Startseite | Religion | Sprachwissenschaft | Logische Wissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Quellen | Bibelwissenschaft | Systematische Theologie | Religionswissenschaft | Praxis

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Der Messias

Historisches Krippenspiel für Konfirmanden

Email:

Personen

1. Akt:
Palast des Statthalters

2. Akt:
Netanias Haus in Bethlehem

3. Akt:
Im Palast des Herodes

4. Akt:
Vor der Geburtshöhle

 

Personen:

Nuba, Sklavin des Statthalters

Ludogast, Sklave des Königs

Josef, Zimmermann

Marjam, seine Frau

Septimus Grassus, Legionär

Philippos, Soldat des Königs

Simon, Hauptmann des Königs

Gaius Longinus, Centurio

Obadja, Pharisäer und Bauer

Netanja, Pharisäer und Schriftgelehrter

Sara, seine Frau

Alfai ben Sakkai, Pharisäer und angehender Zöllner

Kaspar, baylonischer Magier

Aristippos, herodianischer Minister

Herodes der Große, König

Publius Quintilius Varus, Statthalter

 

Stumme Rollen:

Jonas, Hirte des Obadja

Balthasar, Magier

Melchior, Magier

 

1. Akt: Palast des Statthalters

 

In der Mitte der Szene steht der Thron des Statthalters. Im Vordergrund rechts Grassus als Wache. Nuba betritt den Raum, legt ein Kissen auf den Thron und macht sich am Teppich davor zu schaffen.

 

Grassus: Guten Morgen, Kleine. Gibt's was Neues?

 

Nuba: Morgen! Nichts Besonderes. Draußen steht einer und will den Chef sprechen.

 

Grassus: Was will er denn?

 

Nuba: Weiß ich nicht. Sei nicht so neugierig!

 

Grassus: Und sei du nicht so frech, sonst kriegst du eine hinter die Ohren. - Wie sieht er denn aus?

 

Nuba: Och, der kommt wohl aus Galiläa, ein schmächtiges Kerlchen und ziemlich vorlaut.

 

Grassus: Genau wie du!

 

Nuba springt plötzlich auf: Achtung, der Chef! Stellt sich mit dem Fliegenwedel neben den Thron.

 

Grassus steht stramm.

 

Grassus und Nuba: Guten Morgen, Euer Gnaden.

 

Varus: Besondere Vorkommnisse?

 

Grassus, tritt drei Schritte vor: Melde gehorsamst, daß die Patrouille des Octavius zurück ist. In der Stadt ist es ruhig.

 

Varus: Gut! Sieh nach, ob schon Bittsteller da sind!

 

Grassus: Zu Befehl, euer Gnaden!

 

Grassus ab und kommt mit Alfai wieder.

 

Grassus bezieht wieder Stellung, Alfai bleibt in gehörigem Abstand vor Varus stehen und verneigt sich.

 

Alfai: Guten Morgen, Euer Gnaden!

 

Varus: Was willst du?

 

Alfai: Ich bin Alfai, Sohn des Sakkai ben Levi aus Kafarnaum. Ich komme wegen der freigewordenen Steuerpacht in Kafarnaum, Euer Gnaden, und möchte mich untertänigst um diese Stelle bewerben.

 

Varus: Hast du Empfehlungen?

 

Alfai: Ja, Euer Gnaden, von dem Herrn Bürgermeister von Kafarnaum persönlich. Reicht ihm ein Papier.

 

Varus überfliegt das Papier: Sieh da, der alte Antonius! Er war ein Freund meines Vaters. - Wieviel bringt denn die Stelle ein?

 

Alfai: Kafarnaum hat ungefähr 3.000 Einwohner. Das gibt etwa 150 Talente allein an Kopfsteuer ohne Zölle und Sondersteuern.

 

Varus: Wache!

 

Grassus: Zu Befehl, Euer Gnaden!

 

Varus: Hol doch mal die Steuerakte von Galiläa!

 

Grassus: Jawoll, Euer Gnaden! Ab.

 

Varus: Was hast du für Sicherheiten?

 

Alfai: Ich habe eine Villa mit 30 Sklaven in Kafarnaum, außerdem einen Bauernhof mit 150 Morgen, 50 Sklaven und 50 Stück Vieh am Mittelmeer sowie zehn Fischerboote auf dem See Genezareth, Euer Gnaden.

 

Varus: Das hört sich ja gut an!

 

Grassus bringt die Akte, gibt sie Varus und bezieht wieder Stellung.

 

Varus blättert in der Akte: Na, wo haben wir das denn? ... Ach ja, das ist es! Liest. Nach den neusten Erhebungen von Quirinius müßte Kafarnaum 500 Talente bringen. Kannst du mir das garantieren?

 

Alfai. Aber sicher, Euer Gnaden. Ich schätze, daß ich das Doppelte aus diesem Nest herausholen kann.

 

Varus: Ich werde mir die Sache überlegen. Komm morgen wieder, aber nicht so früh wie heute, Bursche.

 

Alfai: Noch ein Wort, Euer Gnaden: Ich könnte ohne Schwierigkeiten jedes Jahr nicht nur 500, sondern 750 Talente garantieren. Da bleibt auch für Euer Gnaden noch was übrig.

 

Varus: Du bist raffiniert, Galiläer! Nun gut, du sollst die Stelle haben. Wache!

 

Grassus: Zu Befehl, Euer Gnaden!

 

Varus: Bring den Burschen ins Sekretariat und sag, sie sollen den Vertrag ausfertigen. Er braucht aber noch die Unterschrift des Königs.

 

Grassus: Jawoll, Euer Gnaden. Mit Alfai ab.

 

Varus: So, das war's wohl heute morgen. Ich geh jetzt ins Bad. Heute mittag werde ich nicht ins Amt kommen, da ist das große Wagenrennen.

 

Grassus, zurück: Euer Gnaden, da drauß stehen noch mehr Leute!

 

Varus: Herkules nochmal! Aus ist's mit dem freien Tag! Dann hol sie im Namen aller Unterirdischen herein!

 

Grassus: Jawoll, Euer Gnaden! Ab, kommt mit Longinus, Obadja und Jonas wieder.

 

Longinus und Obdaja: Guten Morgen, Euer Gnaden! Jonas schweigt.

 

Varus: Was gibt's? Hauptmann, mach schnell, ich hab keine Zeit.

 

Longinus: Dieser Bauer behauptet, sein Hirte habe ihm ein Schaf gestohlen.

 

Obadja: So ist's, Euer Gnaden. Ich hatte ihn den Sommer über mit 100 Schafen auf die Weide geschickt, und mit 99 ist er wieder heim gekommen. Das eine Schaf hat er mir gestohlen!

 

Varus: Auf Diebstahl von Untergebenen steht die Todesstrafe. Ans Kreuz mit dem Hirten!

 

Grassus bringt die beiden hinaus und kommt wieder herein.

 

Varus: So, das ging ja noch mal schnell! Wache, ich habe schrecklich viel zu tun. Ich bin heute für niemand zu sprechen! Ab.

 

Grassus: So ein Hund!

 

Nuba: Wie redest du von deinem Chef?

 

Grassus: Ist doch auch wahr! Wie der mit den Leuten umgeht! Von dem schmierigen Galiläer läßt er sich bestechen und knöpft den armen Schluckern da oben den letzten Pfennig ab. Und den Hirt hat er noch nicht mal gefragt: "Ans Kreuz, ich hab keine Zeit!"

 

Nuba: Der hat bloß Zeit, wenn's um sein Vergnügen geht!

 

Grassus: Wie ich klein war und hab alls mal nicht gehört, da hat mein Vater als gesagt: "Wart nur ab, bis du in die Armee kommst, da kriegst du Disziplin gelernt!" Und in der Armee geht's auch rauh zu. Aber da herrscht wenigstens Ordnung. Unser Hauptmann ist ein feiner Kerl, streng, aber gerecht. Da käm so eine Schweinerei nicht vor!

 

Nuba: Die Juden sind da anders. Die sagen, daß ihr Gott ganz strenge Gesetze gemacht hat, damit keiner den andern übers Ohr haut oder unterdrückt. Bei denen gibt's so was nicht!

 

Grassus: Ach guck dir bloß mal den Herodes an!

 

Nuba: Geh mal raus auf die Straße und sag, der Herodes wäre ein Jude! Wenn du wieder lebend reinkommst, leg ich beim Chef ein gutes Wort für dich ein, daß du befördert wirst.

 

Grassus: Da hast du auch wieder recht.

 

Nuba: Mit der Beförderung?

 

Grassus: Nee, mit dem Juden!

 

Grassus: Manchmal hab ich mir überlegt, da müßte einer kommen und mal gründlich aufräumen. Für Recht und Ordnung müßte er sorgen und so Typen wie den Statthalter vor die Löwen werfen!

 

Nuba: Die Juden warten ja auf so einen starken Mann. Messias nennen sie den. Den soll denen ihr Gott zu ihnen schicken, daß er für Gerechtigkeit sorgt. Wenn der kommt, dann haben alte die Typen nichts mehr zu sagen, die sich jetzt so wichtig aufspielen. Bedeutungsvoll: Und uns Sklaven geht's dann auch besser!

 

Grassus: Bild dir bloß nicht zu viel ein! - Wo weißt du das denn her?

 

Nuba: Ich war letztes Jahr ein paar Mal mit meinem Freund bei denen im Gottesdienst. Da hört man so was.

 

Grassus: Da mußt du's ja wissen. Aber das wäre wohl zu schön, um wahr zu sein! Beide ab.

 

2. Akt: Netanias Haus in Bethlehem

 

Netanja sitzt auf dem Boden hinter einem niedrigen Tisch. Sara trägt Brot und Wein auf.

 

Netanja: Wo nur Obadja bleibt? Ich hatte ihn doch zum Einbruch der Dunkelheit eingeladen.

 

Sara: Der war heute beim Statthalter wegen des Viehdiebstahls.

 

Netanja: Hat man schon was gehört, wie es ausgegangen ist? Der Jonas wird wohl gehängt? Die Römer machen auch grad, was sie wollen! Hängen wegen eines Schafes einen Menschen auf! Nach der heiligen Schrift hätte Jonas zwei Schafe zurückerstatten müssen. Strafe muß sein, das ist richtig, aber Recht maß auch Recht bleiben! Eigentlich gehören die römischen Hunde ans Kreuz, die so gottlose Gesetze machen!

 

Sara: Sei nicht so hart, mein Herr! Auch die Römer sind Menschen!

 

Netanja: Was versteht ihr Weiber schon davon! Unmenschen sind sie, Feinde des Allmächtigen. Ich hasse sie aus tiefster Seele!

 

Obadja tritt ein: Friede sei mit euch!

 

Netanja: Und mit dir, Obadja! Wie war's in Jerusalem?

 

Obadja: Jonas ist gehängt worden. Das war hart, aber Strafe muß sein!

 

Netanja: Wie findest du den Statthalter?

 

Obadja: Sympathisch ist er nicht. Er hat mich überhaupt nicht richtig angehört, und den Jonas hat er gar nicht gefragt. "Mach schnell, ich hab keine Zeit."

 

Netanja: Was kann man von einem Heiden schon anderes verlangen! Wenn der Messias kommt, wird sich alles ändern. Dann wird der Allmächtige Seine Feinde zerstreuen und seinem Volk zum Sieg verhelfen.

 

Obadja: Können wir denn so lange warten? Sollen denn die Römer unser ganzes Volk erst kaputt machen, bis der Messias kommt? Ich sag dir, Netanja: Der Messias kommt erst, wenn wir gezeigt haben, daß wir nicht nur mit Worten, sondern mit Taten für unseren Gott kämpfen.

 

Netanja: Wie meinst du das?

 

Obadja: Na, mit dem Schwert!

 

Netanja: Mein lieber Obadja, der Allmächtige wartet nicht darauf, daß wir Ihn verteidigen, sondern daß wir Seinen Willen tun! - Übrigens, wo warst du am letzten Sabbat? In der Synagoge habe ich dich nicht gesehen!

 

Obadja: Ich bitte vielmals um Entschuldigung, Netanja, aber meine Frau war krank, und da mußte ich bei ihr bleiben.

 

Netanja: Nun gut, das muß ich anerkennen. Aber ich bin der festen Überzeugung, daß der Himmel schon längst den Messias geschickt hätte, wenn auch nur einmal ganz Israel den Sabbat wirklich gehalten hätte.

 

Obadja: Sag mal, du verstehst von der Sache mehr als ich: Meinst du nicht, Gott wäre es lieber, wenn ich bei meiner kranken Frau bleibe, als daß ich den Sabbat halte? Es heißt doch in der Schrift: "Barmherzigkeit ist besser wie Opfer".

 

Netanja: In deinem Fall möchte ich dir zustimmen. Aber es heißt doch auch: "Du sollst den Heiligen, gelobt sei Er, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen deinen Kräften." Der Allmächtige ist wichtiger als alles andere.

 

Obadja: Was streiten wir uns herum? Im Grunde sind wir ja einig: Es gibt nur wenige Gründe, die uns erlauben, am Sabbat daheimzubleiben. Die meisten fehlen ja nicht aus Barmherzigkeit, sondern aus Bequemlichkeit im Gottesdienst. Das geht natürlich nicht.

 

Es klopft. Netanja: Sara, sieh doch mal nach, wer draußen ist!

 

Sara öffnet, Marjam und Josef treten ein.

 

Josef: Friede sei mit euch. Ich bin unterwegs und suche eine Unterkunft für mich und meine Frau. Ihr seht ja, daß sie ein Kind erwartet.

 

Netanja: Friede sei mit euch, ihr Fremden. Tretet ein und macht's euch bequem. Ein Nachtlager habe ich leider keins, aber zum Abendessen lade ich euch gerne ein - Sara, noch ein Gedeck!

 

Josef und Marjam kommen herbei. Sara bringt noch ein Gedeck.

 

Netanja: Setzt euch, ihr Fremden!

 

Josef setzt sich zu Netanja und Obadja an den Tisch, Marjam bleibt, "wie sich's gehört", bei Sara stehen.

 

Netanja: Wo kommt ihr her?

 

Josef: Ich bin Josef, Jakobs Sohn von Bethlehem. Ich bin Zimmermann und bin mit 20 Jahren nach Nazareth gezogen und hab dort meine Frau Marjam kennengelernt.

 

Netanja: So bist du der Sohn meiner Tante Rahel! Mein Vater und deine Mutter waren Geschwister! Welche Überraschung. Es tut mir wirklich leid, daß wir keinen Platz im Haus haben.

 

Josef: ich hab's schon bei verschiedenen Häusern probiert, alles umsonst, und langsam wird's Nacht!

 

Obadja: In meinem Haus ist auch kein Platz, aber ich hab eine Höhle ganz in der Nähe, die wird als Viehstall

benutzt, wenn ihr euch damit zufrieden gebt?

 

Netanja: Ich vergaß ganz, dich vorzustellen: Also, Josef, das ist mein Freund Obadja, Hananjas Sohn.

 

Josef: Danke für das Angebot, Obadja. Ich stelle ja keine großen Ansprüche, das reicht schon.

 

Obadja: Wir können gleich nach dem Essen rübergehen. Es sind nur ein paar Schritte.

 

Netanja: Aber jetzt erzähle mal, Josef, was führt euch hierher?

 

Josef: Was treibt heute schon die Menschen durch die Welt? Steuergeschichten! Ich muß mich hier in Bethlehem melden. Als ob ich nicht lange genug in Nazareth wohnen täte, daß ich meine Steuererklärung dort abgeben könnte.

 

Netanja: Wir leben in einer bösen Zeit. Das Volk des Herrn wird den Heiden preisgegeben.

 

Obadja: Einen Aufstand sollte man machen und die Römer zum Teufel jagen!

 

Josef: Ich weiß nicht, ob man mit einem Aufstand was erreichen kann! Vielleicht schaffen wir's, daß wir die Römer aus dem Land kriegen. Aber was haben wir dann? Das Reich des Himmels bestimmt nicht, sondern das Reich von dem, der die Römer fortgejagt hat.

 

Netanja: So glaubst du nicht an den Messias?

 

Josef: Doch. Aber ich glaub nicht, daß der Messias ein Freiheitskämpfer sein wird.

 

Netanja: Sondern?

 

Josef: Das Reich des Himmels haben wir nicht dann, wenn wir die Herrschaft von den Römern durch eine andere Herrschaft ersetzen. Denk mal an den Herodes. Meinst du, wenn die Römer fort sind, wär's besser? Dann macht der ja erst recht, was er will. Nein, mein lieber Freund, meiner Meinung nach ist das Reich des Himmels überall da, wo Menschen tun, was der Allmächtige will.

 

Netanja Recht hast du, Josef. Erst müssen wir den Willen des Ewigen tun, den Sabbat halten, barmherzig und gerecht sein, und dann kommt der Messias.

 

Josef: Nein, ich glaub, es ist eher umgedreht: Vielleicht kommt erst der Messias und lernt die Menschen den Willen des Allmächtigen tun, und wenn die Menschen das machen, dann ist das Reich vom Allmächtigen ja schon da!

 

Netanja: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Kann sein, daß du recht hast.

 

Obadja: Was verstehst du denn unterm Willen des Allmächtigen?

 

Josef: Das läßt sich mit einem Bibelvers so einfach nicht ausdrücken. Ich kann mir nicht vorstellen, daß der Ewige so streng ist, wie man immer tut. Ich glaub, daß Er's gut mit den Menschen meint und nicht will, daß einer an seinen Fehlern kaputt geht.

 

Obadja: Das steht doch aber so schon in der Bibel: "Barmherzig und gnädig ist der Heilige..."

 

Josef: Richtig, Obadja. Und weil der Ewige barmherzig ist, deshalb ist Er doch wohl auch zu den Römern barmherzig? Es gefällt Ihm zwar nicht, was sie tun. Aber es gefällt Ihm vielleicht, wenn sie sich bessern! Und deshalb halt  ich es nicht für richtig, mit den Römern einen Krieg anzufangen. Ich meine, wir als das auserwählte Volk müßten denen mal vorleben, was der Allmächtige will. Vielleicht sehen sie dann ein, daß sie im Unrecht sind.

 

Netanja: Du redest wie ein Schriftgelehrter.

Alle lachen.

 

Marjam: Entschuldigt, daß ich euer gelehrtes Gespräch unterbreche. Mir ist es nicht gut. Ich glaub, es ist Zeit, daß das Kindchen kommt.

 

Josef: Komm, Obadja, zeig uns mal die Höhle, daß wie unser Nachtlager in die Reihe machen.

 

Obadja: Ja kommt mit, ich zeig euch, wo's ist.

 

Netanja: Und wenn du was, brauchst, Josef, komm ruhig rüber. Du kriegst von uns alles.

 

Josef: Gute Nacht zusammen.

 

Sara: Gute Nacht und alles Gute!

 

3. Akt: Im Palast des Herodes

 

Anordnung wie im 1. Akt. Philippos hält Wache rechts vorn. Ludogast schüttelt das Kissen auf dem Thron auf und legt es zurecht. Herodes tritt ein. Philippos steht stramm und grüßt militärisch. Ludogast wirft sich auf den Boden.

 

Philippos: Guten Morgen, Majestät.

 

Ludogast: Guten Morgen, Herr und Gebieter.

 

Herodes winkt: Rührt euch. Setzt sich.

Philippos nimmt eine lässigere Haltung ein. Ludogast steht auf, nimmt die Krone und setzt sie dem König auf.

 

Herodes: Sklave, du hast das Kissen wieder nicht ordentlich hingelegt. Das nächste Mal lassen Wir dich auspeitschen.

 

Ludogast: Ich bitt um Entschuldigung, Herr und Gebieter. Soll nicht wieder vorkommen.

 

Herodes: Nun gut. Wir drücken noch einmal ein Auge zu. Hol jetzt den Herrn Minister!

Ludogast holt Aristippos.

 

Aristippos: Guten Morgen, Majestät, wünschen wohl geruht zu haben.

 

Herodes: Morjn, Ari. Was gibt's Neues?

 

Aristippos: Der Galiläer ist wieder da, der sich für die Steuer von Kafarnaum beworben hat.

 

Herodes: Und was hat Seine Exzellenz, der Statthalter gesagt?

 

Aristippos: Er hat den Vertrag bereits vorbereitet. Majestät brauchen nur noch zu unterschreiben.

 

Herodes: Was hat Seine Exzellenz, der Statthalter mit ihm ausgehandelt.

 

Aristippos: 750 Talente, Majestät.

 

Herodes für sich: Geschäftstüchtig ist er ja! zu Aristippos: Hat der Galiläer Empfehlungen?

 

Aristippos: Ja, vorn Bürgermeister von Kafarnaum persönlich.

 

Herodes: Antonius ist Römer und steht Unserer Herrschaft nicht gerade freundlich gegenüber. Wir hätten

Lust, nicht zu unterschreiben. - Ist der Galiläer linientreu?

 

Aristippos: Ich habe inzwischen seine persönlichen Verhältnisse überprüfen lassen. Er hat ein stattliches Vermögen von seinem Vater geerbt. Sein Vater gehört zwar der Partei der Pharisäer an, aber der Galiläer hat bisher noch keinen Kontakt mit den Pharisäern aufgenommen. Ich habe keine Bedenken.

 

Herodes: Aber Wir. Die Parteimitgliedschaft seines Vaters erscheint Uns sehr bedenklich. Da wird auch Seine Exzellenz, der Statthalter nicht einverstanden sein. Es ist besser, du läßt den Galiläer verschwinden, verstehst du?

 

Aristippos: Majestät, ist denn die Parteimitgliedschaft...

 

Herodes schreit: Du willst Uns widersprechen? Das war ein Befehl! Sieh zu, daß du den Galiläer verschwinden läßt, sonst verschwindest du! Verstanden?

 

Aristippos: Wenn's sein muß, Majestät! Ab.

 

Simon tritt ein, grüßt militärisch: Majestät, melde gehorsamst, daß unsere Patrouille soeben drei Babylonier verhaftet hat, die im Volk einige Unruhe erzeugt haben, indem sie nach einem neugeborenen König der Juden fragten.

 

Herodes: Hauptmann, das sieht Uns nach Hochverrat aus! König der Juden sind Wir, und solange Wir leben, wird kein anderer König der Juden geboren! - Wie kommen diese Babylonier darauf, einen neugeborenen König zu suchen?

 

Simon: Sie behaupten, sie seien Gelehrte, die sich auf die Kunst der Sterndeutung verstehen. Und

sie haben die Geburt des Königs aus den Sternen erschlossen.

 

Herodes: Führ diese Leute vor!

 

Simon: Zu Befehl, Majestät. Holt die Weisen.

Die drei werfen sich auf den Boden.

 

Herodes: Steht auf! Wer seid ihr?

 

Kaspar: 0 König, du nix sein bös, wir nix verstehn viel von deine Sprach. Ich allein sprechen ein bißchen

Wir sein Magier von Babylon, haben geguckt nach Himmel und haben gesehen zwei - wie sagt man? Licht, äh Stern stehen beieinand. Zeigt es mit den Händen.

 

Herodes. Na und? Das haben Unsere Sterndeuter auch gesehen. Es waren Jupiter und Saturn. Saturn ist der Planet, unter dem Wir geboren sind, und Jupiter ist der Königstern. Unsere Sterndeuter schlossen daraus daß Unsere Herrschaft noch lange unangefochten bestehen bleibt.

 

Kaspar: 0 König, deine Sterndeuter nix verstehn ihr Handwerk! Stern von König, sein richtig. Aber ander Stern, du sagen Satuurn, nix sein Stern von dir, sondern von Juden. Das heißen "König von Juden."

 

Herodes: Dummkopf, der König der Juden sind doch Wir!

 

Kaspar: Aber Himmel sagen, Stern gehen auf. Das heißen: "neuer König" oder "König sein geboren. "

 

Herodes: Aha, Wir verstehen! Vielleicht ist an der Sache doch was dran. - Wo soll denn der König geboren

sein?

 

Kaspar: Wir nix wissen. Das uns nix sagen Himmel.

 

Herodes: Wer könnte denn das wissen? Schweigen.

Wache!

 

Philippos: Zu Befehl, Majestät!

 

Herodes: Hast du das Gespräch mitbekommen?

 

Philippos: Jawoll, Majestät.

 

Herodes: Kennst du jemand, der uns sagen kann, wo dieser König geboren wird?

 

Philippos: Majestät, ich bin nicht von Jerusalem und außerdem ungebildet. Ich kenne hier keinen Menschen

außer Eurer Majestät und meinen Kameraden.

 

Herodes: Schwachkopf - Sklave!

 

Ludogast: Zu Euren Diensten, Herr und Gebieter!

 

Herodes: Kennst du jemand, der Uns Auskunft geben kann?

 

Ludogast: Majestät kennen nicht die Bibel? Vielleicht ist da was zu erfahrn?

 

Herodes: Daß Wir da auch nicht selbst drauf gekommen sind! Sklave, kennst du die heilige Schrift?

 

Ludogast: Majestät verzeihen, ich bin bloß ein dummer batavischer Sklav. Aber Majestät haben Schriftgelehrte, wo Bescheid wissen!

 

Herodes: Wache!

 

Philippos: Zu Befehl, Majestät!

 

Herodes: Dieser Sklave weiß zuviel. Laß ihn auspeitschen! Und dann suchst du einen Schriftgelehrten!

 

Philippos: Jawoll, Majestät! Führt Ludogast ab.

 

Herodes zu den Babyloniern: Ihr habt gesehen, wie Wir die behandeln, die Uns nicht genehm sind. Wir lassen euch wieder frei, steilen euch aber zur Aufgabe, nach Angabe der Schriftgelehrten den Aufenthaltsort dieses Kindes ausfindig zu machen und Uns unverzüglich zu melden. Wir wollen nämlich dem neugeborenen König die gebührende Ehre erweisen.

 

Philippos mit Netanja.

 

Herodes: Na, hast du einen gefunden?

 

Philippos: Schneller als gedacht, Majestät. Dieser Mann wurde verhaftet, weil er auf dem Tempelplatz einen Volksauflauf verursachte und aufrührerische Reden hielt.

 

Netanja: Das ist nicht wahr, Herr König! Ich habe lediglich gesagt, daß das Reich des Himmels nicht mit Gewalt herbeigeführt werden kann.

 

Herodes: Wer hat dich gefragt, Pfaffe? Eigentlich hast du deinen Kopf verwirkt. Aber wenn du Uns sagen kannst, wo der König der Juden geboren werden soll, wollen Wir dich allergnädigst nur mit Auspeitschen bestrafen. Also, was sagt die heilige Schrift?

 

Netanja: In Bethlehem in Juda, Herr König. Denn so steht geschrieben...

 

Herodes unterbricht ihn: Das genügt. Wache, führ in ab. Philippos mit Netanja ab.

 

Herodes zu den Babyloniern: Ihr wißt jetzt Bescheid, und laßt euch bloß nicht einfallen, daß ihr nicht wieder kommt!

 

Babylonier ab.

 

4. Akt: Vor der Geburtshöhle

 

Josef sitzt auf dem Boden und döst in der Sonne. Im Hintergrund sieht man Marjam und eine Krippe. Obadja tritt herbei. Josef wacht auf.

 

Obadja: Na, kann man gratulieren? Was ist's denn?

 

Josef: Ein Bübchen!

Obadja streckt Josef beide Hände aus. Josef steht auf. Obadja legt beide Hände auf Josefs Schultern.

 

Obadja: Gott segne dich und deine Frau. Er gebe, daß dein Sohn die Tage der Erlösung erleben darf.

 

Josef: Amen, dein Wunsch gehe in Erfüllung.

 

Obadja: Wie soll denn dein Sohn heißen?

 

Josef: Jeschua.

 

Obadja: Ein schöner Name! Weißt du, was der bedeutet?

 

Josef: Joschua hat doch unsere Väter in das gelobte Land gebracht.

 

Obadja: Nein, ich meine, die Wortbedeutung von dem Namen: der Retter!

Inzwischen haben die Weisen die Bildfläche betreten.

 

Josef bemerkt sie: Guck mal, was wollen denn die?

 

Obadja: Wer?

 

Josef: Ei, die drei Fremden!

Die Weisen kommen näher. Kaspar verbeugt sich.

 

Kaspar: Salam aleikum.

 

Josef: Schalom alechäm. Friede sei mit euch!

 

Kaspar: Du wissen, wo sein Kind?

 

Josef: Was für ein Kind?

 

Kaspar: Ganz kleines Kind. Zeigt's mit den Händen.

 

Josef: Du meinst ein Baby?

 

Kaspar: Ja! Du haben gesehen Stern?

 

Josef: Den großen, vor vier Wochen?

 

Kaspar: Ja, das heißen, König sein geboren!

 

Josef bei sich: Das gibt Mord und Totschlag, wenn das der König Herodes erfährt! Zu den Babyloniern: Was hab ich damit zu tun?

 

Kaspar: Bibelleser sagen, Baby sein in Bethlehem. Wo sein Baby?

 

Josef: In Bethlehem gibt's eigentlich nur ein Baby: unser Baby.

 

Kaspar: Wo sein dein Baby?

 

Josef: Drin in der Höhle!

 

Kaspar: König von Juden in dunkle Loch - nix Palast! Wir dürfen schauen?

 

Josef: Geht nur hinein!

Die Babylonier gehen nach hinten und werfen sich vor der Krippe auf den Boden.

 

Josef zu Obadja: Findst du das nicht komisch: Wir reden über den Messias, und wir müssen unser Kind ausgerechnet Jesus nennen, und dann die drei Ausländer, wo von einem König reden! Wenn das nichts zu bedeuten hat!

Die Weisen kommen wieder heraus.

 

Kaspar: Wir sein gewesen bei König von euch, der haben uns geschickt zu suchen nach Baby. Aber haben so

komisch geguckt. Wirssen kommen zurück zu König, aber der sein böse, und uns machen Kopf ab vielleicht. Wir nix gehen hin.

 

Josef: Das ist vielleicht auch besser!

 

Kaspar: König sein so brutal, haben verhauen Diener und Bibelleser. Kommen vielleicht und machen Baby tot. Du besser hauen ab.

 

Josef: Da kannst du recht haben!

 

Kaspar: Wir sein froh zu sehen dein Baby, wo sein König von Juden. Gott segne dich. Babylonier ab.

 

Josef ruft in die Höhle: Marjam, hast du das gehört?

 

Marjam aus dem Hintergrund: Ja.

 

Josef: Ich glaub, wir machen uns tatsächlich fort, eh unserm Kind was passiert. Ich glaub, der Herodes ist zu allem fähig.

Ach wenn doch nur der Messias käme!

  Hochzeit Trauung

nach oben

Übersicht

 

 

 

Datum: 1996 / 1983 / 2005

Aktuell: 14.07.2006