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Gliederung
Unsere Heimat
im frühen Mittelalter
Römer
Alemannen
Burgunder
Franken
Frühe Christen
Unbekannte Siedlungen
Wüstungen
Vororte und Teilsiedlungen
Umbenennungen
Unverständliche Namen
Frauennamen
Keltische Spuren
noachitische Namen |
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Nicht alle Siedlungsnamen sind auf Anhieb so
leicht zu verstehen wie Crumstadt 'krumme Statt, Stätte an der
Krümmung' oder Nordheim 'Heim im Norden'. Andere wie Bürstadt
oder Leeheim erschließen sich nicht gleich auf den ersten Blick und
geben auch Fachleuten harte Nüsse zu knacken. Wer sich aber die Mühe
macht, sich eingehender damit zu beschäftigen, dem erschließt sich nicht
nur die Bedeutung der Namen, sondern er erfährt auch eine ganze Menge über
die Geschichte.
Eine zusammenhängende
Geschichte der Bewohner unserer Heimat lässt sich erst seit etwa 500
schreiben. Kurz vorher hatten die Franken einen entscheidenden Sieg über
die Alemannen errungen. Sie besetzten in den folgenden Jahrzehnten auch das
Land zwischen Rhein, Main und Neckar. Seitdem gab es in unsrer Gegend
keine weiteren dramatischen Völkerverschiebungen mehr. Auch wenn in der
Folgezeit größere Gruppen zuwanderten, so passten sie sich an und gingen
in der einheimischen Bevölkerung auf. Davon zeugt unsere Mundart, die sich
aus dem fränkisch-alemannischen Mischdialekt des 5er-Jahrhunderts weiter
entwickelt hat.
Vor 500 dagegen muss hier das
totale Chaos gewesen sein. Die Alemannen hatten sich seit 250 in Südhessen
niedergelassen, nachdem sie die römischen Truppen und Behörden über den
Rhein vertrieben hatten. Das hinderte aber römische Zivilisten nicht,
weiter im Land zu bleiben als Handwerker, Bauern und Händler. Der römische
Steinbruch auf dem Felsenmeer blieb auch im 3er-Jahrhundert in Betrieb
und die Römer leiteten sogar in dieser Zeit noch die Weschnitz nach Westen
ab, um einen Wasserweg für ihre Steintransporte zu haben. Dennoch ging es
in dieser Zeit nicht friedlich zu. Denn Römer und Alemannen lieferten sich
ständig blutige Schlachten auf beiden Seiten des Rheins.
Um 400 änderten sich die
Verhältnisse vollkommen. Von den Hunnen aus Osteuropa vertrieben, drangen
ostgermanische Stämme in mehreren Schüben über den Rhein und verheerten
Gallien. Ihnen folgten die Hunnen, welche schließlich 451 von einem
römisch-germanischen Heer vernichtend geschlagen wurden.
Mit diesen Ostgermanen kamen
auch die Burgunder und ließen sich im heutigen Rheinland-Pfalz nieder. Sie
hatten vorher östlich des Odenwalds im Bauland und Taubertal gelebt und
schon mehrfach versucht, nach Westen zu wandern. Ihre Aktivitäten haben
anscheinend schon im 4er-Jahrhundert den alemannischen Einfluss in
Südhessen nachhaltig gestört, viele Alemannen nach Süden ausweichen lassen
und damit fränkischen Siedlern einen Anreiz gegeben, sich in unsrer Heimat
niederzulassen.
Das wissen wir nicht nur aus schriftlichen
Überlieferungen, sondern das können wir auch aus den alten Siedlungsnamen
erkennen:
Obwohl es in Südhessen schon in römischer Zeit eine ganze Menge von
Siedlungen gab, und obwohl die Alemannen einen Teil der römischen Höfe und
Städte weiter bewohnten, sind uns doch nur wenige römische Namen
überliefert:
- Lopodunum = Ladenburg, die Hauptstadt der
Civitas Sueborum Nicretorum 'Landkreis der Neckar-Sweben'
- Vicus V(etus) = Dieburg-Altenstadt, die
Hauptstadt der Civitas Auderiensium 'Landkreis der Auderier'
- Nemaningenses = Leute von der Mömling, eine
Truppeneinheit in Obernburg.
Davon hat allein Ladenburg (alt: Lobedenburg) seinen alten Namen
behalten.
Die Alemannen haben die alten Orte neu benannt, wenn auch ab und zu in
Anlehnung an ältere Namen:
- Seligenstadt hieß 819
Ober-Mühlheim und wurde kurz darauf von Einhard, dem Sekretär Karls
des Großen, in Saligunstat 'zur seligen/ glücklichen Stätte'
umbenannt. Einhard verbrachte dort seinen Lebensabend. Möglicherweise
konnte er aber auf einen Zweitnamen des Ortes zurückgreifen, der so
ähnlich wie "Seligenstadt" klang und auf ein romanische salige
'Salweide' zurückgeht. Einhard hätte also den Namen des alten
'Weidenorts' als 'glücklichen Ort' umgedeutet. Archäologische Funde
zeigen übrigens, dass Seligenstadt seit der römischen Zeit bis heute
ununterbrochen bewohnt war.
Wahrscheinlich stammt also der phantasielose Name Ober-Mühlheim
von einer staatlichen Siedlungsaktion der Merowinger, als eine
fränkische Familie beim alten Seligenstadt eine Mühle gründete.
- Auch die Namen von Darmstadt und
Groß-Umstadt (alt: Darmundestat,
Autmundistat) scheinen in die alemannische Zeit zurückzugehen. In
beiden Städten wurden alemannische Funde gemacht.
Autmund war zwar ein Personenname, in diesem Fall scheint aber
der Name einen anderen Ursprung zu haben: Aut- erinnert an die
Dieburger Auderier, die Bewohner des Aud...-Landes, von
dem auch der Odenwald seinen Namen hat. -mund- ist
keltisch monedon, romanisch monte 'Berg'. -stat ist
noch allgemein 'Stätte, Ort', nicht 'Mittelpunktgemeinde'.
Ähnlich ist der Name von Darmundestat zu erklären: Dar-
ist ein keltisches Wort für 'Eiche', -mund- bedeutet 'Berg' und -stat
'Ort'.
Beides scheinen also alte Geländenamen zu sein.
- Auch Bürstadt und
Bobstadt (Bisistat, Babestat)
werden in die alemannische Zeit zurückgehen. Bise bedeutet im
Althochdeutschen und in der Schweiz 'Nordwind' und bezeichnet hier wohl
einfach die Himmelsrichtung. Die "Nordwindstätte" Bürstadt hebt sich
damit aber deutlich vom nahe gelegenen "Nordheim" mit seinem fränkischen
Namen ab.
Dann aber trägt auch Bobstadt einen alemannischen Namen,
abgeleitet vom Personennamen Bab, der auch im Namen von
Babenhausen zu erkennen ist. Dieser Ort
setzt aber ein älteres Babingen fort, das ebenfalls alemannisch
sein könnte.
- Auch der Name von Dieburg scheint
alemannischen Ursprung zu haben: althochdeutsch di(w)o > die
'unfreier Knecht' + burg = 'Römerstadt': Nach 250 wohnten immer
noch Römer in den Überresten von Vicus Vetus, jetzt aber nicht
mehr als Herren, sondern als di(w)a 'Knechte'.
Aus alemannischer Zeit stammen also wohl die alten Namen auf -stadt
und -burg, wobei zu bedenken ist, dass ja auch später noch Namen
mit diesen Gliedern gebildet wurden (z.B. Riedstadt, Hainburg erst
nach 1970).
Dass die Burgunder auch auf unsrer Rheinseite waren, beweisen
burgundische Gräber bei Lampertheim. Es gibt aber auch überraschend viele
Siedlungsnamen, die an die Burgunder erinnern, auch wenn vieles unklar ist
und anders erklärt werden kann:
- Viernheim kann zwar auch von keltisch
vernos 'Erle' oder althochdeutsch firni 'alt' (vgl.
fern) kommen. Eher denkt man aber an einen Personennamen, z.B. an
den burgundischen Mundschenk Fjörnir 'der Alte' aus der Edda.
- Einhausen hieß ursprünglich nur
Hausen und könnte mit einem 983 erwähnten Rara identisch
sein. Im Gotischen hieß 'Haus' nicht hus oder ähnlich, sondern
razn (mit stimmhaftem /s/). Dazu gehört mit andrer Endung rasa
'Haus', das genauso zu Rara werden konnte wie germanisch wâsum
zu deutsch (wir) waren. Im Deutschen gibt es nur das Wort Rast
mit abgewandelter Bedeutung. Ist Rara = Hausen ein
ostgermanischer Name?
Nach traditioneller Meinung
haben die Franken Orte auf -heim gegründet, die Alemannen dagegen
Orte auf -ingen.
Das stimmt in unsrer Gegend
allerdings nicht. Denn Bessungen (alt:
Bezcingon) ist nach Ausweis archäologischer Funde eine fränkische
Gründung vom Ende des 4er-Jahrhunderts, Suntilingen =
Gundernhausen wohl sogar eine
niedersächsische, gegründet von Leuten aus dem Süntel-Gebirge, die 804 von
Karl dem Großen zwangsumgesiedelt wurden. Viernheim dagegen könnte
auch schon von den Burgundern gegründet worden sein, wie wir oben gesehen
haben.
In der Regel ist es aber richtig, dass die Orte auf -heim von
Franken gegründet wurden. Wir müssen hier aber unterscheiden zwischen:
- den klassischen Namen, gebildet mit einem Personennamen, z.B.
Bensheim (alt: Basinsheim zum
Personennamen Basîn), Biebesheim
(alt: Buosinesheim zum Personennamen Buosîn), beide mit
Umlaut und der zwischen 500 und 700 beliebten Endung -în (mit
langem /i/).
- Namen mit einer leichtverständlichen Sachbezeichnung wie
Nordheim, Seeheim, Altheim.
- Namen mit nicht ohne weiteres verständlichen Namengliedern wie
Habitzheim, Reinheim.
Die Namen der Gruppe 3 stammen
aus dem Mittelalter und greifen wohl auf ältere Flurnamen zurück. Die
Namen der Gruppe 1 mit sehr altertümlichen Personenamen dürften teilweise
noch in die Zeit vor 500 zurückgehen.
-
Gruppe 2 dagegen sieht mehr
nach einer planmäßigen staatlichen Siedlungsaktion aus mit genauso
phantasielosen Namen (Altheim, Nau- = Neuheim, Ostheim, Nordheim)
wie bei unseren modernen Schöpfungen Modautal, Fischbachtal,
Mossautal usw. Davon zu unterscheiden sind Namen wie
Rohrheim (im Rohr = Ried),
Seeheim (an einem See),
Griesheim (an einer Düne; Grieß
'Sand'), die wohl etwas älter sind. Der fränkische Friedhof von
Griesheim beginnt ziemlich genau mit dem Jahr 500.
Die Toten auf dem Griesheimer Friedhof sind von Anfang an mit dem
Gesicht nach Osten, also auf christliche Art beigesetzt. Wenigstens die
Gründer des Ortes werden also Christen gewesen sein. Wir erinnern uns: 498
ließ sich Chlodwig, der Gründer des fränkischen Reiches, taufen. Damit
begann die Christianisierung eines ganzen Volkes, die sich allerdings noch
bis ins 7er-Jahrhundert hinzog. Der Griesheimer Friedhof ist ein schönes
Beispiel dafür: In seinen nach Osten ausgerichteten "christlichen" Gräbern
finden sich immer wieder auch heidnische Beigaben, ja sogar Christliches
und Heidnisches gemischt.
- Ein frühes christliches Denkmal wurde in
Goddelau gefunden: ein mit christlichen Symbolen geschmückter
Grabstein einer Remico und ihrer Kinder aus der Zeit um 500.
Christlich scheint auch der Name des Ortes zu sein: 834 in terminis
Gotalohono 'in den Grenzen der Gotalohen', wobei -lôhôno
Genitiv Plural von lôho ist und wahrscheinlich 'der nassen
Wiesen' bedeutet. Gota dagegen ist unser Dialektwort Gote
'Patin' (eigentlich: "Mutter in Gott"). - Das männliche Gegenstück, den
Petter finden wir bei Worms im Namen von Pfeddersheim.
Noch in unsrer Zeit kann "die Gote" oder "der Petter" den Namen
ersetzen. War die christliche Remico die "Gote" von Goddelau?
- Dazu gehört auch der Name von Götzenhain,
dem ein älteres Gotzfeld = Göttesfeld zugrundeliegt. Dahinter
stecken weder der spätmittelalterliche Name Götz noch das
spätmittelalterliche Wort Götze (ursprünglich: 'Heiligenbild'),
sondern das heidnisch-germanische gudja 'Priester', das im
Deutschen zu Götte 'christlicher Pate' wurde.
- Arheilgen (alt: Araheiligon)
lässt auch einen Laien einen religiösen Hintergrund vermuten. Die alte
Arheilger Kirche war dem heiligen Kilian geweiht, einem irischen
Wanderprediger, der den Herzog von Würzburg bekehrt und mit zwei
Gefährten den Märtyrertod erlitten hatte. Vielleicht erinnert der Name
von Arheilgen an diese wandernden "heiligen" Glaubensboten: zu
westgermanisch âr 'Bote', Plural âra, also Araheiligon
(Dativ Plural) 'zu den Botenheiligen'.
- Die Leeheimer Kirche dagegen ist dem heiligen Alban geweiht, einem
Mainzer Märtyrer. Vielleicht leitet sich der Name von
Leeheim ab von althochdeutsch hlewo,
später einfach lê 'Erdhügel, auch: Grabhügel': Lag auch hier ein
"Heiliger" begraben, den man später mit dem bekannteren Alban
verwechselte?
Manchmal werden in alten Urkunden Siedlungsnamen erwähnt, die heute auf
keiner Landkarte zu finden sind, nämlich
das sind verlassene Siedlungsplätze wie das Allmendfelder
Frankenfeld (alt Frenkenfeld, wohl
nicht zu dem Stammesnamen, sondern zu pfrengen 'einzwängen,
einfriedigen'), ein Hof, der im 16er-Jahrhundert aufgegeben und nach dem
1. Weltkrieg wieder neu gegründet wurde.
Andere gingen bei Katastrophen zugrunde wie
Lochheim bei Biebesheim oder
Herulfesheim und Poppenheim bei
Erfelden. Die drei Orte gingen im Rhein unter.
Seilfurt bei Rüsselsheim brannte 1476 ab und wurde nicht wieder
aufgebaut. Hüppelnheim bei Lengfeld wurde
1504 im Krieg zerstört. Heute steht dort nur noch eine Mühle.
Namen anders geschrieben
Hier wissen wir genau, dass diese Orte zerstört wurden und dass es sie
heute nicht mehr gibt. Aber auch bei anderen müssen wir annehmen, dass sie
nach einem Krieg eine Zeitlang unbewohnt waren, bevor sich dort wieder
Menschen niedergelassen haben. Aktenkundig ist davon nichts; wir können
das nur daraus erschließen, dass sich auf einmal der Name geändert hat.
- Ein schönes Beispiel dafür ist Gadernheim,
das ursprünglich Geidenheim hieß, mundartlich Gaarene. Im
15er-Jahrhundert wird die Schreibung unsicher. Mal schrieb man
Geidenau, mal Gadern und seit 1605 Gadernheim. Diese
merkwürdige Unsicherheit lässt sich nur dadurch erklären, dass der Ort
eine Zeitlang unbewohnt war (wohl im selben Krieg wie Hüppelnheim
zerstört). Die Menschen, die in ihn zurückkehrten, kannten zwar noch den
Namen, wussten aber nicht mehr, wie man ihn schreibt.
- Ähnlich wird es in Hähnlein gewesen
sein, das 1333 Hennechen bzw. 1405 Hennech, heute Hehne
heißt: zu althochdeutsch hegin > hen 'mit Hecken eingefriedeter
Platz'. Daran wurde die Anfügung -eche gehängt: Hen-eche
'ein Platz, wo Einfriedigungshecken wachsen'. Das ganze wurde 1333 noch dekliniert und mit der Endung -en versehen:
Henn-ech-en 'an einem Platz, wo Einfriedigungshecken wachsen'.
Das war den Bewohnern doch zu kompliziert; sie blieben beim einfachen
Hennech, woraus heutiges Hehne geworden ist. Dann kam 1504
(!) jemand auf die Idee, das müsste doch Heyn-chen 'kleiner Hain'
heißen. Ein süddeutscher Schulmeister wollte es noch besser machen und
schrieb 1578 Hainle, Hainlin mit süddeutschen
Verkleinerungssilben. Da inzwischen das benachbarte Hain zu
Hahn geworden war, wollten die Hehner nicht zurückstehen und
bildeten 1640 Hänlein. Das lässt sich doch nur so verstehen, dass
da im 15er-Jahrhundert Leute am Werk waren, die keine Ahnung hatten,
Zugezogene. Und es gab niemand, der sie korrigieren konnte, weil der Ort
ausgestorben war.
die entweder nie selbständig
waren oder später in benachbarten Orten eingemeindet wurden. Letzteres
haben wir ja in den siebziger Jahren bei der Gebietsreform erlebt.
Ähnliches gab's auch schon früher; z.B. ging Bessungen 1888 in
Darmstadt auf und erscheint heute kaum noch auf einer Karte. Einhausen
wurde 1937 aus Groß- und Kleinhausen zusammengelegt,
Rai-Breitenbach 1858 aus Raibach
und Breitenbach.
Umgekehrt kam es auch
vor, dass weit auseinander gelegene Siedlungen in mehrere selbständige
Teile zerfielen, wie es bei den meisten Groß-/ Klein-, Ober-/ Nieder-Orten
der Fall ist. Bei Reichelsheim wird 1321 der Ort Gumpen erwähnt,
der schon aus den Teilen Nieder- und Obergumpen besteht
(heute: Groß- und Klein-Gumpen). Von letzterem wurde 1827
Ober-Klein-Gumpen abgetrennt. Heute gehört alles
zu Reichelsheim.
Aber auch schon in alter Zeit
gab es Siedlungen, die nicht selbständig, sondern Teil eines größeren
Ganzen waren. Dazu müssen wir wissen, dass es im frühen Mittelalter nur
wenige geschlossene Ortschaften gab. Die Menschen wohnten vielmehr auf
verstreuten Einzelhöfen. Diese trugen zwar wie heute eigene Namen,
gehörten aber zu einer großen Gemarkung, die von einem zentralen Ort oder
Hof aus verwaltet wurde. Ein solcher Einzelhof war z.B. das alte
Frenkenfeld, das schon 1166 erwähnt wird, oder
Geroldeshûsa (Einzahl) in der Pfungstädter
Gemarkung (1011). In Dossenheim gab es 801 ein
Bernhardteshûsun (Mehrzahl). Viele
dieser Teilsiedlungen lassen sich heute nicht mehr identifizieren, weil
sie im Weichbild des größer gewordenen zentralen Ortes verschwunden sind.
Bei Mühlen
ist es heute oft noch so, dass sie nach ihrem jeweiligen Besitzer benannt
werden. Die Neumühle am Westende von Pfungstadt heißt im Volksmund
nach ihrem Besitzer Zehe-Mühl. 1854 wird in Pfungstadt eine Mühle
erwähnt, die gleichzeitig Clöschesmühle, Appelsmühle und
Hextorsmühle heißt.
Wir müssen annehmen, dass in
früher Zeit auch viele Einzelhöfe mit dem Besitzer ihren Namen wechselten.
Wir haben oben Suntilingen kennen gelernt, das in karolingischer
Zeit in Gundernhausen umbenannt wurde, nach einem adeligen
Grundbesitzer Gunterât. Leutershausen
hieß 877 einfach Hûsa, 897 dagegen Liutereshusen nach einem
geistlichen Grundbesitzer Liuthêre. Mit anderen Orten im
Bergsträßer Raum wird 803 Bettenheim erwähnt, das nichts anderes
sein kann als das heutige Beedenkirchen
(Namensänderung nach dem Kirchbau). Wolfskehlen
hieß 1002 Bibiloz, später Nieder-Biblis und erhielt seinen
heutigen Namen nach einer dort ansässigen Adelsfamilie. Einen Doppelnamen
führt heute noch Hering = Otzberg, wobei das Städtchen und der Berg
Hering, die Feste und die Verbandsgemeinde Otzberg heißen.
In diesen Fällen sind die
Namensänderungen historisch belegt oder wenigstens einleuchtend. In
anderen Fällen dagegen kann man nur Vermutungen anstellen, so zum Beispiel
dass Rara = Einhausen. 782 wird ein Hof
(lateinisch villa) Oncular erwähnt, von dem ich vermutete,
dass das der alte Name von Crumstadt ist.
Der Name kommt aus dem Lateinischen (Uncularium 'Hakenort') oder
Keltischen (ongl- 'krumm' + lâros 'Grund und Boden'),
erinnert also nicht nur an den heutigen Namen des Ortes, sondern auch an
die 1423 erwähnte Engelstat (an der Modaumündung, vielleicht zum
"Angel"haken) und an den Kammerhof bei
Leeheim (865 villa Camben, zu keltisch cambos 'krumm').
Die Namen von Rohrheim, Nordheim, Einhausen oder Crumstadt
verstehen sich von selbst. Bei anderen wie Leeheim (althochdeutsch
hlêwo, lê 'Grabhügel'), Pfungstadt
(althochdeutsch pfung 'Geldbeutel', vielleicht Ansiedlung eines
Kaufmanns) oder Handschuhsheim
(Lehensverleihung durch Übergabe eines Handschuhs oder nach einem benannt,
der nach seiner Mode "Handschuh" hieß) kommen wir mit Hilfe eines
Wörterbuchs oder einem bisschen Nachdenken auf die Bedeutung. Manche Namen
dagegen erweisen sich als harte Nüsse, die sich nicht so einfach knacken
lassen:
- Biblis (alt Bibiloz) hat die
Endung -iss wie in Hornisse < hornuz. Aber was ist
bibil? Davon lässt sich wiederum die Endung -il abtrennen
(vgl. Hebel, Stempel 'etwas, was hebt, stampft'). Das
übrig gebliebene bib- kann eigentlich nur mit beben
zusammenhängen: 'etwas, was bebt' - vielleicht ein verschollenes Wort
für 'Schilf' oder 'Ried'. Dazu passt nicht nur griechisch býblos,
bíblos 'Papyrus', sondern auch die Namen Rohrheim und Ried.
Biblis ist in Südhessen ein häufiger Flurname und kommt auch in
den verschollenen Ortsnamen Nieder-Biblis = Wolfskehlen und
Alten-Biblis (unbekannt, vielleicht bei Groß-Rohrheim) vor.
- Wasser-Biblos (auch Wasserhof)
bei Crumstadt hieß 764 Wassen Bibeloz, wohl eine ehemals
verdeutlichende Zusammensetzung mit einem anderen untergegangenen Wort,
das die Schweden als vass 'Schilf' erhalten haben, also etwa
"Schilfen-Ried". Dieses Wort ist wiederum abgeleitet von germanisch
wat- 'feucht' (englisch wet, österreichisch wass). Im
13er-Jahrhundert ist auch Wachsen- und Waschen-Bibeloß
überliefert, wohl von ortsfremden Notaren, die den Namen nur nach dem
Gehör schrieben. Die Bewohner selbst blieben seit 1200 Jahren bei <ss>,
ein Zeichen, dass der Hof seit 764 ununterbrochen besiedelt ist.
Heutiges Wasser- erinnert zwar an die Flüssigkeit, hat aber wohl
nur die starke Endung von wass, so wie man ja auch "Schilfer
Ried" sagen könnte.
- Lorsch (786 Laurissa, später
Lorse). Da man zur gleichen Zeit schon Rorheim neben dem
altertümlichen Raureheim schrieb, wird man tatsächlich 786
[Lohressa] (mit Ton auf dem langen /o/) gesprochen haben. Der Name
könnte wie der von Lorch im Rheingau (alt Lauriacum) vom
römischen Personennamen Laurus kommen. Nun heißt der Ort aber
seit 764 jahrhundertelang auch Lauresham (nicht zu Heim,
sondern zu Hamm 'Ufer'), so dass wohl eher ein keltischer
Flussname zugrunde liegt (vgl. irisch leor 'genügend, reichlich').
- Trebur (alt Tribur- mit
verschiedenen Endungen) erinnert an das keltische Trefor auf der
Insel Anglesey bei Wales: zu cymrisch tref (sprich [trew]),
irisch treb 'Wohnung', urverwandt mit deutsch Dorf.
- Messel (800 Masilla) ist ein
alter Flussname wie in römisch Mosa 'Maas' und Mosella
'Mosel', vgl. auch das Odenwalddorf Mossau und das französische
Marseille (alt Masalla, Massilia). Der Messeler
Mörsbach ist verunstaltet aus Miuesbach (800 Meuuuesbach
geschrieben), also eine Variation des Flussnamens.
Die unterschiedlichen kurzen Vokale entspringen nicht der Dummheit oder
Phantasie der Schreiber, sondern dahinter steckt ein System: Vor 2500
Jahren hießen die Wasserläufe Mus-, daraus machten die Kelten im
einheimischen Dialekt Mos-; so hörten es auch die Römer. Bei den
Germanen wurde daraus Mas- mit dumpfem /a/. Bei Masilla
wurde die Verkleinerungssilbe -illa dran gehängt, so dass
schließlich ganz regelmäßig aus dem /a/ der Umlaut /e/ wurde. Nach den
neuen Rechtschreiberegeln müssten wir heute Mässel schreiben, mit
/ss/, weil es ja ein kurzer Vokal ist.
Miues- müsste regulär heute Mies- oder Meuesbach
heißen und steht im selben Ablautverhältnis wie althochdeutsch biugan
/ gibogen = biegen (beugen) / gebogen.
Das Wort mus, das dahinter steckt, kannten auch unsere
germanischen Vorfahren. Sie machten daraus althochdeutsch mos
'Sumpf, Moospflanze', heute Moos.
Heute wird oft die Ansicht
vertreten: In früheren Jahrhunderten galten die Frauen nichts. Da hatten
nur die Männer das Sagen. Bei meiner Namensforschung bin ich aber auf
Beispiele gestoßen, dass Ortschaften nach Frauen benannt wurden:
Dass
Goddelau nach einer
Gote 'Patin' benannt wurde, wurde bereits oben dargelegt. Schloss
Heiligenberg bei Jugenheim erinnert an
die Heiligen Felicitas und Perpetua, die dort oben in einem
Kloster verehrt wurden. Frau-Nauses bei
Höchst im Odenwald müsste eigentlich Frauen-Neusäß heißen und
gehörte dem Nonnenkloster Höchst.
In einigen Fällen kann man nur
an der althochdeutschen Endung erkennen, dass im Siedlungsnamen ein
Frauenname enthalten ist: Bickenbach hieß
874 Bicchumbach, Zotzenbach 877
Zozunbach zu den heute nicht mehr gebräuchlichen Namen Bicka
und Zotza mit der weiblichen Genitiv-Endung -un. Die
entsprechende männliche Endung lautete -en.
Bei
Heusenstamm (1210 Husenstam, 1211
Husilenstam) und dem untergegangenen
Hildenhausen bei Harreshausen (1248 Hildenhusin) kann man
nur noch ahnen, dass es sich um die mittelalterlichen Frauennamen Hûsa
bzw. Hûsila und Hilda handelt; die einst so vielgestaltigen
althochdeutschen Endungen sind inzwischen alle zu einem einheitlichen -en,
-in verschliffen, so dass man nichts mehr unterscheiden kann.
Wie die Menschen in
vorchristlicher Zeit in unserer Heimat gesprochen haben, weiß ich nicht.
Wir nennen sie zwar Kelten, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich
keltisch gesprochen haben, d.h. ähnlich wie die heutigen Iren, Schotten,
Waliser und Bretonen. Es ist mir aber gelungen, mit meinen bescheidenen
Keltisch-Kenntnissen ein paar Namen in unsrer Heimat ausfindig zu machen,
die sich aus den bekannten keltischen Sprachen erklären lassen.
Dabei ist zu
bedenken, dass keltische Namen genauso wenig aus keltischer Zeit stammen
müssen wie lateinische Namen aus römischer Zeit. Und zwar deswegen, weil
keltische Vokabeln unter der lateinischen Decke weiterlebten. Auf diese
Art und Weise haben einige landwirtschaftliche Fachausdrücke aus
vorrömischer Zeit sogar bis in die heutige Mundart überlebt, wie Brenk
'Bottich' (nicht lateinisch; Herkunft ungewiss) oder das keltische
Mock, Moog 'Mutterschwein', vgl. cymrisch moch 'Schweine'. Die
wüste Mockstadt (1350 Moxtat) bei
Alsbach ist also trotz des keltischen Worts wohl erst von germanischen
Bauern gegründet worden.
- Das römische Mainz hieß Mogontiacum,
nach einem inschriftlich bezeugten keltischen Gott Mogons und der
keltischen Endung -iacum.
- Worms trug zwar den römischen Namen
Civitas Vangionum 'Bürgerschaft der (germanischen) Wangionen'. Auf
die Dauer durchgesetzt hat sich aber der alte Name: "hochkeltisch"
Borbetomagos, im einheimischen Dialekt Wormatia, Guormetia,
mit dem keltischen Wort magos 'Feld' am Ende. Borbeto- war
wohl eine Gottheit. Ähnlich heißt die dritte der "drei Jungfrauen" im
Wormser Dom: (Embede, Willibede), Warbede.
- Ladenburg hieß ursprünglich
Lopodûnum, vielleicht zu einem Männernamen (lateinisch lupus
'Wolf') und keltisch dûnom 'Burg' (verwandt mit unserem Zaun
und englisch town 'Stadt').
Das wär's eigentlich schon, was
die Namen aus römischer Zeit anbetrifft.
Nun gibt's aber darüber hinaus
noch eine Menge Geländenamen, die aus dem Keltischen stammen könnten und
teilweise auch in Siedlungsnamen eingedrungen sind:
- Breuberg (um 1200 Bruberc) zu
cymrisch bru 'Bauch'
- Die Gersprenz und das Dorf bei
Reichelsheim hießen 786 Caspenze, richtiger nach späteren Belegen
Gaspenze. Der erste Teil ist cymr. ias [jas] 'gären,
sieden, sprudeln', verwandt mit althochdeutsch jesan > gären. Die
Entwicklung /j > g/ lässt sich auch an anderen Beispielen belegen. Der
zweite Teil ist cymrisch pant 'Tal'; das spätere -penze
ist wohl aus -pantia abgeleitet.
Später haben sich unter der Hand erst das erste /r/ und dann das zweite
/r/ eingeschlichen, vermutlich weil man immer geahnt hat, dass der Namen
mit gären zusammenhängt. Beim zweiten /r/ spielt wohl eine
Deutung auf sprenzen 'spritzen' an, so dass wir den Namen nach
Duden heute Gär-sprenz schreiben müssten.
- Den Namen der Modau (804 Muotdaha)
kann man genauso mit englisch mud 'Schlamm' erklären wie mit
cymrisch mudo [müdo] 'gehen'.
- Reinheim (1276/77 Rinheim)
wurde im 12er-Jahrhundert in der Gersprenzaue neu gegründet. Es gab
aber schon vorher in der Nähe eine alte Kapelle am Ende eines
lang gezogenen Hügels und wohl auch einige Häuser, die auf dem Gelände
der späteren "Vorstadt" standen. In Cornwall gibt es eine ähnlich
gelegene Ansiedlung am Ende eines lang gestreckten Hügels mit dem
keltischen Namen Penrhyn 'Kopf (pen) des Bergs (rhyn)',
so dass der erste Namensbestandteil von Reinheim wohl auch keltisch ist.
- Rossdorf liegt am Fuß des ehemaligen
Basaltkegels Rossberg und hat einen Bruder
in Oberhessen, der in der Nähe eines ähnlichen Basaltkegels mit einer
keltischen Festung (heute: Amöneburg) liegt. Der Nachbarort in
Oberhessen heißt Mardorf und erinnert an den Ober-Ramstädter
Namen des Berges: Måhrberg. Man kann natürlich alle vier Namen
mit zwei alten Wörtern für 'Pferd' in Verbindung bringen: Ross
und Mähre; eher wahrscheinlich ist aber eine Verbindung zu irisch
ros 'Vorgebirge' und mór 'groß'. Oder man hat den
Bergnamen ros auf 'Pferd' gedeutet und ihm eine Mähre zur
Seite gestellt.
- Die Tromm zu cymrisch trum [trüm],
irisch droim [drim] 'Rücken'
- Winterkasten (Wintercasten)
war 773 der Name der Neunkircher Höhe: zu altkeltisch vindos
'weiß', weil es dort oben im Winter am längsten "weiß" ist, und zu
cymrisch cest [kest] 'Kasten, Bauch', das auch in Bergnamen
vorkommt. Der Name lässt sich aber mit derselben Deutung auch deutsch
verstehen: Kasten ist nicht nur ein hohler Behälter, sondern auch
ein Quader, der in die Höhe ragt.
Es lassen sich noch einige andere Beispiele hinzufügen, die zum Teil
oben aufgeführt sind; insgesamt aber ist die Ausbeute bescheiden. Das ist
um so merkwürdiger, als man annehmen sollte, dass die wichtigsten Fluss-
und Bergnamen doch nicht erst von den Germanen gebildet wurden.
Tatsächlich kannten schon die Römer die Flussnamen Rhenus, Moenus
[Moinus], Nicer [Niker] 'Rhein, Main,
Neckar'. Zu diesen Namen finden sich zwar
Parallelen im Keltischen: altirisch rían 'Wellen, Flut, Meer'; ein
irischer Fluss Maoin und altirisch nig- 'waschen', aber es
ist eher anzunehmen, dass diese Namen nicht keltisch, sondern noch älter
sind. Tatsächlich lassen sie sich von den Wurzelwörtern rei
(griechisch rheî 'fließt'), mei (lateinisch meare
'gehen') und niğ (altirisch nig- 'waschen') ableiten, die
nicht nur in den genannten Ausdrücken, sondern in vielen europäischen
Sprachen weiterleben, z.B. rei auch in lateinisch ri-vus,
slawisch rje-ka, gotisch ri-nno 'Fluss, Bach', mit anderen
Endungen.
Diese Ausdrücke stammen nicht aus dem Indogermanischen.
Die Indogermanen waren meiner Meinung nach die
Streitaxtleute, die vor mehr als 4000 Jahren von Südrussland aus Ost-
und Mitteleuropa sowie den Orient überschwemmten und außer ihren
typischen durchbohrten und geschliffenen Steinäxten auch Pferde und
Streitwagen mit sich führten, ihre Fürsten unter hohen Grabhügeln
beisetzten und überall, wohin sie kamen, die patriarchalische
Gesellschaftsordnung durchsetzten. Es handelte sich wohl nur um eine
kleine Oberschicht, die bald mit der einheimischen Bevölkerung
verschmolz und dem schon damals bunten europäischen Völkergemisch ein
paar neue Farbtupfer aufsetzte. Sie haben darin nicht nur kulturelle und
technische Neuerungen eingebracht, sondern auch ihre Sprache. Aber nicht
wie die Römer, deren mittelitalischer Dialekt schließlich in ganz
Westeuropa gesprochen wurde, sondern wie die Normannen, die nach der
Eroberung Englands die rein germanischen Dialekte dieses Landes mit
einer Anzahl französischer Vokabeln würzten.
Die so genannten indogermanischen Sprachen Europas und Asiens sind also
keine Abkömmlinge von der Sprache der Streitaxtleute, sondern dem
jeweiligen Sprachgemisch der verschiedenen Gegenden entwachsen. Viele
Vokabeln, die man als "indogermanisch" bezeichnet, stammen wohl eher aus
den Sprachen der Vorbevölkerung, die wiederum ihre eigene Vorgeschichte
haben und erst vor mehr als 10.000 Jahren in eine gemeinsame
Grundsprache zurückführen, die ich noachitisch nennen möchte.
Sie ist nicht mehr in fertigen Vokabeln, sondern nur noch in den
Wortwurzeln greifbar.
Hier werden wir also wieder fündig, wenn wir nach Ortsnamen aus der
Zeit vor den Römern suchen. Dabei fällt auf, dass es weit gespannte
Parallelen in der ganzen Alten Welt gibt:
- Amorbach: zu einem noachitischen
Wort für 'Graben, Kanal' (griechisch amáre). Merkwürdig gut passt
dazu der Amur (Grenzfluss zwischen Russland und China).
- Der Euter- oder
Itterbach (773 Ivtra [Iutra] mit Zwielaut) verdankt seine
doppelte Namensgestalt einer unterschiedlichen sprachlichen Entwicklung.
Er ist der kleine Bruder des Nil, den die alten Ägypter j-t-r-w
'Fluss' nannten (die Vokale sind nicht überliefert). Dazu passt ein
Nebenfluss der Kongo: Ituri.
Wem das zu weit hergeholt ist, der möge sich vergegenwärtigen, dass auch
der Neckar (römisch Nicer und Niger) im
afrikanischen Niger einen großen Bruder hat oder dass der
biblische Berg Morija Geschwister im Odenwald hat, die Moret
bei Dieburg, der oben genannte Mohr- oder Rossberg
u.a.
Und wer's immer noch nicht glaubt, sei daran erinnert, dass ein "weißes"
Kalkgebirge in ganz Europa ähnlich heißt: Alpen,
Alb (neben dem Schwarzwald), Albion (keltisch für
die Insel Großbritannien), Albanien (neben Monte Negro
'schwarzer Berg'), ja sogar der Libanon (zu hebräisch laban
'weiß', das doch wohl irgendwie mit lateinisch albus 'weiß' verwandt
ist).
Möglicherweise steht aber der Itter- bzw. Euterbach doch
näher mit einem anderen Namen in Verbindung, nämlich mit dem des
Odenwalds. Hier herrscht nämlich ein
ähnliches Ablautverhältnis wie bei biegen/ beugen/ gebogen.
Berücksichtigen wir noch die verschiedenen Endungen -en und -er,
so kommen wir auf ein indogermanisches Wort, das uns am besten die alten
Hethiter erhalten haben: 'das Wasser' = watar, 'des Wassers' =
weténas. Wo ist aber beim Odenwald das anlautende /w/ hingekommen?
Genau dahin, wo auch das w von (Fisch-)Otter hingekommen ist: Es
fiel nämlich einer anderen Ablautreihe zum Opfer, die aus dem
indogermanischen wodar 'Wasser' ein udar 'Wassertier'
werden ließ.
Weiterhin sind noachitische Namen an gewissen gemeinsamen
Bildungselementen zu erkennen: Zum Beispiel enden eine Reihe alter
Bachnamen auf -ina:
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Behandelte Namen
Alb, Alpen
Altheim
Amorbach
Arheilgen
Babenhausen
Beedenkirchen
Bensheim
Bernhardeshûsun
Bessungen
Biblis
Bickenbach
Biebesheim
Bobstadt
Breuberg
Bürstadt
Crumstadt
Darmstadt
Dieburg
Dreckhausen
Einhausen
Euterbach
Frankenfeld
Frau-Nauses
Gadernheim
Geroldeshûsa
Gersprenz
Goddelau
Götzenhain
Griesheim
Gumpen
Gundernhausen
Hähnlein
Handschuhsheim
Heiligenberg
Herulfesheim
Heusenstamm
Hildenhausen
Hüppelnheim
Ilvesheim
Itterbach
Kammerhof
Klotzenhausen
Ladenburg
Leeheim
Leutershausen
Lochheim
Lorsch
Main
Mainz
Messel
Mockstadt
Modau
Mühlennamen
Neckar
Nordheim
Odenwald
Olfenbach
Pfungstadt
Poppenheim
Rai-Breitenbach
Reinheim
Rhein
Richer Bach
Rohrheim
Rossberg
Rossdorf
Seeheim
Seeheim
Seilfurt
Seligenstadt
Semme
Taubensemd
Trebur
Tromm
Umstadt
Viernheim
Wasser-Biblos
Winterkasten
Wolfskehlen
Worms
Zotzenbach |