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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Redensarten

"Klappe zu, Affe tot"

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Belege:

Der älteste Beleg, den ich gefunden habe, ist der DDR-Schlager auf den Mauerbau 1961. Ich selbst habe die Redensart erstmals Anfang der 70er von einem DDR-Flüchtling gehört. Sonst ist der Ausdruck literarisch kaum nachzuweisen.

Das DWDS bringt zum Stichwort "Klappe" von 388 Belegen aus dem 19er-Jh. erst 1995 einen einzigen mit "Klappe zu, Affe tot".

Röhrich 1973 / 1991 bringt die Redensart nicht, scheint sie also nicht zu kennen.

Küpper bringt die Varianten 140 "Bude zu, Affe tot (krank)" (Berlin 1800 ff), 19 "Affe tot, Kasten zu" (19. Jh.), 418 "Klappe zu, Affe tot, Zirkus pleite" (1950 ff) und denkt an einen Schausteller auf dem Jahrmarkt, der schließen muss, weil seine Hauptattraktion tot ist.  – Ich hoffe sehr, dass diese Jahreszahlen belegt und nicht bloß geschätzt sind.

Google fand am 08.10.2009:

44.300 "Klappe zu, Affe tot"

40.700 "… zu, Affe tot" (nicht mit "Klappe")

10.900 "Klappe zu, … tot" (nicht mit "Affe")

Man ersetzt also "Klappe" und "Affe" durch ein jeweils passendes Wort, z.B. "Browser zu", "Handy tot". Dies ist für Redensarten ein ungewöhnliches Vorgehen und zeigt, wie volkstümlich dieser Ausdruck heute ist.

Wohl nicht der wirkliche Ursprung, aber das heutige Verständnis der Redensart ist zu erkennen an den Ersatzwörtern für "Klappe":

3410 "Kiste"

314 "Deckel"

120 "Tür(e)"

116 "Bude"

Gebrauch:

Gebraucht wird die Redensart heute im Sinn von "keine Diskussion mehr, das Thema ist erledigt".

Sitz im Leben:

Wenn man sich auf Küpper verlassen kann, lauten die ältesten Belege nach 1800 "Bude zu, Affe tot (krank)" und "Affe tot, Kasten zu". Das könnte jemand bekannt gegeben haben, der seinen Affen zur Schau stellte, entweder mündlich als Erklärung, warum er die Bude oder den Kasten schloss, oder eher durch einen Aushang, den viele lasen und weitersagten. Dass diese Bekanntmachung heute noch in aller Munde ist, kommt wohl daher, weil man sie in dieser Kürze komisch fand, vielleicht auch, weil man sie auf den Schausteller beziehen konnte oder weil der Affenbesitzer nicht richtig Deutsch konnte.

Gattung:

Es würde sich demnach um ein geflügeltes Wort handeln, also um ein allgemein gebräuchliches Zitat.

Überlieferungsgeschichte und Erklärung:

Da "Kiste" heute die zweithäufigste Version (3410 x) ist, könnte "Affe tot, Kasten zu" dem ursprünglichen Wortlaut sehr nahe kommen. Der "Kasten" war kaum der Behälter, in dem das Tier lebte und den man geschlossen halten musste. Wenn der Affe tot war, hätte man den Kasten ja offen lassen können. Eher hat es sich um einen Transportbehälter gehandelt für das, was der Schausteller brauchte, und der auch als Tisch für seine Vorführungen dienen konnte. Wenn dieser Kasten geschlossen wurde, gab es keine Vorstellungen mehr.

"Bude" (116 x) ist wohl schon eine Weiterbildung und setzt voraus, dass der Affenbesitzer einen überdachten Stand besaß. Dass es sich um das Kartenhäuschen eines Zirkus handelte und dass der Betrieb nach dem Tod seiner Hauptattraktion pleite ging, sind neuere Spekulationen. "Klappe zu, Affe tot, Zirkus pleite" (1950 ff) ist ja wohl ironisch gemeint.

Zum Schließen des Kastens oder der Kiste braucht man einen Deckel (314 x), der entweder lose darauf gesetzt wird oder an Scharnieren befestigt ist.

So ist wohl "Klappe" zu verstehen (44.300 x). Dieses erst nach 1950 bezeugte Wort kann man auch auf andere Behältnisse und Verschlüsse deuten und wird dem heute üblichen freien Umgang mit der Redensart den Weg gebahnt haben. Bekannt wurde der Ausdruck wohl erst nach 1961 durch den DDR-Schlager, der unter "Klappe" den Berliner Grenzübergang und unter "Affe" den Westen versteht.

Dieser Schlager hat wohl auch die Bedeutung "Thema erledigt" beeinflusst. Mit eine Rolle gespielt hat wohl dabei, dass "Klappe" auch im Sinn von "Mund" gebraucht wird (8 x "Maul / Mund Klappmaul zu"): "Halt die Klappe, der Affe ist tot, da gibt's nichts mehr zu diskutieren." Oder gar: "Höre auf, deinen Affen (deine verrückten Ideen) vorzuführen, und mach den Mund zu, das Thema ist erledigt." Dagegen spricht, dass "Klappe zu!" in diesem Sinn nicht gebräuchlich ist. Vgl. aber "Mund zu, es zieht!"
"Affe tot" erinnert an die Redensart "Der Willi ist gestorben" – Sage nicht "ich will", sondern "ich möchte" oder "gib mir bitte".

 

 

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Datum: 2009

Aktuell: 08.10.2009