Diskussion Aphrodite

  • Hesiod, Theogonie 176 ff: Nachdem Kronos seinen Vater Uranos entmannt hatte, fielen Blut und Samen ins Meer. Aus dem dadurch entstandenen Schaum (ἀφρός apʰrós) entstieg Aphrodite, die schaumgeborene (ἀφρογενέα apʰrogenéa, 196).
    deutscher Text

    • Es ist nicht ausgemacht, dass die Geburtsgeschichte aus einer falschen Namenserklärung herausgesponnen ist. Es könnte sich um einen älteren Geburtsmythos handeln: Der Mensch ist entstanden aus Samen, Blut und Wasser. Auch dann ist aber nicht notwendig, dass dabei Schaum entsteht. Also handelt es sich um eine Missdeutung nach der oberflächlichen Ähnlichkeit im Wortbild.

  • Etymologicum Magnum (um 1150): von ἁβροδίαιτος habro-díatos 'üppig lebend' (Wikipedia)

    • /b/ statt /pʰ/ ist makedonisch. Das griech. /h-/ könnte durch Hauchdissmilation geschwunden sein.

    • Ἁβρός habrós 'üppig, zart' wird als idg. *ıëğrós 'von Jugendkraft strotzend' erklärt P503, kommt also für Aphrodite nicht in Frage.

  • mittel- und spätbabyl. Barīrītu, Name einer Dämonin (Wikipedia)

    • Da Aphrodite Ähnlichkeiten mit der semitischen Astarte hat, hat man nach einer semitischen Etymologie gesucht. Auch wegen der Lautgestalt unwahrscheinlich.

  • etr. purtʰne, eprtʰne 'Diktator',  lyk. epriti 'Satrap', griech. πρύτανις prýtanis 'Obmann, Rat, Fürst'
    (Der Kleine Pauly 1,426)

    • Das Wort für 'Herrscher' ist nicht etruskisch, sondern kleinasiatisch und im Griech. ein Fremdwort.

    • Die Lautgestalt macht einen indogermanischen Eindruck: silbisches /r/, das ur, ri oder ru gesprochen wird - stützender Vokalvorschlag vor der schwach artikulierten ersten Silbe - Anfügung -n-.

    • Man hat nicht bedacht, dass griech. /pʰ/ nicht /p/, sondern /bʰ/ ist. Es könnte aber sein, dass griech. φ ein behauchtes /p/ in der Ursprungssprache wiedergibt. Das würde nur für Aphrodite gelten, nicht für das kleinasiatische Wort, das im Griech. ungehauchtes /p/ hat. Die etr. Lautform spricht nicht dagegen, denn er könnte sich um eine regelrechte idg. Hauchdissimilation handeln: Bei zwei behauchten Lauten bleibt der zweite erhalten, der erste Hauch wird unterdrückt.

    • Wegen der Lautung kommt also dieses Wort für Aphrodite nicht in Frage.

  • zu got. abrs < idg. *abʰros 'stark, heftig' < *abʰ¤њ 'rasch, heftig', griech. ἄφαρ ápʰar 'sogleich', ἄφνω(ς) ápʰnō(s) 'plötzlich'

    • Ein ähnliches semit. Wort bedeutet 'stark': akkad. abru, apru 'stark', hbr. אביר abbîr 'stark, Anführer, tapfer'; ábîr 'Gott'

    • Wie die griech. Wörter zeigen, steht /r/ im Auslaut,, /n/ im Inlaut. Wenn der Name davon abgeleitet wäre, müsste er !Aphnodite lauten. Bei got. Wort liegt wohl später Lautausgleich vor.

  • Die männliche Form Ἀφρόδιτος Apʰróditos "bezeichnet eine männlichere Form der Aphrodite mit maskuliner, bärtiger Gestalt, wie sie in Amathus auf Zypern verehrt wurde" (Wikipedia). Auch in Pamphylien gab es einen Aphroditos mit Bart. (Quelle) Die Quellen sind spärlich und nicht älter als 400 v. Chr.

    • Man könnte von daher den Namen der Göttin deuten als *a-bʰr̟dʰ-itā 'barbata, die Bärtige'.

      • mit silbischem /r/ in geschwächter Silbe, die durch Vokalvorsatz gestützt wird.

      • Silbisches /r/ wurde aber im Griech. zu -ar- oder -ra-.

      • Wenn <φ> auf /bʰ/ zurückgeht, kann der Name nichts Anderes als griechisch sein.

      • Nach den griech. Lautgesetzen bleibt der zweite Hauch erhalten und der erste geht verloren. Es gibt aber Ausnahmen.

      • Ein idg. *abʰr̟dʰitā hätte griech. !Apratʰitā ergeben.

      • Zudem hat das Griech. das idg. Wort für 'Bart' verloren.

      Diese Deutung kommt also aus lautlichen Gründen nicht in Frage,

    • aber auch, weil der bärtige Aphroditos erst so spät bezeugt ist.

  • Erklärung aus dem Semitischen: Ugarit PN Prd; hbr. פרד haprîd 'machen, dass man sich trennt: trennen, absondern', PN m. (um 400) פרידא Perîdâ, פרודא Perûdâ, mhbr. פרוד perûd 'einzeln'; arab. فرد farada, faruda 'einzigartig sein', fard 'Einzelperson, Individuum, einzig, Pl. أفراد afrâd 'Angehörige, Mitglieder'

    • Hesiod lässt Aphrodite bei Zypern geboren aus dem Schaum geboren werden. Dort scheint der Kult der Göttin sehr beliebt gewesen sein (Quelle). Zypern war eine phönikische Kolonie. Das kaum bekannte Phönikische war dem Althebräischen sehr ähnlich. Der Name der Aphrodite könnte also phönikisch sein.

    • Die Lautfolge p-r-d ist früh als Name belegt.

    • hbr. m. *Perûdî, f. *Perûdît wäre 'zu Perûd gehörig', etwa im Sinn von 'vom Mutterland getrennt, Emigrant(in), Kolonist(in)

    • Normalerweise bezeichnet -î(t) die Angehörigen einer Gruppe (Jehûdî / Jehûdît 'Jude/ Jüdin).

    • Mit Artikel הפרדית *ha-Perûdît, das ist fast die Lautung von Aphrodite. Es müsste ein Beiname sein (vgl. אוריא החתי Ûrijâ ha-Ḥittî 'Urija der Hethiter'). Hieß die Göttin עשתרת הפרדית ʕAštart ha-Parudit 'Astarte, die Paruditerin' bzw. 'die Kolonistin'?

  • Ergebnis

    • Lautlich und sachlich ist die semitische Erklärung am besten.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 25.03.2016

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