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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Völker-, Länder- und Gruppennamen

Afrika

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Herkunft

Bedeutung

Synonyme

Afrika

Afrikaner

 

 

Herkunft

Der Name des Schwarzen Kontinents stammt aus dem Lateinischen:

  • Āfer war ein Bewohner, Āfra eine Bewohnerin des heutigen Tunesiens,

  • Āfrica das heutige Tunesien > Kontinent

  • Āfricanus 'Tunesien betreffend'

Der wohl älteste Beleg für Afer ist der Beiname des Dichters Publius Terentius Afer (um 195 bis 159 v. Chr.), der in Karthago geboren wurde. Belege für Africanus bei Plautus (um 250 bis 184 v. Chr.), Africa und Afer bei Varro (116-27 v. Chr.).

Der Landesname ist abgeleitet von dem Namen der Bewohner, vgl. Belgica 'Land der Belgae'.

Von daher ist die erstmals von A. J. Storfer, "Im Dickicht der Sprache" 1937 vorgetragene Theorie hinfällig, dass der Name des Kontinents von einem Berberstamm namens Aouraghen stammt, denn -ica ist eine indogermanische Ableitungssilbe, die unserem -ig entspricht. Umgekehrt könnte sich der Stamm nach seiner alten Heimat in "Africa" benannt haben.

Bedeutung

Ausgangspunkt muss also der Einwohnername Āfer sein:

  • Der Volksname Āfri lässt sich kaum trennen von
    Ugarit, ägypt. ʕpr, ostsemitisch Ḫapíru,
    eine nicht städtische Bevölkerungsschicht in Vorderasien und Ägypten, vermutlich identisch mit hbr.
    עברי ʕibrî 'Hebräer'.
    Die biblischen Hebräer (griech. Ἑβραοι Hebraîoi, lat. Hebraei) scheinen aus dieser sozialen Schicht hervorgegangen zu sein.
    Der biblische Name wird Gen 14,13 mit
    περάτης perátēs 'der von drüben' übersetzt und mit hbr. עבר ʕ-b-r 'hinübergehen, herüberkommen' erklärt. Wahrscheinlich spielt diese Deutung schon bei der Schreibung mit /b/ eine Rolle.
    Tatsächlich ist der Name eher an semit. ʕaparu 'Humus, Erdkrume, Staub' anzuschließen, das in der Bibel die Nebenbedeutung 'niedrig, nichtig' hat. Das Wort könnte also die Unterschicht bezeichnet haben, vgl. unser "Abschaum, der letzte Dreck".

  • kabyl. a-beṛṛani 'Fremder' < beṛṛa 'draußen' mit dem Artikel a-.
    Davon abgeleitet mit Reduplikation Berber 'Nordwestafrikaner'.
    "Fremde" waren aus Sicht der Einheimischen die Punier.
    Vermengt mit arab.
    بربر barbar 1. Barbar', 2. 'Berber, nicht arabisch sprechender Nordafrikaner'

  • In Ostafrika, am Roten Meer und Golf von Aden leben die nomadischen Danakil, die sich selbst Afar nennen. Ihre Sprache ist kuschitisch, gehört zum ostafrikanischen Zweig des Hamitischen und ist daher einheimisch. Ihr Name kann also nur indirekt etwas mit der lateinischen Bezeichnung für die Tunesier zu tun haben.
    Eher besteht ein Zusammenhang zu dem sagenhaften Goldland der Bibel, אופיר, Ophir, zu dem König Salomo Schiffe durchs Rote Meer schickte. Goldvorkommen gibt es im benachbarten Äthiopien. Vgl. auch äthiop. ʔafer 'Staub' (mit Aleph, nicht mit Ain!)

Man muss sich fragen, warum die Römer die Provinz Africa und nicht Punica genannt haben. Wahrscheinlich war Puni nur der Name der Oberschicht, während sich die einheimische Bevölkerung Afri nannte. Das könnte die Überlegungen bestätigen, wonach dieser Name aus einer punisch-berberisch-römischen Mischform entstanden ist.

Der alte Provinzname Africa für Tunesien wurde zunächst auf Nordafrikas und später auf den ganzen Kontinent übertragen.

Synonyme

Afrika

Auch die Griechen nannten den Maghreb nach dem Land, das ihnen am nächsten lag:

  • Λιβύη Libýa > lat. Libya > dt. Libyen
    benannt nach den wehrhaften Nachbarn der Ägypter, die in ägypt. Quellen Rbw = Libu, hbr.
    לובים lûbîm, arab. لزبت lûbî genannt werden. Mich reizt, den Namen mit dem hamitischen Wort für 'Löwe' zu erklären.

Spätestens seit Strabo galt Libýa = Africa als eigener Erdteil. Als Grenze zu Asien gilt bis heute das Gebiet des heutigen Suezkanals.

Die Araber nennen das westliche Nordafrika مغرب Maģrib, Maghreb 'Abendland'.

  • chin. Fēizhōu  < zhōu 'Kontinent', also 'F-Kontinent'

Afrikaner

Nordafrika nördlich der Sahara und Ägypten ist von hellhäutigen Menschen bewohnt. Südlich der Sahara und von Ägypten leben Menschen mit dunkler Hautfarbe. Sie werden unterschiedlich benannt:

  • antik: Äthiopier
    griech.
    Αἰθιόπες Aithiópes 'die mit den verbrannten, schwarzen Gesichtern' sind bei Homer die Bewohner einer fernen Insel im östlichen Ozean, später auf die schwarze Bevölkerung des Sudan übertragen. Daraus der Landesname Αἰθιοπία Aithiopía 'Sudan + Abessinien', lat. Aethiopes 'Schwarzafrikaner', Aethiopia.
    Das heute so genannte Land Äthiopien südlich des Sudan setzt die alte Namenstradition fort und hat damit den alten (arabischen?) Landesnamen
    حبش (Ḥabaš) > Abessinien verdrängt.
    Die Semiten nannten das südliche Nilland hbr.
    כוש Kûš, ostsemitisch Kûsu, Kûšû, die Ägypter Kʔš, ursprünglich wohl Name eines einzelnen Stammes.
    Daher hbr.
    כושי kûšî 'Neger'

  •  mittelalterlich: Mohren
    Die Römer nannten die Bewohner des westlichen Nordafrika Mauri. Das ist ein Berbervolk mit heller Haut.
    Das seltene griech. Wort ἀμαυρός, μαρος amaurós, maûros 'lichtlos, dunkel' hat wohl nichts damit zu tun. Das neugriechische Wort bedeutet auch 'Maure, Neger'
    Das lateinische Wort wurde schon im 7er Jahrhundert als Môr, Mohr ins Deutsche übernommen. Die nordafrikanischen Mauren hatten ja in dieser Zeit die iberische Halbinsel besetzt und waren damit Nachbarn der Franken geworden. Der Name dieses Volkes wurde rasch auf alle Afrikaner übertragen; aber erst zu Beginn der Neuzeit bekam es die ausschließliche Bedeutung 'Schwarzafrikaner'.

  • Beispiele aus der Literatur:

    • Parzival hatte einen schwarz-weiß gescheckten Halbbruder, Sohn einer Mohrin.

    • Siegfried von Mohrland, offensichtlich ein Afrikaner, bewirbt sich um die Hand Kudruns und verhält sich sehr anständig, obwohl er abgewiesen wird.
      Die beiden Beispiele illustrieren, wie die mittelalterlichen Dichter über die Mohren dachten.

    • Ein neuzeitliches Beispiel ist die antirassistische Ballade vom Mohren im "Struwwelpeter". Das Gedicht lässt erkennen, was man damals von den Mohren hielt: Man lachte über sie, weil sie anders aussahen. Tatsächlich hat vor 1914 kaum jemand in Deutschland einen Dunkelhäutigen mit eigenen Augen gesehen.

  • neuzeitlich: Neger, Farbige
    Lat. nĭger 'dunkel, schwarz' konnte auch die sonnengebräunte Haut der Italiener, schwarze Haare und Trauerkleider bezeichnen, wurde aber nicht auf die Afrikaner angewandt.
    Erst mit Beginn des Sklavenhandels begann man die dunkelhäutigen Zwangsarbeiter mit dem romanischer Wort negro (span., port. > engl.), nègre (franz.) zu bezeichnen. Als Bezeichnung für 'Sklaven' hatte es von Anfang an eine abschätzige Bedeutung, die uns heute noch das aus dem Englischen stammende Nigger vermittelt. Da es bei uns keine Sklaven gab, hat das dt. Neger keinen verächtlichen, allenfalls einen exotischen Klang.
    Auch der rassistische Ausdruck Farbige hat keinen guten Klang. Es bezeichnet nicht nur die dunkelhäutigen Afrikaner und ihre Nachkommen, sondern alle Bewohner anderer Kontinente, die keine "Weißen" und Orientalen sind, auch z.B. die Inder, die zum Teil hellhäutig sind.

  • anthropologisch: Negride
    Die modernen Anthropologen bezeichnen das Erscheinungsbild vieler Afrikaner mit dunkler Haut, krausem Haar und breiten Nasen als negrid im Unterschied zu den hellhäutigen, glatthaarigen und langnasigen Europiden. Nicht alle dunkelhäutigen Afrikaner sind negrid. Die Äthiopier z.B., ein aus Arabien eingewandertes Volk mit semitischer Sprache, sind Europide oder "Weiße" , obwohl ihre Haut fast schwarz ist.

  • südafrikanisch Kaffer
    Die holländischen Siedler in Südafrika nannten die Bantustämme ihrer neuen Heimat nach arabischem Sprachgebrauch Kaffern < arab كافر kāfir 'Ungläubige'. Auch diese Bezeichnung hat also eine verächtliche Bedeutung.

  •  arabisch زنجي Żanği
    daraus pers. زنگی Żengî, kurd. Zinci, türk. Zenci
    Der Name erscheint bereits bei Strabon 35, 1–19
    als Αζανία Azanía, gleichlautend mit dem Namen einer Landschaft in Arkadien. Plinius erwähnt außerdem ein Volk Zangenae. 524 gibt es in dieser Gegend ein Kloster Zingion. Davon hat auch die Insel Sansibar ihren Namen.
    1964 vereinigten sich Tanganjika und Sansibar zu einem gemeinsamen Staat Tansania.

  •  arabisch أسود ʔaswad Pl. سودان sûdân 'Schwarzer, Neger'
    daraus
    بلاد السودان bilâd as-sûdân 'Land der Schwarzen', verkürzt  لسودان as-Sûdân 'der Sudan'

  • Von Tamasheq a-ginaw 'Schwarze' soll der Name Guinea kommen.

  • chin. hēirén 'schwarzer Mensch'

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 2005

Aktuell: 19.01.2012