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Als in den Achtzigerjahren die ersten elektronischen
Uhren aufkamen, war man folgende Scherzfrage im Umlauf: „Was ist das
Gegenteil von Digitaluhr?“ (Die Antwort ist im Text versteckt.) Tatsächlich
sind die herkömmlichen Uhren Analoguhren, weil sie die Zeit nicht digital,
das heißt in Ziffern darstellen, sondern analog mit Zifferblatt und
Zeiger.
Die ersten Räderuhren hatten zunächst nur einen Zeiger und zeigten nur die
Stunden an. „Drei Uhr“ war es, wenn der Zeiger auf der Drei stand. Kleinere
Einheiten konnte man mit Hilfe der Analoganzeige abschätzen: Wenn der Zeiger
ungefähr in der Mitte zwischen Drei und Vier stand, war es „halb vier“,
sonst „viertel nach drei“ (manche sagen auch: „viertel vier“) oder „drei
viertel vier“.
Mit der Einführung des Minutenzeigers und später des Sekundenzeigers konnte
man die Zeit genauer messen. Die alten analogen Zeitangaben blieben trotzdem
bis heute in Gebrauch. Wohl mit der Eisenbahn und ihren genauen Fahrplänen
wurde es nötig, die Uhrzeit „digital“ auszudrücken, also „drei Uhr
achtundvierzig“ oder noch genauer: „fünfzehn Uhr achtundvierzig“.
Wir unterscheiden zwischen dem vierundzwanzigsten Teil
des Tages, der Stunde und dem Zwölftel-Strich auf dem Zifferblatt,
der Uhr, wenn wir sagen: „Die Zeit zwischen zwei und drei Uhr dauert
eine Stunde.“
Uhr kommt von lateinisch hora ‚Stunde’. Im Altertum rechnete man
nicht mit Strichen auf dem Zifferblatt, sondern mit Zeiteinheiten.
Mittagsruhe war nicht „um 12 Uhr“, sondern sexta hora ‚zur 6. Stunde,
von etwa 12.00 bis 12.45 oder 13.15 Uhr, abgekürzt „6 h“. Die Stunden waren
je nach Jahreszeit verschieden lang, weil die 1. Stunde mit Sonnenaufgang
begann und die 12. Stunde mit Sonnenuntergang endete.
Das Zeitmessgerät Uhr ist verkürzt aus Uhrglocke, nach dem
Glockenschlag, der den Beginn einer neuen Stunde verkündigte. Ähnlich das
englische clock ‚Turmuhr’. Englisch hour, französisch heure
hat die alte Bedeutung von lateinisch hora bewahrt und bedeutet
‚Stunde’.
Stunde ist dagegen ein altes deutsches Wort und bezeichnete ursprünglich
allgemein einen ‚Zeitabschnitt’.
Die kleineren Zeiteinheiten Minute und
Sekunde bekamen ihre Namen aus dem Lateinischen: Minuta bedeutet
‚die verminderte (Einheit)’, secunda ‚die nächstfolgende (kleinere
Einheit)’.
Warum teilen wir den Tag in zweimal 12 Stunden und weiter in 60 Minuten und
Sekunden? Das heutige Dezimalsystem (1 m = 100 cm, 1 Euro = 100 Cent) ist
noch recht jung. Vor 1871 hatte 1 Gulden den Wert von 60 Kreuzern, 1 Fuß die
Länge von 12 Zoll. Dieses System war praktisch, weil sich 12 und 60 durch
viele Zahlen teilen lassen. Man konnte also wie bei der „Dünni-Berg-Uhr“
Zwischenwerte gut mit Brüchen angeben. „Sechs ein halb Fuß kosten zwei ein
Viertel Gulden“. Dezimalbrüche („6,5 Fuß kosten 2,25 Gulden“) gibt es zwar
seit etwa 400 Jahren, Sie wurden aber im täglichen Leben kaum gebraucht. |
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