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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Redensarten

"wo der Barthel den Most holt"

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"Wissen, wo der Barthel den Most holt" wird oft erklärt aus der Gaunersprache:

  • Barthel stehe verhüllend für jiddisch, Rotwelsch Barsel < hebr. ברזל barzäl 'Eisen', Rotw. Bartel 'Eisen, Stange, Spieß'. Gemeint soll das Brecheisen sein (jidd.  שבר ברזל Schâber-Barsel, Rotw. Schaberbartel).

  • Most sei Rotwelsch Moos < jidd. מעות Mooß 'Geld', das aber Neutrum ist und als Most nicht bezeugt ist.

Einleuchtender scheint mir die Erklärung Röhrichs [1]:

  • Barthel = Barthomolmäustag (24. August)
    An diesem Tag gibt es noch keinen Traubenmost; nur ein Neunmalkluger kann wissen, woher an diesem Tag der Most kommt.
    Man kann aber in dieser Zeit schon erkennen, wie viel Wein es im Herbst gibt.

    • Dieser Tage war Pachttermin für Weinberge. (ShWb 1,593)

    • Shess. Bartelkrug 'Krug zum Aufbewahren von Wein'  (ShWb 1,592)

    Dass man von dem Tag redet, als ob der Namenpatron selbst handeln würde, ist bei Bauernregeln üblich, z. B. "Peter und Paul (29. Juni) machen dem Korn die Wurzel faul.

  • Dann würde man aber erwarten: "wann" oder "wie viel". Steht Barthel für den kundigen Pächter, der erkennt, wo die ertragreichsten Weinberge sind?

 

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[1] Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten 1,155. Diese Deutung wird von vielen zitierten Belegen gestützt.

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Datum: 2007

Aktuell: 24.02.2012