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Wortliste
Hochdeutsch - Südhessisch
AMEISE die Eemeens
ARBEIT die Ärwet
ARBEITEN schaffe
ATEM de Orem
ATMEN schnaufe
AUF off
AUFNEHMER de Butzlumbe
AUFSTEHEN offsteijje
AUSREICHEND årdlish
BACH die Bach
BARFUSS bårfießig, bårwess
BEGINNEN oofånge
BEGREIFEN kabiern
BEKOMMEN grijje
BELLEN gautze
BERLINER (Gebäck) de Gräbbel
BESEN de Bäsem
BETRÜGEN beluurn, bescheiße
BIENE de Bie
BIRNE die Beer
BISSEN de Muffel
BODEN (ERDE) de Borrem (DACHBODEN) de Šbeisher
BONBON es Gutsel, de Glumbe
BRATKARTOFFEL die Gereešde (Mehrzahl)
BRILLE de Brill
BRÖTCHEN de Wegg
BUNT bundigh
DA do
DACHBODEN de Šbeisher
DECKE (textil) de Kolder
DÖRROBST die Hutzel
DROHEN därme
DURCHTRIEBEN: EIN DURCHTRIEBES LUDER: e Oos
EBER de Watz
EINZELEXEMPLAR de Aonzling
ELSTER die Atzel
ERFRIEREN verfriern
ERKÄLTEN verkelde
ERNTEN (GETREIDE) åbmache, (OBST) robbe, åbmache, (HACKFRÜCHTE) ausmache
ERZÄHLEN verzehle
ETUI die Schaad
ETWAS äbbes
FAD (ESSEN) läbbsch
FADEN de Fårem
FEGEN kehrn
FLECK de Blagge
FLEISCHER de Metzjer
FLIEGE die Migg
FLIEHEN åbhaue, dorshgeh, ausrigge
FLIRTEN pussiern
FLUGZEUG de Fliegher
FLUR de Hausgång
FOPPEN uuze
FRAGEN freeje
FRIEDHOF de Kärshhof
GEBÄCK die Blätzjer (Mehrzahl)
GENUG genunk
GESCHEHEN bassiern
GESCHMACKLOS ääbsch
GESCHWÜR de Schwäärn
GETREIDE die Frucht
GOSSE es (Drägg-, Wasser-)Floss
GROB grobb, olwern
GROBIAN de Olwel
GRUBE die Kaud
GRÜSSEN die Zeid biere
GURKE die Gummer
HABEN hoo (ish honn)
HAGEL de Kissel
HAGELN kissele
HAHN (VOGEL) de Giggel, (WASSERHAHN) de Grone
HANDSCHUH de Hennsching
HARKE de Rässhe
HÄSSLICH ääbsch
HINKEN schnabbe
HÜGEL de Buggel, de Hiwwel, Huwwel
HUHN es Hinggel, die Glugg
HÜPFEN hibbe, (AUF EINEM BEIN) higgele
JAUCHE de Puhl
JENER säller
JUNGE de Buu
JÜNGLING de Borsch
KAMIN de Schornšdao
KAMINFEGER de Schornšdaofäjer
KANINCHEN de Labbing, de Såndhås, de Šdallhås
KARNEVAL die Fassnåchd,
KARTOFFEL de Kardoffel
KARUSSELL die Reidschul
KEKS es Blätzje
KIRCHWEIH die Kerb
KLATSCHEN (PLÄUDERN) draatsche, schnulle
KLEBEN babbe
KLEISTER de Babb
KLINGEL die Schäll
KLINGELN schälle
KNEIFEN pätze
KNÖDEL de Gleeß
KNOTEN de Gnoddel, de Gnibbel
KOHL es Graud
KORB die Månne, (KIEPE) die Keetz
KOSTEN (ESSEN) browiern
KREISEL de Dobbsch, de Denzler
KURBEL die Leier
KURBELN leiern
KÜCHENMESSER es Gneibshe
KÜSTER de Gleggner
LAKEN es Bedduch
LÄRM de Grach
LEIHEN lehne
LEHREN lerne
LEIB de Bauch, de Kärber
LEIBSCHMERZEN es Bauchweh
LID de Aahedeggel
LUDER es Oos
MAHLZEIT die Imss
MALER (HANDWERKER) de Weißbinner
MASKE die Larv
MAULWURF de Molwerd
MEERRETTICH de Märreedish
MESNER de Gleggner
MOHRENKOPF de Negherkuss
MÖRTEL de Šbeis
MURMEL de Gligger
MURREN breebele, gnorrn
MUS de Brei
MÜTZE die Kabb
NACHLAUF Fångshers
NACHSITZEN Hogge
NACHTTOPF es (Piss-)Dibbshe
NACKEN es Gnigg, die Ångge (Mehrzahl)
NACKT naggisch
NASCHEN schnässche
NECKEN näggse, uuze
NERVÖS zwatzeligh
NICHT net
NICHTS nix
NÖRGELN nengern
NUDELHOLZ es Weljerholz
ONKEL de Unggel, (veraltet): de Verrer
ORDNUNG die Ordnung, es Gerigg, die Reih
PANTOFFEL de Schlabbe
PAPPEL die Bell
PATE de Pedder
PATIN die God(e)
PELLE (WURST) die Haud, (KARTOFFEL) die Schål, (Mehrzahl) die Schele
PELLKARTOFFEL die Gequellde, die Quellkardoffel (Mehrzahl)
PETZBN bladdsche
PFENNIG de Penning
PFERD de Gaul
PFLÜCKEN robbe
PFLÜGEN zaggern
PILZ de Schwåmm
PLAUDERN babbele, schwätze, schmuse
POCHEN globbe
PRAHLEN oogäwwe, šdrunze
PRELLEN (BALL) dotze, (MENSCHEN) beluurn
PUNKT de Dibbel
PURZELBAUM de Borzelbogg
QUARK die Keesmadde, de Schmeerkees
RAU ragg
REIN sauwer
REINIGEN sauwer mache, butze
REIZEN ärjern, ärn
ROGGEN es Korn
RÜBE die Worzel
RÜCKEN de Buggel
SAHNE de Råhm
SAUGER de Nuddel, die Schnull
SÄUGLING es Bobbelshe
SEHNE die Flechs
SIEDEN koche
SITZEN hogge
SONNABEND de Såmsdag
SCHAL de Baldien
SCHAUEN gugge
SCHAUFEL die Schibb
SCHAUFELN schibbe
SCHAUKELN schoggele
SCHEUNE die Scheier
SCHIEF schäbb
SCHIMPFEN schenne
SCHLAGEN haaue (ish haagh)
SCHLEIFE de Schlobb
SCHLITTEN de Schleerer
SCHMERZ es Weh
SCHMOLLEN motze, brotze
SCHMUTZ de Drägg
SCHMUTZIG dräggisch
SCHNEIEN schneiche
SCHNUR de Bennel, es Kordel
SCHRANK de Schånk
SCHREIEN greische
SCHWEIN die Sau, die Wutz, (MUTTERSCHWEIN) die Mook
SPATEN die Grååbschibb
SPEIEN šbeize, šbugge
SPERLING de Šbatz
SPLITTER de Schliwwer
SPRECHEN redde, schwätze
SPRINGEN hibbe
STECHMÜCKE die Schnook
STEHLEN glaue
STEINGUT es äaren Geschärr, de Šdao
STIER de Ochs, de Fånn
STOCK de Šdägge
STOSSEN šdumbe
STRASSE (IM ORT) die Gass, AUSSERHALB) die Schóssee
STRAßENBAHN die Elägdrisch
STREIT de Grach, die Jåchd
STREUSELKUCHEN de Riwwelkuche
TABAK de Dugwag
TANTE die Dånde, (veraltet): die Wääs
TASCHENTUCH es Saggduch
TEIGROLLE es Weljerholz
TISCHLER de Schreuner
TOILETTE (WC) de Aabee, de Gloo
TOLPATSCH de Dabbes
TOPF de Dibbe, de Håwe, (KOCHTOPF) de Grobbe
TRAKTOR de Bulldogg
TÜLLE die Zodd
ÜBEREILT iwweriggs
ÜBERGEHEN iwwerhibbele
UNBEHOLFEN dabbigh
UNKRAUT de Drägg
UNVERSCHÄMT (BEIM REDEN) bätzigh, (BEIM ESSEN) en Uuflood
VERFOLGEN noochmache
VERLEGEN (Verb) verfendern
VERKÜMMERN verquoome
WAGEN (Verb) sish draue
WÄLZEN weljern
WANGE de Bagge
WANNE die Bidd, (ZUM WASCHEN) die Brengg
WASCHEN, wessche
WEINEN greune
WELLFLEISCH es Quellflaasch
WERFEN schmeiße
WIDERSPRUCH die Wärrerbadd
WIDERWÄRTIG ääbsch, garschdigh
WIR meer
WOLLDECKE de Kolder
WÜTEND will
ZAHNSCHMERZEN es Zehweh
ZEIGEN weise, zeighe
ZERREN reiße, robbe
ZIEGE die Gaaß
ZIEGELSTEIN de Baggšdao
ZIGEUNER de Haare
ZIGEUNERIN die Haaresen
ZIMMER die Šdubb
ZIPFEL de Schnuddel, de Šdebbel
ZIPFELMÜTZE die Schnullkabb
ZWETSCHKE die Quetsch
ZWICKEN pätze
Die folgenden Ausspracheregeln können
natürlich nicht auf jedes hochsprachliche Wort angewendet werden; denn
manche Wörter gibt es in der Mundart nicht oder bedeuten etwas anderes:
'Huhn' heißt nicht Huh, sondern
Hinggel.
'Hahn (Vogel)' heißt nicht Hoh, sondern Giggel
'Bellen' heißt nicht bälle, sondern gautze;
Bälle dagegen bedeutet 'betteln'.
Pätze bedeutet 'kneifen, zwicken';
aber 'petzen' (einen Übertäter anzeigen) heißt blatsche!
Zur Schreibung:
Ch > sh (z.B. Lissht) wird wie engl. sh
gesprochen, nicht mit vorgestülpten Lippen.
Ssch, ssh, cch schreibe ich, wenn der vorige Vokal kurz ist.
Ä wird immer offen wie Bären, e immer geschlossen
wie Beeren gesprochen, auch in kurzen Vokalen.
Å bezeichnet einen kurzen Laut zwischen a und o; den langen
schreibe ich ao. Gesprochen wie englisch aw.
Das weiche g schreibe ich gh, das wie ch gesprochen
wird.
K, p, t werden immer wie hochdeutsch behaucht ausgesprochen.
Sonst schreibe ich g, b, d.
Die Tilde (~) auf einem Vokal bezeichnet die heute nicht mehr übliche
Nasalierung.
Der Übersichtlichkeit halber schreibe ich šb, šd statt šb,
šd.
Lautgesetze
-en
in der Endsilbe wird zu dumpfem -e gekürzt:
Sie trinken einen guten Tropfen = Sie
dringge en gure Drobbe.
-e in der Endsilbe schwindet:
Sie hat eine gute Stelle = Sie hod e gud
Šdell.
In Familiennamen wird auslautendes -e gedehnt:
Goethe = Geedee
Als Verkleinerungssilbe dient -she, Plural sher:
Ball, Bällshe, Bällsher
Die Umlaute ö und ü werden entrundet zu e
und i:
Öl = Eel / Äil
übel = iwwel
Andrerseits wird manches e und i
fälschlicherweise als ö und ü verstanden und in den vermeintlichen
Grundlaut o und u überführt:
Fisch ("Füsch"), daher:
Fusch (nicht üblich!)
Überhaupt hat das Südhessische die
Neigung, Umlaute zu bilden, wo es nur geht; es ist daher viel konsequenter
als die Hochsprache:
fragen (mhd. vregen) =
freeje
waschen = wesche
Asche = Äsch
rutschen = riddsche
um (mhd. ümbe) = im
Vor m, n und ng werden die Vokale dunkler
gefärbt, dabei kann n mitunter ganz wegfallen (Rest einstiger Nasalierung
wie im Französischen):
Zahn = Zãh, Zoh
Wein = Wãi, Weu
Bein= Bão, Bao
Mann = Mãnn, Månn
Die hochdeutschen Zwielaute ai (ei)
und au haben in der Mundart verschiedene Entsprechungen:
ai = ai : bei =
bei, mhd. bi
= aa : beide = baad, mhd. beide
au = au : Sau = Sau, mhd. sû
= aa : Frau = Fraa, mhd. frouwe
= oo : Pfau = Poo, mhd. pâhe
Die Mundart hat also die
mittelhochdeutschen Laute anders behandelt als die Hocheprache.
Aus demselben Grund, weshalb in des Mundart aus langem î > ai und aus
langem û > au geworden ist, ist auch aus langem ê > äi und aus langem ô >
ou geworden (außer in den Kreisen Darmstadt und Groß-Gerau):
Ofenrohr = Ouwerouhr
Esel = Äisel
Aber: Abend = Owend (ursprüngliches langes â > ô)!
Grundsätzlich gilt also die Regel: mhd.
Langvokale = mda. Zwielaute - mhd. Zwielaute = mda. Langvokale.
Vor 1200 Jahren haben die süddeutschen
Mundarten eine Sonderentwicklung mitgemacht, die das Hessische nur
unvollkommen nachvollzogen hat: die sog. 2. Lautverschiebung. Das
Hessische steht somit zwischen dem Niederdeutschen und dem Oberdeutsehen:
nd. Tall = hess.
Zåhl = hd. Zahl
nd. Water = hess., hd. Wasser
nd., hess. Pund = hd. Pfund
nd., hess. Appel = hd. Apfel
nd., hess., hd. Kind = allem. Kchind
nd. maken = hess. macche, hd. machen
nd. Dag = hess. Dågh = hd. Tag
nd. butzen = hess. butze = hd. putzen
Die weichen Verschlusslaute b, d, g
werden wie im Niederdeutschen im Wortinneren zu Reibelauten:
wegen = wejje
Wagen = Wåghe
aber = awwer
Feder = Färrer
Die Reibelaute können auch ganz
schwinden:
Wagen = Wåue
Bogen = Booue
Nadel = Noel (nicht nöl!)
Im Hessischen gibt es drei
Arten von r:
-
das geschlagene Zungen-r im
Anlaut und zwischen Vokalen:
rot, Parre
-
im Auslaut wurde wohl
ursprünglich ein Zäpfchen-r gesprochen; davon ist nur noch ein
a-Nachschlag des vorhergehenden Vokals erhalten; bei -a- macht sich
dieser Nachschlag natürlich nicht bemerkbar:
fort = fåad; irr = äa; Uhr = Uua;
schwarz = schwazz
Diesen a-Nachschlag hört man auch bei zwischenvokalischem r:
die Irren = die Äarre
-
der aus d entstandene
Reibelaut, gesprochen als Zungen-r, aber ohne a-Nachschlag:
Feder = Färra; aber fäarra =
vörder / vorder
S wird nicht wie im
Norddeutschen mitunter stimmhaft, sondern immer wie ß stimmlos
ausgesprochen:
so = ßo
Hasen = Hååße
Wie in der Hochsprache wird sp
und st im Anlaut immer wie schb und schd gesprochen:
Spatz = Šbatz
Stuhl = Šduhl
Im Wortinnern und am Wortende dagegen
spricht man nördlich der Linie Mainz - Groß-Gerau - Pfungstadt - Höchst -
Klingenberg
fesd, Kasber,
südlich davon dagegen
feschd, Kašber.
Andrerseits wird im Bereich von
fest und Kasber s nach r gern als sch ausgesprochen, was im
südlichen Teil von Südhessen nicht der Fall ist:
War es fest?
heißt im Norden:
Wår'š fesd?
dagegen im Süden:
Wår's fešd?
An folgendem Kernsatz kann man erkennen,
aus welcher Ecke einer kommt:
Ich habe Lust auf einen großen
Hefekuchen.
heißt in den Kreisen
GG-Nord, DA-West, OF:
Ich hon Lusd uff / off en große
Heewekucche.
GG-Süd:
Ich hon Luschd uff / off en große
Heewekucche.
HP-West:
Ish hen Luschd off en grouße
Häiwekucche.
DA-Ost:
Ish häbb/hon Lusd uff en grouße
Häiwekucche.
ERB, HP-Ost:
Ish häbb Luschd uff en grouße
Häiwekucche.
alemann. - alemannisch
hd. hochdeutsch
hess. hessisch
mda. mundartlich
mhd. mittelhochdeutsch
nd. niederdeutsch |
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