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Überlieferung
Nebenform
Hauptform
Form
Andere Namen
Morija
Zion
Jebus
Ariel
Colonia Aelia Capitolina
'die heilige Stadt'
Namenserklärung von Jerusalem
Meine Erklärung
Herkömmliche Erklärungen
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hebr. (Gen 14,18: Ps 76,3) שלם
(Šálém)
griech. (Josephus Ant 1,10,2
) "Σόλυμα (Sólyma), das später
Jerusalem genannt wurde"
Nach Hieronymus soll es sich um eine andere Stadt
südlich vom See Genezareth gehandelt
haben.
- Amarna: Urusalim, assyrisch Uruslimmu
nabatäisch אורשלם (Ûrišalimu?), syr.
Ûrišlam
altarabisch أرىشلم (Urîšalim),
أرشلىم (Uršalîm)
-
hebr. ירושלם, seltener
ירושלים, nach späterer Tradition Jerûšála(j)im
gesprochen
jüd.-aram. Jerûšáläm
-
griech. Septuaginta Iερουσαλήμ (Ierūsalḗm), hellenistisch
Iεροσόλυμα (Iero- oder Hierosólyma). Das Neue Testament hat beide
Formen.
- lat. Vulgata: Hierusalem,
Ierusalem, Hierosólyma und Ierosolyma
- Anlautendes Û- < Wa- ist
die ältere Form von hbr. Je-, die übliche
Sprachentwicklung. Die Schreibungen mit Aleph, Alif (ohne Hamza) sollen
zeigen, dass der Name mit einem Vokal, nicht mit einem Konsonanten
beginnt.
Auch bei hbr. ירדן (Jardén)
und arab. الاردن (al-Urdunn)
'Jordan' entspricht hbr. Jod einfachem Vokalanlaut U- (Alif ohne
Hamza) im Arabischen.
-
Der zweite Vokal /u, i/ ist
wohl eher Bindevokal als Teil des Stammes.
- Die heutige hbr. Aussprache Jerûšálaijim
kennzeichnet den Namen als heilig.
Ähnlich die künstliche Differenzierung von
אדני adonî 'mein Herr'
(ursprünglich) und Adonáj 'der Herr = Jahwe'
(eigentlich Plural 'meine Herren')
-
Bei griechisch -sólyma steht Omikron für
Ḳámäṣ
(offenes /o/) und Ypsilon für /i/, also griech. [solima] = antik-hbr.
[ʃɔlimu].
Auch bei griech
Βαιτυλος (Baitylos) < phön.
בתאל *Baitilu (Euseb praep. evg.) entspricht griechisches Ypsilon semitischem
/i/.
- Der griechische Anlaut mit H- erinnert an ἱερός (hierós) 'heilig' und
beruht wohl auf einer jüdischen Umformung des
hellenistischen Namens.
kann ich erst versuchen, nachdem die anderen Namen behandelt sind.
-
Gen 22,2 Abraham soll zu ארץ המריה
(äräṣ ha-Morîjâ)
'dem Land Morija'
gehen und dort Isaak opfern auf einem Berg, den Gott nennen wollte. Der
Name wird in Vers 14 erklärt: "Jahwe wird sehen / sich ausersehen" (יראה
jarʔäh) oder "auf dem Berg, auf dem Jahwe sich sehen lässt" (יראה
jéráʔäh).
-
'2. Chr
3,1 Salomo baut den Tempel in Jerusalem auf dem
הר מוריה (har ha-Môrîjâ) 'Berg
Morija', wo Gott seinem Vater David erschienen war (נראה
nirʔáh,
zu ראה
ráʔôh
'sehen').
In der Genesis ist ha-Morîja ein Landesname und erinnert an
osemit. Amurru, sum. MAR.TU 'Westland, Syrien und Phönikien'
und den biblischen Volksnamen אמרי
(Ämorî) 'Amoriter'.
Der fragliche Berg ist etwas mehr als zwei Tagereisen von Abrahams Wohnsitz
bei Hebron entfernt (Luftlinie Hebron - Jerusalem: 30 km = 1 Tagereise,
Hebron - Samaria / Garizim 75 km = 2 ½
Tagereisen).
Erst in der späten Chronik wird der Berg
eindeutig mit dem Jerusalemer Tempelberg identifiziert, so auch Josephus,
bei dem Μώριον ὄρος
(Mṓrion óros) der Berg der Opferung Isaaks ist (Ant. I, 13, 1 f).
Die Rabbiner bringen die vermutliche Wurzel des Bergnamens,
ירה < ורי
(j-r-h < w-r-j) mit dem ersten Teil von
Jeru-salem zusammen. Sie greifen auch die biblische Erklärung auf als
יראה (jarʔäh)
'Er wird sich ausersehen' , die aber nicht haltbar ist. In
griechischen und lateinischen Namenserklärungen bedeutet Jerusalem dem entsprechend ὅρασις
εἰρήνης (hórasis eirḗnēs), visio pacis
'Schau des
Friedens'.
{Biblisch-historisches Handwörterbuch, S.
3121 (vgl. BHH Bd. 2, S. 823)}
Das Land Morija und der Schauplatz der
Opferung scheint also ursprünglich in Mittelpalästina gelegen zu haben, der
Berg könnte der Garizim bei Samaria sein. Erst in nachexilischer
Zeit wurde er mit dem Jerusalemer Tempelberg identifiziert.
wohl zu ציה
(ṣîjáh) 'Trockenheit'
Zion war ursprünglicher
Name der alten Burg (so genannte Davidsstadt) auf der Felsnase im
Südosten und im Zuge der Stadterweiterung auf den daran anschließenden Tempelberg
und die ganze Stadt übertragen, schließlich poetischer Name von Jerusalem.
war der Name der Stadt vor David (Ri 19,10 1. Ch 11,4). Weitaus häufiger
erscheint der Einwohnername
Wenn die obige Deutung von Zion als 'trockener Ort' richtig ist,
könnte Jebus eine ähnliche Bedeutung haben: eine Dialektvariante des
geläufigen Stadtnamens
- יבש (Jábéš), als Adjektiv 'trocken'
Die Dialektvariante ס /s/ für
ש /š/ ist Ri 12,6 bezeugt.
Dieser Ausdruck kommt im Alten Testament in unterschiedlicher
Gestalt und Verwendung vor:
-
אריאל، הראל
(arîʔél, harʔél)
in Hes 43
Das Wort bezeichnet hier den oberste Stufe des Brandopferaltars, auf dem
die Opfer verbrannt wurden. Der Altar bestand aus 3 Stufen, unten 8 m lang
und breit, und war 5 m hoch. Es handelt sich wohl um einen priesterlichen
Fachausdruck, der mit phönik. אור (ûru)
'Feuer', arab.
إرىة (ʔirujā) 'Feuerherd'
zusammenhängt.
Die Nebenform
(harʔél) deutet wahrscheinlich als 'Berg Gottes': Der riesige Altar
Hesekiels war ja eine Art künstlicher Berg.
-el könnte ein Bildungselement sein. Vgl. hbr.
כרם (käräm) 'Weinberg' und
כרמל (karm-äl) Baumgarten'. Die Schreibung אל
(-él) verweist aber auf das Wort für 'Gott' - wohl eine alte Deutung?
- אריאל
(arîʔél)
In Jes 29 ist Ariel ein Name von Jerusalem, vielleicht
zu verbinden mit dem Wort für 'Opferherd' bei Hesekiel: Wie die
Opferstätte der wichtigste Teil des Tempels war, so war der Tempel der
wichtigste Teil der Stadt.
- אראל
(ariʔél)
In 2. Sam. 23,20, 1. Chr 11,22 handelt es sich um einen
Personennamen oder Ehrentitel mit der Bedeutung 'Gotteslöwe', also nur
eine zufällige Namensgleichheit, die vielleicht die Vokalisierung der
anderen beiden Ariel beeinflusst hat.
Im ersten Jüdischen Krieg wurden Jerusalem
und der Tempel unter Führung des späteren Kaisers Titus 70 n. Chr. zerstört.
Kaiser Pius Aelius Hadrianus wollte dort 130 einen Tempel für den Jupiter
Capitolinus errichten lassen, was den 2. Jüdischen Aufstand auslöste
(132-135). Nach Niederschlagung der Revolte führte Hadrian seine Pläne aus und baute die Stadt als
römische Kolonie wieder auf mit dem Namen
- Colonia Aelia Capitolina 'die von Aelius Hadrianus gegründete
Stadt des Jupiter Capitolinus mit besonderen Privilegien'
Überlieferte Kurzformen waren
{Biblisch-historisches Handwörterbuch wie
oben und S. 333 (vgl. BHH Bd. 1, S. 60)}
Jerusalem ist seit dem Exil für die Juden, seit Jesu Kreuzigung für die
Christen und seit Mohammeds Gebet und Himmelsreise für die Muslime eine heilige
Stadt (erstmals Jesaja 52,1). Daher
- Ἱερόπολις
(Hierópolis) 'Heiligstadt' bei Philon (Flaccus 46)
Der geläufige arabische Name ist
- القدس
al-Ḳuds
< hbr. הקדש (ha-ḳodäš), syr.
ḳudšâ 'die Heiligkeit' ,
daneben das ältere
- بىت المقدس
Bait al-Maḳdis < hbr. בית המקדש
(bêt ha-miḳdáš), syr. bêt-maḳdešâ 'Haus des
Heiligtums, Tempel'
-
Die semitischen Sprachen haben zwei Varianten derselben Wurzel
*w-r 'leuchten, brennen', die das erste Glied von Jerusalem
ergaben:
Jerû- mit Waw > hbr. Jod zu arab.
ورى (warā) 'zünden'
Uri- mit Aleph (verhärteter konsonantischer Anlaut) zu hbr.
אור (ôr) 'leuchten, Licht', phönik.
(ûru)
'Feuer', osemit. urru 'Licht', arab.
أوّر
(ʔ-ww-r) 'anzünden'
-
Jerû- ist die hebr. Weiterentwicklung
aus *Wari-, eine substantivische Bildung wie לבוש
lebûš 'Kleidung'
Bedeutung etwa 'Feuerstätte' oder
'Opferstätte'.
-
hbr. שלם
(šálém) könnte der aus Ugarit bekannte Gott
Šalimu sein.
In den Texten von Ugarit sind Šaḥaru und Šalimu
zwei Sterngötter, wegen hbr. שחר šaḥar
'Morgenröte' gern auf den Morgen- und Abendstern gedeutet. Ob diese beiden
einen Kult genossen oder nur mythologische Personifikationen von
Naturerscheinungen waren, ist nicht zu erkennen und vor allem ungewiss, ob
Šalimu auch in der Gegend von Jerusalem bekannt war und welche Funktion er
dort hatte. Der Verweis auf den ugaritischen Gott, wie in vielen
Namenserklärungen von Jerusalem, ist etwas voreilig. Es
lassen sich noch nicht einmal aus dem Namen des Gottes Schlüsse ziehen.
Seinem Namen nach war er eher ein Beschützer des Gemeinwesens als die
Verkörperung einer Naturerscheinung: Der semitische Stamm
š-l-m bedeutet 'ganz, heil sein, vergelten, vollenden, Wohlergehen,
Hingabe, Art Opfer'. Welche Funktion eine Gottheit
hatte, ergibt sich nur in den seltensten Fällen aus dem Namen. Vielmehr
haben die Gläubigen diese Gottheit aus den verschiedensten Anlässen
angerufen und die Dichter die phantastischsten Geschichten über sie erzählt.
So gibt es kaum einen Gott, der sich mit wenigen Worten auf einen Nenner
bringen lässt. Die alten Götter waren wie wir Menschen komplexe
Persönlichkeiten.
Da wir von dem mutmaßlichen Namengeber der heiligen Stadt nur den Namen
-salem kennen, wissen wir so gut wie gar nichts über ihn.
Vor David hieß die Stadt - vielleicht nur
für kurze Zeit - Jebus. David hat anscheinend wieder auf den alten
Namen Jerusalem zurückgegriffen, der in damaliger Aussprache Jerušalimu
lautete.
Ein nicht ungewöhnliches
Verfahren. Worms hieß in keltischer Zeit Borbetomagos und bei den
Römern meist Vangiones. Der deutsche Name greift wieder in die
vorrömische Zeit zurück. Nachdem man in nachexilischer Zeit den
Namen Morija aus Gen 22 mit dem Jerusalemer Tempelplatz (und nicht etwa
mit dem Garizim) identifiziert hatte, konnte man die in diesem Namen
erkennbare Wurzel ורי (w-r-j) mit dem
Stadtnamen verknüpfen, deutete aber fälschlich auf ראה
(ráʔôh) 'sehen, ausersehen, erwählen'.
-
'Schau des Friedens'
die rabbinische Deutung
- 'Gründung des Friedens'
hbr. ירה (járôh)
1. 'werfen, schießen; benetzen;
einen Grund legen'. Wie die Formen im Hiphʕil
mit Waw zeigen (מורה môräh 'geworfen'),
ist hbr. Jod aus Waw entstanden - die normale hbr. Entwicklung. Zu
bedenken ist aber, dass die Bedeutung 'gründen' nur an einer Stelle (Hi
38,6) belegt ist, das macht diese Interpretation unwahrscheinlich.
-
'Stadt des Friedens'
wegen des anderen Anlauts kaum zu
hbr. עיר (ʕîr),
dessen Herkunft nicht geklärt ist.
Auch das sumerische uru 'Stadt' (auch Stadtname)
wird zur Erklärung herangezogen, kommt aber ebenfalls kaum in Frage.
Zur Gründungszeit von Jerusalem war der mesopotamische Einfluss in Kanaan
gering.
Diese sumerische Stadt heißt hebr.
אור (Ûr). Damit ließe sich allenfalls
die außerjüdische Namensform erklären, nicht die Formen mit Je-.
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