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Bibel
Germanisch
Gotisch
Andere germanische Sprachen
Woher kommt das Wort?
'Ungläubige' im Islam
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Bibel:
Hebräisch
גוים gôjîm 'den Israeliten fremde Völker' hatten immer auch eine
andere Religion, daher die Bedeutung 'Ungläubige, Heiden'.
Lehnübersetzungen:
Griechisch: τὰ ἔθνη ta éthnē 'die Nationen', Sg. ἐθνικός ethnikós, (eigentlich Adjektiv) 'fremdvölkisch'
Lateinisch: gentes 'Geschlechter,
Stämme', Sg. gentilis 'fremdstämmig'
außerbiblisch auch paganus
'Landbewohner' (die ersten Christen waren Städte)
Germanisch:
Gotisch:
Ulfila übersetzt den Plural mit þai þiudo 'die
(andersgläubigen) Nationen', das Adjektiv mit þiudisko
(ἐξ ἔθνων ex éthnōn,
ex
gentibus, Gal. 21,14).
Þiuda bedeutet normalerweise 'Volk',
þiudisko entsprechend 'völkisch, volkstümlich'. Beide Wörter sind also
Lehnübersetzungen.
Das unserem Heide entsprechende Wort kommt nur
an einer Stelle vor: qino haiþno (Mk 7,26 γυνὴ
Ἑλληνίς Συροφοινίκισσα
gynê Hellēnìs Syrophoiníkissa
'eine griechische
Frau aus dem Libanon'). Als griechisch sprechende Libanesin hatte diese Frau
nicht nur einen anderen Glauben, sondern sie lebte auch in einem anderen Land,
was in der biblischen Erzählung deutlich gesagt wird. Got. haiþns bedeutet also nicht 'heidnisch', sondern
'ausländisch'. Wenn Ulfila 'heidnisch' gemeint hätte, hätte er þiudisks übersetzt.
Andere germanische Sprachen:
Das Althochdeutsche folgt diesem Sprachgebrauch:
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diota 'die Heiden' (gentes,
Tatian 39,6)
-
heidan, -in
'ausländisch, heidnisch' (Sg. wîb heidin
'griechische Frau' Tatian 85,2)
Pl. heidanî man
(ethnici,
Tatian 32,7).
-
diutisc 'volkstümlich' hat im Ahd. die Bedeutung 'deutsch'
angenommen.
Auch die anderen germ.
Sprachen haben dieses Wort:
Da auch die Angelsachsen
schon früh Christen geworden sind, kann ihr hǽðen kaum aus der gotischen Missionssprache stammen,
sondern das zugrunde liegende germ. *haiþenaż
muss schon in vorchristlicher Zeit existiert haben. Jedenfalls ist got. haiþns 'ausländisch' wegen der altertümlichen Endung
ohne Bindevokal wohl ein älteres Wort; für eine Neubildung wäre !haiþeins zu erwarten.
Woher kommt das Wort?
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Eine naheliegende
Ableitung von got. haiþns von
haidus 'τρόπος
trópos, modus' Art, wie man etwas macht' kommt aus
semantischen Gründen nicht in Frage. Das scheint aber im Gotischen eine
Sonderentwicklung zu sein.
Wie ist es in den anderen germanischen Sprachen? Ahd. heit, aengl. hád bedeutet 'Person,
Gestalt, Geschlecht, Stand', asächs. hêd
'Stand, Würde', anord. heiðr 'Ehre, Würde'.
Grundbeutung ist wohl 'Beschaffenheit eines Menschen (lat.
natura)' und nicht 'Herkunft (lat.
genus,
gens), wie man bei einer Lehnübersetzung von
gentilis erwarten müsste.
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Kluge ²² 300 und
Pfeifer, Et.Wb. 522 sehen in dem gotischen Wort [χɛ:θns] von griech. ἔθνη, zu Ulfilas Zeit
[εθne:] gesprochen. Dagegen spricht nicht nur das anlautende gotisch
/h/, das viel rauer als unseres gesprochen wurde, sondern auch der Vokal /e/,
der dem griechischen /η/ entspricht und wohl lang und geschlossen wie in
Ehre gesprochen wurde, während Ulfila das kurze
und offene griechische /ε/ mit /ai/ wiedergibt. Außerdem bedeutet got. haiþns nicht 'die Heiden', sondern 'heidnisch',
ἐθνικός ethnikós, wörtlich
übersetzt þiudisks 'fremdvölkisch'.
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Schon
Adelung hat eine Ableitung von
Heide erwogen. Germ.
*ħaiþenaż
wäre dann eine Lehnübersetzung von lat. paganus.
Ein Stamm, der Heide bewohnte, heißt bei Ptolemäus Χαιδεινοι Haiðīnoi, aengl. Hǣðnas
(Göschen 1218 b 109), also germ. *Haiðīna, *Haiðena.
Es spricht also alles für die alte These, dass Heiden
'Heidebewohner' eine Bedeutungsübertragung von lat.
pagani ist. Wie der Stammesname zeigt, gab es das Wort schon vor der
Christianisierung und hatte vielleicht damals schon die abschätzige Bedeutung
'wild, barbarisch', vgl. got.
haiþiwisks
(Mk 1,6 ἄγριος ágrios vom 'wilden' Honig, den
Johannes aß).
'Ungläubige' im Islam
Die semitischen Sprachen, auch das Arabische, kennen keine negierten
Substantive wie 'Ungläubiger'. Stattdessen sagen die Muslime:
-
وثنى
waṯṯani
'Götzendiener' < وثن
waṯṯan 'Götzenbild'
-
كفر
kufr > pers. كفر
kofr 'Gottesleugung', kurd.
kifri 'Gotteslästerung', < كفر
kafar, nhbr.
כפר
kápôr 'leugnen'
-
مشرك
mušrik > türk. müşrik
'Heide, Polytheist' < شرك
šarak 'teilnehmen',
شرك
ašrak 'sich (den Götzen) beigesellen'
شرك
širk > pers. شرك
šerk, türk.
şirk 'Polytheismus'
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