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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Papa und MamaVergleich der Verwandtschaftsbezeichnungen |
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3. Lallwörter und künstliche Bildungen |
1. StatistikUntersucht wurden Wörter in 266 Sprachen und Dialekten mit der Bedeutung 'Vater, Mutter'. Dabei hat sich herausgestellt, dass 129mal die Silbe бa für 'Vater', und 155mal die Silbe ma für 'Mutter' verwendet wird. Dazu kommen die Varianten дa (77mal) und na (25mal). Die idg. Bildungen *pətēr (54mal), *mātēr (66mal) sind in diese Zählung eingeschlossen. Sie dürften mit zur Bevorzugung dieser beiden Silben beigetragen haben. Die Wörter für *Vater' enthalten hauptsächlich Verschlusslaute (Muster πa), die für 'Mutter' hauptsächlich nasale Fließlaute (Muster ʍa). Neben den einfachen Silben πa und ʍa treten noch die Erweiterungen durch Vokalvorschlag (aπa, aʍa) und Reduplikation auf (πaπa, ʍaʍa), dazu die Grundsilbe ai .
2. Uralte LallwörterDas sind die einfachsten Silben, die ein kleines Kind hervorbringen kann. Merkwürdig ist allerdings, dass die Verschlusslaute hauptsächlich für den Vater, die nasalen Fließlaute hauptsächlich auf die Mutter angewendet werden. Hier scheint es sich also um ererbte Sprachmuster zu handeln, die weit in die Vergangenheit zurückreichen, in eine Zeit, als die Menschen das Sprechen lernten. Dabei ist allerdings zu bedenken: Dass jeder Mensch von einer Frau geboren und aufgezogen wurde, hat man immer gewusst. Die Erkenntnis, dass wir auch einen Erzeuger haben, kann noch gar nichts so alt sein, da einige Intelligenz dazu gehört, den Zusammenhang zwischen Zeugung und Geburt zu erkennen. Der Erzeuger wohnte ursprünglich vielleicht gar nicht im Haus der Mutter und kam nur auf Besuch. Die maßgebenden Männer in der Familie waren wohl eher die Brüder der Mutter, so anscheinend noch in einigen heutigen Kulturen. Erst seit der Entdeckung des Erzeugers wurde ein Wort für 'Vater' notwendig. Die Wörter aбa , бaбa / aдa, дaдa 'Vater' sind also wohl erst relativ spät entstanden, u. zw. in deutlicher Differenzierung zu ama, mama / ana, nana 'Mutter'. Nur die Wörter für 'Mutter' können also Überreste einer Ursprache sein. Dabei wird es auch in ganz früher Zeit so gewesen sein wie heute, wenn ein Kind sprechen lernt: Es versucht von sich aus Laute nachzuahmen, die die Erwachsenen von sich geben. Die Mutter hat ihre Vorstellungen, wie sie genannt werden möchte und spricht diese Silben dem Kind besonders oft vor, so dass sich beim Kind etwa mit Mama die Vorstellung von dem Menschen verbindet, der sich regelmäßig um einem kümmert. Um ma sagen zu können, braucht es keinen ausgebildeten Sprechapparat und kein besonderes Sprachzentrum im Gehirn. Angeblich können sogar Menschenaffen diese Silbe hervorbringen. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass die Silbe ma 'Mutter' zu den ältesten Wörtern der menschlichen Sprache gehört. 3. Lallwörter und künstliche Bildungen
Wie die
idg. Vokabeln
*pətēr, *mātēr
zeigen, hat die Erkenntnis von der Rolle des Vaters zu
einer völligen Umgestaltung der Stammesgesellschaft geführt, die eine
neue, künstliche Nomenklatur notwendig machte. Ähnlich muss ich es auch
bei manchen komplizierten Bildungen aus anderen Sprachen annehmen, die
ich aber mangels genauerer Kenntnisse nicht erklären kann.
4. Sonderfällea) Vertauschung von Wort und BedeutungIn einigen Sprachen sind die gängigen Wörter für die Elternteile vertauscht:
Auch in Einzelfällen erscheint das eine oder andere Wort in der falschen Spalte:
b) ParallelbildungenManchmal auch die Wörter für beide Elternteile ähnlich gebildet:
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Begriffe: Familie | Verwandtschaftsbezeichnungen |
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Datum: 2005 Aktuell: 29.03.2011 |
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