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Befund
Erklärung
Überlieferung
Wort und Sache
Form
Herkunft
< germ. *kanwa 'hölzerner Krug' |
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dt.
Kanne
-
ahd.
kanna, kanella,
kannata
'Krug'
Zugehörigkeitsbildungen: kennih,
kenning 'Trinkgefäß'
kannella und kannata sind lat. / roman. Formen
-
mhd.
kanne 'Gefäß für
Wein und Met', unterschieden vom größeren Zuber; man trank auch
unmittelbar aus der Kanne.
mhd. ôrenkanne 'mit Henkel'
-
änhd.
Kanne
[1]
erklärt als Schenkfass, // Flasche, Hafen, Krug (irden), Schale als
Vorratsbehälter :: Glas, Kopf als Trinkgefäß
Einfache Leute oder Unmäßige tranken aus der Kanne.
Material Silber, Gold, meist aus Zinn, ursprünglich Holz (14er-Jh.
boumkanne)
für Wein, Wasser. Bier, Kaffee, Tee, Milch
-
nhd.
Kanne 1. 'Gefäß
zum Ausschenken mit seitlichem Ohr, Tülle, oft mit Deckel' aus Keramik
oder Zinn, für Kaffee, Tee, Wein, Bier, 2. 'zylindrisches Transportgefäß
für Milch mit Bügelhenkel und Deckel'
(moderne Weiterentwicklung des Eimers)
-
dt.
Kande 'Kanne'
Die
Form kann nicht aus lat. cannáta entstanden sein, weil betontes /a/ nicht
geschwunden ist, vgl. camináta >
kemenâte 'heizbares Zimmer',
castánea > késtene 'Esskastanie',
Wormátia > Wórmez 'Worms'.
-
mlat.
canna 'Kanne'
mlat.
cantharus, canterus
'ein Weingefäß'
übersetzt deutsch
kanna, kanne
kaneta, kanta,
kande, kandel,
chenninc
cantellus 'ein Trockenhohlmaß'
-
lat.
cannata Kanne (als Maß)
-
> ngriech. κανάτα
kanáta 'Krug, Kanne',
κανάτι 'Kanne, Nachttopf, Fensterladen'
-
> alban. kënáçe,
kënátë
'Wasserkrug'
-
finn.
kannu, estn.
kann
'Kanne'
-
ägypt.
gn.tj (f.
Dual) 'ein Gefäß für Wein', gngn.t 'ein Gefäß für Milch';
gnmyt 'ein
Behälter (Bassin?, Korb?)
Das lateinische Wort
ist erst in karolingischer Zeit bekannt. Belegstellen:
-
742
Canadas duas de vinum = zwei Kannen Wein
[2]
Lat.
cannata kann also nicht 'mit einem Rohr (canna)
versehen' bedeuten, sondern ist ein Maß, vgl.
carrada 'Wagenladung'. Das
Wort ist abgeleitet nicht von der Bedeutungf 'Rohr', sondern von 'Gefäß'
und setzt das Wort Kanne
voraus.
-
852 Si
plus de vino voluerit in butticula vel canna
[3] = wenn er mehr Wein
will in der Buddel oder Kanne
Canna wird als butticula 'Fässchen'
(später 'Flasche') erklärt. Man kann allenfalls daraus schließen, dass
canna kleiner als ein Fass (buttis) und wohl größer als das Trinkgefäß
war. Das späte buttis scheint ursprünglich der Weinschlauch aus
Leder gewesen zu sein, der später durch Holzfässer ersetzt wurde:
-
um 1128
Cannam, scilicet argenteum vas vinarium
[5]
= Kanne, d.h. ein silbernes Weingefäß.
Silber ist sicher nur ein Sonderfall. Woraus andere
cannae gemacht waren,
erfahren wir nicht.
Es fällt auf, dass canna erklärt werden
muss. Wort und Sache scheinen also neu zu sein.
Was war damit gemeint? Folgende Eigenschaften ergeben
sich aus den Quellen:
-
Die Kanne war ein Weingefäß.
-
Die Kanne konnte aus Silber sein, war also für den Tisch
bestimmt.
-
"Kanne" diente auch als Maßangabe.
-
Die Kanne war als butticula kleiner als ein Fass oder Lederschlauch
(buttis).
Über das Aussehen ergibt sich aus diesen Stellen nichts. Man muss sich
aber fragen, warum in fränkischer Zeit ein neues Wort für einen Weinkrug
aufkam. Das lässt sich doch am besten dadurch erklären, dass dieser
Weinbehälter anders war als früher. Was könnte anders gewesen sein?
-
Die Kanne war aus einem anderen Material als bei den Römern üblich.
Silber war sicher die teure Ausnahme. Keramik oder Glas war bei den Römern
üblich. Da mit Beginn des Mittelalters die Glasproduktion zum Erliegen
kam, ist Glas auch nicht wahrscheinlich. Eine echte Alternative wären
Holzgefäße, enweder aus einem Stück geschnitzt oder mit Dauben und Reifen, wie sie auch in späteren Jahrhunderten
bezeugt sind.
-
Die Kanne hatte eine andere Form. Neu war in dieser Zeit die Röhrentülle,
archäologisch nachgewiesen für
Gallien und die
karolingische Zeit. Noch heute stellen wir uns unter einer Kanne ein
Gerät mit Röhrentülle vor.
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Sonderzeichen
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UNICODE MS.
[1]
Grimm Dt. Wb. 11,164-66
[2]
Mabillon , Ann., II p.
704 (ch. a. 742 )
[3]
Hincmari capitula presbyteris data c. 16, Migne , t. 125 col. 778.
[4]
Capitulare de Villis et Curtibus Imperialibus 68
[5] Garlbert
c. 61, ed. Pirenne , p. 99.
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