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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Rätisch = alpensemitisch?Gedanken zu Linus Brunner und Alfred Toth, Die rätische Sprache - enträtselt |
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Das Buch versucht nachzuweisen, dass die rätische Sprache semitisch ist. Die Räter haben in römischer Zeit in den Alpen gewohnt. Andere Meinungen aus der Antike: 1. Die Räter waren Etrusker.Livius a.u.c. 5,33,11 gibt zu, dass nur der Klang, d.h. die Artikulation beiden Sprachen ähnlich ist. Nicht berücksichtigt ist, dass die Räter sich des etruskischen Alphabets bedienten. 2. Die Räter waren Illyrer,eine Nachricht, die sich kaum verifizieren lässt, da man schon in der Antiker nicht eindeutig sagen konnte, wer die Illyrer waren. 3. Die Räter waren Kelten.Das trifft sicher zu für den Norden der Provinz Raetia (zwischen Donau, Bodensee, Genfer See und Inn), der keltisch besiedelt war. Nicht erwähnt wird bei Brunner die einfachste Erklärung: 4. Rätisch war eine isolierte Sprache.Gebirge sind Rückzugsgebiete. Dort konnten bedrängte Völker ihre Sprache und Kultur behaupten. Das sehen wir an den Basken, Rätoromanen, Albanern, den Kaukasiern, Armeniern, Berbern, Äthiopiern. Baskisch und viele kaukasische Sprachen sind "isoliert", d.h. sie haben keine erkennbare Verwandtschaft zu anderen Sprachen. Warum nicht auch das Rätische? Brunner hat 1987 eine neue Gleichung aufgestellt: 5. Die Räter waren Semiten.Er versucht das an Hand von Inschriften zu beweisen, die zum Teil tatsächlich einen semitischen Eindruck machen: a. Beispiele
Allein diese beiden Beispiele zeigen, dass Brunner von den semitischen Sprachen nicht viel versteht. b. Dazu kommt ein schwerer methodischer Fehler:Es gibt kaum eine Möglichkeit nachzuprüfen, ob diese Übersetzungen stimmen. Wir haben keine Ahnung, was die kurzen Inschriften bedeuten sollen. Mit derselben Methode kann man auch beweisen, dass das Rätische indogermanisch oder türkisch oder malaiisch ist. c. Besser wäre gewesen, von bekannten Bedeutungen auszugehen.Auch da erwähnt Brunner Beispiele:
d. Brunner war aber auf der richtigen Spur:Tatsächlich besteht eine auffallende Ähnlichkeit zwischen den semitischen Wörtern und germ. felhan 'begraben' (neben anderen Bedeutungen), lat. pala 'Spaten', ahd. felgen 'pflügen', felga 'Egge; Saatfeld'. Felgen war wohl eine besondere Art von Bodenbearbeitung, die sich von pflügen und brachen unterschied. Auch scheinen sich Felge 'Randkranz' und arab. فلى falaka 'rund sein', حلىت falakat 'Spinnwirtel' zu entsprechen. In einigen Fällen haben wir eine e. Verständnishilfedurch die Gegenstände, auf denen die Inschriften geschrieben sind:
Brunner selbst gibt an einigen Stellen zu, dass manche Inschriften nicht semitisch sind. 6. Zusätzliche Erkenntnisse:a. Konsonantenhäufungen im AnlautIn der Antike gab es im Semitischen noch keine Murmelvokale (Schwa), das ist erst eine mittelalterliche Entwicklung im Hebräischen.
b. Laut-Zeichen-EntsprechungDie etruskische Schrift unterschied behauchte und unbehauchte Verschlusslaute (ph / p usw.) und war für die Wiedergabe einer semitischen oder indogermanischen Sprache wenig geeignet. Nun hätten "Alpensemiten" sich ja trotzdem mit diesen Zeichen behelfen können. Man müsste sich dann aber fragen, warum Brunner den Zeichen unterschiedliche Werte gibt. Die rätischen Inschriften sollte man doch lesen können. Das Verständnis würde durch Willkür in der Rechtschreibung erheblich erschwert.
Wenn die Räter wie die anderen Westeuropäer zwischen stimmhaften und stimmlosen Verschlusslauten unterschieden, hätten sie sich mit den etruskischen Zeichen gut behelfen können. Aber auch, wenn sie wie Semiten und Kaukasier drei Konsonantenreihen unterschieden, hätte man etwas mehr Konsequenz erwarten können, etwa behauchtes /p/ = <Ph>, unbehauchtes /p/ und /b/ = <P>. Es wäre auch denkbar, dass im Rätischen wie im Hebräischen dasselbe Phonem je nach Stellung einen unterschiedlichen Lautwert hatte. Dann aber müsste man annehmen, dass phan- im absoluten Anlaut gleich ausgesprochen wurde und nicht einmal behauchtes /p/, und das andere Mal /b/ war. Es könnte ja sein, dass die Räter nur eine Reihe von Verschlusslauten hatten, die sie je nach Schreibtradition oder willkürlich mit dem einen oder anderen etruskischen Zeichen wiedergaben. Das wäre aber ein Zeichen dafür, dass ihre Sprache nicht semitisch war. Dagegen spricht aber, dass im selben Text beide Varianten gebraucht wurden, z.B. S. 58 »laspa phirimathinakhe khik assikhanu epetav«, wo <ph / p, kh / k> und <th / t> stehen. Die Zeichen müssen also unterschiedliche Lautwerte angezeigt haben. 7. ErgebnisSchade, dass Brunner seine vielleicht richtigen Ahnungn falsch begründet hat. Ich kann nicht leugnen, dass sich ein Teil der rätischen Inschriften aus dem Semitischen deuten lässt. Andrerseits gibt auch Brunner zu, dass nicht alle Inschriften semitisch sein können. Warum sollten es wie heute noch im Kaukasus auch in den Alpen mehrere Restsprachen gegeben haben, von denen eine Anklänge ans Semitische hatte? |
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Datum: 2005 Aktuell: 17.12.2009 |
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