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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Völker-, Länder- und Gruppennamen

Chatten > Hessen

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Name
Erklärung
Form
Bedeutung
Geschichte

 

Name

Chatti

  • lat. Chatti  [1], Catti, Cathi, Catthi, Cati
    griech. Χάτται, Χάττοι (Kháttai, Kháttoi)

Sprich nicht "Katten, Schatten" oder gar "Tschätten", sondern "Hatten" oder tatsächlich "Chatten" [xatən] mit /ch/ wie bei ach.

Von den Chatten haben die Hessen ihren Namen, der

  • um 700 Hassi, Hassii,

  • umlautend 738 Hessi, auch Hessones

geschrieben wird.

  • Sie wohnten im Hassagô, Hessigowe.

  • Dazu der Landesname Hassia, Hessen
    und der Personenname ahd. Hasso, mhd. Hesso

Zweigstämme der Chatten waren die

Erklärung

Form

  • /ss/ ist die normale westeurop. Weiterentwicklung aus /tt, td, dt/

  • Das /tt/ bei Chatti kann also nicht aus /tj/ entstanden sein, das zu /tz/ wurde.
    Also entweder
    • /tt/ durch expressive Gemination aus einfachem /t/, oder
    • /tt/ aus /t-d, d-t/
  • Der Umlaut lässt sich vielleicht dadurch erklären, dass der Name Chatti einen i-Stamm hatte:
    vgl. lat. hostis 'Fremder, Feind' / ahd. gast, gastes ..., aber Pl. gesti, gestio ... 'Gast'
    also: germ. Sg. *Hatt, Hattes ..., Pl. Hatti, Hattio ... bzw. ahd. Sg. Hass, Pl. Hessi. Chatti.
    Hessi ist also zunächst nicht der lat., sondern der germanische Plural; der Name konnte aber dann auch lat. Chatti, Chattorum ..., Hessi, Hessorum dekliniert werden.
    Richtiger wäre freilich gewesen *Chattes, Chattium ...

  • An den Singular mit /a/ erinnert noch der Personenname Hasso (n-Stamm).

  • Der Stammesname Hesse/n ist später wie Schwaben, Baiern usw. in die schwache n-Deklination übergewechselt.
    Das -n im Landesnamen ist Lokativendung Plural 'bei den Hessen'
  • Die frühe römische Schreibung zeigt, dass die Römer um Christi Geburt noch kein [h, x], sondern ein behauchtes [kh] gehört haben, aus dem dann [x > h] wurde. Die Schreibung wurde auch beibehalten, also schon längst [xat:i, hat:i] gesprochen wurde.
    Die verschiedene Anordnung des /h/ in den lateinischen Schreibungen beruhen wohl einfach auf Schreibunsicherheiten des lateinischen Schreibers, der selbst kein /h/ mehr sprach.
  • Die griechische Form Χάτται neben Χάττοι Kháttai /Kháttoi hat einen a-Stamm und setzt einen Sg. *Chatta, *Χάττης Kháttēs voraus. [2]

Bedeutung

Die Chatten sind schon sehr früh in Nordhessen ansässig geworden und könnten dort einen vorgermanischen, evtl. keltischen Namen übernommen haben, in einer Zeit, als /d-t/ noch nicht zu /ss/ geworden war.

  • Kelt. cad- ergab:

    • brit. cad-ros 'schön, stark, abret., äcymr. cadr 'schön'.

    • goid. cassis < *cad-tis (i- Stamm) 'ausgezeichnet, überlegen, schön', ir. cais 'schick, gepflegt, angenehm'

  • Dazu der brit. Personenname Cassivellaunos, cymr. Casswallawn
    und der gall. Stammesname Veliocasses, Veliokaϑis, zu cymr. gwell 'besser'

Die Chatti wären demnach 'die Ausgezeichneten'.

Geschichte

Die Chatten gehörten zur Gruppe der Wesergermanen und waren im heutigen Nordhessen ansässig. Sie dehnten ihren Einflussbereich im christlichen Basisjahrhundert bis etwa an den Main aus. Südhessen ist nie chattisch gewesen.
Da
die Chatten früh den Franken angegliedert worden waren, gab es kein eigenes chattisches Herzogtum wie bei anderen Stämmen. Stattdessen bildeten sich im hessischen Raum eine Reihe kleinerer Herrschaften aus.
Kristallisationspunkt des heutigen Landes Hessen ist die Landgrafschaft Thüringen (seit 1130), die auch Besitzungen in Nordhessen hatte. Darum zeigen ja auch das Hessische und Thüringische Wappen den rot-weiß gestreiften stehenden Löwen.
Nordhessen machte sich Mitte des 12er-Jahrhunderts selbständig. Die Landgrafen in Marburg vergrößerten ständig ihr Reich, bis es zur Zeit Philipps des Großmütigen etwa die heutige Größe erreicht hatte. Nach seinem Tod 1567 wurde Hessen aber in vier Teile aufgeteilt, die erst mit der Neubildung des Bundeslandes 1946 wieder zusammenfanden.
Von 1806-1945 war auch ein Stück links des Rheins zwischen Worms, Mainz und Bingen unter Hessen-Darmstädtischer Hoheit  (Rheinhessen).
Der Name der Chatten / Hessen wurde also aus dynastischen und nicht aus ethnischen Gründen auf einen größeren Bereich ausgeweitet.
Dieser Stamm hat als einziger seit über 2000 Jahren

  • seinen Namen beibehalten (wie die Schwaben) und

  • seinen Wohnsitz beibehalten und

  • nicht an der Völkerwanderung teilgenommen.

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[1] erstmals bei Strabon, Geogr. 7,1,3 (nach 7 v. Chr.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[2] auch bei Celtae und keltischen Stämmen wie Belgae, Galatae.
Bei germanischen Stämmen ist dieser a-Stamm ungewöhnlich: Hinweis auf die keltische Herkunft des Namens der Chatten?

 

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Übersicht

 

Sprachecke Boğazkale und Metze

 

Datum: 2005

Aktuell: 11.12.2011