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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Siedlungsnamen zwischen Rhein, Main, Neckar und Itter

Lautgeschichte
der südhessischen Ortsnamen

Email:

1. Einleitung

a) Schreibung und Aussprache

b) Frühere Gepflogenheiten

2. Schreibarten

a) Selbstlaute

b) Mitlaute:

Lippenlaute

c) Zahn-  und Gaumenlaute

d) Rachenlaute

3. Rückschlüsse auf die gesprochene Sprache

a) Betonung

b) Selbstlaute

/ a / ä / o / ö / u / ü / i / e /

/ ai / au / iu / uo / ie /

c) Mitlaute:

Verschluss- und Reibelaute

d) Lippenlaute

e) Zahnlaute

f) Gaumenlaute

g) Rachenlaute

 

3. Rückschlüsse auf die gesprochene Sprache

b) Selbstlaute

i. Der Einlaut /a/

bleibt erhalten:

  • Offene Silbe

    • 805 Gadero > Gadern

  • Später geschlossene Silbe

    • 836 Arheiligon > 1225 Arheilgen

  • Später geöffnete Silbe

    • 1255 Waldau > 1568 Whalen > Wahlen

  • Geschlossene Tonsilbe

    • 779 Sahsenheim > 1367 Sassinheim > Sachsen

  • Geschlossene Nebensilbe

    • 805 Albenesbach > Albersbach

  • Ursprüngliche Endsilbe

    • 1213 Yazzah (falls nicht < -aha) > Jossa

Weit und eng
/a/ - /o/ː
  • Weitung [o > ɔ > a]

    • röm. Lopodunum > 765/69 Lobedenburg > Ladenburg

  • Fnhd. Engung [a > ɔ > o]

    • 1254 Babenhusen > 1410 Boben- > mda. [boːvə-]

Fnhd. Nasenlautung [am, an > ã > oː]

  • 1430 Nanrod > 1748 Non- > mda. [noːrət

 Verflüchtigung in der unbetonten Endsilbe
  • Verflüchtigung [a > ə]

    • 791 Auua > 1405 Auwe; 773 Vluena > 1443 Vlue

  • Schließlich Wegfall der Endsilbe [a > ə] > ø

    • 800 Masilla > 1308 Messele > 1454 Messel
      vgl. Pfungstadt > [phuŋʃt]

ii. Der Umlaut /ä/ = <e, ä>

Der Umlaut /a/ > /e/ vor /i, j/ ist fast allen germanischen Sprachen eigen:

  • ahd. gast / Mz. gesti = ags. g(i)est, anord. gestr
    aber got. gasts / Mz. gasteis

Er wird im Nhd. durch <ä> bezeichnet

  • gast / Mz. gäste

kommt aber in der Schrift nicht überall zum Ausdruck und fehlt anscheinend im Gotischen.

Umlaut vor /i, j/

[a > e]

  • 765 Basinsheim > 795 Besins-
    800 Masilla > 1088/1105 Mesela

 

iii. Der Einlaut /o/

bleibt erhalten:

  • Offene Silbe

    • 627 Otenuuald > 1012 Ottene- > heute Oden-

  • Später geschlossene Silbe

    • 1418 Dorndylle > heute Dorn-

  • Nachträglich geschlossene Tonsilbe

    • 1276 Bockißheim > 1407 Boxhem > heute Boxheimer Hof

  • Geschlossene Nebensilbe

    • 1238 Altloch

Weitung [u > o]

Mit Lippenlaut

  • wie nhd. puppe > mda. [bop]

  • 1220 Hufilheim > 1370 Hopphiln-

Mit Fließlaut

[ul > ol]

  • wie got. wulfs > ahd. wolf; nhd. schulze > mda. [ʃolts]

  • 773 Vluena > 1398/1400 Olffen

[ur > or]

  • wie nhd. kurz > mda. [khoRts]

  • 1307 Bernfurt > 1324 -forte

[ru > ro]

  • 1175 Cruzenburch > 1287 Crozen-

  • Altes [um, un] bleibt in der Mundart erhalten und wird in der Hochlautung > [on, om]:
  • wie ahd. sunna, sumar > nhd. sonne, sommer, aber mda. [sun, sumɝ]

  • um 1200 Sunderenbach > nhd. Sonderbach

 
Engung [o > u]
  • Mit Verschlusslaut

    • wie nhd. trocken > mda. [drugə]

  • mit Lippenlaut

    • 765 Pophenheim > 780/803 Phupfen-  [1]

  • mit Zahnlaut

    • 1303 Totenhofen > 1339 Dudin-

  • mit Rachenlaut

    • 1324 Bockerode > 1357 Bucke-

Schwächung der unbetonten Endsilbe
  • [o > e], gehoben > [i]

    • 897 Bibiloz > 1389 Bibles > 1507 Bibliß

  • [u > o]

    • 1262 Habuthisheim > 1321 Habots-

  • Endungen:
    • Standwortendung -o > gewandelt -en / ungewandelt -ø

      • 1095 Ameslabrunno > 1324 -brunnen > heute brunn

    • Standwortendung BF Mz. -ôno > -en

      • 773 Franconodal > 1558 Franckenthal

    • Beiwortendung -ero > -er

      • 829 Phungestetero > heute Pfungstädter

 

iv. Der Umlaut /ö, ë/ = <ö>

Hier muss grundsätzlich unterschieden werden zwischen

  • dem gehobenen /ö/, bei dem die Lippen ein /o/ formen, während sich der Zungenrücken unter Einfluss des ursprünglich folgenden /i, j/ zum /e/ hebt, wie bei ahd. bôsi > nhd. böse, und

  • dem gerundeten /ë/, bei dem der Zungenrücken zum /e/ gehoben ist, während die Lippen unter Einfluss eines benachbarten Lippenlauts ein /o/ formen, wie bei mhd. zwelf > nhd. zwölf.

Gehobenes /ö/

  • [ø] > entrundet [e] (> gehoben > [i])

    • 795 Morlenbach > 1283 Moeril- > heute Mörlenbach; 1376 Lymmerßböl > 1431 -puel > 1564 -spiel Gerundetes /ë/

  • ([i] gesenkt >) [e] > gerundet [ø]

    • 1289 Mimlingen > heute Mömlingen; 764/5 Mersenuelt > 1527 Merfelt > 1614 Mörfelden

v. Der Einlaut /u/

bleibt erhalten:
  • Offene Silbe

    • 1310 Guginheim > heute Jugen-

  • Später geschlossene Silbe

    • 782 Hantscuhesheim > heute Handschuhs-

  • Geschlossene Tonsilbe

    • 770 Rumphenheim

  • Geschlossene Nebensilbe

    • 800/1000 Gunterateshusen

vi. Der Umlaut /ü, ï/ = <ü>

Hier muss grundsätzlich unterschieden werden zwischen

  • dem gehobenen /ü/, bei dem die Lippen ein /u/ formen, während sich der Zungenrücken unter Einfluss des ursprünglich folgenden /i, j/ zum /e/ hebt, wie bei ahd. furi > nhd. für, und

  • dem gerundeten /ï/, bei dem der Zungenrücken zum /i/ gehoben ist, während die Lippen unter Einfluss eines benachbarten Lippenlauts ein /u/ formen, wie bei ahd. fimf > nhd. fünf.

Gehobenes /ü/ [y] > entrundet [i] (gesenkt > [e])

  • um 1200 Bubenesheim > 1511 Bibesen; 1277 Bunsheim > 1557 Binß > 1578 Benß-
     

  • Umlaut wieder aufgehoben

  • 1318 Brunishart > 1319 Brins- > heute Brauns-

Gerundetes /ï/

  • [i] > gerundet [y]

    • 767 Birstather > heute Bür-

vii. Der Einlaut /i/

bleibt erhalten:
  • Offene Silbe

    • 787 Biberaha

  • Später geschlossene Silbe

    • 836 Bibifloz > heute Biblis

  • Geschlossene Tonsilbe

    • 795 Birkenowa

Verflüchtigung in der Nebensilbe
  • Verkleinerungsanfügung -în > Umlaut + -en > ø

    • 765 Basinsheim > 1113 Besens- > 1213 Bens-

  • Verkleinerungsanfügung -il > Umlaut + -el > ø

    • 1220 Hufilheim > 1438 Huppeln- > 16. Jh. Hippen-

  • <i> = flüchtiges /e/ > ø

    • als Gleitlaut

      • 773 Gernesheim > 852 Gerunes- = 871 Gerinesheim

    •  als Endung

      • 1310 Aldisbach > 1383 Alspach

Gesenkt und gehoben
  • /i,e/ - gerundet /ë/
    • /i/ + Lippenlaut > /e/ gesenkt (> /ë/ gerundet)

      • 1347 Bilstein > 1757 Bel- > heute Böll-

  • /i/ < /e/ als Umlaut vor ehemaligem /i/ (> /ï/ gerundet)

    • 793 Bergilla > 790 Birgelen > heute Bürgel

  • <i> überfeinert < /e/

    • 1267 Everdelle > 1426 -til

viii. Der Einlaut /e/

Allgemeines

In der Lautentwicklung müssen wir unterscheiden zwischen:

  • ursprünglichem /e/

    • got. raihts = ahd. reht 'recht'

  • gesenktem /i/

    • got. giban = ahd. geban 'geben'

  • gehobenem /ä/

    • got. hafjan = ahd. hefjan 'heben'

  • gewandeltem /ä/

    • ahd. kalb/ kelbir = nhd. kalb/ kälber

  • verschmolzenem /ei/

    • mhd. breit > pfälz. [breːt]

  • verflüchtigtem Selbstlaut in der Nebensilbe

    • ahd. Frankôno = nhd. der Franken

Ursprüngliches kurzes /e/ scheint als offenes [ɛ], langes als geschlossenes [eː] gesprochen worden zu sein. Das hat sich anscheinend in der Mundart gehalten, obwohl dort heute wie in der Hochlautung der Selbstlaut in offener Silbe gelängt wurde.

  • ahd.  êra *[eːra] = nhd. [eːrə] = mda. [eːR] 'Ehre'
    ::
    ero *[ ɛ ro] = mda. ːR] 'Erde'

  • ahd.  sêo *[seːo] = nhd. [zeː] = mda. [seː] 'See'
    ::
    sehan *[sɛħan] = mda. [sɛːjə] :: nhd. [zeːən] 'sehen'

Wo also heute in der Mundart ein langes [ɛː] gesprochen wird, geht es auf kurzes [ɛ] zurück:

  • mda. [bɛːŕə] < ahd. betôn *[bɛtoːn] 'beten'
    ::
    [bɛːR] < ahd. bero *[b ɛ ro] 'Bär'

Das gilt offenbar auch für gesenktes /i/:

  • kurz

    • got. giban = ahd. geban = mda. [gɛvə] 'geben'

  • gelängt

    • got. liban = ahd. lebên = mda. [lɛːvə] 'leben'

Dagegen wird gehobenes /ä/ mundartlich heute als [e] gesprochen:

kurz

  • got. batiza = ahd. bazir > bezir = mda. [besɝ] 'besser'

    • got. halja > ahd. hell(i)a = mda. [hel] 'Hölle'

  • lang

    • frz. fallir > mhd. vâlen, vælen > nhd. fehlen = mda. [feːlə]

Das gewandelte /ä/ wird sehr unterschiedlich ausgesprochen:

  • bei Standwörtern offen:

    • ställe = mda. [ʃtɛl] :

    • *stali > stelle = mda. [ʃtel]

    • fäden = mda. ['feːŕəm]

  • bei Aussagewörtern geschlossen:

    • fällt = mda. [felt]
      ::
      feld = mda. [fɛlt]

    • fährt = mda. [feːRt]
      ::
      herd = mda. [hɛːRt]

Die Aussprache wird allerdings auch von der lautlichen Umgebung beeinflusst:

/e/ + Nasenlaut > mda. [ê] > [e] entsprechend dem Wandel von [a] + Nasenlaut > [a] > [ɔː, oː]

  • ursprüngliches /e/

    • lat. fenestra > dt. fenster = mda. ['fensdɝ]

  • gesenktes /i/

    • finden > mda. [fə'fendɝn] 'nicht mehr finden können'

  • gehobenes /a/

    • got. andís = ahd. anti, enti = nhd. ende = mda. [en]

  • gewandeltes /ä/

    • kurz

      • ändern = mda. [enɝn]

    • lang

      • zahn / zähne = mda. [tsoː / tseː]

in Ortsnamen
  • ursprüngliches /e/ = [ɛ, eː]

    • kurz

      • 782 Eberstat [ɛvɝʃt] [2]

    • gelängt

      • 1400 Velden > 1632 Fehlen > mda. ['fɛːlə] [3]

    • lang

      • 874 Seheim = mda. [seːəm] [4]

  • gesenktes /i/ = [ɛ]

    • kurz

      • 1392 Mißbach > 1557 Mes- = mda. [mɛs-] - mit Nasenlaut

      • 1113 Miniminga > 1497 Memling ['memliŋ]

  • gehobenes /a/ = [e, eː]

    • kurz

      • 765 Basinsheim > 1213 Bens- = mda. [bens-] - gelängt

      • *haring > 1374 Heringes = mda. ['heːriŋ] - verschliffen

      • *Haginahi > 1225 Heney > 1358 Hene = mda. ['henə]

  • gewandeltes /ä/ = [ɛ, ɛː]

    • kurz

      • bach > 1483 -becher = mda. [-bɛʅER] - gelängt

      • stat > 830/50 Stetin > -stätten = mda. [ʃtɛːðə] - mit Nasenlaut

  • [e, eː]

    • Hahn / Hähner = mda. [hoː / heːnɝ]

  • überfeinertes -e = [eː] in der Endsilbe von Namen
    Offenbar erst in neuerer Zeit kam als Gegenbewegung zur Verdumpfung der Endsilbe der Brauch auf, auslautendes -e "deutlich" als [eː] zu sprechen

    • Grohe nicht ['groːə], sondern ['groːe].
      In Ortsnamen

    • Eiche = ['aːʅeː].

  • verschmolzenes /ei/

    • Mhd. /ei/ wurde m.mda. > [eː], heute noch pfälzisch

    • mhd.,nhd. breit > pfälz. [breːt] :

    • hess. [braːt], vgl. Breitenbrunn = 1428 Breden-, mda. ['braːðə-].

  • /ei/ + Nasenlaut > [êː] > [eː] > mda. [-ə]

    • mhd., nhd. heim = pfälz. [heːm] :

    • hess. [hɔːm] > [-ə(m)]

    • Main = 1034 Menus = mda. [meː], 1343 Mein = mda. [mɔː]

  • verflüchtigter Selbstlaut in der Nebensilbe
    Wie die häufige Schreibung <-in> im Fnhd. vermuten lässt, war die mhd. Einheitsendung -en wie flüchtiges [-en] gesprochen worden, das schnell zum dumpfen [-ən] wurde. Ähnliches gilt für die übrigen e-haltigen Endsilben. Dieses -e selbst ist aus anderen, vollen Selbstlauten entstanden

    • 743 Autmundistat > 1156 Ohme- > heute Um-.

ix. Der Zwielaut <ai / ei>

14er-Jahrhundert: Hessische Verflüchtigung [ai] > [aː]
  • Mhd. [ei] wird hess. [aː]
    • Mhd. seil > hess. [saːl],
    vor Nasenlaut > [ɔː]
    • mhd. bein > hess. [bɔː].
Es handelt sich hier wohl nicht um eine Lautverschleifung wie in ähnlichen Fällen, sondern um die Verflüchtigung des zweiten Bestandteils [5]
  • [ai] > [aːi] > [aː]. Dies setzt eine fnhd. Aussprache als [ai] und nicht als [ei] voraus.
    Da in Resten noch ein mhd. [eː] < [ei] zu erkennen ist, (siehe unten), wird die Lautverflüchtigung eine ziemlich junge Erscheinung sein. Wahrscheinlich wurde mRhfr. [seːl] im Zuge der nhd. Umbildung im Hessen des 15er-Jahrhunderts wie hochlautend für kurze Zeit [saːil] gesprochen und dann sogleich durch Verflüchtigung des zweiten Lauts zu [saːl] umgebildet:
    • um 800 Heimstat = 1409 Heinstat (Verwechslung heim- / hain- = [hãː])
    • um 1200 Heimbach > 1655 Haim- / Ham-
    • 765 Suainheim > 1557 Schwain- > 1624 Schwan- = mda. ['ʃvɔːnə].
Verschleifungen:
  • Verschleifung /-aği-/ > [ai] > hess. [a / ɔ > oː]
    • 1165 >Hagen > 1364 Hayn > 1377 Hane > mda. [hoː]
Diese Entwicklungsreihe zeigt, dass im Rheinfränkischen die weiten Verschlusslaute zwischen Selbstlauten schon immer als Reibelaut gesprochen wurden, also nicht ahd. hagin ['hagin], sondern ['hajin]. Ähnliche Verschleifungen beobachten wir in der heutigen Mundart:
  • wagen = ['vɔʊə], morgen = ['mɔjə], regen = ['rɛjə]
  • nadel = [noəl]
  • ahd. habêt = *['haveːt] > mhd. hât > nhd. hat
  • ahd. gibit = *[givit] > mhd. gît > hess. [git] 'gibt'
  • Verschleifung /-eğ-/ > [ɛi] > [eː]

    • 793 Meginoluesheim > 1277 Meils- > 1338 Mels-

  • Verschleifung [-ehe] > [ejə] > [ɛi] > [ai] > [aː]

    • *Erlehe > 1347 Erley > mda. [ɝle] > überfeinert Erl­au

    • 1238 Hen(n)ehe > 1225 Heney > heute

    • Hayna > überfeinert 1503 Heinaw

Einlaut / Zwielaut

/e/ - /ei, ai/

  • Mhd./ fnhd. Verschmelzung [ɛi] > [eː] (später nur noch pfälzisch)

Dass /ei/ zu [eː] verschmilzt, beobachten wir auch im Niederdeutschen (schon and. bên = ahd. bein). [6] Im Hessischen wurde es dagegen um 1600 zu [aː, ɔː], siehe oben.

  • in der Tonsilbe

    • 1408 Breidenbach > 1428 Breden-

  • in der Nebensilbe

    • 836 Araheiligon > mda. ['ɔːR hɛljə]
       

  • Mhd. Verkürzung der Endsilbe

  • 1239 Astheim < 1099 Astehem > mda. [aʃtəm]

  • N.mda. Odenwälder Brechung [eː] > [ɛi]

Im Zuge der nhd. Brechung von [i ː> ai] und [uː > au] wurde im Odenwald auch [oː > ɔu] und [eː > ɛi]

  • eselsohr > ['ɛisəlsʔɔuR]. [7]

In Ortsnamen:

  • 1532 Eerlenbach > 1545 Eyrlen- > 1613 Airlen-

/i/ - /ei/

  • Fnhd. Brechung [iː] > [ai]

    • 1113 Widengesehez > 1347 Weiden-

x. Der Zwielaut <au>

  • aRhfr. <au> = ahd. <ou> > mRhfr. verflüchtigt [aː]

    • 791 Auua = ahd. ouwa > mda. [aː] 'Aue, Uferlandschaft'
       

  • ahd. Veschmelzung /au/ > [oː]

    • 764 Lauresham > 879 Loresheim
       

  • Fnhd. Odenwälder Brechung /o:/ > [ɔu] = <au>

    • *môs > 1369 Mengelmaus = 1439 -moß = 1443 -muß
       

  • Fnhd. Brechung /u:/ > [au]

wegen Festhalten an alter Schreibgewohnheit durchgehende erst im 16. Jh. <au> geschrieben

  • 795 Ûrbach > 1465 Aur-

xi. Der ursprüngliche Zwielaut /eu, iu/

Der germanische Zwielaut /eu, iu/ hat ein sehr unterschiedliches Schicksal gehabt und wird schon in den frühen Personennamen unterschiedlich wiedergegeben

  • got. Theodericus = frk. Theudericus = ahd. Thiodrih > Deotrihhe > mhd. Dietrich:

germ. <eu> > ahd. <iu> > abgeschwächt spät-ahd. <ie> > aRhfr. [iː]. [8]

Andrerseits wurde das diesem Namen zugrunde liegende germ. þeuda 'Volk' in mlat. theodiscus > ahd. diutisc > nhd. deutsch = mda. [daitʃ]:

germ. <eu> > ahd., mhd. <iu> > nhd. <eu> = [ɔi], mda. entrundet [ai].

Grund für dieses merkwürdige Nebeneinander könnte eine Tonverlagerung gewesen sein:

  • ahd. diot = [diot] > mhd. diet [diet] 'Volk' > Dietrich

  • aber ahd. diutisc = [diutiʃk] 'volkssprachlich' > deutsch

/iu/ > Rhfr. Verflüchtigung > [uː] > nhd. Brechung [au]

Dieser Laut hat aber schon im ARhfr. eine Sonderentwicklung erfahren

  • ahd. diutisc = [diutiʃk] > mhd. tiutsch = [thyːtʃ], aber m.mda. dutsch = [duːtʃ]

  • 766 Liutra = 772 Lutra > Lauter

Sonderfall: /iuw/ > [uː]

Ahd. /iu/ wurde also mhd. zusammengezogen zu [yː], aber m.mda. verflüchtigt [ iu > uː]. [9] Durch die nhd. Brechung ist hochlautend [y > ɔi] und mda. [u > au] geworden

  • mhd. niuwe = ['nyːwe] > nhd. neu = [nɔi]; mda. nûwe = [nuːwə] > nau; 830/50 Niuuenheim > 1211 Nu- > 1521 Naw-

/iu-/ verschliffen > [yː] > entundet [i] (gesenkt > [e]):

  • 773 Ivtra = ahd. 819 Euterun = fnhd. 1462 Ewter > heute Euter-/ Euter-/ Itterbach

Anlautendes <iu> ist also hier nicht zu <ju> geworden. [10]

In einigen Fällen bezeichnet <iu> aber auch gehobenes [yː] und wurde wohl auch im M.mda. so gesprochen

  • ahd. *bûrea, *hûsea [11] wurden lautgesetzlich zu ['byːrːa, hyːsːa] [11]

  • 1095 Biuron (UF Mz.) - 1032 Bûrrifelden > 1353 Bur- > 1419 Buer- > heute

  • Beerfelden

  • 1069 Hyson (UF Mz.) > 1223 Husen (der üblichen Form angepasst oder ohne Umlautsbezeichnung)

/iu/ > [ɛ-u] fnhd. umgekippt > *[u-e] geöffnet > [ɔi]:

Schon im Fnhd. scheint <eu> nicht mehr wie ahd. ju], sondern wie nhd. [ɔi], entrundet [ai] gesprochen worden zu sein:

  • lat. Moenus ['moinus] = 793 Moyne > 1333 Meun [12] > heute entrundet Main

  • 1268 Reibach überfeinert gerundet > 1377 Reu-

  • 1545 Neytz überfeinert gerundet > 1722 Neutsch

xii. Der Zwielaut [uo]

Germ. /o:/ > schon aRhfr. /u:/ = obdt. /uo/

Germ. [oː] wurde im Süd-ahd. > [uo], vgl. got. broþar = ahd. bruoder, so heute noch im Oberdeutschen. Im Rheinfränkischen steht dafür schon früh <u>, wohl ohne Zwischenstufe. <Uo, ů> erscheint später willkürlich für langes /u/ und ist nicht lautgerecht:

  • 755 Butthesheim = 784/804 Bůteres- = 803 Botteres- = 900 Buodes- [13]

Umlaut /üe/

/Üe/ ist die regelrechte Umlautform von /uo/, vgl. ahd. chuolen / küelen 'kühlen'. Ihm entspricht im Rhfr. einfaches [yː].

Germ [oː] > aRhfr. /u:/, gehoben > /ü/

xiii. Der ursprüngliche Zwielaut /ie/

Germ. /eu/ > ahd. [io] / ARhfr. <ie> / <i> = [iː]

Süd.-ahd. /ie/ wird im Rhfr. schon früh > [iː]; die Buchstabengruppe dient daher als Zeichen für langes /i/

  • 764 Scrizzesheim = 877 Scriezes-; ahd. lioht > 1228 Lichtenberg = 1403 Liechten-.

Fnhd., nhd. <ie> = [iː]

  • 868 Biberahe > 1464 Biebra

 

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[1] vom Personennamen Popo, Überfeinerung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[2] Das Namen gebende Tier heißt aber heute ['evɝ], offenbar ein hd. Entlehnung, denn echt mda. hieß es watz.

[3] vgl. feld = mda. [fɛlt]

[4] vgl. see = mda. [seː]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[5] Ein Rest davon in der heutigen Mundart ist der Monatsname mai = mda. [maːi]. Mhd. mei hätte [maː] ergeben. Das Wort wurde also wohl erst im 15er-Jahrhundert mit der neuen Aussprache übernommen. Im Volksmund blieb man wohl noch längere Zeit bei wonnemond bzw. bei der Datierung nach Heiligentagen. Mai wurde wohl im amtlichen Sprachgebrauch verwendet, daher blieb's bei der altertümlichen Aussprache. Vgl. auch kaiser, das nicht zu [khaːsɝ] geworden ist, sondern wie hochlautend [khaiseR] gesprochen wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[6] auch im Lateinischen (Aemilius > Emil), Griechischen (paidago:gós > pädagoge), Hebräischen (bajit 'Haus' > Beth.lehem) und anderen Sprachen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[7] ähnlich auch im Englischen: fine > [fain], house > [hauz], most > [məust], lake > [læik]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[8] vgl. 1013 Ditinesheim zum Personennamen Thiudin, Theotini

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[9] ähnlich wie bei [ai > aː]

 

 

 

 

[10] Dagegen frk. Eutho > ahd. Iûto > mdh. (weibl.) Jutte - mhd. ieder ['ʔiɛðer] > nhd. jeder

 

[11] Nebenformen von bûr, hûs

 

 

 

 

 

[12] <oy> = <eu> = [ɔi]

 

 

 

 

 

 


 

[13] Ursprungsform unklar

 

 

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Datum: 1995 / 2005

Aktuell: 16.02.2018