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Geschichte
Formales
Woher kommt
der Name?
Bedeutung |
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Germani sollen schon im Jahr 222 v.
Chr. in den sog. Fastl capitolini aufgeführt werden. Die Fasti waren eine
Art offizielle Chronik der römischen Republik, die durch Randbemerkungen und
Kommentare späterer Schreiber ergänzt wurden. Insofern ist es zweifelhaft,
dass die Erwähnung der Germani wirklich aus diesem Jahr stammt.
[1] Der Volksname
erscheint unzweifelhaft erstmals 73
v. Chr. bei Poseidonios fr. 32 in einem Bericht über die Essgewohnheiten
der Γερμανοί (Germanoí).
Welches Volk er damit meint, lässt sich an Hand des Fragments nicht
feststellen. Als nächstes werden
Germani bei Caesar
im Gallischen Krieg erwähnt:
Schon im ersten
Kriegsjahr (58 / 57 v. Chr.) hatte Caesar mit "Barbaren" zu tun, die aus den
Ländern rechts des Rheins nach Gallien einfielen und die bei Caesar stereotyp
Germani heißen. Den Ausdruck hat er wohl bei Ariovist kennen gelernt, den
er rex Germanorum 'König der Germanen' nennt (1,31,10). Caesar
überträgt diesen Namen dann auf alle Gruppen, die in seiner Zeit in großen
Scharen über den Rhein kommen, und nennt das Land nach einigem
Herumprobieren
- fines Germanorum
'Bezirk der Germanen' 1,27,4
- Germanorum ager
'Gefilde der Germanen' 1,31,11)
schließlich im 4.
Kriegsjahr (55/55 v.Chr.) erstmals
Damit hat er ein politisches
Schlagwort geschaffen, um den Zweck seines Krieges zu erklären: Er muss das
Land der linksrheinischen "Gallier" erobern, um sie vor den Angriffen der
rechtsrheinischen "Germanen" zu schützen.
Der Rhein sollte also die Ostgrenze des römischen Einflussbereiches sein.
Dass seine Definition nicht stimmte, hat Caesar selbst gewusst, da er
"Germanen" und "Gallier" kannte, die auf der falschen Rheinseite ansässig
waren.
Germani nannten sich nicht
nur die Krieger Ariovists, sondern auch:
Caesar Bell. Gall. 2,4,10
Condrusos, Eburones, Caerosos,
Paemanos, qui uno nomine Germani appellantur
= die Condrusi usw. nennen sich mit
gemeinsamem Namen Germani (später nach Festigung des Germanenbegriffs
Germani cis Rhenum 'linksrheinische Germanen' genannt, 2,3). Das
Gebiet dieser Stämme wurde später von den Tungri besetzt.
Plinius h.n. 3,3,4
Oretani qui et Germani cognominantur = die iberischen Oretani, die
auch den Beinamen Germani tragen. Es gab also auch "Germanen"
iberischen Stammes. Die Iberer waren die nicht indogermanischen Ureinwohner von Spanien, vielleicht
verwandt mit den Basken.
Nach Tacitus Germ. 2 wären die
Tungri an
der Maas die ersten gewesen, die sich
Germani genannt hätten. Der ursprüngliche Stammesname sei zu dem eines
ganzen Volkes geworden.
Wenn wir Caesar Glauben schenken, führten aber die keltischen Stämme an
der Maas schon vorher diesen Namen, so das die Tungri ihn von denen
übernommen hätten.
Da sich die
rechtsrheinischen Stämme nicht dem Sprachgebrauch Caesars anschlossen und
sich selbst nicht Germanen nannten, ging dieser Name mit dem
Untergang des weströmischen Reiches wieder verloren. Schon vorher sprachen die antiken Quellen allgemein von "Barbaren" oder konkret von
"Goten",
"Franken, Alemannen" usw. Das mag auch durch die
Verwechslungsgefahr bedingt sein: Germani = 1. 'leibliche
Geschwister', 2. 'Germanen'.
In den westromanischen Sprachen ist der Volksname im Unterschied zu der
lateinischen Verwandtschaftsbezeichnung ganz verloren gegangen, hat
sich aber auf den britischen Inseln und in Rumänien in der Bedeutung
deutsch, Deutschland erhalten.
Germāni (mit langen /a/) ist eine
lateinische Bildung. Die Germanen kannten überhaupt kein langes /a/ und die
Kelten offenbar nicht die Einfügung -ān-.
Formal entspricht dieser Name genau lat.
germāni 'leibliche Geschwister', abgeleitet von germen <
*gen-men
'Sprössling'.
Auch dem Volksname muss also ein Neutrum *ger-men zugrunde liegen, aus
dem im Keltischen oder Germanischen ein Abstraktum *ger-m geworden
wäre. Die Römer hätten daran die lat. Zugehörigkeitsanfügung -ān-
gehängt: Ger-m-āni =
Denkbar ist freilich, dass die Römer ein
keltisches oder germanisches *Germăn- nach ihrem Sprachgefühl
umgeformt haben. Eine keltische
Nebenform lautet:
-
auf Münzen Garmanos (Personenname,
vielleicht auch anderer Herkunft)
-
bei Beda h.e. 5,9 a vicinia gente Brittonum
corrupte Garmani nuncupantur - Die Angelsachsen wurden von dem
benachbarten Volk der Briten fälschlich Garmani genannt.
(Holder, Altceltischer Sprachschatz 1,2011)
Die älteste Deutung stammt aus der Zeit des
Augustus von Strabon [2]: Die
Germanen seien Verwandte der Kelten gewesen, auf Lat. eben germani 'leibliche
Geschwister. Die Römer hätten ihnen diesen Namen gegeben, weil sich beide
Völker körperlich kaum unterschieden, nur kulturell.
Da der Name schon 73 v. Chr. erstmals erwähnt
wird, also vor dem römischen Vorstoß nach Gallien, kann er nicht lateinisch
sein. Auch hätten sich ein iberisches Volk im Basisjahrhundert n. Chr. kaum
einen germanischen Namen gegeben.
Also bleibt von den bekannten Sprachen noch
das Keltische:
cymr.
ger 'schreien'
erweitert cymr. germ 'schreien', cymr., ir., gael.
gairm 'rufen, proklamieren, krähen; Ruf, Beruf, Aufruf, Proklamation', cymr, corn., bret.
garm
'Ruf, Schrei'
aus dem Keltischen > anord. Garmr 'Schreier' (Name des Höllenhundes)
vgl.
lat. garrire 'plappern', grus 'Kranich'
griech. γῆρυς (gêrys) 'Stimme, Schall',
γέρανος (géranos) 'Kranich' > Geranie
aind. जर् jar- 'knistern, rauschen, rufen, anrufen'
Germanische Entsprechungen:
ahd. kerran < *karjan 'Geräusche von sich geben' ≘ lat.
garrire
ahd.
karôn 'klagen,
trauern', kara 'Klage, Sorge, Trauer' ≘ cymr. ger
erweitert mhd. karmen 'trauern, klagen' ≘ nkelt.
gairm
mhd. karmîne 'Klage, Weheruf' ≘ formal Germani
ablautend Schwundstufe ahd. krawôn 'krähen',
krâwa
'Kähe', krano, kranuh
'Kranich'
Das germanische Wort kar-, ker- hat sich also auf den
'Klageruf' und das Vogelgeschrei spezialisiert und kommt auch von daher für
eine Erklärung des Namens nicht in Frage.
Kelt. germ(en) ist also 'Geschrei' oder
'Ruf',
Germani die 'Leute des Geschreis / Rufs'
[3]
Tacitus Germ. 3 findet es bemerkenswert, dass die Germanen vor der
Schlacht Lieder, genannt
barditus, anstimmten und dabei
die Schilde vor den Mund hielten, um sich selbst Mut und den Gegnern
Angst zu machen.
Aber war das wirklich etwas Besonderes? Kriegsgeschrei und
Schlachtparolen werden schon im Alten Testament erwähnt und wenn man
einen Angriff erwartet, hält man doch automatisch den Schild vor den
Kopf. Die germanische Eigentümlichkeit kann nur darin bestanden haben,
dass die Germanen ein besonderes Ritual einhielten.
Germani 'Schreier' wären also Krieger, die vor der Schlacht
Heldenlieder
singen.
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[1]
Ich kenne leider den Text nicht. Vielleicht lässt sich darin erkennen, was
mit diesem Namen wirklich gemeint ist.
[2]
Geographie 7,1,3
[3] vgl. die
baltischen Bezeichnungen für
'deutsch, Deutschland'
und lat. gallus 'Kräher, Hahn' / Gallus 'Kelte', das aber auch
anders zu erklären ist.
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