehen, dass ihr einen Schatz im Himmel, bei Gott erwerbt. "Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz."
- Moralische Überlegungen und Leviten lesen beschäftigen sich mit den Verhältnissen auf der Erde. Jesus geht es aber um unser Verhältnis zum Himmel, das heißt zu Gott.
- Um einen Platz im Himmel brauchen wir uns nicht zu bemühen, den hat Jesus für uns reserviert. Wir brauchen ihn nicht durch Bravsein zu verdienen. Das wäre etwa so, wenn jemand eine Freikarte hat und trotzdem versucht auf dem Schwarzen Markt für teures Geld eine Karte zu kaufen.
Jesus fragt uns, wie sich das im irdischen Leben auswirkt, dass wir Sitz und Stimme im Himmel haben:
- Wenn wir in dieser Gewissheit leben, dann setzen wir unsre Maßstäbe auf der Erde anders: Ist es wirklich erstrebenswert, habgierig zu sein und nicht genug zu kriegen? Wer zufrieden ist, der freut sich an dem, was er hat, und wenn's noch so wenig ist. Meine Oma und ihre Schwester haben diese Kunst verstanden. Sie hatten in der schlechten Zeit nach dem Krieg wirklich nur eine kleine Rente, hatten aber Wohnrecht in unserm Haus und waren damit zufrieden. Sie konnten sich sogar morgens einen Kaffee leisten und meine Mutter dazu einladen. Wisst ihr, reich ist man nicht, wenn man sehr viel hat, sondern wenn es reicht und man noch was übrig hat für andere. Und arm ist man nicht, wenn man wenig hat, sondern wenn man nicht genug kriegen kann.
- Wenn wir in der Gewissheit leben, dass wir Bürger des Himmels sind, dann weitet sich unser Horizont. Daher sagt Jesus in der Bergpredigt: "Fragt nicht, was ihr essen oder anziehen sollt, sondern trachtet am ersten nach dem Reich Gottes, so wird euch alles andere zufallen." Stellt euch eine Raupe vor, die sieht nur die nächsten paar Zentimeter vor sich und achtet nur darauf, wo's was zu futtern gibt. Unsre Augen sind anderthalb Meter überm Boden, wir haben einen größeren Überblick. Ein Schmetterling und erst recht ein Adler sieht noch mehr. Aber versucht mal, die Welt mit Gottes Augen zu sehen, da sieht nochmal alles ganz anders aus, wie in dem Lied "Ewigkeit, in die Zeit leuchte hell hinein, dass mir werde klein das Kleine und das Große groß erscheine."
- Mit den Kleidern hat die Raupe ja keine Sorge, sie braucht keine. Wir vergleichsweise riesigen Zweibeiner brauchen Kleider und beschäftigen uns noch mit vielem anderem. Denken wir nur mal an den Kirchenvorstand, der ja nächsten Sonntag gewählt wird. Womit müssen die sich alles beschäftigen, ich hab's ja selbst erlebt: Geld, Bausachen, Personal, Kindergarten und vieles andere. Für die geistlichen Dinge blieb nicht mehr viel Zeit. Aber oft kam es vor, dass wir versucht haben, die eine oder andere Angelegenheit mit den Augen Gottes zu betrachten, oder danach gefragt haben, was Jesus dazu sagen würde.
Am Ende der Geschichte sind der Arme und der Reiche tot.
Der Arme stirbt und wird von den Engeln in Abrahams Schoß getragen – von einer Beerdigung ist keine Rede. Abrahams Schoß ist nicht der Himmel in unserm Sinn, sondern das Totenreich unter der Erde, in dem sich auch der jüdische Stammvater Abraham befindet. Der Reiche stirbt auch und wird begraben, wahrscheinlich prunkvoll, und findet sich ebenfalls im Totenreich wieder. Dort findet er aber keine Ruhe, sondern leidet entsetzliche Qualen in den Flammen.
Vielleicht hat diese Geschichte einen ganz anderen Sinn als zu sagen, dass nach dem Tod der eine in dem Himmel und der andere in die Hölle kommt:
- Der Arme kannte nur Mangel und Schmerz und hat vielleicht auch oft mit seinem Schöpfer gehadert. Aber am Schluss muss er seinen Frieden gefunden haben, sonst könnte er nicht "in Abrahams Schoß" sitzen. Jesus sagt ja nicht, dass er dort jetzt "herrlich und in Freuden" tot ist, sondern dass er "sitzt" und "getröstet wird", mehr nicht. Er ist also zurückgekehrt zu seinem Stammvater Abraham und hat dort den ewigen Frieden gefunden. So wie wir's auf alten Grabsteinen lesen können: "Hier ruht in Frieden…"
- Der Reiche hat auch im Jenseits keinen Frieden, so wie er auf der Erde keinen hatte. Er war ewig unzufrieden. Die erste Million hat nicht gereicht, es musste noch mehr sein. Das ererbte Haus war zu klein und wurde angebaut und aufgestockt. Das hat auch nicht gereicht, es wurden weitere Häuser gebaut. Die normalen Kleider waren nicht gut genug, Samt und Seide hat's auch nicht getan, es mussten sündhaft teure Stoffe her wie Purpur und Byssus, ein Farbstoff aus Schnecken und ein Gespinst aus Muschelfäden. Der Mann war ewig unzufrieden. Wie konnte er da nach dem Tod seine Ruhe finden?
Oder nach einem anderen Gesichtspunkt betrachtet: Der Reiche verstand sich selber als einen, der viel hat. Was passiert, wenn er stirbt? Er muss aus seiner schicken Villa ausziehen, seinen Reichtum zurücklassen, auch seine Purpur- und Byssus-Klamotten und bekommt gerade noch anstandshalber das Totenhemd mit ins Grab, das bekanntlich keine Taschen hat. Wie tritt er dann vor seinen Schöpfer? Genauso armselig wie der arme Lazarus, mit nichts. Dann wird sich ja herausstellen, ob er mehr gewesen ist als nur reich, ob er nicht nur Geld, sondern auch ein Herz hatte, eine Persönlichkeit, die sich während seines Lebens veredelt hat. Ich bin froh, dass ich nicht Gott bin und darüber zu urteilen habe.
Das Bild von der Feuerhölle hatten die Bewohner von Jerusalem täglich vor Augen: die Müllkippe, auf der die Abfälle verbrannt wurden. Ihr Name, Gehenna, wurde zum jüdischen Wort für 'Hölle'. War der reiche Mann am Ende nur ein Häufchen Dreck, das man in der Gehenna entsorgte? Das geht uns ja nichts an. Aber was wird aus uns? Als Bürger des Himmels haben wir bessere Aussichten.
|
|
Hochzeit Trauung |