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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
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I. Der
Christenverfolger Saulus wird zum christlichen Missionar Paulus. 1. Wie kam er dazu? a) Er begründet es in Galater 1,11-17 (Lesung) damit, dass ihm Gott seinen Sohn offenbart hat. b) In der Apostelgeschichte wird es ausführlich erzählt: Er hört eine Stimme, die ihn dazu bringt, seine Meinung zu ändern. Ein paar Tage später lässt er sich taufen und fängt sofort an zu missionieren. Seinen lateinischen Namen Paulus hat er erst später benutzt, um deutlich zu machen, dass er römischer Bürger war. 2. Interessant sind die Begleitumstände und das, was Paulus in seinen Briefen von sich erzählt: a) Er sieht ein helles Licht, erblindet für ein paar Tage und fastet in dieser Zeit. b) Später lesen wir, dass Paulus ein Leiden hatte und dass die Christen in Galatien ihm gern ihre Augen geschenkt hätten, wenn das möglich gewesen wäre. c) Hatte Paulus ein Augenleiden, das mit seiner plötzlichen Erblindung zum Ausbruch kam und ihn den Rest seines Lebens nicht losgelassen hat? 3. Das gibt es doch auch bei uns, dass wir durch eine Krankheit oder ein anderes Ereignis aus der Bahn geworfen werden, eine Zeitlang Pause machen müssen und dabei Zeit zum Nachdenken haben. Ich könnte mir vorstellen, dass es diesem Saulus während dieser Zwangspause klar geworden ist, dass er so nicht weitermachen konnte, dass er sein Leben ändern musste. 4. Saulus hat die Warnung verstanden, eine Entscheidung getroffen und sein Leben geändert II. Wir haben eben gesungen "Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden, Freiheit, aus der man etwas machen kann." (EG 610) 1. Das ist vor allem ein Anliegen junger Menschen. Als Kinder und Jugendliche hat man uns dauernd Vorschriften gemacht: Du sollst und du darfst nicht. Dann wurden wir erwachsen und selbständig und mussten selbst mit dem Leben zurechtkommen. Erwachsene und Kinder leiden beide unter der schwierigen Übergangszeit vom Kind zum Erwachsenen. Die Eltern haben die Pflicht, ihre Kinder so lange wie möglich festzuhalten - die Kinder wollen so früh wie möglich ihren eigenen Weg gehen. Das geht nicht ohne Ärger ab, das war doch bei mir genauso. 2. Und wie geht es dann weiter? Da gibt es zwei gegensätzliche Möglichkeiten: a) Die einen sind brav und halten sich freiwillig an die Regeln, die sie gelernt haben. b) Die anderen wehren sich gegen die Bevormundung, reißen sich los und gehen ihre eigenen Wege. Man kann nicht sagen, das eine sei gut und das andere sei schlecht. Es kommt darauf an, wie es weiter geht. 3. Denn Erwachsensein bedeutet nicht Freiheit, sondern Verantwortung. a) Vor 50 Jahren war ich, wenn man's so will, freier als heute: Weder Beruf noch Ehepartner noch Wohnsitz waren festgelegt. Theoretisch die Wahl zwischen vielen Möglichkeiten. b) Heute bin ich vielfältig gebunden, verheiratet, Familie, Pfarrer unsrer Landeskirche und habe mir im Ruhestand noch ein paar Verpflichtungen aufgehalst. Wo bleibt die Freiheit? – Tatsächlich bin ich freier als vorher. Denn dadurch, dass wir Verantwortung übernehmen, haben wir auch Rechte. Wenn die Konfirmanden während des Gottesdienstes reden, werden sie geschimpft, weil sie da nicht dürfen. Wenn der Pfarrer während des Gottesdienstes redet, ist das was anderes. Der hat die Verantwortung übernommen, der muss reden und darf reden. III. Der Saulus in unsrer Geschichte war schon über dieses Alter hinaus, wo man seinen eigenen Weg sucht. 1. Er hat studiert und eine Anstellung am Tempel, vielleicht als Jurist oder bei der Tempelpolizei. Er leitet einen Trupp, der ausgeschickt wurde um Christen zu jagen. a) Was haben die Priester und was hat Saulus gegen die Christen? Die Christen, sagte man, halten sich nicht an die religiösen Vorschriften. Die machen grad, was sie wollen und stiften sogar noch andere zu ihrer falschen Einstellung an. Das darf man nicht dulden. Wer gegen die Vorschriften verstößt, muss bestraft werden. b) Das war der Auftrag von Saulus: nicht die Christen zu ermorden, sondern zu verhaften und vor Gericht zu stellen. Saulus hielt das für richtig. 2. Ob ihm nicht zwischendurch doch Bedenken gekommen sind? Denn die Christen waren doch keine Verbrecher und hatten sogar ganz strenge moralische Normen, halt nicht "du sollst vor dem Essen die Hände waschen" und "du darfst kein Schweinefleisch essen", sondern "du sollst deinen Mitmenschen, ja sogar deinen Feind lieben". 3. Wenn Saulus in Damaskus auf einmal seine Meinung ändert, dann aber nicht nach reiflichen Überlegungen, sondern weil ihm etwas passiert ist, das auch den stärksten Mann aus dem Sattel geworfen hätte: Er sieht einen hellen Lichtblitz und ist dann drei Tage blind. Sein Vorhaben kann er so nicht durchführen. Jetzt muss er erst mal eine Zwangspause einlegen und hat Zeit zum Nachdenken. 4. Was war denn so falsch am bisherigen Weg? a) Dass Saulus Christen verfolgt hat, hat er später als einen Fehler erkannt. Es war aber folgerichtig von seiner bisherigen Einstellung her. b) Was ein seiner bisherigen Einstellung falsch war, hat er erst später verstanden: Man kann das Leben nicht so streng mit Vorschriften und Verboten regeln, wie man es mit kleinen Kindern macht. Als Erwachsene brauchen wir Handlungsspielraum - nicht, damit wir machen können, was wir wollen, sondern damit wir das tun können, was jetzt gerade richtig und sinnvoll ist. 5. Beispiele: a) Darf man in Wohnungen einbrechen? Natürlich nicht. Aber was will denn die Feuerwehr machen, wenn es brennt und die Tür ist zu und keiner daheim? Da muss sie die Tür aufbrechen, um noch größeren Schaden zu verhüten. Aber deswegen hat ein Feuerwehrmann doch keinen Freibrief zum Einbrechen. b) Wenn jemand eine Berufsausbildung macht, hat es keinen Sinn, wenn man sagt: "Das kannst du so oder so machen und es gibt auch noch andere Methoden. Das verwirrt nur. Sondern man bringt ihm eine einzige Methode bei, damit er erst mal die Grundbegriffe lernt. Wenn einer das richtig beherrscht, dann kann er immer noch dazulernen und auch andere Methoden anwenden. 6. Das war das, was Saulus an den Christen gestört hat und was er jetzt verstehen gelernt hatte: Ein erwachsener Mensch braucht Handlungsspielraum, um das Richtige tun zu können. 7. Meine Nichte hat einmal gesagt: "Evangelisch ist die erwachsene Art zu glauben". Das ist das, was dem Saulus während seiner Blindheit in Damaskus klargeworden ist und was er dann den Rest seines Lebens gepredigt hat. |
Hochzeit Trauung | |||||||||
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Datum: 2011 Aktuell: 18.09.2011 |
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