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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
EtymologieWas bedeutet Gott? |
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Religions- und Sprachvergleich
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I. Religions- und Sprachvergleich |
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Schrift: ARIAL UNICODE MS
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II. Die VokabelnFür einen Vergleich kommen eigentlich nur die Sprachen der Hochkulturen in Frage, bei denen der personale Gottesbegriff beprägt wurde und altererbte Äquivalente für unser "Gott" vorhanden sind. Indien ist noch vergleichbar, China nicht mehr. Über die Sprachen der anbderen Kulturen weiß ich auch zu wenig, um Vergleich anstellen zu können.
Im Folgenden geht es mir nicht darum, die überlieferten Aussagen
zusammenzustellen, sondern Vorstellungen auf die Spur zu kommen, die viel
weiter in de Vergangenheit zurück reichen. Wir fragen uns: Welche
Vorstellungen hatten die Menschen, als sie die Vokabeln für 'Gott' prägten?
Damit können wir das Gedankengut einer Zeit erschließen, von wir denen keine
schriftlichen Zeugnisse haben und die Tausende von Jahren älter als die
ersten Aufzeichnungen sein können. |
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Asien:'der Himmel' Das Keilschriftzeichen für 'Gott' ist ein Stern, mit dem auch der Himmelsgott An geschrieben wird. Die sumerische Vokabel lautet dingir. Der Himmel spielt in den alten Religionen Eurasiens eine große Rolle; die Wörter für 'Himmel' und 'Gott sind oft austauschbar. |
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Asischtängri 'Himmel, Gott' Die altaischen Völker hatten von alters her eine schamanistische Religion und glaubten an einen Obergott, der sich nicht in Bildern darstellen ließ. Er hieß
Die Urindogermanen waren wie die Altaier nomadische Steppenbewohner und scheinen eine ähnliche Religion gehabt zu haben, die eng mit dieser Lebensweise verknüpft war. Als die Indogermanen sesshaft wurden, wurden sie zu Polytheisten, viele ihrer Nachkommen bekehrten sich zu monotheistischen Religionen, die Altaier ebenfalls oder zum Buddhismus. Im Iran begründete Zarathustra eine weitere nicht-polytheistische Religion.
*dıu-mu 'Tag,
Himmel, Gott' Die dem Finnischen verwandten Sprachen an der Ostsee nennen das höchste Wesen jumala (finnisch) oder jumû (tscheremissisch), offenbar eine Weiterbildung aus *jum, das das *dju.m mit dem japhetitischen Wort děus / Zeus / Jup.piter 'Himmelsgott' verwandt sein könnte. In den anderen uralischen Sprachen lautet das Wort für 'Gott, Himmel' num-, offenbar eine Anlautvariante. |
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OstasischDer Himmel als solcher (chin. 天, tiān, jap てん ten) ist in Ostasien ein wichtiges religiöses Symbol und meint nicht ein personhaftes Wesen ("Gott"), sondern die Überwelt. Der Himmel bestimmt die Ordnung der Welt (道 klass. lhū́, modern dào 'Weg, Methode') und das Schicksal. Der Kaiser galt als Sohn des Himmels (天子 chin. tiānzǐ, jap. てんし tenshi). Man glaubte auch an einen personhaften Himmelsgott 上帝 shàngdì 'der Kaiser droben'. Dieser Hochgottglauben findet sich auch in anderen urtümlichen Religionen. Er schließt den Kult anderer Götter nicht aus. 'Geist' Die ostasiatischen Relgionen sind mehr polytheistisch orientiert. Die heute mit 'Gott' übersetzten Wörter bedeuten eher 'Dämon, Geist' als das, was wir uns unter einem Gott vorstellen:
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Friedrich Heiler, Die Religionen der Menschheit 1980 S. 71 f
C. Kainz, Praktische Grammatik der chinesischen Sprache 183: Gott (ev.) šang-tí, (kath.) t'iēn-čù |
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Ägyptisch: 'der Ehrwürdige'
Das ägyptische Wort für
'Gott' lautet
nṯr [*nāčer], kopt. noute
noute und gehört mit meroit.
mk, nk, suaheli
Mungu zu adamit.
*n- 'ehrwürdig'
Die Ägypter verehrten zwar viele Götter; dennoch gibt es Texte, die einfach von 'Gott' oder 'dem Gott' reden, so als ob es bloß einen gäbe. Möglicherweise steckt dahinter die Überzeugung, dass die vielen Götter nur Erscheinungsformen eines einzigen göttlichen Wesens sind. |
Schenkel a.a.O. 45 ff
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Semitisch: Gott 'die Lebenskraft'Im Semitischen gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Vokabeln, die offenbar mit einander verwandt sind ilu und ilāhu. Im Hebräischen lauten die Wörter אל él und אלוה älôaħ, dazu der Plural אלהים älohîm. Letzteres ist das normale hebräische Wort; die beiden ersten sind altertümlich und werden vor allem in poetischen Texten verwendet. Die Grundbedeutung ist wahrscheinlich 'Lebenskraft'; ähnliche Wörter bezeichnen einen großen 'Baum', den 'Widder' und den 'Hirsch'. Ähnlich Wörter in anderen Sprachgemeinschaften: mhd. ellen 'Kraft'. finn. elo, ung. elet 'leben' - Gegenwort: türk. öl- 'sterben'
Merkwürdig ist, dass אלהים
älohîm sowohl den
einen Gott als auch die vielen Götter bezeichnet, etwa im ersten Gebot: »Ich
bin
Jahwe, dein אלהים
älohîm
'Gott'.
Du sollst keine anderen אלהים
älohîm
'Götter' neben mir haben.«
Vielleicht hat das Wort ursprünglich in seiner ersten Bedeutung den
'himmlischen Hofstaat' bezeichnet, bestehend aus Jahwe und ihm untergeordneten
Himmelswesen. Später hätte sich dann der Sprachgebrauch
verfestigt, sodass der Plural zur Bezeichnung des einen Gottes geworden ist.
Ähnlich hat man früher vom Hof gesprochen und damit nicht das gesamte
Palastpersonal, sondern nur den Fürsten gemeint. |
Vgl germ. regin 'himmlische Ratsversammlung' |
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IndogermanischLateinischDĕusDem lateinischen dĕus 'Gott', dīvus 'göttlich' liegt das japhetitische Wort für den 'strahlend blauen Himmel' zugrunde. Wie beim Hebräischen wechseln auch in den japhetitischen Sprachen Bezeichnung und Name. NūmenAbgeleitet von lat. nŭěre 'nicken' bedeutet nūmen zunächst 'Wille', dann 'göttliche Schickung', und schließlich 'göttliches Wesen, Gott'. Das Wort entspricht damit dem griech. δαίμων daímōn 'Schicksalsmacht'. |
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GriechischΘεός theósGriech. Θεός theós 'Gott' gehört wohl zu japhet. *dʰeʊḫ- 'selische Erregugung' und ist verwandt mit alban.hyj 'Gott', aslaw. дѹхъ duchŭ 'Geist', lit. dvasa 'Atem, Geist'.
Das Wort bezeichnet jede Art von überirdischem Wesen, auch den
monotheistischen Gott. Das ist angesichts der reich ausgeprägten
griechischen Mythologie mit unterschiedlichen Götterklassen erstaunlich. Δαίμων DaímōnEine konkurrierende Bezeichnung war ursprünglich δαίμων daímōn oder δαιμόνιον daimónion 'göttliches Wesen; Schicksalsmacht', abgeleitet wohl von δαίεσθαι daíesthai 'teilen, verteilen'. Die Gottheit wäre demnach gekennzeichnet als 'Zuteilerin' des Schicksals. Δαιμόνιον daimónion nennt Sokrates die innere Stimme, die ihn berät und warnt. Später bekommen die beiden Wörter die Bedeutung 'untergeordnete Gottheit' und schließlich 'böser Geist, Teufel'. |
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GermanischGott, 'das angerufene Wesen'Das gemeingermanische *ḡuða ist wahrscheinlich ein Partizip Passiv 'das kultisch verehrte Wesen.' Gotisch guþ entbehrt die maskulinie Endung -s, ist also Neutrum, wird aber wie ein Maskulkinum konstruiert: Mt 27,46 guþ meins 'mein Gott', Luk 5,21 ains guþ 'allein Gott'. Im Altnordischen ist das christliche guð maskulin, das heidnische goð Neutrum (meist Plural). Das Nebeneinander der beiden Vokale erklärt sich wohl dadurch, das der Singular guð keine Endung hatte, während die Endung -a im Plural das umgelautete goða bewirkte. Nachdem der Singular guð für den einen christlichen Gott verwendet wurde, hat man aus dem Plural einen neuen Singular goð für einen einzelnen heidnischen Gott rückgebildet. Die alte Umlautregel war zu dieser Zeit nicht mehr wirksam. Da die schriftliche Überlieferung erst nach der Christianisierung einsetzt, wissen wir nicht, ob das westgermanische Wort ursprünglich ebenfalls Neutrum war. Der ahd. Plural gota ist jedenfalls eindeutig maskulin (dagegen das Neutrum wort, Pl. wort). Der heutige Plural Götter // Wörter ist erst später entstanden. Als sprachliche Wurzel kommt eher japhet. *ƺʰau- 'rufen' als *ƺʰeu- 'gießen' in Betracht:
Lautlich (kurzer Vokal) passt zwar 'durch Opfer verehrt' besser. Dies ist aber eine Sonderbedeutung, die nur im Arischen nachweisbar ist. 'Gerufen' dagegen ist im kultischen und magischen Sinn im ganzen japhet. Sprachgebiet bezeugt. Das kurze /u/ lässt sich erklären als Schwächung in unbetonter Silbe. Germ. *ḡuða bezeichnete eher ein Abstraktum wie 'Gottheit, Allmacht, Vorsehung' als ein einzelnes überirdisches Wesen und eignete sich daher für die christliche Mission. Wichtig ist, dass die Gottheit nicht objektiv definiert wird durch Eigenschaften, die man ihr zuschreibt, oder Funktionen, die sie ausübt, sondern subjektiv durch das, was der Mensch mit ihr tut ('die magisch beschworene, durch Rezitation verehrte oder persönlich angerufene Macht'). Damit wird Luthers Definition vorweggenommen:
Das germanische Wort lässt sich jedenfalls nicht aus dem Germanischen erklären und gehört zum japhetitischen Erbe. Warum hat aber gerade bei unseren Vorfahren gerade dieses Wort mit seiner unpersönlichen Sonderbedeutung 'das Angerufene' durchgesetzt? Weil im Germanischen das normale japhetitische Wort (aind. देव dēvá, Latein dĕus) 'Himmel, Gott' zu einem Götternamen Tyr, Zio geworden ist. Da wurde eine neue Gattungsbezeichnung nötig, nämlich Gott. Asen und Wanen, 'die Lieben' und 'Vertrauten'
Ein weiterer Grund für
den Gebrauch von Gott könnte sein, dass wenigstens die Nordgermanen
zwei Göttergruppen unterschieden haben, für die sie einen Oberbegriff
brauchten: die Asen und die
Wanen (altnordisch Æsir
/ Vanir).
Diese Unterscheidung ist zwar nur für die Nordgermanen belegt, scheint aber
in ältere Zeit zurückzugehen, denn auch andere germanische Sprachen kannten
die Gottesbezeichnung
Ase, u. zw. nicht aus dem Nordischen übernommen, sondern
in einheimischer Sprachgestalt. Wir können z.B. ein althochdeutsches
ans
'Ase' aus Personennamen wie Ansgar erschließen. In alten
Personennamen finden wir auch die Wanen (z.B. althochdeutsch
Wanburg,
das sich aber auch anders deuten lässt). Regin, 'die himmlische Ratsversammlung'Eine Kollektivbezeichnung für die Himmlischen ist anord. regin, das im Sinne von 'die Götter' gebraucht wird. Mit Rücksicht auf got. ragin 'Rat: menschliche Empfehlung, Einwilligung, göttlicher Ratschluss, schriftliche Verfügung' sollte man das altnordischen Wort im Sinne von 'himmlische Ratsversammlung' verstehen:
Zio, 'der Himmel'Er trägt den Namen des alten indogermanischen Himmelgottes (griechisch Zeus) und spielt in der uns bekannten Überlieferung nur noch eine geringe Rolle; er geriet offenbar in Vergessenheit, weil man anderen Göttern größere Aufmerksamkeit zuwandte. Aus dem Deutschen ist nicht mehr als sein Name bekannt. In der Edda heißt er Tyr. Von ihm wird erzählt, er habe seinen Arm einem dämonischen Wolf geopfert, der die Welt verschlingen wollte, und dadurch die Welt vor dem Chaos gerettet. Wodan, 'der Geist'Sein Name hängt zusammen mit lateinisch vātēs 'Prophet'; er hieß bei den Nordleuten Óðinn und wurde als Gott der Inspiration, der Weisheit und der Magie verehrt. Von ihm wird erzählt, er habe ein Auge geopfert 8 und sich als Selbstopfer an einem Baum aufgehängt 9, um Weisheit zu erlangen. Er war im volkstümlichen Glauben aber auch der Führer des 'wütenden Heers' der Toten, die im Sturm durch die Luft fahren. Von daher wird die Beziehung zum indischen Windgott वात Vâta deutlich. Sein grauer Mantel symbolisierte den wolkenverhangenen Himmel. Ich erkenne in der Gestalt Wodans einen germanischen Versuch, 'Geist' zu denken: der spiritus, der den menschlichen Geist inspiriert und der Herr der Totengeister ist (vgl. Spiritismus). Die christlichen Missionare haben aber dann das lateinische spiritus mit Atem und Geist 10 und nicht mit Wodan übersetzt, weil diese Vokabel zu stark mit heidnischer Mythologie befrachtet und zu einem Gottesnamen geworden war. |
Großer Katechismus 1529 (WA 30,1,132)
vgl. die semit. Vorstellung vom der himmlischen Hofstaat
Völuspa 25
Das Motiv hat eine eigene Vorgeschichte: Der Himmelsgott hat nur ein Auge: die Sonne. 9 eine Methode, um in Trance zu fallen. Die Erhängten wurden Wodan und seinen heiligen Tieren, dem Raben und dem Wolf geopfert. – christliches Motiv: 'der gekreuzigte Gott'? 10 Das Wort bezeichnete ursprünglich die Gemütsbewegung, vergleiche entgeistert, begeistert und hessisch vergeistert 'verängstigt'. |
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ArischGemeinsame arische Ausdrücke waren: IndischWie die Germanen unterschieden die Inder mehrere Göttergrupppen. Die Wichtigsten waren:
Dēva und Asura bedeuten also nicht mehr 'ein einzelner Gott', sondern 'Mitglied einer bestimmten Göttergruppe'. Im heutigen Hinduismus haben die Asuras mehr dämonischen Charakter, vielleicht als Reaktion auf die Weiterentwicklung im Iran.
IranischZarathustra schuf eine neue Religion, die mit dem alten Götterglauben aufräumte und nur einen Gott anerkannte:
Im Awestischen ist daēva Bezeichnung für den von Zarathustra abgelehnten polytheistischen Gott = देव dēvá 'himmlisch, göttlich, Gott'. Das Wort bekommt daher die Bedeutung 'Götze > Dämon' In der Folgezeit entstanden im Iran mehrere neue Religionen, die zu unterschiedlichen Wörtern für 'Gott' führten:
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Datum: 1998 / 2007 Aktuell: 17.05.2013 |
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