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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

Christkind

nhd. 'Geschenkbringer an Weihnachten'

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Der Heilige Christ

Das Christkind

 

Im 15-er Jh. sind für den Geschenkbringer an Weihnachten zwei ältere Bezeichnungen zusammengeflossen (Quellen):

  • Der Heilige Christ

    • Normalerweise wird Christus nicht als "heilig" bezeichnet. Der Titel stammt wohl aus dem lateinischen Hymnus "Rerum Creator optime", dessen 2. Strophe mit den Worten beginnt: "Te, sancte Christe, poscimus = Dich, heiligen Christus, bitten wir..."

    • Die altenglische Übersetzung beginnt mit "Þe eala hailige crist we biddaþ".

    • In der deutschen Überlieferung wird der Ausdruck erstmals im altsächsischen Heliand gebraucht (um 830). Er lässt sich im Hochdeutschen erst Ende des 11-er Jh. nachweisen und bleibt liturgischer und poetischer Ausdruck.

    • Luther hat gegenüber seinen Kindern Mitte der 1530-er Jahre vom "Heiligen Christ" als Geschenkbringer gesprochen. Er wählte diese Bezeichnung wohl, um den Respekt zu wahren und um nicht, wie später geschehen, das "Christkind" zu verniedlichen. Dass er Christus an die Stelle von "St. Niklas" gesetzt hat, ist nicht nachzuweisen.

    • Noch 1793 ist "der Heilige Christ" "im gemeinen Leben üblichen Benennung des Weihnachtsgeschenkes, der heilige Christ; weil man die Kinder zu bereden pflegte, daß dieses Geschenk von dem Christ-Kindlein herrühre". (Adelung)

    • Noch 1844/52 wird "der Heilige Christ" als himmlischer Geschenkebringer genannt. (Robert Reinick) Quellen

  • Das Christkind

    • Im Gegenteil 1530 nennt Luther "St. Niklas" und "Christkind" in einem Atemzug. Das scheint einen älteren Brauch vorauszusetzen.

    • Christkind ist Lehnübersetzung von lateinisch Christus infans, das schon um 200 vom kindlichen Jesus bezeugt ist.

    • Noch um 1700 wurden "der Heilige Christ" und "das Christkindlein" synonym als Namen des Geschenkbringers genannt. Beide Wörter bedeuten auch 'Weihnachtsgeschenk.

    • Im 17-er Jh. hat man den Kindern ein Schauspiel vorgeführt, in dem der „heilige Christ“ in Gestalt eines Engels und der Teufel die guten Taten und kleinen Sünden der Kleinen so gegeneinander aufrechneten, dass es zu einer Belohnung reichte.
      (aus einem Buch, das ich nicht mehr besitze)

    • Im 18-er Jh. wurde das Christkind zum Mädchenengel, der den Weihnachtsmann begleitete.

    • Noch in den 30er-Jahren trat nach den Angaben meiner Mutter in Südhessen ein verschleiertes Mädchen als Christkindchen auf. Ich selbst kenne noch aus den 50-er Jahren Christkindchen im Sinne von Weihnachtsgeschenk.

    Es gab in frommen Kreisen eine Bestrebung, den Namen Christus vom Brauchtum abzukoppeln. Man sagte daher "Weihnachtsbaum", nicht "Christbaum", und nicht "Christkindchen", sondern "Weihnachtsgeschenk" bzw. "Jesuskind". Aus ähnlichen Gründen wird man den "Heiligen Christ" aus dem Sprachgebrauch verbannt haben.

 

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Übersicht

Systematik

 

Warum muss man kleine Kinder belügen?

Sprachecke 07.12.2004 | 05.12.2006

Quellen Weihnachtsbräuche

 

Datum: 2010

Aktuell: 17.05.2013