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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Völker-, Länder- und Gruppennamen

Goten, Gauten, Götland, Gotland, Gepiden

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Geschichte

Name

Goten, Gauten, Götland, Gotland

Überlieferung

Form

Deutung

Ostgoten

Greutunger

Westgoten
Terwinger

Gepiden

Übertragene Verwendung des Namens

 

Geschichte

Das ostgermanische Volk der Goten soll soll nach Jordanes 2 von der Insel Skandza (Schonen, Südschweden) gekommen sein. Die Goten wohnten zur Zeitenwende an der Weichselmündung und wanderte dann in die Ukraine.
Ein Teil von ihnen, die Westgoten, wanderten ab 236 an die Donau und ließen sich in Rumänien nieder. Die Ostgoten blieben zunächst in Südrussland, bis sie ab 375 von den Hunnen aufgestört wurden. Damit gerieten alle ostgermanischen Völker in Bewegung. Die Westgoten zogen nach Westen und ließen sich ab 475 in Südwestfrankreich, ab 507 in Kastilien nieder. Ihr Reich wurde 711 von den Arabern erobert. Die Ostgoten dagegen setzten sich um 490 in Oberitalien fest. Sie wurden nach zwanzigjährigem Ringen 552 von den Byzantinern vernichtend geschlagen.
Seit 335 bekehrte der gotische Bischof Ulfilas (Wulfila) sein Volk zum arianischen Christentum, übersetzte Teile der Bibel ins Gotische und schuf damit die erste germanische Literatursprache.
Ein Teil der Goten war auf der Krim zurückgeblieben. Reste dieses Volkes und ihrer Sprache gab es dort noch im 16er Jahrhundert.

Name

Goten, Gauten, Götland, Gotland

Überlieferung

  • got. Gut-þiuda 'Gotenvolk', Gutani 'der Goten' < *Guta 'Gote', *Gutans 'die Goten'
  • lat. Tac., ann. 2,62,2 Gotones, Plinius 4,99 Gutones (Teil der Vandili) später Gothi
    Ptolemäus griech. Γοῦται, Γύθωνες, später Γότθοι Goûtai, Gýthōnes, Gótthoi

  • anord. Gotar '1. Goten, 2. Gotländer'
    Gautar 'Gauten' (Südschweden)

  • schwed. Götar 'Gauten', Gutar 'Gotländer'

  • ahd. PN Gauz, Gôz, FaN Gauß

  • aengl. Géatas 'Gauten', Gotan 'Goten' (Widsith)

  • Jordanes 17 Gothiskandza.
    Jordanes berichtet, die Goten seien nach ihrem Auszug aus Skandza dorthin gekommen. Nach dem Zusammenhang müsste damit das Land an der Weichsel gemeint sein; besser denkt man aber an 'gotisch Schonen' = Gotland. Die Gegend soll noch zu Jordanis Zeiten diesen Namen getragen haben.
    Gothiskandza kann entstanden sein aus *Gut-skandia oder verkürzt aus *Gutisk-skandia

Form

Wie die Namensüberlieferung zeigt, müssen wir also unterscheiden zwischen

  • dem dehnstufigen anord. Gautar  in Gautland (heute Götaland / Südschweden)

  • dem schwundstufigen *Gutans 'Goten' auf der Insel Gotland (altnordische Form, mit kurzem Vokal)

Die Schreibung mit /th/ deutet an, dass der Konsonant aspiriert war, im Unterschied zu griechisch - römischen Aussprache.

Es ist anzunehmen, dass Gauten und Goten einen gemeinsamen Ursprung haben.
Nach Jordanes 4 kamen die Goten von der "Insel" Skandza = Schonen in Südschweden. Das kann aber auch aus der Namensähnlichkeit von Gauten und Goten erschlossen sein. Man nimmt daher gewöhnlich an, dass die Vorfahren der Weichselgoten auf der Insel Gotland gewohnt hatten. Nach neueren Forschungen kamen die Gotländer nicht aus Skandinavien, sondern aus Jütland, vielleicht auch die Gauten.

Deutung

  • Die älteste Deutung überliefert Isidor, Historia Gothorum 2. Nach ihm soll der Name 'die Bedeckten' bedeuten

    Die Goten in der Ukraine waren Nachfolger der Skythen und konnten ihren Namen damit in Verbindung bringen:

Das Nebeneinander von Gauten und Goten macht wahrscheinlich, dass beiden Namen ein ablautender Verbalstamm zugrunde liegt:

  • got. giutan, gaut, gutans 'gießen, goss, gießend'
    Das Benennungsmotiv kann man nur raten: 'Flussanwohner' (vgl. ahd. giozo 'Fluss, Flut, Strömung, Wasser, Bach, See')? Schiffsleute (vgl. ahd. gôzo 'Nachen, Kahn')?
    T.E. Karsten (Die Germanen 107) erwägt einen Zusammanhang mit dem Flussnamen Gautelfr 'Gießbach'.

  • germ. *ḡautan 'lärmen, schreien', anord. gauta 'schwatzen, prahlen', gautan 'Geschwätz, Prahlerei'; ndl. guiten 'ausschelten'; shess. gauzen 'bellen' lit. žodis 'Wort'
    Das erinnert an lit. vokietis, lett. vācietis 'deutsch', eigentlich 'Schreier'.

Jordanes 14 beginnt den Stammbaum des ostgotischen Königsgeschlechts der Amaler mit Gapt, der auf jeden Fall eine mythische Person, vielleicht ein Gott ist.
Einige verstehen diesen Namen als verschrieben für Gaut. Bei Jordanes sind auch andere Namen sehr verunstaltet. Demnach wären die Gauten und Goten nach ihrem Stammvater benannt.
Nun könnte es aber auch das Umgekehrte der Fall sein, dass der Stammvater aus dem Volksnamen erschlossen ist, siehe unten zu Osthrogota.
Die Schreibung Gapt ist nicht gotisch, sondern altnordisch für *Gaft. Vgl. anord. gipt = engl. gift 'Gabe'.

  • Gapt. zu anord. gapa 'den Mund aufreißen' (dt. gaffen), gap 'gähnende Öffnung, Geschrei'.
    Die Bedeutungen von
    gapa und gauta liegen nahe beieinander.

Vielleicht hängt dieses Gapt mit dem Namen der Gepiden zusammen.

Die Goten bestanden aus drei Teilvölkern, den Ost- und Westgoten und Gepiden, vielleicht entsprechend der drei Schiffsbesatzungen, die nach  Jordanes 4 nach Gothiskandza gekommen waren.

Ostgoten

  • Biographia Claudia 6,2 Austrogothi

  • Sidonius, carmen 2,377 Ostrogotus

Der Name lasst sich kaum trennen von dem des Königs

  • Ostrogotha (Jordanes 14.16)
    aengl. Eastgota (Widsith)

Die Ost- wie die Westgoten sind nach ihren Wohnsitzen im Osten benannt. Der sagenhafte König hat seinen Namen von dem Volk.

Greutunger

ist ein anderer Name dieses Volkes (wahrscheinlich Selbstbezeichnung)

  • Ammianus Marcellinus Greutungi
    Biographia Claudia 6,2 Grutungi

Der Name wird erklärt mit anord. grjót ' Kies, Steine', aengl. gréot 'Sand, Staub, Erde',  asächs. griot 'Sand, Ufer', ahd. grioz 'Sandkorn, Sand'. Greutungi müsste demnach 'Kies-, Sandbewohner' bedeuten.

Westgoten

  • lat. Wisigothi (Jordanes 5)

Schon Jordanes 14 deutet den Namen als "id est a parte occidua = das ist nach dem westlichen Landesteil". Wisi- scheint also eine gotische Sonderform von germ. west- zu sein. Damit sind andere Deutungsversuche unnötig.

Terwinger

ist ein anderer Name dieses Volkes:

  • Biographia Claudia 6,2 Teruingi

Der Name wird erklärt als 'Waldgoten'.
Germ. *terwa (vgl. finn. terva, lit. dervà) bedeutet aber 'Teer', eine Ableitung von germ. (got.) triu 'Holz, Baum'. Hatten sich die ursprünglichen Terwinger auf die Teergewinnung spezialisiert?
Die Namen Greutungi und Terwingi könnten schon in Skandinavien oder an der Weichsel entstanden sein.

Gepiden

Nach Jordanes 17 sind die Gepiden mit den Goten auf dem dritten Schiff an die Weichsel gekommen sein. Da es das letzte war, sozusagen gepanta 'träge', habe man die Schiffsbesatzung und ihre Nachkommen "in verderbter Form" Gepidae genannt. Dieser Stamm bewohnten eine Insel in der Weichselmündung namens Gepidoios > *Gepid-auwjos 'Gepideninsel'.
Sie zogen im 2er Jahrhundert nach Süden und gründeten in Süd-West-Ungarn ein Königreich, das im 5er Jahrhundert den Langobarden erlag.

  • Jordanes: Gepidae
    aengl. Gifðas (Beowulf) Gefdas (Widsith)
    Der Name erinnert an den Amaler-Stammvater Gapt.
    Gepiden könnte also eine gleichbedeutende Variante von Goten sein.

Wie die aengl. Namensformen zeigen, war das /i/ nur sehr flüchtig, also Gépiden, nicht Gepíden.

Übertragene Verwendung des Namens

  • Die mittelalterliche Kunstrichtung zwischen Romanik und Renaissance wurde im 16er-Jh. in Italien verächtlich gotico 'barbarisch' genannt, daher die Stilbezeichnungen gotisch, Gotik.
  • Lit. Gudai 'Goten' bezeichnet angeblich die benachbarten Polen und Weißrussen und soll daran erinnern, dass die Goten einmal Nachbarn der Litauer waren.
  • In "Asterix und Obelix" stehen die "Ost- und Westgoten" für die Deutschen.
   

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Übersicht

 

 

 

Datum: 2005

Aktuell: 18.11.2010