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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Fremdwörter sind GlücksacheSprachecke in den Echo-Zeitungen |
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Es soll Menschen geben, die haben die Begabung, Fremdwörter grundsätzlich verkehrt anzuwenden und auszusprechen. Dann sagen wir: "Fremdwörter sind Glücksache". Dabei unterstellen wir: Der Gebrauch von Fremdwörtern ist schwierig. Wir müssen schon großes Glück haben, wenn wir sie richtig verwenden. Das ist eine Karikatur, denn zum richtigen Gebrauch von Fremdwörtern gehört nicht Glück, sondern Sachkenntnis. Noch schwerer als sie richtig anzuwenden ist es aber, sie zu vermeiden und sich deutsch auszudrücken. Dazu genügt es nicht, wenn wir im Fremdwörterbuch nachsehen und an Stelle der ausländischen Vokabel die deutsche Übersetzung gebrauchen. Das soll folgendes Beispiel zeigen: "Michael ist ein Computerfreak" lässt sich übersetzen mit "Michael ist einer, der sich in übertriebener Weise mit Datenverarbeitungsanlagen beschäftigt." Besser ist es, mit anderen Worten auszudrücken, was gemeint ist, etwa "Michael ist ein Computernarr. Er sitzt Tag und Nacht vorm vor dem Rechner und hat für nichts anderes mehr Zeit." Wozu brauchen wir überhaupt Fremdwörter? Da gibt es verschiedene Anwendungsgebiete: 1. In der Fachsprache: Nicht nur die Wissenschaft, sondern jeder Beruf, jede Tätigkeit, jedes Hobby hat einen Sonderwortschatz mit Ausdrücken, die im alltäglichen Leben nicht vorkommen. Der Arzt hat ein Stethoskop zur Auskultation des Thorax (Art Hörrohr, um den Brustkorb abzuhorchen), der Landwirt fährt mit dem Kultivator (Art Ackergerät) über den Acker; die Hausfrau püriert die Kartoffeln (macht sie zu Brei), der Philatelist (Briefmarkensammler) hätte gern die blaue Mauritius (eine besonders wertvolle Marke). Die Erklärungen in den Klammern geben nur unvollkommene Vorstellungen von dem, was gemeint ist. Und mal ehrlich: Wer außer einem Doktor braucht ein Stethoskop und wer außer einem Bauern einen Kultivator? Das sind Fachwörter, die nur für diejenigen von Interesse sind, die sich ständig damit beschäftigen. Es würde also nicht viel nützen, alles auf Deutsch zu übersetzen. 2. Zur Bezeichnung neuer Gegenstände: Eine neue Erfindung braucht einen Namen. Da wir den Gegenstand noch nicht kennen, müssen wir uns sowieso eine neue Bezeichnung merken. Dann ist es doch gleichgültig, ob wir ein neues deutsches Wort (Fernseher), ein Fremdwort (Television) oder eine Abkürzung (TV) gebrauchen. Eine einheitliche Benennung von Neuerungen würde sogar das Erlernen von Fremdsprachen und die Verständigung innerhalb von Europa erleichtern. 3. zur genaueren Bedeutungsunterscheidung: Manchmal lässt sich mit einem Fremdwort auch im täglichen Leben genauer ausdrücken, was wir meinen. Fair ist was anderes als anständig oder ehrlich und das Gegenteil foul nicht dasselbe wie regelwidrig. Wer immer die Wahrheit sagt, den nennen wir "ehrlich", wir würden sein Verhalten aber kaum "fair" nennen. Wer beim Kartenspiel mogelt, spielt zwar "regelwidrig", aber nicht "foul". Die Hauptsache ist, dass wir uns verständlich ausdrücken. Oft bedenken wir nicht, dass unser Gegenüber von dem, was wir ihm erzählen oder erklären möchten, nicht viel weiß. Oder wir gebrauchen zu viele Fachausdrücke, die der Gesprächspartner nicht kennt. Oder wir haben selbst nicht verstanden, was wir sagen wollen. Da kann uns auch niemand verstehen. Schuld sind nicht die Fremdwörter, sondern dass wir zu viel als bekannt voraussetzen und zu wenig nachdenken. |
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Datum: 03.02.2004 Aktuell: 24.12.2009 |
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