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Geschichte
Name
Goten, Gauten, Götland, Gotland
Überlieferung
Form
Deutung
Ostgoten
Greutunger
Westgoten
Terwinger
Gepiden
Übertragene
Verwendung des Namens |
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Das ostgermanische Volk der Goten soll soll nach Jordanes 2
von der Insel Skandza (Schonen, Südschweden) gekommen sein. Die Goten wohnten zur Zeitenwende an der Weichselmündung und wanderte dann in die
Ukraine.
Ein Teil von ihnen, die Westgoten, wanderten ab 236 an die Donau und ließen
sich in Rumänien nieder. Die Ostgoten blieben zunächst in
Südrussland, bis sie ab 375 von den Hunnen aufgestört wurden. Damit gerieten
alle ostgermanischen Völker in Bewegung. Die Westgoten zogen nach Westen und
ließen sich ab 475 in Südwestfrankreich, ab 507 in Kastilien nieder. Ihr
Reich wurde 711 von den Arabern erobert. Die Ostgoten dagegen setzten sich
um 490 in Oberitalien fest. Sie wurden nach zwanzigjährigem Ringen 552 von
den Byzantinern vernichtend geschlagen.
Seit 335 bekehrte der gotische Bischof Ulfilas (Wulfila) sein Volk zum
arianischen Christentum, übersetzte Teile der Bibel ins Gotische und schuf
damit die erste germanische Literatursprache.
Ein Teil der Goten war auf der Krim zurückgeblieben. Reste dieses Volkes und
ihrer
Sprache gab es dort noch im 16er Jahrhundert.
- got. Gut-þiuda 'Gotenvolk',
Gutani 'der Goten' < *Guta
'Gote', *Gutans 'die Goten'
-
lat. Tac., ann. 2,62,2 Gotones, Plinius 4,99
Gutones
(Teil der Vandili) später Gothi
Ptolemäus griech. Γοῦται, Γύθωνες, später Γότθοι
Goûtai, Gýthōnes,
Gótthoi
-
anord. Gotar '1. Goten, 2. Gotländer'
Gautar 'Gauten' (Südschweden)
-
schwed. Götar 'Gauten',
Gutar 'Gotländer'
-
ahd. PN Gauz,
Gôz, FaN
Gauß
-
aengl. Géatas 'Gauten',
Gotan 'Goten' (Widsith)
-
Jordanes 17 Gothiskandza.
Jordanes berichtet, die Goten seien nach ihrem Auszug aus
Skandza dorthin gekommen. Nach dem Zusammenhang müsste damit das Land an
der Weichsel gemeint sein; besser denkt man aber an 'gotisch Schonen' =
Gotland. Die Gegend soll noch zu Jordanis Zeiten diesen Namen getragen
haben.
Gothiskandza kann entstanden sein aus
*Gut-skandia oder
verkürzt aus *Gutisk-skandia
Wie die Namensüberlieferung zeigt, müssen wir also unterscheiden
zwischen
Die Schreibung mit /th/ deutet an, dass der Konsonant aspiriert
war, im Unterschied zu griechisch - römischen Aussprache.
Es ist anzunehmen, dass Gauten und Goten einen gemeinsamen
Ursprung haben.
Nach Jordanes 4 kamen die Goten von der "Insel"
Skandza = Schonen in
Südschweden. Das kann aber auch aus der Namensähnlichkeit von
Gauten und Goten
erschlossen sein.
Man nimmt daher gewöhnlich an, dass die Vorfahren der Weichselgoten auf der
Insel Gotland gewohnt hatten. Nach neueren Forschungen kamen die Gotländer
nicht aus Skandinavien, sondern aus Jütland, vielleicht auch die Gauten.
Das Nebeneinander von Gauten und
Goten macht
wahrscheinlich, dass beiden Namen ein ablautender Verbalstamm zugrunde liegt:
-
got. giutan,
gaut, gutans 'gießen, goss, gießend'
Das Benennungsmotiv kann man nur raten: 'Flussanwohner' (vgl. ahd.
giozo 'Fluss, Flut, Strömung, Wasser, Bach, See')? Schiffsleute (vgl.
ahd. gôzo 'Nachen, Kahn')?
T.E. Karsten (Die Germanen 107) erwägt einen Zusammanhang
mit dem Flussnamen Gautelfr 'Gießbach'.
- germ. *ḡautan
'lärmen, schreien', anord. gauta 'schwatzen, prahlen',
gautan 'Geschwätz,
Prahlerei'; ndl. guiten 'ausschelten'; shess.
gauzen 'bellen' lit.
žodis 'Wort'
Das erinnert an lit. vokietis,
lett. vācietis 'deutsch',
eigentlich 'Schreier'.
Jordanes 14 beginnt
den Stammbaum des ostgotischen Königsgeschlechts der Amaler mit
Gapt,
der auf jeden Fall eine mythische Person, vielleicht ein Gott ist.
Einige verstehen diesen Namen als verschrieben für
Gaut. Bei
Jordanes sind auch andere Namen sehr verunstaltet. Demnach wären die
Gauten und Goten nach ihrem Stammvater benannt.
Nun könnte es aber auch das Umgekehrte der Fall sein, dass der
Stammvater aus dem Volksnamen erschlossen ist, siehe unten zu
Osthrogota.
Die Schreibung
Gapt ist nicht gotisch, sondern altnordisch für
*Gaft. Vgl. anord.
gipt = engl.
gift 'Gabe'.
-
Gapt. zu anord. gapa
'den Mund aufreißen' (dt.
gaffen),
gap
'gähnende Öffnung, Geschrei'.
Die Bedeutungen von gapa
und gauta
liegen nahe beieinander.
Vielleicht hängt dieses
Gapt mit dem Namen der
Gepiden zusammen.
Die Goten bestanden aus drei
Teilvölkern, den Ost- und Westgoten und Gepiden, vielleicht entsprechend
der drei Schiffsbesatzungen, die nach Jordanes 4 nach Gothiskandza
gekommen waren.
-
Biographia Claudia
6,2 Austrogothi
-
Sidonius, carmen 2,377 Ostrogotus
Der Name lasst sich kaum trennen von dem des Königs
Die Ost- wie die
Westgoten sind nach
ihren Wohnsitzen im Osten benannt. Der sagenhafte König hat seinen Namen
von dem Volk.
ist ein anderer Name dieses Volkes
(wahrscheinlich Selbstbezeichnung)
Der Name wird erklärt mit anord. grjót ' Kies,
Steine', aengl. gréot 'Sand,
Staub, Erde', asächs. griot 'Sand, Ufer', ahd.
grioz
'Sandkorn, Sand'. Greutungi müsste demnach 'Kies-, Sandbewohner'
bedeuten.
Schon Jordanes 14 deutet den Namen als
"id est a parte occidua
= das ist nach dem westlichen Landesteil".
Wisi- scheint also eine gotische
Sonderform von germ. west- zu sein. Damit sind andere
Deutungsversuche unnötig.
ist ein anderer Name dieses Volkes:
- Biographia Claudia
6,2 Teruingi
Der Name wird erklärt als 'Waldgoten'.
Germ.
*terwa (vgl. finn.
terva, lit. dervà) bedeutet aber 'Teer', eine Ableitung von germ.
(got.) triu 'Holz,
Baum'. Hatten sich die ursprünglichen Terwinger auf die Teergewinnung
spezialisiert?
Die Namen Greutungi und
Terwingi könnten schon in Skandinavien oder an der Weichsel
entstanden sein.
Nach Jordanes 17 sind die Gepiden mit den Goten auf dem dritten
Schiff an die Weichsel gekommen sein. Da es das letzte war, sozusagen
gepanta 'träge', habe man die Schiffsbesatzung und ihre Nachkommen "in
verderbter Form" Gepidae genannt. Dieser Stamm bewohnten eine Insel
in der Weichselmündung namens Gepidoios >
*Gepid-auwjos
'Gepideninsel'.
Sie zogen im 2er Jahrhundert nach Süden und gründeten in Süd-West-Ungarn ein
Königreich, das im 5er Jahrhundert den Langobarden erlag.
- Jordanes: Gepidae
aengl. Gifðas (Beowulf) Gefdas (Widsith)
Der Name erinnert an den Amaler-Stammvater Gapt.
Gepiden könnte also eine gleichbedeutende Variante von
Goten
sein.
Wie die aengl. Namensformen zeigen, war das /i/
nur sehr flüchtig, also
Gépiden, nicht
Gepíden.
- Die mittelalterliche Kunstrichtung zwischen Romanik und Renaissance
wurde im 16er-Jh. in Italien verächtlich gotico
'barbarisch' genannt, daher die Stilbezeichnungen
gotisch,
Gotik.
- Lit.
Gudai 'Goten' bezeichnet angeblich die
benachbarten Polen und Weißrussen und soll daran erinnern, dass die Goten
einmal Nachbarn der Litauer waren.
- In "Asterix und Obelix" stehen die "Ost- und Westgoten" für die
Deutschen.
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