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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
EtymologiePapstnhd. 'katholisches Kirchenoberhaupt' |
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In einer Beda-Predigt Ende 10. Jahrhundert steht: Vui lesed tho sanctus bonifacius pauos an roma uuas. "Wir lesen, als St. Bonifatius[1] pavos in Rom war." Dem entspricht lateinisch: Legimus in Ecclesiasticis historiis, quod sanctus Bonifacius, qui quartus à beato Gregorio Romanae urbis episcopatum tenebat… "Wir lesen in der Kirchengeschichte (Bedas): Als St. Bonifatius, der als Vierter nach St. Gregor den Bischofsitz der Stadt Rom innehatte…"[2] Wie das altfriesische paves, pagus[3], paus[4] zeigen, wurde tatsächlich paves gesprochen, der Genitiv lautete wahrscheinlich paveses. Auch ndl. paus (1240) geht auf paues (1287) zurück.[5] Die Vorform dieses Wortes könnte dem ahd. babes zugrunde liegen: Das erste /b/ ist Wiedergabe des ndl. unbehauchten /p/, das zweite Reflex des nördlichen /f, v/, dem im Süden /b/ entspricht.[6] Alte hochdeutsche Belege:
*Paves / babes ist also zunächst eine innergermanische Angelegenheit. Das späte nördliche -es kann eigentlich nur von griech. πάπας pápas 'Bischof, Papst' kommen. Wie soll sich aber im 9-er-Jh. griechischer Einfluss in Norddeutschland bemerkbar machen, wo doch ganz Deutschland seit dem 7-er-Jh. dem Papst unterstellt war? Die Gemahlin des sächsischen Otto II. stammte aus Byzanz und hieß Theophanu, gest. 991. Sie hat bestimmt nicht bloß Vermögen mit in die Ehe gebracht, sondern auch Personal, vielleicht auch einen Priester. Das war die Zeit, in der die Beda-Homilie entstanden ist. Das asächs. pavos könnte also Wiedergabe des griech. papas 'römischer Bischof' sein. Das -t von Papst ist kein Rätsel, sondern eine allgemeine spätmittelalterliche deutsche Lautentwicklung, die wir auch bei môn > Mond und anders > anderst beobachten können: die spätmhd. Auslautverhärtung.
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Sie benötigen die Schriftarten ARIAL UNICODE MS [1] nicht der deutsche Missionar, sondern der römische Bischof (Bonifatius V., 619-24). Pavos bedeutet also im Sinne Bedas nicht 'Papst', sondern 'Bischof'. [2] Gerhard Köbler, Sammlung aller altsächsischen Texte 5 [3] G = W wie in engl. bow 'Bogen' [4] Holthausen, Altfries. Wb. [6] Der Übergang von Nord nach Süd ist aber fließend, wie norddeutsch Hafer, hess. Haƀƀɛʳ, süddeutsch Haber zeigt. Im Hessischen gibt es zwei Arten von /p/, ein aspiriertes /pʰ/, welchem hochdt. /pf/ entspricht (Pfund = Pʰund) und ein nicht aspiriertes /p/ = hochdeutsch /pʰ/ [pap / pʰap]. |
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Sprachecke 12.04.2005 | 05.01.2010 |
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Datum: 2009 Aktuell: 28.12.2009 |
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