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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Völker-, Länder- und Gruppennamen

Langobarden, Lombardei

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Name

Form

Bedeutung

Geschichte

 

Name

Der Name erscheint erstmals bei Velleius Parteculus 2,106 (Zeit des Tiberius 14-37

  • klass.-lat. Langobardi
  • normal-griech. Λαγγόβαρδοι (Langóbardoi) [1]
    Sonderformen: Λακκόβαρδοι (Lakkóbardoi) [2] [3]
                               Λαγγιόβαρδοι (Langióbardoi )[4]
  • Im Karolingerreich kam Longobardi auf
    in Anlehnung an lat. longus 'lang' [5]

  • ahd. Langbarta

  • anord. Langbarðar

  • mhd. Lancparte, Lancparter und

  • Lamparte [6]
  • mlat. Schreibung Longobardi > mhd. Lombarter
  • it. Lombardi > nhd. Lombarden

Der Landesname lautet

  • mlat. Langobardia [7]
  • ahd. Langbarton 'bei den Langobarden' = Italien
  • mhd. Lampardie, Lampartenlant
  • später mlat. > it. Lombardia > nhd. Lombardei

Form

germ. lang > Langobardi > Lamparte
lat. longus > Longobardi > Lombardia

Bedeutung

Die Langobarden selbst verstanden sich als

  • 'Langbärte'
    Nam iuxta illorum linguam lang longam, bard barbam significat = Denn in ihrer Sprache bedeutet lang 'lang' und bard 'Bart'. [8]

und begründeten dies mit einer heidnischen Legende, die in verschiedenen Fassungen überliefert ist. [9]

Das Volk hieß ursprünglich Winili [10]. Vor einem Krieg gegen die Wandalen baten die Winili den Gott  Goden = Wodan um Hilfe. Der antwortete: Er hilft denen, die er bei Sonnenaufgang zuerst sieht.
Die Führer der Langobarden dagegen wandten sich an Godens Frau Frea. Die riet ihr, die Frauen sollten sich sich  am nächsten Morgen ihre Haar wie Bärte ins Gesicht hängen lassen und mit ihren Männern so aufstellen, dass sie Goden vom Schlafzimmerfenster aus gleich sehen könnte. Goden: "Qui sunt isti longibarbi - Was sind denn das für Langbärte?" - Frea: "Jetzt hast du ihnen einen Namen gegeben, so gib ihnen auch den Sieg."
.

Die Legende erklärt also dem Stammesnamen dadurch, dass die Winili durch einen Trick die Aufmerksam des Gottes auf sich gezogen und damit von den Wandalen abgelenkt hatten, die selbstverständlich auch schon vor Sonnenaufgang angetreten waren.
Vielleicht hat sich die Geschichte tatsächlich so abgespielt: Die Winili legten ein Orakel in origineller Weise so aus, dass sie vor der Schlacht auch ihre Frauen antreten ließen, die sich mit falschen Bärten als Männer maskierten. [11] Die verdoppelte Größe der winilischen Streitmacht wird, wenn nicht die Götter, so doch die Wandalen beeindruckt und das Schlachtglück entschieden haben. Selbst wenn man annimmt, dass sich die Damen vor Ausbruch der Feindseligkeiten wieder zurückzogen.

Im Sinne der Legende war die Bezeichnung Langobarden zunächst ein Spitzname, den sich das Volk nach dem Sieg zu eigen gemacht hatte.

Grundlage des Langobarden-Namens scheint aber ein älteres

  • Barda 'Bärte'

zu sein, wie der niedersächsische Bardengau und der Ort Bardowick bei Lündeburg nahelegt.
Die Vorfahren der Langobarden scheinen also zunächst einfach Barda geheißen zu haben.
"Langbärte" könnte eine spätere verdeutlichende Zusammensetzung sein.

Die Germanen scheinen im Allgemeinen keine Bärte oder nur "Dreitagesbärte" getragen zu haben. Das muss auch bei den Langobarden nicht anders gewesen sein. Der Name wird durch die Legende einleuchtend damit erklärt, dass ein einziges Mal bei einer Schlacht die Hälfte der Streitmacht lange "Bärte" gehabt habe.
Trotzdem muss berücksichtigt werden, dass Besonderheiten der Haartracht die Stämme voneinander unterschied. Tacitus erwähnt, dass die Chatten in ihrer Jugend die Haare lang trugen, bis sie den ersten Feind getötet hatten. Er berichtet von dem Swebenknoten (langes Haar auf der Seite zu einem Knoten gebunden, der sich auch archäologisch nachweisen lässt). Zu den Sweben rechnet Tacitus in Germ. 40 auch die Langobarden, erwähnt aber nur ihre Kriegstüchtigkeit, aber keine besonderen Moden. Demnach muss auch dieses Volk den Suebenknoten getragen und sich ganz normal rasiert haben.

Geschichte

Die Legende erwähnt am Anfang, das Volk habe ursprünglich Winili geheißen und sich anlässlich einer Schlacht gegen die Wandalen in Langobarden umbenannt.
Das könnte tatsächlich damit zusammenhängen, dass dieser Stamm bei seiner Wanderung nach Süden mit den Wandalen aneinander geriet. Da beide Völker später getrennte Wege gingen, müsste das noch in ihrer gemeinsamen nordischen Heimat geschehen sein, vielleicht schon beim Abzug der Wandalen.

Die Langobarden sollen um 100 v. Chr. aus Skandinavien [2] an die untere Elbe gezogen sein, wo sie sich im Bardengau niederließen. Um 490 zogen sie ins Noricum (Österreich), im 5er-Jahrhundert nach Pannonien (Ungarn, dort vermischten sie sich mit anderen Stämmen.
In dieser erneuerten Gestalt zogen sie 567 nach Oberitalien und gründet dort ein eigenes Reich, das 774 von Karl d. Gr. erobert wurde.

 

[1] Ptolemaios 2,11,6+8

[2] Λακκόβαρδοι (Lakkóbardoi ist wohl kaum verschrieben.
Vielleicht hat sich dieser Stamm tatsächlich *Lakkobarda genannt. Im Altnordischen kann /ng/ unter gewissen Umständen zu /kk/ werden, z.B. springa / sprakk 'springen / sprang'.
Das könnte ein Hinweis sein, dass die Langobarden aus Skandinavien stammen.
Angeblich kann man das archäologisch und sprachlich nicht nachweisen.
Der langobardische Dialekt in Italien war oberdeutsch, verwandt mit dem Bairischen. Die oberdeutschen Dialekte gehen auf die Swebenstämme zurück, die ursprünglich an der Elbe lebten.

[3] Ptolemaios 2,11,11

[4] Cassius Dio 71,3,1a

[5] Annales Fuldenses 882, Notker Gesta K.M. 2,15

[6] Der südhessische Ort Lampertheim lautete 832 Langbardheim, Langobardonheim, 1141 in seiner jetzigen Schreibung Lampertheim.

[7] Regino 887

[8] Der Name Winili erinnert an die keltischen Venelli das eigene Volk der Veneti, zu ahd. wini 'Freund', lat. Venus 'Liebesgöttin'.
Dem Namen nach war Frea dieselbe germanische Liebesgöttin, die sonst ahd. Frîa, anord. Frigg heißt und deren Name im Freitag = dies Veneris 'Venustag' erhalten ist. Ob die Namenskombination Winili - Frea Zufall ist?

[9] Paulus Diaconus, Historia Langobardorum 1,9, Origo gentis Langobardorum 1 (7er-Jahrhundert

[10] Paulus Diaconus, Historia Langobardorum 1,8

[11] Dass Frauen an der Schlacht teilnahmen, war bei den Germanen nicht ungewöhnlich.

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 2005

Aktuell: 14.07.2006