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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Völker-, Länder- und Gruppennamen

Aesti, Esten

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Geschichte

Namensformen

Namenserklärung

Namensvarianten

 

ℒ = Lehnwort

 

Geschichte

Nach Tacitus, Germania 45 wohnten östlich von den Germanen die ackerbauenden und kultivierten Aestorum gentes, deren unkultivierte Nachbar die Fenni waren. Beide Namen leben in denen der Esten und Finnen fort.
Diese Aesti sollen äußerlich den Sueben geglichen haben, ihre Sprache jedoch dem Britannischen ähnlich gewesen sein. Sie sammelten und verkauften Bernstein, der heute auf der Halbinsel Samland mit Baggern im Tagebau gewonnen wird. All das spricht dafür, dass Tacitus nicht die heutigen Esten, sondern die baltischen Völker (Pruzzen, Litauer, Letten) meint, die sehr altertümliche indogermanische Sprachen sprechen. Das Estnische dagegen ist eng mit dem Finnischen verwandt. Finnische Völker wohnen rund um den Finnischen Meerbusen, auch im Ingermanland zwischen St. Petersburg und dem Ladogasee. Die Finnen sollen erst um die Zeitenwende aus dem Süden dort eingewandert sein.

Namensformen

  • ältere Namensformen: Hestiae (525), Estio (570), Aistland (500), Hestia (500), Eistland (600-670, 882), Eistlanz, Eistnesker (600), Estlatum (1020), Aestland (1070), Estones (1014); Aisti (360), Aesti-Iste (360), Haesti (537), Aisti (830), Eastland (880) [1].

  • Das Ostseevolk nennt sich selbst, sein Land und seine Sprache Eesti.
  • Das englische Eastland 'Ostland' leitet über zum Namen der Ostsee, die altnordisch Austramarr, Eystrisalt, deutsch Ostersalz, Ostsee 'Ostmeer', [2] finn. Eesti meri  'Esten-Meer', estn. dagegen Länsimeri 'Westmeer' genannt wird [1].

  • deutsch Estland, russ. Єстония Estoníʲa

Nameserklärung

Der fließende Übergang von Aistii > Ostsee macht wahrscheinlich, dass Aesti, Esten einfach 'die Östlichen, Bewohner des Ostlandes' sind; von daher ist auch zu erklären, wieso dieser Name schließlich an dem finnischen Volk hängen blieb.

  • germanisch austro 'östlich'
  • lat. auster 'Südwind'
  • ung. észak 'Norden' (mit Ableitungssilbe -ak)
    vgl. este 'Abend'

*Ais- > *ēs- ist wohl eine Dialektvariante von *aus [2]:

Da sowohl die Italiker = Römer als auch die Ugrofinnen = Ungarn aus ihrer ursprünglichen Heimat in Mitteleuropa bzw. Russland abgewandert waren, könnte es sein, dass sie dem ererbten Wort für 'Richtung des Sonnenaufgangs' in ihrer neuen Heimat eine andere Bedeutung gaben, weil wichtige Orientierungspunkte wie Gebirge, See oder Fluss in eine andere Richtung wiesen.

Namensvarianten

  • estn., finn. Eesti
     lit. Èstija
     dt. Estland, sam.
    Estlánda
     engl. Estonia

  • lett. Igaunija 'erworbenes Land?'

  • finn. Viro
    Der Name bedeutet im Estnischen 'Finnland', zu
    estn. vir 'Sumpf'
    ℒ < japhet. *ʊys- 'zähe fließen' > anord. veisa 'Sumpf'
    > *veisaro- > *veiro, viro'

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] aus einer finnischen Quelle

[2] germanisch /au/ wird regelmäßig > dt. /ô/ = aengl. /éa/ = anord. /au/, umgelautet /ey/

 

 

Zur Zeit des Tacitus waren die Aestii Nachbarn der Goten. Got. Name, zu got. aistan 'ehren'?

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 2005

Aktuell: 16.02.2018