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1. Einleitung
a) Schreibung und
Aussprache
b) Frühere
Gepflogenheiten
2. Schreibarten
a) Selbstlaute
b) Mitlaute:
Lippenlaute
c)
Zahn- und Gaumenlaute
d) Rachenlaute
3. Rückschlüsse auf die
gesprochene Sprache
a) Betonung
b) Selbstlaute
c) Mitlaute:
Verschluss- und Reibelaute
d) Lippenlaute
e) Zahnlaute
f) Gaumenlaute
g) Rachenlaute
/
g /
k /
qu /
ks /
h
/ ŋ
|
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/g/ bleibt im
Anlaut erhalten
Fnhd. Erweichung
vor hellem Selbstlaut:
[g-] >
[j-]
Im Fnhd. muss im
Anlaut
[je] statt
[ge] häufiger gewesen sein, als es der äußere Anschein vermuten
lässt, ließ sich doch das gehörte
[je] auch für einen Ortsfremdem leicht als mundartliche Abart von
[ge] erkennen: 1483 Jernesem = Gerns-; 1398
Jergenhusen = älter-mda.
[jɝjə'hausə] = Georgenhausen
Der geriebene
Laut /-
ǥ -/
In der heutigen
Mundart wird /g/ im Inlaut und oft auch im Auslaut nicht als
Verschlusslaut, sondern als Reibelaut gesprochen und je nach lautlicher
Umgebung unterschiedlich hervorgebracht:
vollmundartlich:
nach dunklem Selbstlaut:
nach hellem
Selbstlaut
im Auslaut: /-ğ/
=
[g, ɣ, ʒ]
-
tag =
[dɔːg / dɔːɣ]
-
krieg =
[griːʒ]
halbmundartlich: =
[ɣ, ʒ]
Bei der Schreibung
von Siedlungsnamen kommt diese weiche Aussprache nur gelegentlich zum
Ausdruck:
Lautgesetzliche
Entwicklung /age/ > /ai/ > /a:/
Verwechslung von
/ǥ/ mit /h/
Andeutung von /ǥ/
durch <gh>?
-
1246
Weneghgerahe
-
1496
Schiemettenwagh
Im Auslaut
stehen von Alters her die harte und weiche Aussprache nebeneinander. Eine
Regel lässt sich nicht feststellen:
/k/ bleibt im
Anlaut erhalten.
/k/ wird im
ererbten Bestand der heutigen Mundart wie in der Hochlautung im Anlaut als
behauchtes
[kh] gesprochen
Die Behauchung wird
aber in der Schrift nicht angedeutet. Gelegentliches <ch-> ist
oberdeutsche Schreibart:
Andrerseits
wechseln in der Schreibung <g> und <k, c>, so dass man annehmen muss, dass
/k/ in früheren Sprachzuständen unbehaucht war. Darauf weist auch der
unterschiedliche Schreibgebrauch bei /p/ und /k/.
germ /p/ > aRhfr. <ph>,
aber germ. /k/ = aRhfr. <k, c, g>
-
718 Caspenze =
1012 Gaspenza
-
800/1000
Gunterateshusen = 1250 Cunterates-
-
830/50
Gelsterbach = 1275 Kelster-
Im Inlaut heute
entspannt und unbehaucht
Wo in der heutigen
Mundart im Inlaut
[-g-] gesprochen wird, handelt es sich um ursprüngliches /k, kk/;
inlautendes /-g-/ ist dagegen zu /-ǥ-/ geworden, siehe oben:
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stecken |
=
mda. |
['ʃtɛgə] |
wegen |
=
mda. |
['vɛjə] |
|
balken |
=
mda. |
['balgə] |
balg |
=
mda. |
[balʒ] |
|
Bickenbach |
=
mda. |
['begəbax] |
Egelsbach |
=
mda. |
*[ɛjəls-] |
|
Balkhausen |
=
mda. |
[balk'hausə] |
Arheilgen |
=
mda. |
['ɔːRhɛljə] |
Inlautendes <-k->
Wie im Wortschatz
ist auch im Namenschatz einfaches <k> zwischen Selbstlauten selten, weil
im Hochdeutschen germanisches /k/ zu /x/ geworden ist und nach kurzem
Selbstlaut heute <ck> stehen muss:
Nach Fließlaut: <k,
c, ck>
Doppeltes /k/ = <ck,
cc, kk>
Doppeltes /k/ ist
entstanden
-
entweder aus
germ. /g, k/ vor /y, l, r/
-
oder verschärftem
/g, k/ in Personennamen
<ck> dient heute
als Zeichen dafür, dass der vorhergehende Selbstlaut kurz ist - unabhängig
von der Herkunft. Das macht sich auch bei der Schreibung der Ortsnamen
bemerkbar:
Auslautendes
[-k] = ursprüngliches /k/
= ursprüngliches
/-g/ (Auslauterhärtung)
Ursprüngliches /-g/
wurde schon im Ahd. unterschiedlich ausgesprochen, wie die verschiedenen
Schreibungen zeigen. So ist es heute noch. Es überschneiden sich im
Rhein-Main-Gebiet offenbar norddeutsches weiches /-ǥ/ und süddeutsches hartes /-g/
-
822
Aberinesburg/ -berk - um 1200 Bruberc
= 1409 -berg / 1378 = 1543 -burk
-
heute: tag
=
[dɔːg / dɔːɣ]; Lichtenberg =
[-bɝːg];
-
Heubergshaus
= 1854 <Haberichs->
Das japhetitische
unterschied drei Arten von Verschlusslauten, die mit dem Zungenrücken
gebildet wurden:
| |
1.
am mittleren Gaumen |
/c, j, ch, jh/ |
>
[kj…] >
[tç…] |
| |
2.
am hinteren Gaumen |
/k, kh, g, gh/ |
>
[k…] |
| |
3.
am Gaumensegel |
/ǩ, ğ, ǩh, ğh/ |
>
[kw…] |
Bei der ersten
Reihe wurde der folgende Selbstlaut mit gehobener Zunge, bei der dritten
mit gerundeten Lippen ausgesprochen.
Die weu. Sprachen
kennen in ihren ältesten Beständen aber nur die 2. und 3. Reihe, die auch
im Gotischen erhalten ist:
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japhetitisch |
gotisch |
deutsch |
| |
2. |
/c, ch, k, kh/ |
/h/ |
/h/ |
| |
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/j, g/ |
/k/ |
/k-/, /-x-/, /-x/ |
| |
|
/jh,
gh/ |
/g-/, /-ğ-/, /- ğ
/ |
/g-/, /- ğ -/, /- ğ
/ |
| |
3. |
/ǩ, ǩh/ |
<ƕ> = / h̆ / |
/w-/, /-h/ |
| |
|
ğ,
ğh/ |
<q> = /ǩ/ |
/ǩ/ >
[kw] >
[kv] |
Von der dritten
Reihe blieb also im Deutschen nur /ǩ/ = <qu>: 1380/1400 Quadelbach
= heute: Quattel-.
Vor hellen
Selbstlauten ging dagegen /ǩ/ in /k/ über:
-
ahd. queman
> nhd. kommen = mda.
['khumə] - ahd. quimit > nhd. kommt =
mda.
[khimt]
-
806 Quinticha
> 1095 Cunticha > 1321 Küntich > 1349 Künnich > mda.
['khiniç]
-
16. Jh.
Quirnberg > 1341 Kernhof
-
*Quillunbach > um
1100 Colun- > 1829 Kolm-
Dies erlaubt den
Schluss, dass /ǩ/ noch im M.mda. als /k/ + Lippenrundung und nicht als
[kw] ausgesprochen wurde. Die Aussprache
[kv] ist mit Sicherheit erst neuzeitlich.
| |
japhetit.
[ks] > germ.
[ħs] > ahd.
[hs]
> |
norddeutsch
[ś] |
| |
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süddeutsch
[xs] > nhd.
[ks] |
| |
6 = lat. sex = got. saihs
[sɛħs] = ahd. sehs = |
1.
[sɛś] > m.mda <sess> |
| |
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2.
[sɛxs], vgl. 60 =
[sɛçtsiç] |
| |
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3.
nhd., n.mda.
[seks] |
/h/ ist in der
deutschen Sprachgeschichte zweimal entstanden:
Lautverschiebung
japhetit. /k/ > germ. /h/ > dt.
[h-], -ø-, -ø
-
lat. cornu
= got. haurn
[ħorn] > ahd., mhd., nhd. horn
[horn]
-
lat. ducere
= got. tiuhan
['thiuħan] > ahd. ziohan
['tśiohan] > nhd. ziehen
['tsiːən]
-
lat. lucus
= ahd. lôh
[loːħ > loːh > loː]
Lautverschiebung
japhetit. /g/ > germ. /k/ > dt. /x/ =
[x, ç]
-
lat. gelidus
= got. kalds
[khalðs] = alem. chalt
[kxalt]
-
lat. sagire
= got. sokjan
['soːkjan] = ahd. suohhan
['suokxan] > nhd. suchen
['zuːxən]
-
lat. ego =
got. ik = ahd. ich > nhd. ich
[iç] / ahd. ih
[ih] > ober-dt.
[iː]
Entsprechend bei
den Ortsnamen:
Lautverschiebung
japhetit. /k/ > germ. /h/ > dt.
[h-], -ø-, -ø
Ausfall des /h/ >
Ersatzdehnung:
germ. /ht/ nach /e,
i/ > m.mda. <t> :: nhd., n.mda.
[xt, çt]:
-
engl. bright
= ahd. beraht > 1428 Hombrechtenrode / Hombret-
-
engl. light
= ahd. lioht > 1228 Lichtenberg / 1256 Lithen-
-
mhd. schiumeht
> 1345 Schemmechtinwage > 1496 Schiemetten-
Lautverschiebung:
japhetit. /g/ > germ. /k/ > dt. /x/ =
[x, ç]
Schon die alten japhetitischen Sprachen kannten diesen Laut; die indische
Schriften haben dafür sogar ein eigenes Zeichen. Das Griechische und
Gotische schreiben dafür <γγ,
γκ=
gg, gk> =
[ŋg, ŋk], das Lateinische <ng, nc, gn> =
[ŋg, ŋk, ŋn]
Trotzdem ist
[ŋ] wahrscheinlich auch schon in alter Zeit nur eine
stellungsbedingte Abart von /n/, da es nicht im Anlaut vorkommt. Es hat
wahrscheinlich folgende Grundlagen:
-
/n+g/ im Wort
selbst
-
japhetit.: dt.
nagel = lat. unguis = griech. ong-,
also einmal mit Selbstlaut zwischen /n/ und /g/ und einmal ohne.
-
deutsch: wenig
> mda.
[viŋk]
-
/n+g/ in der
Wortfuge
-
verschäftes
stimmhaftes /g/, wie die griechische Schreibung <gg> andeutet
-
griech. ag-
'treiben' wird verschärft >
[aġː > aŋg]
in aggareúein 'zwingen' und ággelos 'Gesandter, Engel'
-
deutsch acker
/anger < japhetit.
[aġr- / aġːr-]
-
Nasaler Ablaut vor
/g, k/:
[ãk > aŋk]
<ng> wurde auch im
Deutschen ursprünglich
[ŋ+g] gesprochen, wie etwa an mhd. singen / sanc zu erkennen
ist. Die heutige Aussprache
[ziŋən, zaŋ] ist wohl erst nhd. In Fremdwörtern und Namen sprechen
wir immer noch
[ŋ+g]
In Siedlungsnamen:
/ng/ =
[ŋg, ŋkh] (Auslauterhärtung)
<-incheim, -inkheim,
inkeim> =
[iŋghɛim]
<nk, nc, nck> =
[ŋkh-]
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